

Beschreibung
Nach 1900 entwickelte das Reichsgericht vertragliche Schadensersatzansprüche von Personen, die selbst nicht Vertragspartei waren, und verhinderte in bestimmten Fällen die Anwendung der eingeschränkten deliktischen Haftung für Gehilfenverschulden nach § 831 BGB...Nach 1900 entwickelte das Reichsgericht vertragliche Schadensersatzansprüche von Personen, die selbst nicht Vertragspartei waren, und verhinderte in bestimmten Fällen die Anwendung der eingeschränkten deliktischen Haftung für Gehilfenverschulden nach § 831 BGB. Doch war dies das entscheidende Motiv für die Urteile, die später zum 'Vertrag mit Schutzwirkung zugunsten Dritter' führten? Diese Rechtsprechungsanalyse untersucht diese Frage unter Einbeziehung des sozialhistorischen Hintergrunds, der Richterbiographien und der Senatshefte des Reichsgerichts und bietet neue Einblicke in die Entstehung vermeintlich wohlbekannten Richterrechts.
Autorentext
Thomas Lakenberg wurde mit vorliegender Studie an der Universität Bonn promoviert.
Inhalt
Abkürzungsverzeichnis 1. Kapitel: Einleitung A. Kinder, Kranke, Küchenhilfen Neuere Urteile des Reichsgerichts zu § 328 BGB B. Die Urteile des RG in der bisherigen Forschung I. Rechtswissenschaftliche Literatur II. Rechtshistorische Literatur C. Fragestellung und Vorgehensweise I. Die "neueren Urteile zu § 328 BGB des RG als Korrektur des BGB und richterliche Sozialpolitik II. Untersuchungsgegenstand und Aufbau der Arbeit 2. Kapitel: Die drei Ausgangsentscheidungen: Scharlach, Kraftdroschke, Tuberkulose A. Einleitung: Aufbau der Urteilsbesprechung I. Leitfragen der Untersuchung II. Chronologische Darstellung und Fallgruppenbildung B. Die Ausgangsentscheidungen des Gasuhrkanons C. RG v. 04.06.1915, JW 1915, 916 Scharlach I. Tatbestand II. Vorinstanzen III. Gutachten IV. Urteil V. Der Einìuss des Senatspräsidenten Eugen Meyn auf das Scharlachurteil und die Rechtsprechung des 3. Senats VI. Zusammenfassung D. RG v. 07.06.1915, RGZ 87, 64 Kraftdroschke I. Tatbestand II. Vorinstanzen III. Gutachten und Urteil IV. Zusammenfassung E. RG v. 05.10.1917, RGZ 91, 21 Tuberkulose I. Tatbestand II. Vorinstanzen III. Gutachten IV. Urteil V. Öffentlich-rechtliche Haftung aufgrund zwingender zivilrechtlicher Analogien VI. Zusammenfassung F. Zwischenergebnis: Die Rechtsprechung zu § 328 BGB bis zum Jahr 1917 I. Die betroffenen Rechtsverhältnisse II. Die Anwendung des § 328 BGB in Scharlach, Kraftdroschke und Tuberkulose 1. RG, JW 1915, 916 Scharlach 2. RGZ 87, 64 Kraftdroschke 3. RGZ 91, 21 Tuberkulose 4. Das Verhältnis zwischen dem Versprechensempfänger und den Dritten III. Die Anwendung des § 831 BGB in Kraftdroschke, Scharlach und Tuberkulose IV. Ergänzende Vertragsauslegung und das Aufstellen von Auslegungsregeln V. Hinweise auf soziale Motive in Scharlach, Kraftdroschke und Tuberkulose VI. Ausblick auf den Fortgang der Urteilsanalyse 3. Kapitel: Von Fieberwahn und Fenstersturz die Patientenfälle A. Einleitung B. Die frühen Patientenfälle vor dem Scharlachurteil I. RG v. 30.10.1906 Wärmìasche II. OLG Breslau v. 15.10.1908 und RG v. 07.01.1910 Fieber III. RG v. 01.10.1910 Wurmkur IV. RG v. 19.06.1914 Nasenbluten V. Zusammenfassung zu den frühen Patientenfällen C. Die Patientenfälle nach dem Scharlachurteil I. RG v. 29.04.1918 Zahnarzt II. RG v. 08.11.1918 Säuglingsheim III. RG v. 24.04.1928 Fenstersturz IV IV. RG v. 05.11.1929 Lähmung V. RG v. 26.04.1932 Röntgenkur VI. RG v. 29.09.1936 Ellenbogen VII. RG v. 20.10.1936 Fenstersturz V VIII. Zusammenfassung zu den Patientenfällen nach dem Scharlachurteil D. Ergebnisse zu den Patientenfällen I. Die Anwendung des § 328 BGB in den Patientenfällen 1. Die Auslegungsregel des Scharlachurteils 2. Leistungsanspruch des Dritten und Schutzpìicht II. Die Anwendung des § 831 BGB in den Patientenfällen III. Hinweise auf soziale Motive in den Patientenfällen 1. Der Begriff Fürsorge 2. Die Stellung der Patienten 3. Der Schutz der Krankenkassen vor einer Inanspruchnahme IV. Zusammenfassung 4. Kapitel: Kutsche, Auto, Dampfer die Beförderungsfälle A. Einleitung B. Die frühen Beförderungsfälle vor dem Kraftdroschkenurteil (1915) I. OLG Hamburg v. 18.10.1907 und RG v. 06.10.1908 Vereinskutschfahrt II. KG v. 29.09.1909 Einladung I III. OLG Hamburg v. 09.12.1909 Einladung II IV. OLG Hamburg v. 22.12.1909 Straßenbahn I V. OLG Colmar v. 13.12.1914 Heimfahrt VI. RG v. 13.12.1912 Übermüdung VII. Zusammenfassung zu den frühen Beförderungsfällen C. Die Beförderungsfälle nach dem Kraftdroschkenurteil I. RG v. 18.11.1915 Schlittenfahrt 1. Sachverhalt 2. Vorinstanzen 3. Gutachten und Urteilsbegründung 4. Bedeutung des Schlittenfahrturteils für die Einordnung der Urteile des RG zu § 328 BGB II. OLG Celle v. 18.10.1916 Straßenbahn II III. RG v. 14.11.1923 Ponton IV. RG v. 19.05.1930 Fahrdamm V. RG v. 24.06.1930 Mitnahme VI. RG v. 06.03.1935 Schleusenwand VII. Zusammenfassung zu den Beförderungsfällen nach dem Kraftdroschkenurteil D. Ergebnis zu den Beförderungsfällen I. Die Anwendung des § 328 BGB in den Beförderungsfällen 1. Keine Wende durch das Kraftdroschkenurteil 2. Die Auslegungsregel des Schlittenfahrturteils 3. Stellvertretung und Leistungsanspruch des Dritten II. Die Anwendung des § 831 BGB in den Beförderungsfällen III. Hinweise auf soziale Motive in den Beförderungsfällen 1. Der Wortlaut der Urteile 2. Die Stellung der Fahrgäste 3. Die Eindämmung der neuen Gefahrenquelle Automobil IV. Zusammenfassung 5. Kapitel: Dienstwohnung, Privatwohnung, Gewerberäume die Mietvertragsfälle A. Einleitung B. Die frühen Mietvertragsfälle vor dem Tuberkuloseurteil (1917) I. OLG Dresden v. 29.04.1902 Abort I II. OLG Kiel v. 27.06.1902 Dachbodenluke III. OLG Colmar v. 08.05.1908 IV. RG v. 30.06.1910 Müllkasten V. RG v. 04.10.1910 Trockenspeicher VI. RG v. 04.10.1911 und RG v. 14.01.1913 Jalousiekasten VII. RG v. 17.01.1913 Eisglätte VIII. RG v. 20.03.1917 Bodenbretter IX. Zusammenfassung zu den frühen Mietvertragsfällen C. Die Mietvertragsfälle nach dem Tuberkuloseurteil I. OLG Hamburg v. 31.10.1919 Absperrschnur II. RG v. 04.03.1920 Kreissäge III. RG v. 21.02.1921 Treppenbeleuchtung II IV. RG v. 03.06.1921 Gasvergiftung V. RG v. 23.03.1926 Balkonsturz VI. RG v. 14.10.1927 Messe VII. RG v. 26.10.1933 Kokosläufer VIII. RG v. 11.03.1935 Abort II IX. RG v. 04.04.1939 Gartentreppe X. Zusammenfassung zu den Mietvertragsfällen nach dem Tuberkuloseurteil D. Ergebnis zu den Mietvertragsfällen I. Die Anwendung des § 328 BGB in den Mietvertragsfällen 1. Die Auslegungsregel des Tuberkuloseurteils 2. Die Bezugnahme auf § 328 BGB zur Legitimation der neuen Rechtsregel 3. Die Anwendung des § 328 BGB außerhalb von Wohnungsmietverträgen II. Die Anwendung des § 831 BGB in den Mietvertragsfällen III. Die Garantiehaftung nach § 538 BGB als Ziel des vertraglichen Drittschutzes IV. Hinweise auf soziale Motive in den Mietvertragsfällen 1. Der Begriff Fürsorge 2. Der Schutz des Schwächeren 3. Die Stellung der Mieter 4. Gesundheitsgefährdende Wohnverhältnisse 6. Kapitel: Arbeiter, Schüler, Hausbewohner weitere Urteile zu § 328 BGB A. Einleitung B. Die Anwendung des § 328 BGB auf einzelne weitere Rechtsverhältnisse I. RG v. 12.07.1919 Landarbeiter II II. RG v. 25.05.1925 Glaskolben III. RG v. 10.02.1930 Gasuhr IV. RG v. 26.11.1936 Bleivergiftung C. Ergebnisse zu den weiteren Urteilen zu § 328 BGB I. Überblick II. Die Anwendung des § 328 BGB in den weiteren Urteilen 1. Anknüpfung an die bisherige Rechtsprechung 2. Das Verhältnis zwischen dem Versprechensempfänger und den Dritten 3. Leistungsanspruch des Dritten und Schutzpìicht III. Die Anwendung des § 618 BGB in den weiteren Urteilen IV. Die Anwendung des § 831 BGB in den weiteren Urteilen V. Hinweise auf soziale Motive in den weiteren Urteilen 1. Diesozialen Pìichten des Arbeitgebers und die Anwendung des § 618 BGB 2. Gesundheitsgefährdende Wohnverhältnisse 3. Die Stellung der geschützten Personen 7. Kapitel: Dogmatische Deutung der untersuchten Entscheidungen A. Einleitung B. Die besondere Rolle des 3. Zivilsenats bei der Entwicklung des VSD I. Der Einìuss der verschiedenen Senate des RG auf die Rechtsprechung zu § 328 BGB II. Die Besetzung des 3. Senats von 1913 bis 1921 III. Der 3. Senat und die Rechtsfortbildung C. Die Anwendung des § 328 BGB zur Begründung vertraglicher Scha…