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LippenBallett

  • Fester Einband
  • 128 Seiten
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Aufgewachsen bin ich weltabgewandt hinter den Hügeln im winzigen Dorf. Da war die Zeit stehen geblieben, das war ein autarke... Weiterlesen
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Beschreibung

Autorentext

Aufgewachsen bin ich weltabgewandt hinter den Hügeln im winzigen Dorf. Da war die Zeit stehen geblieben, das war ein autarker, selbstgenügsamer Kosmos. Lebensmittelpunkt meiner Kinderjahre: Der Laden meiner Großmutter. Auf knapp 20 m² wurde hier feilgeboten, was gut und nützlich war - Wurst, Käse, Brot, Mehl, Reis, Nudeln, Zucker, Kaffee; Bonbons, Schokolade, Pralinen; Geschirr, Wolle, Nähnadeln, dunkelblaue Schreibhefte, Zopfbänder, Seife, Handtücher, Gummilitze, Kämme und vieles mehr. Kundschaft erschien zu jeder Tages- und Nachtzeit nach Belieben, nach Bedarf. Wer einkaufte, hatte meist auch etwas zu erzählen. Als ich vier oder fünf Jahre alt war, wurde mir die Welt der Buchstaben und Zahlen bewusst. Alles, was wir verkauften, wurde "ausgezeichnet", das heißt, der Name jeder Ware und ihr Preis wurde auf einem kleinen Schild notiert. Manche Kundinnen hatten sich auf einem Zettelchen notiert, was sie brauchten. Meine Oma, meine Mutter wiederum rechneten auf einem anderen Zettelchen aus, wieviel die Kundin ihnen schuldig war. Es empörte mich, dass ich ausgeschlossen war aus der Welt so wundersamer Zeichen. Ich erbettelte mir ein blaues Heft und einen Bleistift, stellte Fragen, malte, kritzelte, übte. Lange bevor ich eingeschult wurde, konnte ich lesen und in Druckbuchstaben schreiben. Bücher hatte ich nicht zur Verfügung, also las ich, was es nur irgend zu lesen gab im Laden, und notierte hinten in meinem Heft Worte, die mir besonders gefielen, und auch Worte, die es gar nicht gab, die ich erfunden hatte mit Sang und Klang. Und - ja, so ist es eigentlich noch immer. Die Welt ist ein unerschöpfliches Lesebuch, jeder Mensch ein Geschichtenerzähler; und ich habe immer, immer Papier und einen Stift dabei, denn wenn mir Worte begegnen, die mir besonders gut gefallen, will ich sie rasch aufschreiben können. Die kleinste, unspektakulärste Wahrnehmung, das leiseste, schüchternste Wort kann der Kern eines Gedichtes, einer Geschichte sein.



Klappentext

Leser- Kritik: »Geschätzter Verleger, Sie haben einen großen Dichter unter all diesen im Verlag Rote Zahlen versammelten Klugen, Humorigen, Querköpfigen und Unzeit­gemäßen: Einen Shakespeare haben Sie entdeckt und aufgetan - ich muss es unumwunden eingestehen. Es ist Ingeborg Endres-Häusler.« (J. M.) Der Herausgeber: "Die Gedichte von Ingeborg Endres-Häusler bescherten mir beim aller­ersten Lesen manch heftiges Déjà-vu, jenes reali­tätserschütternde Gefühl des Wiedererkennens, das mich schon oft bei Kunstwerken, die ich in Wahrheit nie zuvor er­blickt hatte, geistig und körperlich an­fasste. Adorno nennt diese Empfindung »Schauer«, bei Benjamin heißt sie »Aura«, bei Hegel »das sinnliche Scheinen der Idee«. Dieses Gefühl des Wiedererkennens speist sich aus derselben Quelle wie der coup de foudre in der Liebe. »Da bist Du ja end­lich!«, denkt der Getrof­fene - und hat doch eine Sekunde vor der Begegnung noch nicht einmal geahnt, wer oder was ihm da in seinem Leben fehlte. Menschen, die zum ersten Mal am Meer stehen, empfinden Ähnliches. Alles ist berauschend neu, nie gesehen, nie gehört, nie gefühlt, nie gerochen, nie solche Luft geschmeckt. Und dennoch ist ihnen alles tief vertraut. Weil jeder von uns das Meer in sich trägt. Verstörend, dieses Wiedererkennen. Bei der Betrachtung des Gesamtwerks fragt man sich dann: Was kann die­se Autorin eigentlich nicht? Selbst das scheinbar beiläufig Hinge­tupfte ent­ziffert sich bei näherem Hinsehen als abgrundtief-unauslot­bares Kunst-Werk. Kongenial begleiten MICHAELA FRIEDRICHS Bilder die Texte. Nicht kom­mentierend oder die Sujets platt verdoppelnd, viel­mehr im Sinne einer atmosphärischen Schwesternschaft. Je­des einzelne Werk kann auch als Solitär bestehen. Gemeinsam aber erzeugen Text und Grafik eine so starke sensuelle Dichte, dass der ungreifbare, magische Sog der Lyrik beinahe anfass­bar wird."

Produktinformationen

Titel: LippenBallett
Untertitel: Gedichte & poetische Prosa
Autor:
EAN: 9783944643328
ISBN: 978-3-944643-32-8
Format: Fester Einband
Herausgeber: Verlag Rote Zahlen
Genre: Lyrik & Dramatik
Anzahl Seiten: 128
Gewicht: 436g
Größe: H216mm x B215mm x T13mm
Jahr: 2014