

Beschreibung
This Jenny war Unternehmer, Politiker, Vater, Ehemann und Lebenspartner. Und er war ein Menschenfreund. In seiner direkten, ehrlichen Art redete er sich in die Herzen der Menschen. This Jenny war ein Mann des Volkes. This Jenny nahm nie ein Blatt vor den Mund ...This Jenny war Unternehmer, Politiker, Vater, Ehemann und Lebenspartner. Und er war ein Menschenfreund. In seiner direkten, ehrlichen Art redete er sich in die Herzen der Menschen. This Jenny war ein Mann des Volkes. This Jenny nahm nie ein Blatt vor den Mund - auch nicht als Ständerat. Er war ein Macher. Und dies bereits in seiner Kindheit, die von Armut und Vernachlässigung geprägt war. Und erst recht, als er, knapp 62-jährig, am 6. Februar 2014 die Diagnose Magenkrebs erhielt. Er handelte sofort, regelte die Weiterführung seiner Firma, kümmerte sich um sein Testament und schrieb sich bei Exit ein. This Jenny war einer, der nicht nur sein Leben selber schmieden, sondern auch seinen Tod selbst bestimmen wollte. This Jenny hatte - nach reiflicher Überlegung - Ja gesagt zu einem Buch über ihn. Nicht ein-, sondern zweimal. Das erste Mal, als noch die Hoffnung bestand, er könne dem Autor Ueli Oswald selber Red und Antwort stehen. Das zweite Mal, als klar wurde, dass der ersten Begegnung mit seinem Biografen keine zweite folgen würde und This Jenny am Vorabend seines Todes sehr bewusst Namen hinterließ. Namen von Menschen, die ihn ein Stück des Wegs begleitet hatten. Namen von Menschen, die er liebte, denen er freundschaftlich verbunden war. Namen von Menschen, die im nun vorliegenden Buch über ihn und sein reiches Leben erzählen. This Jenny kam am 4. Mai 1952 im Kantonsspital Glarus zur Welt, und er starb - viel zu früh - am 15. November 2014, am selben Ort. Er fehlt.
Ueli Oswald, geb. 1952, bildete sich in London und Hamburg zum Fotografen aus und studierte danach in Zürich Ethnologie und Publizistik. Nach einer Dekade als Journalist wirkte er als Verlagsleiter von "NZZ Folio". Sein Buchdebüt "Ausgang" (Edition Epoca), eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit seinem Vater, der sich im hohen Alter für einen selbstbestimmten Tod entschied, war ein viel beachteter Erfolg. 2014 erschien sein zweites Buch, "Ja, ich will! - Wenn Liebe ewig währt", und 2015 sein drittes, "Das Mädchen aus Piräus", beide im Wörterseh Verlag. Ueli Oswald lebt in Zürich und ist als freier Publizist tätig.
Autorentext
Ueli Oswald, geb. 1952, bildete sich in London und Hamburg zum Fotografen aus und studierte danach in Zürich Ethnologie und Publizistik. Nach einer Dekade als Journalist wirkte er als Verlagsleiter von "NZZ Folio". Sein Buchdebüt "Ausgang" (Edition Epoca), eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit seinem Vater, der sich im hohen Alter für einen selbstbestimmten Tod entschied, war ein viel beachteter Erfolg. 2014 erschien sein zweites Buch, "Ja, ich will! - Wenn Liebe ewig währt", und 2015 sein drittes, "Das Mädchen aus Piräus", beide im Wörterseh Verlag. Ueli Oswald lebt in Zürich und ist als freier Publizist tätig.
Leseprobe
Kindheit in Sool
Heiz (Heinrich) Dürst, geb. 1953, wuchs in der Nachbarschaft von This in Sool auf. Sie spielten zusammen und besuchten zusammen die Primarschule. Heiz erinnert sich sehr genau, welcher Entbehrung, Vernachlässigung und Gewalt This ausgesetzt war .
This Jennys Grossvater väterlicherseits war Metzger und Viehhändler. Er war ein wohlhabender, wenn nicht der wohlhabendste Sooler. Die Metzgerei und der schönste Stall von Sool, im Föhnen, waren im Besitz der Familie. This' Vater hatte Ende der Fünfzigerjahre schon sehr viel Familienvermögen verloren. Er genoss zusammen mit seiner zweiten Frau Illa das Leben in vollsten Zügen. Damals gab es in Sool fünf Autos, und eines davon fuhr die junge Illa, die Mutter von This, einen dunkelgrünen Vauxhall. Ein Auto war in jenen Jahren ein erstrebenswertes Gut. Das Motorrad mit Seitenwagen, das hinter dem Hause stand, fuhr Illa nur noch gelegentlich.
Die Metzgerei war schon nicht mehr im Familienbesitz, der Föhnenstall dagegen schon. Pferde und Kühe standen aber immer weniger im grossen und schönen Stall. Der Knecht, der im Föhnenstall hauste und die Tiere besorgte, war eines Tages nicht mehr da. Es war vor allem die Grossmutter, die jetzt, arm und gebrechlich und unter der Häme der Bevölkerung, zu This und seiner jüngeren Schwester Anita schaute, die so ohne Wohlstand und leidlich beaufsichtigt ihre Vorschulzeit in Sool durchlebten.
Nach dem Tod der Grossmutter Jenny hausten die Geschwister mehr oder weniger allein im Hausteil neben der Metzgerei. Die Eltern verliessen jeden Werktag um etwa sechs Uhr morgens das Haus und kamen meistens nach neun Uhr abends zurück. Damals musste man am Samstagmorgen noch zur Arbeit oder zur Schule.
Meine Erinnerungen an This und seine Schwester Anita beginnen 1961 mit der Beerdigung ihrer Grossmutter Jenny in Sool. Zu jener Zeit war die Beerdigung einer Dorfbewohnerin ein Ereignis. Es gehörte sich, dass von jeder Familie ein Mitglied den dahingeschiedenen Dorfbewohner auf seiner letzten irdischen Reise im Trauerzug von Sool auf den Friedhof nach Schwanden hinunter begleitete.
Für mich war das die erste Konfrontation mit der Tatsache, dass gelebt und gestorben wird. Für die Kinder Anita und This war es der Beginn einer Verwahrlosung inmitten einer "funktionierenden" Gemeinschaft. Sie wurde von allen Bewohnern in Sool miterlebt, aber niemand wollte etwas gesehen oder gehört haben. Ich bin mir dessen bewusst, dass das Folgende der Erinnerung eines damals Sieben- bis Elfjährigen entspringt. Es sind keine dokumentierten Daten, aber Bilder, die mir noch immer sehr nahe sind.
Die "Bären"-Wirtin war meines Wissens die Einzige, welche die beiden Kinder zwischendurch richtig verpflegte. Sie durften immer wieder bei ihr das Mittagessen einnehmen. Alle andern schwiegen zu den Missständen bei den Jennys oder verboten ihren Kindern gar den Kontakt. Auch meine Eltern waren über meine damalige Freundschaft mit This nicht erfreut.
Meine Mutter musste morgens um halb sieben zur Arbeit. So war auch ich etwas weniger beaufsichtigt und behütet als meine Schulkollegen, deren Mütter zu Hause waren. Es ergab sich wie von selbst, dass ich vor der Schule bei Jennys vorbeiging und die Zeit bis zum Schulbeginn im Hause Jenny verbrachte. Bald sah ich, dass in dieser Familie und in diesem Hause nichts so war wie bei uns oder bei andern Kollegen. Im Winterhalbjahr, wenn die Tage kürzer wurden und die Temperaturen sanken, begriff ich schon als Neun- bis Zehnjähriger, dass der Strom nicht jederzeit einfach aus der Steckdose kommt und eine Stube ohne Holz im Ofen kalt bleibt.
Oft sassen This, Anita und ich in der Stube und hörten bei unseren Kindergesprächen Musik am Radio. Immer wieder kam es vor, dass das Radio plötzlich verstummte. Wenn nur das Radio nich
