

Beschreibung
Gisela Kirschstein, Gesellschafts- und Wein-Journalistin aus Begeisterung, hat für die »Frankfurter Neue Presse« über mehrere Jahre hinweg eigensinnige Frauen besucht und portraitiert. Daraus ist eine Sammlung von außergewöhnlichen Persönlichkeiten in besonder...Gisela Kirschstein, Gesellschafts- und Wein-Journalistin aus Begeisterung, hat für die »Frankfurter Neue Presse« über mehrere Jahre hinweg eigensinnige Frauen besucht und portraitiert. Daraus ist eine Sammlung von außergewöhnlichen Persönlichkeiten in besonderen Berufen geworden. Sie sind Fluglotsin oder Weinkönigin, sie führen eine Strafvollzugsanstalt oder eine Abtei der Benediktinerinnen, sie wirken als Chefvolkswirtin einer Bank oder als Chefin eines Bauunternehmens, sie gründeten ein Frauenmuseum oder eine der umwerfendsten Eisdielen des Landes, sie leiten eine Hochschule als Rektorin oder die Forschungsabteiliung des Deutschen Wetterdienstes, arbeiten als Mode-Designerin oder Kinderärtzin, steuern die Nerobergbahn oder einen Teil von Verdi, glänzen als Weinkönigin oder als letzte Wegbegleiterin krebskranker Kinder, sie sind gesellschaftlich so engagiert wie unentbehrlich. Gisela Kirschstein hat eine Neugierde weckende Mischung aus sehr persönlichem Zugang zu all diesen außergewöhnlichen Persönlichkeiten einerseits und andererseits der Hervorhebung von gesellschaftlichem Engagement zuwege gebracht. Die Perspektive von gesellschaftlich höchst wirkungsreichen Frauen ins politische, wirtschaftliche und insgesamt breite öffentliche Bewußtsein zu rücken, ist erklärtes Ziel von Gisela Kirschstein. Und wenn gleich drei der Portraitierten Winzerinnen geworden sind, dann geht auch das Übergewicht dieser einen Profession im Buch ganz schlicht auf ihren dezidiert persönlichen Zugang bei all ihren Reportagen und Texten zurückzuführen in dem Falle auf ihre Liebe zum Wein.
Autorentext
Gisela Kirschstein ist in Bonn geboren, seit 1990 lebt sie in Mainz der Rhein, der Wein, das Lebensgefühl in Mainz sind ihr Zuhause geworden. Im Hauptberuf arbeitet sie als politische Korrespondentin für die Frankfurter Neue Presse, die Rhein-Zeitung, den Öffentlichen Anzeiger Bad Kreuznach und die Rheinpfalz und gehört der Landespressekonferenz an. Ihr Herz gehört der Vielfalt: Für das landespolitische Magazin Zur Sache RP des SWR drehte sie Filme, war lange Korrespondentin für Welt und Welt am Sonntag. 2014 gründete sie die Internetzeitung Mainz&, die aus Mainz und für Mainz berichtet (siehe www.mainzund.de). Seit 2016 ist sie die offizielle Bloggerin der Great Wine Capital Mainz. Vor dem Journalismus studierte sie englische und amerikanische Literatur und Geschichte, ihre Magisterarbeit widmete sie der Identität in Afro-Amerikanischer Frauenliteratur und so sind auch ihre Übersetzungen zu den Gedichtauszügen der Seiten 4, 13/14 und 190 dieses Buches entstanden.
Leseprobe
Dieses Buch begann mit einem Anruf, 30 Interviews und einem Wunsch: Frauen sichtbar zu machen. Wir möchten gerne eine Serie über Frauenpersönlichkeiten in Hessen starten, lautete der Anruf. Er kam von der Frankfurter Neuen Presse, für die ich seit 2013 als freie Korrespondentin tätig bin, meist im Bereich Politik, oft auch mit freien Reportagen aus Gesellschaft, Wissenschaft und Wein. Und wer immer dort in der Redaktion die Idee zur Serie hatte: er traf einen Nerv. In meinem Studium der Englischen Literatur und der Geschichte begegneten sie mir in den Tiefen der Lyrik und der Jahrhunderte: Adrienne Rich und Virginia Woolf, Rosa Parks, Simone de Beauvoir und Sophie Scholl. Heldinnen der Geschichte. Schriftstellerinnen, die über Sex und Gender schrieben, über Frauenrechte, Diskriminierung und den alltäglichen Sexismus. Mit Alice Walker und Michelle Cliff entdeckte ich Jahrtausende alte Frauenherrscherinnen in Afrika und Piratinnen in der Karibik. Ich stellte fest, dass Frauen Generäle waren und Entdeckerinnen, und dass es oft eine männliche Geschichtsschreibung ist, die den Anteil der weiblichen Gestalter der Historie schlicht unterschlägt: The Winner names the Age. Mit Maya Angelou und Toni Morrison fand ich Autorinnen, die Frauen ihre Stimme zurückgaben, sie sichtbar machten sie in die Geschichte zurückholten. Frauen wie Marie Juchacz, Clara Zetkin oder Elisabeth Selbert kannte ich nicht. In meinem Studium kamen sie schlicht nicht vor, sie waren Teil keiner Heldengeschichte, keines Mythos. Dabei sind sie es und viele andere , die ein fundamentales Recht erstritten: Vor genau 100 Jahren, am 30. November 1918 wurde in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt. Endlich hatten Frauen eine Stimme im politischen Raum, mussten gehört werden das Wahlrecht veränderte einfach alles. Am 19. Februar 1919 sprach die Sozialdemokratin Marie Juchacz als erste Frau in der Weimarer Nationalversammlung. Und die Juristin Elisabeth Selbert, eine Mutter des Grundgesetzes, setzte den Satz durch: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Mir hatte man immer nur von den Vätern des Grundgesetzes erzählt. Geschichte wurde von Männern gemacht, Wissenschaft und Politik sowieso. Der Anruf im Frühjahr 2017 kam deshalb wie ein Geschenk: Spannende Frauen aufspüren, ihren Lebensläufen nachspüren, ihre Geschichten erfahren und erzählen zu dürfen es war ein Privileg. Anderthalb Jahre lang bin ich kreuz und kreuz durch das Rhein-Main-Gebiet gefahren. Mir haben sich Türen geöffnet, die einem sonst verschlossen bleiben, vom Bankenhochhaus bis hin zur Privatwohnung, selbst die Deutsche Flugsicherung öffnete für mich ihr Allerheiligstes, ihre Kommandozentrale für Fluglotsen in Langen. Ich bekam Einblicke in Weinkeller und Standseilbahnen, es ging um Modenschauen und Meteorologie, um Salafismus in Deutschland und Schweizer Käse. Auf dem Rheinschiff und im Kuhstall diskutierten wir Gleichberechtigung und männliche Vorurteile, und wie frau ihren Mann steht selbst hinter Gefängnistüren. Noch wertvoller aber war der Blick in die Seelen: Mein tief empfundener Dank gilt all den Frauen, die mir Einblicke in ihre Leben gewährten, mich Biographien, Brüche und Träume sehen ließen. Die mit mir über Politik, Integration und Frauenrechte diskutierten und über die Frage, wo wir Frauen mit unseren Rechten im Jahr 2018 stehen. Die Antwort, könnte man sagen, fällt ernüchternd aus: Noch immer werden Frauen im Berufsleben benachteiligt, noch immer verdienen sie für den gleichen Job weniger Geld, noch immer müssen sie doppelt so hart arbeiten, wie Männer, um zum gleichen Ergebnis zu kommen. Die gläserne Decke in die Chefetagen ist kalt und stabil, und die häufige Nicht-Vereinbarkeit von Familie und Beruf macht es wahrlich nicht leichter. Und doch zeigen die Porträts in diesem Buch vor allem eines: Frauen lassen sich nicht aufhalten. Ich traf Ingenieurinnen und Wissenschaftlerinnen, Winzerinnen und Unternehmerinnen, Sängerinnen, eine Chefvolkswirtin und eine Nonne. Ich traf eine Türöffnerin vom Leben zum Tod und eine Lebenskünstlerin, die ihren Lebensabend damit verbringt, Gutes zu tun ohne Spendenquittung, ohne Verein, aus dem Herzen heraus. Viele dieser Frauen haben mehr Grenzen überwunden als nur örtliche. Allen Widrigkeiten zum Trotz realisieren sie Träume und Ziele, vereinbaren Kinder und Karrieren, werden selbst zu Vorbildern. Viele Frauen waren die ersten in ihrem Job oder arbeiten bis heute allein unter Männern. Powerfrauen sind sie auf ihre Art alle, starke Frauen, die sich nicht in Schubladen zwängen lassen, Frauen, die Mut machen. Es war ganz am Ende, bei meinem letzten Interview, als ich den Titel fand, der sie alle beschreibt. Es war ausgerechnet in einem Modeshop, einem Hort der Symbole für Eitelkeit und alle Vorurteile, mit denen Frauen so gerne abgewertet werden. Doch dieser Shop ist anders, hier zieht eine starke Frau mit Farbe und Ausdruck selbstbewusste Frauen an. Wir müssen zu unserem Körper stehen, sagte die Designerin Anja Gockel in unserem Gespräch, der Tempel unserer Seele ist nun einmal der Körper. Und ausgerechnet Anja Gockel verriet mir, dass sie ihren Kollektionen immer den Namen einer Frauenkämpferin gibt in diesem Herbst 2018 war das die schwarze Bürgerrechtlerin und Lyrikerin Maya Angelou. Ihr Gedicht Phänomenale Frauen stellt genau die Überschrift dar, welche a…