

Beschreibung
Der neue Roman der Bestsellerautorin Ayelet Gundar-Goshen inszeniert einen inneren Konflikt, der die Figuren und Lesenden gleichermaßen in seinen Bann zieht. Und sie schafft davon ausgehend ein packendes Psychodrama über Schuld und Rache, über die Flucht vor V...Der neue Roman der Bestsellerautorin
Ayelet Gundar-Goshen inszeniert einen inneren Konflikt, der die Figuren und Lesenden gleichermaßen in seinen Bann zieht. Und sie schafft davon ausgehend ein packendes Psychodrama über Schuld und Rache, über die Flucht vor Verantwortung und über Mitgefühl, das sich an unerwarteten Orten zeigt.
Naomi ist nicht begeistert, als sie sich allein mit ihrem einjährigen Sohn Uri und einem arabischen Handwerker in ihrer Wohnung in Tel Aviv wiederfindet. Ihr Mann Juval hat ihn mit der Renovierung ihres Balkons beauftragt, während er selbst bei der Arbeit ist. Sie fühlt sich unwohl in der Präsenz des fremden Mannes, zumal Uri eigentlich seinen Vormittagsschlaf halten sollte und allmählich quengelig wird. Während sie Kaffee zubereitet, entsteht plötzlich auf der Gasse vor dem Haus ein Aufruhr, ein Teenager ist von einem herabstürzenden Hammer erschlagen worden. Naomi wird schnell klar, dass ihr Sohn den Hammer in einem unbeaufsichtigten Moment vom Balkon gestoßen haben muss. Doch der Verdacht fällt nicht auf die israelische Familie, sondern auf den arabischen Arbeiter. Als er wenig später zum Verhör abgeführt wird, ist Naomi wie gelähmt, es gelingt ihr nicht, die Wahrheit zu sagen.
Eine Geschichte, die mit einer harmlosen Tasse Kaffee beginnt, wird zu einer gefährlichen Tour zwischen Stadt und Dorf, bei der keiner der Beteiligten so bleibt, wie er war.
»Ayelet Gundar-Goshen ist eine unbestechliche Beobachterin. Brillant und gnadenlos.« emotion, Juni 2025
Autorentext
Ayelet Gundar-Goshen, geboren 1982, studierte Psychologie in Tel Aviv, später Film und Drehbuch in Jerusalem. Für ihre Kurzgeschichten, Drehbücher und Kurzfilme wurde sie bereits vielfach ausgezeichnet. Ihrem ersten Roman Eine Nacht, Markowitz (2013) wurde der renommierte Sapir-Preis für das beste Debüt Israels verliehen. Für ihre Bestseller Löwen wecken (2015), Lügnerin (2017) sowie Wo der Wolf lauert (2021) sind Filmadaptionen in Planung. Zuletzt erschien bei Kein & Aber Ungebetene Gäste (2025). Ayelet Gundar-Goshen lebt in Tel Aviv.
Klappentext
Ayelet Gundar-Goshen inszeniert einen inneren Konflikt, der die Figuren und Lesenden gleichermaßen in seinen Bann zieht. Und sie schafft davon ausgehend ein packendes Psychodrama über Schuld und Rache, über die Flucht vor Verantwortung und über Mitgefühl, das sich an unerwarteten Orten zeigt.
Naomi ist nicht begeistert, als sie sich allein mit ihrem einjährigen Sohn Uri und einem arabischen Handwerker in ihrer Wohnung in Tel Aviv wiederfindet. Ihr Mann Juval hat ihn mit der Renovierung ihres Balkons beauftragt, während er selbst bei der Arbeit ist. Sie fühlt sich unwohl in der Präsenz des fremden Mannes, zumal Uri eigentlich seinen Vormittagsschlaf halten sollte und allmählich quengelig wird. Während sie Kaffee zubereitet, entsteht plötzlich auf der Gasse vor dem Haus ein Aufruhr, ein Teenager ist von einem herabstürzenden Hammer erschlagen worden. Naomi wird schnell klar, dass ihr Sohn den Hammer in einem unbeaufsichtigten Moment vom Balkon gestoßen haben muss. Doch der Verdacht fällt nicht auf die israelische Familie, sondern auf den arabischen Arbeiter. Als er wenig später zum Verhör abgeführt wird, ist Naomi wie gelähmt, es gelingt ihr nicht, die Wahrheit zu sagen.
Eine Geschichte, die mit einer harmlosen Tasse Kaffee beginnt, wird zu einer gefährlichen Tour zwischen Stadt und Dorf, bei der keiner der Beteiligten so bleibt, wie er war.
Leseprobe
GASTFREUNDSCHAFT
-1-
»Wie alt ist sie?«
Der Arbeiter steckte den Zeigefinger in das weiche Bäckchen des Kleinen, und Naomi unterdrückte den Impuls, ihm das Baby wegzureißen. »Es ist ein Junge. Er heißt Uri.« Und kurz darauf, als sie merkte, dass sie seine Frage nicht beantwortet hatte: »Er ist vierzehn Monate alt.«
Der Arbeiter nickte. Sie war nicht sicher, ob er das Gesagte verstanden hatte. In den anderthalb Stunden, seit sie aus der Grünanlage zurückgekommen war und ihn hier beim Streichen vorgefunden hatte, waren nur wenige Worte zwischen ihnen gefallen.
Aber der Mann hatte verstanden. »Schalom Uri«, sagte er, verhakte seine fleischigen Daumen und schwenkte die Hände wie Vogelflügel vor dem Gesicht ihres sichtlich faszinierten Sohns.
»Ich habe eine Tochter. Anderthalb. Sagt den ganzen Tag, will nicht.«
Naomi lächelte, verkrampfte sich jedoch innerlich. Jedes weitere Wort von ihm zeigte ihr nur, wie gut sein Hebräisch war. Dann hatte er sicher auch verstanden, was sie Juval am Telefon vorgeworfen hatte, als sie den Handwerker bei der Heimkehr vom Spielplatz in der Wohnung vorfand: »Wie kannst du einen arabischen Arbeiter in die Wohnung lassen, wenn ich mit Uri allein zu Hause bin.« Sie hatte Juval aus einem anderen Zimmer angerufen und leise gesprochen, aber als sie dem Arbeiter jetzt im Wohnzimmer gegenüberstand, fürchtete sie, er könnte doch mitgehört haben. Als sie sich nach dem Gespräch mit seiner Anwesenheit abzufinden versuchte, hatte sie ihm Kaffee angeboten und auf sein Ja kurz gezögert, ehe sie eine lila Kapsel aus der Box nahm, in die Maschine steckte und einen Teller mit Keksen dazustellte, die er, wie sie jetzt sah, nicht angerührt hatte.
»Essen Sie nichts?«
Der Arbeiter deutete auf die Balkonbrüstung, die zur Hälfte mit einer ersten Farbschicht bedeckt war. »Wenn man mit dem Streichen fertig ist, isst man Kekse.« Auch sie schloss solche Händel mit sich selbst. Während der Vorbereitung auf ihre Anwaltsprüfung hatte sie sich einen kleinen Preis für jeden Abschnitt versprochen, den sie durchgenommen hatte. Steuerrecht eine Waffel. Verleumdung noch eine Waffel. Schadenersatzrecht zwei Waffeln. Der Arbeiter wandte sich wieder der Brüstung zu, was Uris lauten Protest auslöste. Der Mann drehte sich erneut um und schnalzte mit der Zunge tack-tack-tack , wie man es bei Pferden tut, um sie zu beruhigen, und Uri strahlte. Naomi merkte sich diesen Laut tack tack-tack , verschob ihn mental in den Ordner »Dinge, um Uri zu beruhigen, wenn er schreit«, ein Ordner, dessen volle und geheime Bezeichnung lautete: »Dinge, mit denen fremde Menschen Uri eventuell beruhigen können, während er bei mir nur noch heftiger schreit.«
Der Arbeiter ging wieder an die Arbeit. Sie beobachtete ihn, als er sich zu Eimer und Spachtel bückte, direkt neben dem Bougainvillea-Kübel. Kleine Kalkspritzer saßen auf den violetten Blättern, wie von einem Milchregen. Er schaute in den Eimer und rührte die Tünche um. Uri rangelte, um sich ihren Armen zu entwinden. Naomi setzte ihn ab, und schon strebte er eilig zum Balkon. »Nein, Schatz, dahin jetzt nicht.« Sie schnappte ihn im letzten Moment, bevor er die Schiene der Schiebejalousie überquerte, die Wohnzimmer von Balkon trennte, spürte seinen Protestschrei den Bruchteil einer Sekunde, bevor er erklang. »Luli, wir gehen jetzt nicht dorthin, erst wenn der fleißige Mann fertig ist.« Uris Geschrei steigerte sich zu ungeahnten Höhen, und wie gewohnt verwandelte sich ihr Groll auf ihn in Groll auf Juval (seit Uris Geburt hatte sie einen Schalter im Kopf, der ihren Unmut vom Sohn auf den Ehemann ableitete, eine Erdung für Feindseligkeit). Der Kleine sollte jetzt eigentlich sein Morgenschläfchen halten. Sonst verwandelt er sich in ein Nervenbündel. Jeden Tag um elf Uhr wenn man ihn da nicht hinlegt, mutiert das liebe Engelchen zum garstigen Teufelchen. Juval weiß das, und doch hat er gerade jetzt einen Handwerker bestellt. Zur Zeit des Schlafenlegens.
Dann leg ihn doch schlafen. Wer hindert dich dran. Juvals ruhige Stimme dröhnte ihr im Kopf. Sie brauchte ihn nicht bei der Arbeit anzurufen, um zu wissen, dass er genau das sagen würde.
Vielleicht ist es mir unangenehm, mit freien Nippeln dazusitzen, wenn ich mit einem arabischen Arbeiter allein zu Hause bin.
Vielleicht wird es Zeit, ihn nicht mehr an den Nippeln zum Schlafen zu bringen. Der Junge ist schon ein Jahr und zwei Monate alt.
Gerade deswegen schwang sie das jammernde Baby nun mit einer entschiedenen B…
