Philipp Gurt führt im neuen Krimi «Graubündner Höllental» seine Reihe um den Landjäger Caminada fort. Was Sie in dem Band erwartet und wo der Schweizer Autor am liebsten schreibt, erfahren Sie im exklusiven Interview.
Philipp Gurt hautnah
Interviewt von Ex Libris
15. Oktober 2026
Wenn Sie für einen Tag in die Schweiz der 1950er-Jahre reisen könnten: Was würden Sie als Erstes machen?
Ich würde durch Chur spazieren und in einer Gartenbeiz mit Blick auf die Strasse einkehren.
Ihre Buchreihe um den Landjäger Caminada spielt im Chur der 1950er-Jahre. Was reizt Sie an dieser Epoche?
Meiner Meinung nach war das Leben näher am Menschen. Man redete mehr miteinander – ein Leben ohne all das Digitale. Ich habe Sehnsucht nach dieser Zeit, weil ich glaube, dass sie viel mehr Raum für das Menschsein liess.
Was erwartet uns im neuen Band «Graubündner Höllental»?
Es ist ein spannungsgeladener, historisch korrekter Kriminalroman, der neben all dem Düsteren auch Platz für Sehnsucht, Nähe und Liebe bietet. Das Buch wirft Fragen des Lebens auf, beleuchtet menschliche Schicksale und hinterfragt, was einen Menschen letztlich böse macht und was ihn lieben lässt. Und wieder beschreibe ich die Menschen von damals und gebe einen Einblick in die damaligen Wertvorstellungen.
Im Buch treffen Realität und lokale Legenden aufeinander. Was hat Ihnen dabei am meisten Spass gemacht?
Die Mischung.
Was haben Sie Neues bei Ihren Recherchen gelernt, das Sie überrascht hat?
So gesehen nichts. Aber jedes Mal staune ich darüber, mit welcher Gelassenheit früher gereist wurde. Eine Autofahrt von Chur nach Zürich führte durch jedes Dorf und dauerte Stunden. Ausserdem waren die Menschen viel mehr zu Fuss oder mit dem Fahrrad unterwegs. Kurzum: Obwohl sie bescheidener lebten, fehlte ihnen weniger als uns heute.
Wissen Sie schon, ob es ein weiteres Buch in dieser Reihe geben wird?
Ja.
Wo schreiben Sie am liebsten, und gibt es ein Ritual, das Sie in Schreiblaune bringt?
Ich kann überall schreiben. Einmal bin ich zum Schreiben hoch an den Waldrand gefahren, von wo aus ich eine Aussicht auf Chur hatte. Danach habe ich festgestellt, dass ich von der Aussicht rein gar nichts mitbekommen hatte. Am liebsten schreibe ich aber einfach an der frischen Luft.
Welche Krimi-Klischees können Sie nicht mehr sehen?
Wenn der Gärtner der Mörder ist. 😊
Was ist Ihr liebstes Ausflugsziel?
Ich lebe im Paradies, in Graubünden. Das ist eine Frage, die ich kaum beantworten kann. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, wäre es die Fuorcla Surlej im Oberengadin.
Welches Gericht oder Getränk fühlt sich für Sie nach Heimat an?
Pizokels mit gebratenen Zwiebeln und viel Käse, dazu eine Apfelschorle.
Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?
«Die Wand» von Marlen Haushofer. Ich habe das Buch bereits zum dritten Mal gelesen.
Worauf freuen Sie sich als Nächstes?
Auf meine Buchpremiere im November in Chur – und auf meine Leserinnen und Leser.