

Beschreibung
Das Buch «Kennst du das auch?» hat mit seinem Mix für alle Leserinnen und Leser Texte, die berühren. Doris Host ist kein Lebewesen zu gering, keine Witterung unpassend, jede Landschaft bewundernswert und jeder Mensch verdient es, in seiner Einzigartigkeit besc...Das Buch «Kennst du das auch?» hat mit seinem Mix für alle Leserinnen und Leser Texte, die berühren. Doris Host ist kein Lebewesen zu gering, keine Witterung unpassend, jede Landschaft bewundernswert und jeder Mensch verdient es, in seiner Einzigartigkeit beschrieben zu werden. Wer die Texte auf sich wirken lässt, kann die Gedanken der Autorin, wenn er denn will, ausdehnen oder sich durch die Vielfalt des selbst noch nicht Entdeckten inspirieren lassen und merken, was man täglich unbeachtet lässt. Die Texte sind mehrheitlich kurz, was viel Positives an sich hat. Das Buch ist eher nicht gedacht als Lektüre, die man von vorne bis hinten in einem Zug liest. Für jede Gemütsstimmung gibt es Texte, und das zeichnet «Kennst du das auch?» aus. Die Leserschaft wird bei sehr vielen Geschichten, Alltagsgedanken und Gedichten die Titel-Frage mit Ja beantworten. Vielleicht auch deshalb, weil die Lektüre zum Nachdenken und vielleicht zum Weiterspinnen anregt. Rita Iseli Lektorin
Autorentext
Doris Host Widler, geborene Plewka Doris Host, der Vater ursprünglich aus Bömisch-Mähren, die Mutter aus Baden-Württemberg, ist 1941 in Düsseldorf geboren und hat im malerisch gelegenen Dorf Büsingen am Hochrhein, nahe der Schweizer Grenze, ihre Jugendjahre verbracht. Die harmonische Umgebung in damals noch ländlicher Idylle hat einen Teil ihres Schreibens geprägt. Heute ist die ehemalige Kauffrau, Katechetin und Mutter von drei erwachsenen Kindern im altertümlichen Städtchen Diessenhofen im Thurgau beheimatet. Gestalten, Schreiben, Lauschen und Sinnieren über das Leben in all seiner wunderbaren Fülle und mitmenschliche Kontakte pflegen sind die Stärken der Autorin und spiegeln sich in den (be)sinnlichen, feinfühligen Texten. Man sagt, es seien Nachttisch-Bücher immer zur Hand, wenn man sie braucht. Doris Host schreibt Lyrik und Prosa
Leseprobe
Kennst du das auch? Geheimnisvoll dunkel, fast lautlos und endlos zieht das Wasser an mir vorbei. Nur eine silbrig glänzende Mondspur tanzt mit den sanften Wellen auf und ab. Eine Brücke zum Nachthimmel, Himmel und Wasser verbindend. Eine etwas wacklige, unsichere Brücke, gerade stark genug, um meine Gedankengänge zu tragen. Es ruft und lockt, das nasse, unergründliche Dunkel. Freiheit, Losgelöstheit verspricht es, und der Drang einfach hineinzugleiten, ist gross. Weich, anschmiegsam wie Samt, streicht es zärtlich dem nackten Körper entlang. Schon einmal hat es mich gewiegt und umgeben. Zu Beginn meines Lebens, ganze neun Monate lang. Es ist das Aufblitzen einer fernen, nicht fassbaren und dennoch konkreten Erinnerung. Einer Sehnsucht, dieser oft mühsamen Erdenschwere zu entkommen. Frei zu sein, die Fesseln des Körpers abzustreifen und sich im Unendlichen, welches einst Heimat war und einmal wieder Heimat sein wird, zu verlieren. Und dennoch rudern Arme und Beine mit einer Selbstverständlichkeit bereits wieder dem festen Ufer entgegen, und ich tausche das Gefühl der Leichtigkeit mit der kühlen Wirklichkeit der Nacht. Noch ist die Zeit nicht gekommen. Kennst du das auch? Lebensabschnitte Das kleine Bild, oval und in Gold gerahmt, sie hat es vor mich hingelegt, bevor sie ging. Einfach so, wortlos. Das kleine Bild, welches sie liebte, und das sie durch ihre ganze Jugendzeit begleitet hatte. Sie hat sie abgelegt, ihre Jugend. Sich abgenabelt. Ich müsste ja eigentlich froh sein darüber; denn ich habe meine Mutterpflichten erfüllt, so, wie es von mir erwartet wurde, aber dennoch tut es weh zu wissen, dass nun wieder etwas unwiederbringlich vorbei ist. An der Uni von Sidney gibt es neuerdings einen Lehrstuhl für Flüche. So stand es in der Zeitung zu lesen. Flüche seien gesellschaftsfähig geworden, heisst es. Verrückte Welt. Ich hasse aber Abschiede verdammt nochmal.