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euphêmia

  • Fester Einband
  • 439 Seiten
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Euph mia heißt wörtlich gute Rede und wird im Kult der griechischen Antike formelhaft verwendet, um die Teilnehmer eines Rituals d... Weiterlesen
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Beschreibung

Euph mia heißt wörtlich gute Rede und wird im Kult der griechischen Antike formelhaft verwendet, um die Teilnehmer eines Rituals dazu aufzufordern, die richtigen Worte zu verwenden Worte, die den Göttern gefallen und die so den glücklichen Ausgang des Rituals begünstigen. Diese Praxis zeigt beispielhaft, welche nahezu magische Kraft nach antikem Verständnis der Sprache zukam. Die Forderung nach euph mia kann auch der Abwehr der falschen, unglückverheißenden Rede gelten, sie kann das Ziel verfolgen, etwas bereits Ausgesprochenes ungeschehen zu machen und seiner unheilvollen Wirkung zu berauben. Die Arbeit fragt nach der euphemistischen, und damit eminent rhetorischen Struktur der religiösen Sprache, nach Formen der Tabuisierung und Normierung von Rede, wie sie in literarischen Diskursen von Homer bis Platon reflektiert werden. Gerade die Literatur, besonders die Tragödie, sucht solche Situationen auf, in denen das Gebot der guten Rede verletzt und transgressives Sprechen vorgeführt wird. Bisweilen erweist sich die Überschreitung einer Grenze gar als gut eine Beobachtung, die sich autoreferentiell auf die Poetik der Tragödie beziehen läßt. Die Studie zeigt, daß der religiösen Praxis der Antike ein Konzept des Guten zugrunde liegt, das keiner ethischen oder philosophischen Norm entspricht. Gut im rituellen Sinne können Klagen oder Schreie, Lachen oder Obszönitäten sein. Erst Platon funktionalisiert die euph mia im Sinne der Disziplinierung der Affekte und verpflichtet sie auf die Rede von guten Göttern, die allein Anspruch auf Wahrheit erhebe.

Zusammenfassung
Euphêmia, wörtlich "die gute Rede", ist der Versuch, durch Sprache die Realität zu manipulieren. Die Verwendung 'guter' Worte soll, zumal in rituellen Situationen, bei Gebeten oder Opferzeremonien, Glück verheißen, die Wirklichkeit soll sich der Rede angleichen. Im Gegenzug gilt die Forderung nach euphêmia jedoch auch der Abwehr der 'schlechten', unglückverheißenden Rede, die durch die gute Rede annulliert, zum Schweigen gebracht werden soll. Das verbreitete Verständnis dieses Phänomens als 'heiliges' oder 'andächtiges' Schweigen ist allzusehr durch christliche Vorstellungen geprägt und kann die kulturelle Reichweite der flexiblen Redeordnung, die euphêmia etabliert, nicht erfassen. Im Spannungsfeld von Sprachmagie und rhetorischem Euphemismus untersucht die vorliegende Studie in literarischen und philosophischen Texten der griechischen Antike den doppelten Diskurs, den euphêmia markiert: das Zugleich von Reden und Schweigen, das Verschwiegene als die andere Seite des Ausgesprochenen. Euphêmia verweist somit auf die Grenze zwischen dem sozial Verträglichen und dem gesellschaftlichen Tabu. Entlang dieser Grenze treten diejenigen kulturellen Felder in den Blick, die durch eine euphemistische Redeordnung kontrolliert und beschönigt werden müssen: der Tod, das Opfer oder die Unreinheit. Das Buch versammelt Lektüren zu Homer, Hesiod, Pindar, den Dramatikern des 5. Jahrhunderts sowie zu Platon.

Produktinformationen

Titel: euphêmia
Untertitel: Die gute Rede in Kult und Literatur der griechischen Antike
Autor:
EAN: 9783825353148
ISBN: 978-3-8253-5314-8
Format: Fester Einband
Herausgeber: Universitätsvlg. Winter
Genre: Klassische Sprach- und Literaturwissenschaft
Anzahl Seiten: 439
Gewicht: 819g
Größe: H245mm x B167mm x T32mm
Veröffentlichung: 01.07.2009
Jahr: 2011

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