

Beschreibung
Dieses Buch untersucht, warum Frauen sich gegen eine "Geburt von der Stange" entscheiden. Es stellt Verbindungen her zwischen der Entscheidungsfreiheit der Frau über den Geburtsort und der Verletzung von Menschenrechten innerhalb des Geburtshilfesystems. Die E...Dieses Buch untersucht, warum Frauen sich gegen eine "Geburt von der Stange" entscheiden. Es stellt Verbindungen her zwischen der Entscheidungsfreiheit der Frau über den Geburtsort und der Verletzung von Menschenrechten innerhalb des Geburtshilfesystems. Die Entscheidung, zu Hause zu gebären, kann Frauen aus der regulären Schwangerenbetreuung drängen. Und das, obwohl die Forschung die Sicherheit von Hausgeburten für Frauen bestätigt, die unter geringen Risikofaktoren von Hebammen betreut werden. Wenn eine Frau keine Unterstützung für eine Hausgeburt erhält, wird sie entweder auf eine nicht zugelassene Betreuung ausweichen oder sich für eine Geburt ganz ohne Unterstützung entscheiden. Dieses Buch untersucht, warum Frauen sich dennoch für eine Hausgeburt entscheiden, indem es rechtliche und ethische Aspekte mit den neuesten Forschungsergebnissen verbindet. Es berücksichtigt die Erkenntnisse zu risikoreichen Hausgeburten (Steiß- und Zwillingsgeburten), freien Geburten, Geburten mit nicht zugelassenen Gesundheitsdienstleistern und die Unterdrückung von Hebammen, die unorthodoxe Entscheidungen unterstützen. Illustriert werden diese Forschungsergebnisse durch die Geschichten von Frauen, die sich in Australien, Europa, Russland, Großbritannien, den USA, Südamerika, Kanada, dem Nahen Osten und Indien Alternativen gesucht haben.
Autorentext
Virginia Schmied ist Professorin für Hebammenwissenschaft und stellvertretende Dekanin für Forschung und außer-universtitäre Kooperationen an der School of Nursing and Midwifery der Western Sydney University. Ihre Forschung konzentriert sich auf den Übergang zur Mutterschaft und perinatale psychische Gesundheit. Dabei liegt ihr Fokus auf der Organisation der Gesundheitsversorgung, der Arbeitsplatzkultur sowie auf fördernden und behindernden Faktoren hochwertiger und einfühlsamer Schwangerschafts und Geburtsbetreuung. In jüngster Zeit haben Virginia und ihre Mitarbeitenden die Erfahrungen von Frauen und Männern mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund in der Region Greater Western Sydney erforscht.
Leseprobe
Dieses Buch beschreibt in eindrücklicher Weise die Situation und die Erfahrungen von Frauen in verschiedenen Ländern, die aus Frustration und Verzweiflung die schwierige Wahl getroffen haben, ihr Kind alleine/ohne professionelle Betreuung zur Welt zu bringen, oder trotz erheblicher Risikofaktoren (Zwillinge, Beckenendlage) einen nicht empfohlenen außerklinischen Weg zu gehen. Ein besonderer Blick gilt auch den dabei beteiligten Hebammen und Geburtshelferinnen. Diese Entscheidung wird, auch aufgrund wenig frauzentrierter Strukturen, in einigen Ländern häufiger getroffen, insbesondere im hier prominent vertretenen Australien. Die einschlägigen Wissenschaftler:innen von dort und aus einer Reihe weiterer Länder haben sich tief eingearbeitet in die Problematik, die auch eine von Menschenrechten und Grenzüberschreitungen ist. Für ein deutschsprachiges Publikum eröffnet das Buch deshalb eine Diskussion, die hierzulande bisher nur in Einzelfällen geführt wurde; für die geschilderte Problematik findet sich im Text kein Beispiel aus deutschsprachigen Ländern. Die Rahmensituation hier ist grundsätzlich komfortabler: In Deutschland hat jede Versicherte gemäß § 24f SGB V einen Anspruch auf ambulante oder stationäre Geburt. Diese kann ambulant in einem Krankenhaus, in einer von einer Hebamme geleiteten Einrichtung, in einer ärztlich geleiteten Praxis oder im Rahmen einer Hausgeburt stattfinden. Es gibt somit ein breites Spektrum an Wahlmöglichkeiten ohne primäre gesetzliche Einengung sofern diese kapazitär verfügbar sind. Das Buch zeigt am Beispiel der außerklinischen Geburten auch den weltweiten Bedarf an humaner, frauzentrierter Geburtshilfe auf, wie ihn der Deutsche Hebammenverband erst unlängst in seinen 12 Thesen auch hierzulande einfordert (www.unsere-hebammen.de). Verwirklicht ist dies auch in Deutschland längst nicht überall da der Bedarf aber von vielen eingefordert wird, haben sich Zirkel wie der »Runde Tisch Elternwerden« des Arbeitskreises Frauengesundheit (AKF) gebildet. Verbesserungsvorschläge für die Geburtshilfe wie die Erreichung des inzwischen formulierten Nationalen Gesundheitsziels 13 »Gesundheit rund um die Geburt« haben sogar 2021 Eingang in den derzeitigen Koalitionsvertrag der amtierenden Bundesregierung gefunden. Zum zugehörigen Maßnahmenkatalog gehören Forderungen nach interventionsarmer, frauenzentrierter Geburt und die bessere Zusammenarbeit zwischen den Professionen. Dies erscheint sinnvoll, denn klinische Geburtshilfe in Deutschland ist seit mehr als zwei Generationen eine auch im unkomplizierten Fall ärztlich dominierte Geburtshilfe, die zudem kontinuierlich, und seit 1990 in hohem Ausmaß angestiegene Raten von medizinischen Interventionen aufweist, genau wie im Einführungskapitel von Dahlen als weltweite Entwicklung beschrieben. Zwar sind die Raten der »harten« Outcome-Ergebnisse wie die kindliche und mütterliche Sterblichkeit in den Kliniken enorm niedrig und die geburtshilfliche Praxis kann sich somit rühmen, gute Ergebnisse abzuliefern. Doch ist dies in Verbindung einerseits mit den hohen Interventionsraten zu sehen (Sicherheit hat ihren Preis?) und andererseits mit der unzuverlässigen Statistik zu mütterlichen Todesfällen sowie Sterblichkeit von Neugeborenen nach Verlassen der Geburtsklinik zu diskutieren. Auch die außerklinische Geburtshilfe in Deutschland hat ihren Sicherheitsnachweis erbracht, und führt diesen kontinuierlich fort. Die nun seit mehr als 23 Jahren im Rahmen der Qualitätssicherung außerklinischer Geburten erhobenen bundesweiten Zahlen (www.quag.de) sprechen eine eindeutige Sprache: Außerklinisch zu gebären ist in Deutschland sicher. Natürlich nur für die unkompliziert zu erwartenden Geburten, die von den außerklinisch arbeitenden Hebammen in Betreuung genommen werden aber es kann doch nachdenklich stimmen, dass das grundsätzliche Kaiserschnitt-Risiko für eine Schwangere, die die Geburt von vornherein in der Klinik plant, seit mehr als 25 Jahren kontinuierlich angestiegen ist auf etwa die doppelte Wahrscheinlichkeit (von 15% auf ca. 30%), während sie in der außerklinischen Betreuung weiterhin ein nur sehr geringes, meist unter 10% liegendes allgemeines, individuelles u. v. a. paritätsabhängiges Risiko für eine Verlegung unter der Geburt mit nachfolgender Schnittentbindung eingeht. Zurück zu den hier vorliegenden Kapiteln mit Erfahrungsberichten aus Amerika, Australien, Großbritannien, aber auch Einblicken in die Verhältnisse in den Niederlanden, Ungarn, Kroatien, Russland, Indien und Jordanien, häufig im Vergleich zu Erfahrungen in Australien oder den USA: Die der Problemanalyse gewidmeten Kapitel 1 11 dieses Buchs beschreiben mit vielen Beispielen die Situation vorwiegend in englischsprachigen Ländern, bzw. Ländern, die von der UK/USA Medizin geprägt sind. Besonders interessant gerade für deutsche Leser:innen ist sicherlich das niederländische Kapitel 4, das das besonders hebammenzentrierte Versorgungsmodell mit seinen Begrenzungen durch die immer umfangreichere Indikationsliste für Klinikgeburt in den Blick nimmt, und auch die ökonomische Seite möglicher Systemverbesserung aufgreift. In diesem ersten Teil des Buches wird die Problematik übergriffiger, traumatisierender klinischer Geburtshilfe geschildert, aus der professionellen Sicht von forschenden Hebammen und aus der Perspektive einzelner Gebärender, etliche von ihnen ausgebildete Hebammen. Hier kommen Frauen zu Wort, für die nicht nur die freie Wahl des Geburtsortes extrem eingeschränkt war, sondern die zum Teil unter größten eigenen Anstrengungen dem Routine-Kaiserschnitt und anderen Eingriffen zu entkommen versuchten, die selbst die Wahl haben wollen (und die ist selbst in den Niederlanden bspw. bei Zustand nach Kaiserschnitt von Seiten des Systems eingeschränkt sind, da VBAC zu Hause nicht vorgesehen ist). Zu den positiven Beispielen zählt der Bericht von Lernprozessen in Indien, wo sich an bis…