

Beschreibung
Der literarische Blick in unsere Parallelgesellschaft ein Debüt, wie es zeitgemäßer nicht sein kann Hanna hat ihr Leben im Griff. Sie weiß, was gut und was schlecht ist, woran sie glaubt und woran nicht. Dann trifft sie Tamer, den Macho, den Deutschen arabisch...Der literarische Blick in unsere Parallelgesellschaft ein Debüt, wie es zeitgemäßer nicht sein kann Hanna hat ihr Leben im Griff. Sie weiß, was gut und was schlecht ist, woran sie glaubt und woran nicht. Dann trifft sie Tamer, den Macho, den Deutschen arabischer Herkunft. Er öffnet ihr die Tür in eine Welt, die Hannas Gewissheiten erschüttert. Hanna ist eine junge, behütet aufgewachsene Frau aus liberalen Kreisen, in denen Toleranz zum guten Ton gehört. Sie hat einen guten Job und lebt ein Leben voller Gewissheiten. Als sie Tamer trifft, den irritierend-faszinierenden arabischen Macho mit der Goldkette, den markigen Sprüchen und den ganz anderen Wahrheiten, muss Hanna sich plötzlich fragen: Was ist Heimat, was Glauben, was Freundschaft? Und wen rufe ich an, wenn meine Welt zusammenbricht? Sophie Albers Roman ist der sprachlich beeindruckende Bericht aus einer Welt, die immer wieder für hitzige Debatten sorgt. Umso wohltuender ist Albers unaufgeregte Stimme, mit der sie Hanna auf ihrer Reise in dieses fremde, verführerische, abstoßende "Wunderland" begleitet. Ohne zu werten gelingt der Autorin so ein beeindruckendes Stück Literatur.
Autorentext
Sophie Albers wurde 1970 in Hamburg geboren. Sie hat Film, Geschichte und Literatur studiert und danach als Journalistin bei verschiedenen Magazinen gearbeitet. Seit 2008 ist sie Kultur-Redakteurin bei stern.de. Sie lebt in Berlin. "Wunderland" ist ihr erster Roman.
Klappentext
Der literarische Blick in unsere Parallelgesellschaft - ein Debüt, wie es zeitgemäßer nicht sein kann
Hanna hat ihr Leben im Griff. Sie weiß, was gut und was schlecht ist, woran sie glaubt und woran nicht. Dann trifft sie Tamer, den Macho, den Deutschen arabischer Herkunft. Er öffnet ihr die Tür in eine Welt, die Hannas Gewissheiten erschüttert.
Hanna ist eine junge, behütet aufgewachsene Frau aus liberalen Kreisen, in denen Toleranz zum guten Ton gehört. Sie hat einen guten Job und lebt ein Leben voller Gewissheiten. Als sie Tamer trifft, den irritierend-faszinierenden arabischen Macho mit der Goldkette, den markigen Sprüchen und den ganz anderen Wahrheiten, muss Hanna sich plötzlich fragen: Was ist Heimat, was Glauben, was Freundschaft? Und wen rufe ich an, wenn meine Welt zusammenbricht? Sophie Albers' Roman ist der sprachlich beeindruckende Bericht aus einer Welt, die immer wieder für hitzige Debatten sorgt. Umso wohltuender ist Albers' unaufgeregte Stimme, mit der sie Hanna auf ihrer Reise in dieses fremde, verführerische, abstoßende »Wunderland« begleitet. Ohne zu werten gelingt der Autorin so ein beeindruckendes Stück Literatur.
Leseprobe
Zuerst kommt die Schwüle, am Boden gehalten von dunklen Wolken, die wie ein Riegel vor dem Himmel liegen. Dann der Wind, und in der Ferne rollt Donner. "Hörst du das?", ruft ein Mädchen über den Innenhof, in dem es mit einem Mal hallt, als wäre er mit Metall ausgekleidet. Der Regen kommt so plötzlich und heftig, dass man sich beeilen muss, die Fenster zu schließen. Schon fallen Hagelkörner auf die Simse, knallen hart aufs Blech und springen in alle Richtungen davon. Wie eine Wand steht das Element Wasser in verschiedenen Zuständen auf der anderen Seite des Glases, verwischt die Übergänge, wäscht den Kontrast aus. Das einzige Geräusch, das durch das mächtige Rauschen dringt, ist das Aufprallen der Eisklumpen. Langsam lässt der Druck nach. So als würde das Wasser weicher werden. Autos, die stehen geblieben sind, ziehen weiter. Die niedergedrückten Büsche heben sich, scheinbar mühsam. Es ist fast still, bis auf das Klopfen vereinzelter Tropfen an der Scheibe. Irgendwo gluckst eine Regenrinne. Der erste Blitzschlag durchfährt Himmel und Auge wie ein unerwarteter Schnappschuss. Bis sieben kann man zählen, dann lässt der Donner die Fenster vibrieren. Das Gewitter ist noch nicht einmal hier. Als der Polizist sich eine Zigarette zwischen die Lippen klemmt, weiß ich, dass Tamer tot ist. Das "Rauchen verboten"-Schild an der Wand in seinem Rücken glänzt neu. Es scheint seit langer Zeit das einzig Neue hier zu sein. Ich starre auf den Tabak ohne Glut, das Objekt ohne Sinn und fange an zu lachen. Ich lache den Mann aus. Ihn, seinen Schreibtisch, sein Telefon, den Stuhl, auf dem er sitzt, das Büro, in dem er seine Tage verbringt, die Behörde, für die er arbeitet, die Stadt, die ihn bezahlt, das Land, in dem er lebt. Mit all meiner Kraft lache ich ein hartes Lachen. Ein Lachen, das Fäuste hat, vielleicht auch ein Messer, ein Lachen, das in einem schmerzhaft leeren Brustkorb hallt. Ich kämpfe. In meinem Kopf vermischen sich halbe Sätze mit Bildern, wie aus der Zeitung gerissen, wie vor dem Ende weitergezappt, hineingeworfen in einen Strudel. Das Wort "al-Qaida" taucht auf, zweimal schwimmt es auf der Wortsuppe oben. Ich schäme mich. "Was würdest du sagen, wenn dir einer erzählt, wie toll es ist, für den Dschihad zu sterben, Tamer?" "Ganz ehrlich?! Ich würde sagen, such dir 'nen anderen." "Und warum?" "Ich würd mich doch nicht in die Luft sprengen, Alter. Hallo? Mir geht's doch super hier." Mein Lachen hat nur geblufft. Es ist unbewaffnet. Ich bin ganz allein mit einem Gegner, der mich längst am Boden hat. Ich lache an gegen den Druck in meinem Hals, der langsam nach oben wandert, von dem ich weiß, dass er mich weinen machen wird, wenn er im Kopf ankommt. Verdammt, ich will nicht weinen. Ich bin in meinem Leben bisher gut ohne ausgekommen. Es hat ihn zerrissen bei 200 Stundenkilometern, in einem fabrikneuen schwarzen 5er-BMW. Warum er auf gerader Strecke den Brückenpfeiler erwischt habe, wisse man bisher nicht, sagt der Polizist, die ungenutzte Zigarette in einer kleinen Hand. Aber die Spurensicherung arbeite ja auch noch daran. Es fällt mir schwer, ihn anzusehen, wie er mit hängenden Schultern dasitzt. Sein blondes, dünnes Haar erinnert mich an schwarze, kurz geschnittene Locken, die helle Haut an dunkle, die blassgrauen Augen an braune, der bange Blick an einen herrischen. Ich bin froh, dass er die meiste Zeit die Unterlagen studiert, die Quelle des bisschen Selbstsicherheit, das der ganze Mann zu besitzen scheint. "Hast du jemals ein Motorrad gehabt? "Nein, damit würde ich mich umbringen. Du weißt doch, wie ich fahre." "Ihre Nummer war eine der letzten Verbindungen auf Herrn Al-Mansis Mobiltelefon", sagt der ängstliche Bulle, der sich wegen eines beschissenen Plastikschilds nicht traut, seine Zigarette anzuzünden, die er stattdessen zwischen kleinen Händen und schmalen Lippen hin und her reicht.