

Beschreibung
Heitere Tage, mondhelle Nächte, frische Meeresbrisen. Doch was tun, wenn keiner da ist, um all das gebührend zu würdigen? Das Ehepaar Brasen betreibt ohne großen Zuspruch ein Hotel an der Ostküste Jütlands. Erst eine Zeitungsannonce bringt den Umschwung. Die S...Heitere Tage, mondhelle Nächte, frische Meeresbrisen. Doch was tun, wenn keiner da ist, um all das gebührend zu würdigen? Das Ehepaar Brasen betreibt ohne großen Zuspruch ein Hotel an der Ostküste Jütlands. Erst eine Zeitungsannonce bringt den Umschwung. Die Sommerfrischler strömen nur so herbei, und die Nöte der Brasens sind plötzlich ganz andere.
Bündigkeit und Prägnanz, mit der Herman Bang seine Figuren entwickelt, sind unübertroffen. Kein Wort zuviel, kein ornamentales Beiwerk, keinerlei atmosphärische Wattierung, dafür liebevoll skizzierte Details, die sich unversehens zu einem Ganzen runden. Szene um Szene, scheinbar beiläufig, entsteht das Bild einer Epoche. Eine sonnenhungrige Gesellschaft etwa, wenn sie wie ein Heuschreckenschwarm im Hotel einfällt und im Handumdrehen aller Beschaulichkeit den Garaus macht, steht beispielhaft für die Geburt des Tourismus aus dem Geiste des Geschäftssinns. Neben der titelgebenden Geschichte enthält unser Band zwei weitere Meisterwerke des dänischen Cechov . In Die Raben hat sich eine vielköpfige Schar versammelt, hinter deren Familiensinn der pure Eigennutz lauert. Fräulein Caja schließlich führt uns in die Welt eines Pensionats, wo oberflächliches Geschwätz verhindert, daß zwei Liebende zueinanderfinden.
Bang versteht sich meisterlich auf präzise Milieustudien. Bei ihm hat es stets etwas Anrührendes zu sehen, wie ungelenk die Menschen versuchen, einen Zipfel von dem zu erhaschen, was sie für Glück halten.
Autorentext
Herman Bang (1857-1912), als Pfarrerssohn in der dänischen Provinz aufgewachsen, versuchte sich als Schauspieler, Regisseur und Feuilletonist, ehe er sich ganz der Literatur zuwandte. Reisen führten ihn durch ganz Europa. Bang gilt als Vollender der impressionistischen Erzählkunst, stilistisch wie thematisch gehört er zur künstlerischen Avantgarde seiner Zeit.
Klappentext
Heitere Tage, mondhelle Nächte, frische Meeresbrisen. Doch was tun, wenn keiner da ist, um all das gebührend zu würdigen? Das Ehepaar Brasen betreibt ohne großen Zuspruch ein Hotel an der Ostküste Jütlands. Erst eine Zeitungsannonce bringt den Umschwung. Die Sommerfrischler strömen nur so herbei, und die Nöte der Brasens sind plötzlich ganz andere.
Bündigkeit und Prägnanz, mit der Herman Bang seine Figuren entwickelt, sind unübertroffen. Kein Wort zuviel, kein ornamentales Beiwerk, keinerlei atmosphärische Wattierung, dafür liebevoll skizzierte Details, die sich unversehens zu einem Ganzen runden. Szene um Szene, scheinbar beiläufig, entsteht das Bild einer Epoche. Eine sonnenhungrige Gesellschaft etwa, wenn sie wie ein Heuschreckenschwarm im Hotel einfällt und im Handumdrehen aller Beschaulichkeit den Garaus macht, steht beispielhaft für die Geburt des Tourismus aus dem Geiste des Geschäftssinns. Neben der titelgebenden Geschichte enthält unser Band zwei weitere Meisterwerke des "dänischen Cechov". In "Die Raben" hat sich eine vielköpfige Schar versammelt, hinter deren Familiensinn der pure Eigennutz lauert. "Fräulein Caja" schließlich führt uns in die Welt eines Pensionats, wo oberflächliches Geschwätz verhindert, daß zwei Liebende zueinanderfinden.
Bang versteht sich meisterlich auf präzise Milieustudien. Bei ihm hat es stets etwas Anrührendes zu sehen, wie ungelenk die Menschen versuchen, einen Zipfel von dem zu erhaschen, was sie für Glück halten.
Zusammenfassung
"Bangs Modernität: eine kühle Kunst des Gleichmuts und der Wehmut." (Die Zeit)
Leseprobe
La vie est bien triste - rions enfin.
Frau Brasen wollte das Haus trotzdem inspizieren. Es konnten ja jederzeit Sommergäste kommen, man wußte nie, heute, zum Essen, mit dem Wagen. Und fertig wurde man wahrhaftig nie, das eine oder andere gab es immer, wenn man sich auf die Mädchen und Brasen verlassen mußte. Gestern waren es die Vorhänge, die da hingen und deren Säume nur lose angenäht waren.
Frau Brasen stand von ihrem Holzstuhl am Küchentisch auf - der Stuhl war etwas wacklig -und sah sich die geschmierten Brote an: Ja, was rausging, das wußte man, und zwar täglich. Was reinkam in diesem Geschäft, das ging drauf, wie auch Brasen sagte.
Frau Brasen blieb vor den Butterbroten des Personals stehen: Und man streicht sie doch, so gut man kann.
Frau Brasen seufzte - sie waren dünn bestrichen: "Aber man hält ja durch, bis zuletzt", sagte sie.
Frau Brasen ging durch die Küche und öffnete die Durchreiche in der Tür zur Gaststube: "Bist du da, Brasen?" fragte sie.
"Ja, Jansine", sagte Brasen.
"Gut", sagte die Frau, die zum Mann hineinsah, der in seiner Einsamkeit neben seinem Tresen saß und auf seine eigenen kurzen Beine hinabschaute.
"Dann paß du auf die Kasse auf", sagte sie und schloß die Durchreiche.
Der "Kasse" galten Frau Brasens Gedanken von früh bis spät, denn die "Knächte" stibitzten, was sie nur konnten, einer wie der andere. Die "Knächte" waren die Kellner, und die "Kasse" war eine offene Schublade im Tresen.
Sie hatten aber auch wirklich immer Pech mit ihnen, und bekam man einmal einen anständigen Mann, dann blieb er nicht - so war es.
Frau Brasen ging über den Hof und durch das Tor, wo Fuhrknecht Nielsen fegte.
Nielsen war bei der Artillerie gewesen, trug die Mütze im Nacken und rauchte zu all seinen Verrichtungen Zigarre.
Frau Brasen wünschte "guten Morgen", und Nielsen nickte zurück, während er hinter der Wirtin, die das Kopfsteinpflaster der Straße betrat, eine Staubwolke auffegte.
Die Schatten der Häuser zeichneten sich in gewohnter Schärfe ab; sie kamen und wurden länger und verschwanden, immer in der gleichen Weise. Es war, als benötige man in diesem Ort überhaupt keine Uhr, so pünktlich bewegten sich die Schatten.
Frau Brasen ging die Straße entlang. Die Ladentüren waren schon aufgeklappt, und die Gesellen warteten, an die Türrahmen gelehnt, mit überkreuzten Beinen. Frau Brasen - sie hatte einmal stattlich ausgesehen, mit einem solchen Leib, daß die Augen der Männer an ihr haften blieben - nickte jedem "guten Morgen" zu, während sie weiterging. Die Kommis rührten sich nicht. Frau Brasen war es, als ob die Augen, die ihr folgten, sich in ihren Rücken bohrten.
Es war nicht so ohne, wenn man überall Schulden hatte. Aber der Doktor war es, außer ihm, dem Kunstmaler, der das so gewollt und in Gang gesetzt hatte; und Brasen, er war ja leicht zu verführen; und die Leute im Ort, die sie bedrängt hatten; und jetzt konnten die sich brüsten, während Brasen, der Ärmste, in der Patsche saß, und Gott weiß, was das für Sommergäste waren, die in so einen kleinen Ort kamen, selbst jetzt, wo sie inseriert hatten ".
Das war es ja, was sie immer gesagt hatte, nur
Brasen, der wollte es so, doch sie kannte Brasen, daß er anfangs immer übermütig war und später nur dasaß ...
Frau Brasen erreichte den "Annex" und trat durch das Tor ein. Die Steine waren kantig, am Tor. Sie hob die Beine, um in den Flur zu gelangen, die alten Türschwellen waren hoch. Und sie warf einen prüfenden Blick in die leeren Zimmer, wo von allen Wänden die gleiche hellblaue Tapete leuchtete, gekauft auf der Auktion des Glasermeisters, als der im Februar Konkurs gemacht hatte.
Frau Brasen ging von Zimmer zu Zimmer.
Doch, jetzt war alles ordentlich.
Und sie ließ den Blick über Tische und Betten schweifen - es waren die dünnsten Eisenbeine, die jemals eine Bettstatt getragen hatten -, und sie zählte die Handtücher, die den Wänden entlang zwei und zwei an Haken hingen und Putzlapp
