

Beschreibung
Als im Herbst 1930 im altehrwurdigen Zurcher Verlag Orell Fussli ein schmaler Gedichtband mit dem Titel «Lächeln auf dem Asphalt» erschien, war das Erstaunen vielerorts groß; hier hatte jemand keine Scheu, als Asphalt-Literat abgetan zu werden, sondern nahm da...Als im Herbst 1930 im altehrwurdigen Zurcher Verlag Orell Fussli ein schmaler Gedichtband mit dem Titel «Lächeln auf dem Asphalt» erschien, war das Erstaunen vielerorts groß; hier hatte jemand keine Scheu, als Asphalt-Literat abgetan zu werden, sondern nahm das Stichwort gleich in den Buchtitel auf nicht plakativ, sondern versonnen lächelnd. Seine Verse ließen den Themenkreis der Naturlyrik, der die Schweizer Dichtung bisher dominiert hatte, leichthin beiseite und sprachen auf einfache Art vom urbanen Alltagsleben, unprätentiös, ja spröde im Ton, zart in der Empfindung. Und der Band war eingefasst von einem Um schlag, der das kippende Luftbild einer Stadt mit der Silhouette eines jungen Mannes montierte. Der Graphiker, der das gestaltet hatte, hieß Max Bill. Dies war die Art, wie Albert Ehrismann mit 22 Jahren debutierte, und er erzielte einen Überraschungserfolg damit; eine zweite Auflage wurde gedruckt und der Zurcher Stadtrat sah sich veranlasst, einen Literaturfonds ins Leben zu rufen, um dem Dichter einen dreimonatigen Aufenthalt in Berlin zu ermöglichen. Wer glaubte, den Autor damit vereinnahmt zu haben, irrte jedoch. Als Ehrismann 1932 seiner militärischen Dienstpflicht nachkommen sollte, weigerte er sich und verwies auf seinen Pazifismus. Die Strafe folgte auf dem Fuß: acht Wochen Gefängnis, Ehrverlust, Auferlegung der Gerichtskosten. Hinter Gittern schrieb Ehrismann seinen zweiten Gedichtband: «Schiffern und Kapitänen». 1932 erschien er bei Oprecht mit Originalgraphiken von Eugen Fruh und typographischer Gestaltung von Max Bill, bis heute eine der schönsten Lyrik publikation der Schweiz. Ab diesem Markstein war klar: Ehrismann war der Erneuerer der Schweizer Lyrik auf ihrem Weg in die Moderne. Sein nächster Band folgte erst 1939: «Sterne von unten». Im gleichen Jahr entfesselte Hitler den 2. Weltkrieg. Das veränderte die Gewissenslage: Ehrismann wurde Soldat, leistete Aktivdienst und erlitt bei einer Übung eine schwere Verletzung. In seinem Schaffen zeigte er sich davon jedoch unberuhrt und entfaltete weiter seinen Stil: poetisch und humanistisch, engagiert und introvertiert, spielerisch und melacholisch. Aus diesem Werk hat Thomas Dutsch eine Auswahl getroffen, die etwas Besonderes wieder zugänglich macht.
Autorentext
Albert Ehrismann, geb. 1908 in Zurich, absolvierte eine Lehre als Buchhalter bei einer Zurcher Bank, ehe er 1930 mit seinem Gedichtband «Lächeln auf dem Asphalt» debutierte. Nach dem uberraschenden Erfolg dieses Erstlings entschied sich Ehrismann, als freischaffender Autor zu leben. Dabei blieb die Lyrik immer im Mittelpunkt seines Schaffens: Bis 1988 veröffentlichte er mehr als zwei Dutzend Gedichtbände. Zu seinen bekanntesten Werken gehören «Schiffern und Kapitänen» (1932), «Sterne von unten» (1939), «Das Stundenglas» (1948), «Nachricht von den Wollenwebern» (1964) und «Wetterhahn, altmodisch» (1968). Aber auch in anderen literarischen Gattungen war Ehrismann aktiv; in den 1930er Jahren schrieb er eine Zeitlang Texte fur das «Cabaret Cornichon», verfasste fur die Schweizer Landesausstellung 1939 das Buhnenwerk «Der neue Kolumbus» (mit Kurt Fruh) und war sich später nicht zu schade, Slogans fur Industrieunternehmen und soziale Einrichtungen zu kreieren. Satirische Zeitschriften wie den «Nebelspalter» bediente er regelmäßig mit kommentierenden Gedichten zum Zeitgeschehen, wobei er keinen Hehl daraus machte, dass sein Herz politisch links schlug. Seine Vielseitigkeit ermöglichte es Ehrismann, ausschließlich vom Schreiben zu leben, setzte ihn jedoch auch dem unzutreffenden Verdacht aus, kein Lyriker von originärem Rang zu sein. So blieb die Zahl der Auszeichnungen, mit denen er geehrt wurde, uberschaubar: 1940 erhielt er den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis, 1978 den Literaturpreis der Stadt Zurich. Albert Ehrismann starb 1998 in Zurich.
Klappentext
Als im Herbst 1930 im altehrwürdigen Zürcher Verlag Orell Füssli ein schmaler Gedichtband mit dem Titel 'Lächeln auf dem Asphalt' erschien, war das Erstaunen vielerorts groß; hier hatte jemand keine Scheu, als Asphalt-Literat abgetan zu werden, sondern nahm das Stichwort gleich in den Buchtitel auf - nicht plakativ, sondern versonnen lächelnd. Seine Verse ließen den Themenkreis der Naturlyrik, der die Schweizer Dichtung bisher dominiert hatte, leichthin beiseite und sprachen auf einfache Art vom urbanen Alltagsleben, unprätentiös, ja spröde im Ton, zart in der Empfindung. Und der Band war eingefasst von einem Um schlag, der das kippende Luftbild einer Stadt mit der Silhouette eines jungen Mannes montierte. Der Graphiker, der das gestaltet hatte, hieß Max Bill. Dies war die Art, wie Albert Ehrismann mit 22 Jahren debütierte, und er erzielte einen Überraschungserfolg damit; eine zweite Auflage wurde gedruckt und der Zürcher Stadtrat sah sich veranlasst, einen Literaturfonds ins Leben zu rufen, um dem Dichter einen dreimonatigen Aufenthalt in Berlin zu ermöglichen. Wer glaubte, den Autor damit vereinnahmt zu haben, irrte jedoch. Als Ehrismann 1932 seiner militärischen Dienstpflicht nachkommen sollte, weigerte er sich und verwies auf seinen Pazifismus. Die Strafe folgte auf dem Fuß: acht Wochen Gefängnis, Ehrverlust, Auferlegung der Gerichtskosten. Hinter Gittern schrieb Ehrismann seinen zweiten Gedichtband: 'Schiffern und Kapitänen'. 1932 erschien er bei Oprecht mit Originalgraphiken von Eugen Früh und typographischer Gestaltung von Max Bill, bis heute eine der schönsten Lyrik publikation der Schweiz. Ab diesem Markstein war klar: Ehrismann war der Erneuerer der Schweizer Lyrik auf ihrem Weg in die Moderne. Sein nächster Band folgte erst 1939: 'Sterne von unten'. Im gleichen Jahr entfesselte Hitler den 2. Weltkrieg. Das veränderte die Gewissenslage: Ehrismann wurde Soldat, leistete Aktivdienst und erlitt bei einer Übung eine schwere Verletzung. In seinem Schaffen zeigte er sich davon jedoch unberührt und entfaltete weiter seinen Stil: poetisch und humanistisch, engagiert und introvertiert, spielerisch und melacholisch. Aus diesem Werk hat Thomas Dütsch eine Auswahl getroffen, die etwas Besonderes wieder zugänglich macht.
Leseprobe
Unter der Lampe Ist einer schlaflos Zwischen zwei und vier, So steh er auf und wandere Zu mir. Auch ich bin wach. Der Stift in meiner Hand Formt die Geschichte eines Der nicht Ruhe fand. Vielleicht bist du das, Vielleicht bin es ich. Doch zwischen zwei und vier Erwart ich dich. Komm ungesäumt, Sonst kommst du wohl zu spät Ein Falter stirbt, Der in den Tag gerät. Stirb Lampe! Denn nun schlägt es vier. So ist denn keiner schlaflos Ausser mir ? Aus: «Lächeln auf dem Asphalt»