

Beschreibung
Ein abgeschiedener Gutshof, in dem jeder versucht, seine Träume zu leben: Barbara, die zu gern den Frauenhelden Hannes heiraten würde. Und Robin, der verhinderte Schriftsteller, den angeblich nur seine Freundin Klara von seinem großen Roman abhält. Bis eines T...Ein abgeschiedener Gutshof, in dem jeder versucht, seine Träume zu leben: Barbara, die zu gern den Frauenhelden Hannes heiraten würde. Und Robin, der verhinderte Schriftsteller, den angeblich nur seine Freundin Klara von seinem großen Roman abhält. Bis eines Tages eine junge Frau auftaucht, die vorgibt, in Todesangst vor ihrer Familie zu fliehen: Nasrin. Die vier Bewohner nehmen sie auf - aber schon bald gibt es das erste Todesopfer, einen Fremden, den Nasrin noch nie gesehen haben will ...
Susanne Mischke wurde 1960 in Kempten geboren und lebt heute in Wertach. Sie war mehrere Jahre Präsidentin der 'Sisters in Crime' und erschrieb sich mit ihren fesselnden Kriminalromanen eine große Fangemeinde. Für das Buch 'Wer nicht hören will, muß fühlen' erhielt sie die 'Agathe', den Frauen-Krimi-Preis der Stadt Wiesbaden. Ihre Hannover-Krimis haben über die Grenzen Niedersachsens hinaus großen Erfolg.
Vorwort
»Susanne Mischke ist die deutsche Krimikönigin.«
Cosmopolitan
Autorentext
Susanne Mischke wurde 1960 in Kempten geboren und lebt heute in Wertach. Sie war mehrere Jahre Präsidentin der "Sisters in Crime" und erschrieb sich mit ihren fesselnden Kriminalromanen eine große Fangemeinde. Für das Buch "Wer nicht hören will, muß fühlen" erhielt sie die "Agathe", den Frauen-Krimi-Preis der Stadt Wiesbaden. Ihre Hannover-Krimis haben über die Grenzen Niedersachsens hinaus großen Erfolg.
Leseprobe
II.
»Am Wochenende ist wieder ein Zeltlager, warum hast du mir nichts davon gesagt?«
»Ich will nicht mit.« Jonas verkroch sich vor den Blicken seiner Mutter tief in seinen Sessel und hielt den Bildband über die Greifvögel der Erde wie einen Schutzschild vor der Brust.
»Letztes Mal hattest du Bauchschmerzen, jetzt willst du nicht. Jonas, schau mich an, wenn ich mit dir rede. Ist etwas vorgefallen?«
Er ließ das Buch sinken, stand auf und stellte es zurück ins Regal. »Ich hab bloß keine Lust mehr.« Jonas riß den Mund auf zu einem demonstrativen Gähnen. »Ich bin müde. Gute Nacht, Mama.« Er schlurfte auf sein Bett zu. Seine Mutter blieb im Zimmer stehen, stumm und hartnäckig.
»Du wirst es mir nicht glauben.«
»Warum sollte ich dir nicht glauben? Du lügst mich doch sonst auch nicht an«, entgegnete seine Mutter. »Oder?«
»Ich habe Angst«, sagte Jonas und drehte einen Zipfel seines Schlafanzuges zwischen den Fingern.
»Vor wem?« fragte seine Mutter.
»Vor dem Wolf.«
Sie hob die Augenbrauen, dann lächelte sie ihr nachsichtiges Pädagogenlächeln.
»Jonas, wenn ihr euch am Lagerfeuer Gruselgeschichten erzählt, dann mußt du dir immer vor Augen halten, daß das alles nur erfunden ist. Es sind Märchen, Geschichten.«
»Siehst du, du glaubst mir nicht«, flüsterte der Junge resigniert. Dann sagte er trotzig. »Aber ich habe sie gesehen!«
»Wölfe?«
»Die Spuren. Ich habe sie sogar fotografiert. Warte!«
Es dauerte ein wenig, bis der Computer hochgefahren war. Jonas klickte sich durch seine Bildersammlung. Es gab zwei Fotos. Eines war zu hell, das andere dafür recht deutlich. Er erklärte seiner Mutter, weshalb es sich nur um Wolfsspuren handeln konnte.
»Und die hast du im Deister gesehen?«
»Ja.«
»Die anderen auch?«
»Nein. Die hätten mir ja doch nicht geglaubt.«
»Tja, ich weiß nicht ...«, seine Mutter beugte sich über seine Schulter und starrte den Bildschirm an. »Bist du sicher, daß es keine Verwechslung mit einem Hund sein kann? Einem Schäferhund vielleicht?«
Jonas verneinte.
»Wir sollten sie Papa zeigen, was meinst du?«
Jonas nickte. Sein Vater arbeitete an der TiHo, der Tiermedizinischen Hochschule. Der kannte sich aus, aber leider war er an diesem Abend bei einem Vortrag und würde spät nach Hause kommen.
»Jetzt ist es aber erstmal Zeit für's Bett«, mahnte seine Mutter. Es war schon fast neun Uhr.
Jonas schaltete den Computer aus, zog die Vorhänge zu und schlüpfte ins Bett. Trotz der dicken Bettdecke fror er ein wenig.
Die Lampe über der Haustür sprang an und ließ die Fratzen der beiden Steinfiguren noch schauriger aussehen als bei Tag. Gargoyles seien eigentlich Wasserspeier, hatte Barbara ihr erklärt, und daß man sie früher, im Mittelalter, an Kirchen angebracht hatte, um das Böse abzuwehren. Nun verrichteten sie ihren Wachdienst rechts und links der Eingangstür auf kniehohen Sockeln. Bestimmt hatte die Katze oder ein anderes Nachttier den Bewegungsmelder ausgelöst. Eine Minute später lag der Hof wieder in völliger Dunkelheit. Eine halbe Stunde tat sich nichts, dann näherten sich Autoscheinwerfer. Ihr Licht wurde vom Nebel über den Feldern fast geschluckt. Erst als der Wagen vor dem Tor zum Stehen kam, überfluteten sie das Pflaster mit Licht. Nasrin hielt sich die Hand vor die Augen. Eine Wagentür wurde geöffnet, jemand stieg aus, tat ein paar Schritte, stieg wieder ein, eine Tür wurde geschlossen, dann drehten die Lichter ab und verwandelten sich in zwei rotglühende Punkte, die kleiner und kleiner wurden. Nasrin trug bereits ihre Jeans, jetzt schlüpfte sie in ihre Sportschuhe, zog den schwarzen Pullover über und ging nach draußen. Die Tür zum Gästehäuschen ließ sie angelehnt. Mit vorsichtigen Schritten schlich sie über das holprige Pflaster. Nach und nach stellte sie fest, daß es gar nicht so dunkel war. Im Norden war der Himmel erhellt, dort leuchtete die St
