

Beschreibung
Natürlich war Adam Czupek nicht der Richtige für sie. Ein Mann, der mit den Händen arbeitete, einer, der Sprache für unwichtig hielt. Mit so einem Mann konnte man sich nicht sehen lassen, viel weniger noch sein Leben mit ihm verbringen. Dachten ihre Eltern. Ab...Natürlich war Adam Czupek nicht der Richtige für sie. Ein Mann, der mit den Händen arbeitete, einer, der Sprache für unwichtig hielt. Mit so einem Mann konnte man sich nicht sehen lassen, viel weniger noch sein Leben mit ihm verbringen. Dachten ihre Eltern. Aber was wussten sie, deren Ehe längst am Ende war, schon von der Liebe. Was wussten sie von Adam? Er baute Drachen für die Kinder, die sie bekamen, fand eine größere Wohnung. Das Leben wurde zum Abenteuer, als sie rauszogen aufs Land. Und als sie von Bauer Holzapfel die Streuobstwiese bekamen, hatte Adam schon längst einen Plan, wohin das alles führen sollte. Birgit Vanderbekes unkonventionelle Erzählerin lässt sich von Adam bezaubern und von seiner Art, das Leben anzugehen. 'Das lässt sich ändern' ist ein klarer, leuchtender Roman über die Liebe, das Anderssein und über das Bekenntnis zu den einfachen Dingen.
Birgit Vanderbeke, geboren 1956 im brandenburgischen Dahme, lebt im Süden Frankreichs. Ihr umfangreiches Werk wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis und dem Kranichsteiner Literaturpreis. 2007 erhielt sie die Brüder-Grimm-Professur an der Kasseler Universität.
Vorwort
»Klug und lakonisch wie immer, witzig und widerständig.« hr2 Kultur
Autorentext
Birgit Vanderbeke, geboren 1956 im brandenburgischen Dahme, lebt im Süden Frankreichs. Ihr umfangreiches Werk wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis und dem Kranichsteiner Literaturpreis. 2007 erhielt sie die Brüder-Grimm-Professur an der Kasseler Universität.
Leseprobe
Sicher ist, dass es mich ziemlich aus der Kurve getragen hat, als ich ihn kennenlernte. Peng. Ein Knall, ein Krach, ein Beben, und von da an ist es eigentlich nicht mehr geradeaus gegangen.
Adam war schon immer draußen. Draußensein ist gefährlich, aber Adam kannte es nicht anders, und ich hatte keine Ahnung, dass ich drinnen gewesen war, bis ich Adam begegnete.
Wenn du in Deutschland fünf Kinder hast, bist du draußen, sagte er, bevor er mich seiner Familie vorstellte. Er war das dritte. Seine Mutter war durchgeknallt, als das fünfte Kind zwei Jahre alt war, ein- bis zweimal im Jahr hieß das Klapse. Sich mit Mandrax zudröhnen lassen.
Draußensein bedeutet, dass du nicht so einfach ins Gymnasium kannst, hatte mir Adam erzählt.
Ich war einfach aufs Gymnasium gekommen und hatte nicht gewusst, dass das mit meinen Eltern zu tun hatte, vielmehr mit meinem Vater, der in seiner Firma ein hohes Tier war. Big Boss, sagten die Leute, die unter ihm arbeiten mussten. Alle hatten Angst vor ihm, wir auch.
In guten Häuser kann es zugehen wie in der Hölle, trotzdem war ich eine Tochter aus gutem Haus. Damit war ich erst mal drinnen und hatte keine Ahnung davon, dass es ein Draußen überhaupt gab.
Adam hat einen IQ um die 140, je nach Tagesverfassung, kann auch schon mal auf 138 sacken. Die fünfte Klasse hat er erst in der Hauptschule abgesessen, bevor sie ihn in die Realschule gelassen haben, und bevor er von dort aufs Gymnasium kam, war noch eine Ehrenrunde fällig gewesen.
Sein Vater war ein kleiner Beamter, nicht sehr helle, Sachbearbeiter für Falschgeld und beschädigte Scheine bei der Bundesbank. Er war nach dem Krieg im falschen Leben gelandet, vielleicht wäre er lieber schwul gewesen, aber Schwulsein war nicht so leicht in den Fünfzigerjahren. Als ich ihn kennenlernte, waren wir in den Achtzigerjahre, da hatte er schon über dreißig Jahre lang täglich vermoderte Blüten und Scheine gezählt.
Er stand morgens als Erster auf und machte Kaffee, und während er Kaffee machte, fluchte er durch die Küche, dass alle im Haus es hören konnten.
Das Haus war für sieben Personen zu klein. Es war dunkel, überheizt und vollgestopft mit Sachen, die auf den ersten Blick keinen Zusammenhang hatten, und es roch muffig. Adam wohnte mit seinem Bruder in der Garage.
Adams Bruder hat ein sensationelles Gedächtnis für Zahlen. Überhaupt ein sensationelles Gedächtnis für nutzloses Zeug. Die Börsenkurse von vor drei Jahren, die technischen Daten des Opel GT. Er wäre gern zum Grenzschutz gegangen, am liebsten zur GSG 9, aber natürlich fiel er bei der Einstellung durch, weil seine Mutter aktenkundig durchgeknallt war. Nach der Hauptschule fand er einen Job als Kopierer und blieb in der Garage wohnen, bis erst der Vater und zuletzt auch seine Mutter gestorben waren. Da war er knapp fünfzig. Adams Mutter hatte eine sensationelle Begabung für Sprache. Ihre Sätze waren kompliziert und kunstvoll verschachtelt. Wenn ich ihr zuhörte, dachte ich, so einen Satzbau kann sich doch keiner merken; oft war ich sicher, jetzt hat sie den Faden verloren, aber immer kam sie mit dem richtigen Verb hinten aus ihrem endlosen Satz wieder raus. So weit war alles wunderschön und in Ordnung, nur hatten die Sätze keinen erkennbaren Sinn. Es kamen der Krieg, die Russen, die Flucht darin vor, Frauen, die mit schlohweißem Haar aus dem Moor zurückgekehrt waren, Bahnhöfe, Güterzüge, es ging ums Verhungern und ums Erfrieren, um Gewalt, und zuletzt wurde es immer obszön. Grammatisch korrekt, aber dada.
Deshalb glaubte Adam, als ich ihn kennenlernte, nicht an Sprache.
Ich glaubte daran.
In den ersten Jahren saßen wir oft bis nachts um vier oder f&uu
