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»Viel flaniert, gelesen, gesehen, gelebt«

  • Fester Einband
  • 252 Seiten
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Er kannte sie alle: ob exotische Tänzerinnen wie Josephine Baker, wahnsinnig gewordene Philosophen wie Friedrich Nietzsche, greise... Weiterlesen
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Beschreibung

Er kannte sie alle: ob exotische Tänzerinnen wie Josephine Baker, wahnsinnig gewordene Philosophen wie Friedrich Nietzsche, greise Monarchen wie Wilhelm I. oder die größten Künstler und Literaten seiner Zeit. Harry Graf Kessler, geboren vor 150 Jahren in Paris, war Kunstsammler, Mäzen, Publizist, Pazifist und Diplomat. Seine Tagebücher, die über ein halbes Jahrhundert abdecken, sind bedeutende Zeitzeugnisse, die nicht nur wertvolle Informationen für Kulturinteressierte enthalten, sondern wegen ihrer lebendigen Darstellung jener Epoche vom Kaiserreich bis zum Nationalsozialismus ein purer Lesegenuss sind. Kessler war ein Networker der ersten Stunde, ein "Gesellschaftskünstler" und "Menschensammler", wie es vor ihm wohl keinen gegeben hat. Dabei stets auch ein Freund und Förderer jener, deren Ausnahmetalent er als Erster erkannte oder die weniger begünstigt waren als er selbst. In seiner opulent illustrierten Biographie zeichnet der Kunst- und Literaturkenner Hans-Dieter Mück das faszinierende Bild eines Weltmannes und Homme de lettres par excellence auf eindrückliche Weise nach.

Autorentext
Hans-Dieter Mück wurde 1947 in Stuttgart geboren, wo er von 1969 bis 1975 Germanistik, Anglistik, Kunstgeschichte und Philosophie studierte (Promotion 1979). Nach Stationen als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Literaturarchiv in Marbach/Neckar, Leiter der städtischen Galerie in Böblingen ist er seit 1989 freiberuflich als Ausstellungskurator im In- und Ausland tätig. Der Gründer und Vorsitzende der Otto Mueller-Gesellschaft e.V. (Weimar) veröffentlichte zahlreiche Monographien und Bücher in den Bereichen Kunst und Literatur. In der Weimarer Verlagsgesellschaft erschienen zuletzt: Künstler in Weimars Kunstschule 1860-1919 (2018) und Max Ackermann 1887 1975: Leben und Werk 1887 1912 (2017).

Leseprobe
Um in diese Zukunft schreiten zu können, mußte Harry Graf Kessler in den kommenden Wochen am Schreibtisch, nicht mehr in der Stammkneipe der Canitzer, pauken. Denn: Nach seiner Exmatrikulation (am 11. Sept. 1891) _ und der Erkenntnis, daß sein Studium in Bonn und in Leipzig (3. Nov. 1888 bis 11. Sept. 1891) »eine glückliche und gesegnete Zeit für ihn gewesen ist, [obwohl] sozial und namentlich geistig solche Veränderungen mit ihm vorgegangen sind, daß er kaum noch derselbe Mensch ist« (Tgb. 11. Sept. 1891) _ waren mit dem ersten juristischen Staatsexamen und mit der mündlichen Promotion zwei wichtige Abschlußprüfungen von ihm zu bewältigen. Mitte September 1891 reiste Harry Graf Kessler nach Kassel, um sich bei Max Eccius (1835- 1918), dem Präsidenten des Oberlandesgerichtes der preußischen Provinz Hessen-Nassau, zur preußischen Staatsexamensprüfung anzumelden. Von Ende September bis 3. November 1891 verfaßte er seine Referendararbeit _ mit einer kurzen Unterbrechung Anfang Oktober anläßlich der Silbernen Hochzeit seiner Eltern in Paris (die jetzt im Haus Nr 19 des Boulevards Montmorency wohnten). Am 20. November 1891 legte er in Kassel mit »drei anderen Unglücklichen« (Tgb.) sein erstes juristisches Staatsexamen mit »gutem« Erfolg ab. Zwei Wochen später, am 5. Dezember 1891, bestand er an der Universität Leipzig seine mündliche Promotion, das Rigorosum, mit der Note »magna cum laude« _ und besprach am 8. Dezember mit seinem Doktorvater Adolf Wach (s.o.) die noch zu schreibende Dissertation über das Thema Die geschichtliche Entwicklung des modernen Hochverratsbegriffs (die allerdings _ wegen seiner Weltreise [Kap. IV] und seines Einjährig- Freiwilligen-Dienstes in Potsdam [Kap. V]_ erst am 3. Dez. 1893 »endgültig beendet« und am 28. Jan. 1894 von seinen ehemaligen Professoren Adolf Wach und Karl Binding mit »magna cum laude« benotet wurde) NB: Trotz dieses Prüfungsmarathons fand er aber noch Zeit, sich vom »Monsterfeuerwerk« von Nietzsches Geist benebeln zu lassen. Die Lektüre von Téodor de Wyzewas Artikel (in der Revue Bleue vom 7. Nov. 1891) über Frédéric Nietsche [sic!], le dernier métaphysicien verschaffte dem Nietzscheaner Kessler erstmals eine »Vorstellung von der Person [dieses] Mannes von hohem Wuchs [Abb. 68 und 64], mit langen mageren Armen und einem mächtigen runden Kopf [mit] tiefschwarzem Schnurrbart« (Kessler nach Wyzewsky in GuZ) _ und von der »Seelengeschichte eines Genies, das [als geistig vornehmer aber nervös zerrütteter Mensch] in seltenem Maasse an den gewaltigen moralischen Kämpfen seiner Zeit gelitten hat.« (Tgb. 13. Jan. 1894) Es ist nachvollziehbar, daß Harry Graf Kessler gerade nach seinen an der Universität Leipzig gewonnenen »ganz neuen Einsichten in die Geschichte und Entwicklung von Recht und Kultur, von Staat und Geist« (CV), innere Kämpfe hinsichtlich seiner beruflichen Zukunft in der für ihn fragwürdigen wilhelminischen Gesellschaft auszufechten hatte. Um sich nach den beiden bestandenen Abschlußprüfungen die Türen für eine diplomatische Laufbahn oder eine juristische Karriere oder für den höheren Verwaltungsdienst offen zu halten, kümmerte er sich im Dezember 1891 um das für examinierte Jurastudenten obligatorische Referendariat im Justizdienst. Weil das Kammergericht in Berlin sein Gesuch abwies, Referendar des Oberlandesgerichtes der preußischen Provinz Brandenburg zu werden, wurde er nochmals (s.o.) beim Oberlandesgerichtspräsidenten Max Eccius in Kassel vorstellig, von dem er am 19. Dezember 1891 die »Ernennung zum Referendar im königl. Preussischen Justizdienst« (Tgb.) ausgehändigt bekam.

Produktinformationen

Titel: »Viel flaniert, gelesen, gesehen, gelebt«
Untertitel: Harry Graf Kessler - Die Biografie | Band I // 1868 - 1898
Editor:
Autor:
EAN: 9783737402682
ISBN: 978-3-7374-0268-2
Format: Fester Einband
Herausgeber: Weimarer Verlagsgesellschaft
Anzahl Seiten: 252
Gewicht: g
Größe: H250mm x B205mm
Veröffentlichung: 20.02.2020
Jahr: 2020
Auflage: 1. Auflage
Land: DE