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Geschlecht, Religion und völkischer Nationalismus
Annika Spilker

Geschichte und Geschlechter Die Ärztin, Frauenrechtlerin und antisemitische Theoretikerin Mathilde von Kemnitz-Ludendorff war eine... Weiterlesen
Kartonierter Einband (Kt), 447 Seiten  Weitere Informationen
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Beschreibung

Geschichte und Geschlechter Die Ärztin, Frauenrechtlerin und antisemitische Theoretikerin Mathilde von Kemnitz-Ludendorff war eine der umstrittensten Figuren der Weimarer Republik. Gemeinsam mit ihrem dritten Ehemann, dem General und Politiker Erich Ludendorff, führte sie den nationalistischen "Tannenbergbund" und gründete den völkisch-religiösen Verein "Deutschvolk", von dem noch heute Nachfolgeorganisationen bestehen. Die Autorin analysiert die komplexen Kommunikationszusammenhänge, in denen Mathilde von Kemnitz-Ludendorff ihre radikalen Erneuerungs- und Erlösungskonzepte bis in die frühen 1930er- Jahre entwickelte. Dabei werden sowohl der medizinhistorische Kontext als auch die Bezüge zur Frauenbewegung in einer kultur- und geschlechtergeschichtlichen Zusammenschau berücksichtigt.

Die Ärztin, Frauenrechtlerin und antisemitische Theoretikerin Mathilde von Kemnitz-Ludendorff war eine der umstrittensten Figuren der Weimarer Republik. Gemeinsam mit ihrem dritten Ehemann, dem General und Politiker Erich Ludendorff, führte sie den nationalistischen "Tannenbergbund" und gründete den völkisch-religiösen Verein "Deutschvolk", von dem noch heute Nachfolgeorganisationen bestehen. Die Autorin analysiert die komplexen Kommunikationszusammenhänge, in denen Mathilde von Kemnitz-Ludendorff ihre radikalen Erneuerungs- und Erlösungskonzepte bis in die frühen 1930er- Jahre entwickelte. Dabei werden sowohl der medizinhistorische Kontext als auch die Bezüge zur Frauenbewegung in einer kultur- und geschlechtergeschichtlichen Zusammenschau berücksichtigt.

Autorentext

Annika Spilker, Dr. phil., arbeitet derzeit als freie Forscherin und Publizistin im Bereich der Geschichtswissenschaft.



Leseprobe
I. Einleitung 1. Das Spruchkammerverfahren gegen Mathilde Ludendorff nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs (1949-1951) Am 23.?November 1949 wurde in München die Verhandlung im Spruchkammerverfahren gegen die damals 72-jährige Ärztin Dr. Mathilde Friederike Karoline Ludendorff, geschiedene Kleine, verwitwete von Kemnitz, geborene Spieß (1877-1966), eröffnet. Sie wird im Folgenden als Mathilde Ludendorff bezeichnet. Der Prozessbeginn wurde mit großem öffentlichem Interesse verfolgt, denn mit Mathilde Ludendorff handelte es sich nicht nur um die Witwe des ehemaligen Weltkriegsgenerals und Politikers Erich Ludendorff (1865-1937), sondern auch um eine äußerst umstrittene Protagonistin im völkischen Spektrum der 1920er und 1930er Jahre. Die ab 1926/27 von Erich und Mathilde Ludendorff gemeinsam geführte Ludendorff-Bewegung war mit ihren Einzelorganisationen, dem Tannenbergbund, dem 1930 gegründeten völkisch-religiösen Verein Deutschvolk und anderen Nebenorganisationen sowie dem Eigenverlag eine der bekanntesten Gruppierungen in der völkischen Bewegung der Weimarer Republik. Gemeinsam konnten beide als das "Haus Ludendorff" ungefähr 10.000 bis über 15.000 Anhängerinnen und Anhänger um sich scharen. Mathilde Ludendorff vertrat in ihren Publikationen ein radikal antisemitisches und antichristliches völkisch-religiöses Deutungssystem, das sie später auch als Philosophie definierte und Deutsche Gotterkenntnis nannte. Die Ziele der Ludendorffs bestanden in einer umfassenden politisch-religiösen Erneuerung Deutschlands und der Durchsetzung antidemokratischer, völkisch-nationalistischer Ideen. Das Verfahren, das sich letztlich bis 1951 hinzog, war der letzte große Spruchkammerfall in Bayern. Die rechtliche Basis war das "Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus" vom 5.?März 1946, das zwischen Deutschland und den USA ausgehandelt worden war. Es hatte zum Ziel, die Verantwortlichen für die nationalsozialistischen Verbrechen, für die Entrechtung und den Mord an Millionen deutscher und europäischer Juden sowie anderer als "minderwertig" stigmatisierter Menschen zur Rechenschaft zu ziehen und eine umfassende Entnazifizierung der deutschen Gesellschaft durchzusetzen. Eingestuft wurde Mathilde Ludendorff, die weder Mitglied der NSDAP noch einer anderen nationalsozialistischen Organisation war, zu Beginn des Spruchkammerverfahrens als mutmaßliche "Hauptschuldige" an der Errichtung und Unterstützung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Begründet wurde die Anklage unter anderem damit, dass sie sich "bereits in den Jahren 1921/22 [...] 'völkischen' und antisemitischen Gedankengängen zugewandt" und diese in den folgenden Jahren durch "eine umfangreiche publizistische Tätigkeit im Dienst der völkischen Bewegung" weiterverbreitet habe. Wer war Mathilde Ludendorff? Ihre Herkunft ließ diese radikale völkische Entwicklung zunächst nicht annehmen. Geboren wurde sie am 4. Oktober 1877 in Wiesbaden. Sie wuchs in einem protestantisch geprägten Elternhaus auf und absolvierte 1895 zunächst ein Lehrerinnenexamen. Diesen Beruf übte sie eine Zeit lang aus, entschloss sich dann aber, das Abitur nachzuholen, um 1901 ihr Medizinstudium in Freiburg im Breisgau aufzunehmen. 1904 heiratete sie Gustav Adolf von Kemnitz (1881-1917), den späteren Privatdozenten für Zoologie und vergleichende Anatomie an der Universität München. Mit ihm bekam sie drei Kinder. 1906 trat das Paar aus der evangelischen Kirche aus - Mathilde Ludendorff war zu diesem Zeitpunkt bereits 28 Jahre alt - und schloss sich für kurze Zeit dem damals neu gegründeten Deutschen Monistenbund an. Ihre Dissertation über den "asthenischen Infantilismus des Weibes in seinen Beziehungen zur Fortpflanzungstätigkeit und geistigen Betätigung" wurde 1913 im Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie publiziert. Im gleichen Jahr erhielt Mathilde Ludendorff ihre Approbation als Ärztin. Sie arbeitete unter anderem bei dem b

Inhalt

Inhalt

I. Einleitung9 1. Das Spruchkammerverfahren gegen Mathilde Ludendorff nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs (1949-1951)9 2. Ärztin, antisemitische Intellektuelle, Antidemokratin: Annäherungen an eine Repräsentantin des völkischen Nationalismus23 2.1 Forschungsstand24 2.2 Methodisch-konzeptionelle Überlegungen29 2.3 Aufbau und Quellengrundlage44

II. Völkische Bewegung, Antifeminismus und völkische Religion am Anfang des 20. Jahrhunderts48 1. Völkische Bewegung und völkischer Nationalismus49 2. Männerbund und Frauenemanzipation: Politische Handlungsräume völkisch orientierter Frauen64 3. Völkische Religion und völkische Religiosität70

III. Lebensgeschichtliche Prägungen, Öffentlichkeiten und Kommunikationszusammenhänge im Kaiserreich und in der Weimarer Republik87 1. Kindheit, Jugend und Arbeit als Lehrerin im ausgehenden 19. Jahrhundert88 1.1 Das Elternhaus: Familiäre und religiöse Prägungen88 1.2 Schulausbildung und Lehrtätigkeit96 2. Abitur, Medizinstudium, Promotion und die Ehe mit Gustav Adolf von Kemnitz99 2.1 Entscheidung zur ärztlichen Laufbahn99 2.2 Im Umfeld von Lebensreform, Monismus und Rassenhygiene107 3. Ärztin im Kaiserreich120 3.1 Volontärassistentin an der Psychiatrischen Klinik der Universität München unter Emil Kraepelin120 3.2 Ärztliche Kritikerin an Albert von Schrenck-Notzing und dem zeitgenössischen Okkultismus127 3.3 Nervenärztin im Ersten Weltkrieg: Politisierung und nationalistische Radikalisierung134 4. Ärztliche Sozial- und Sexualreformerin zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik146 4.1 Publizistische Tätigkeit als ärztliche Sozial- und Sexualreformerin und die Ehe mit Edmund Georg Kleine146 4.2 Der »Weltbund nationaler Frauen« und Hinwendung zur radikalen Rechten157 5. Völkische Nationalistin in der Weimarer Republik166 5.1 Im Umfeld der frühen NSDAP und die Beziehung zu dem »geschlagenen Feldherrn« Erich Ludendorff166 5.2 Verbindungen zur »Edda-Gesellschaft« (1925-1927)192 5.3 Politische Ideengeberin und völkisch-religiöse Vordenkerin der »Ludendorff-Bewegung«205 5.4 »Deutsche Frauen« und »Deutsche Männer«: Geschlechterbilder und Geschlechterverhältnisse im »Tannenbergbund«231

IV. Reform der Geschlechterverhältnisse und das Projekt einer völkisch-religiösen Erneuerung253 1. Reform der Geschlechterverhältnisse: Frühe sozial- und sexual­reformerische Erneuerungsvorstellungen253 1.1 Im »Sinne der Rassenhygiene« (1913): Wider die These vom »physiologischen Schwachsinn des Weibes«256 1.2 »Hand in Hand mit dem Manne« (1917): Gesellschaftskritik und geschlechterpolitische Erneuerungsvorstellungen261 1.3 »Sexualmoralisches Neuland« (1919): Entwurf einer umfassenden Sexualreform272 2. Das Projekt einer völkisch-religiösen Erneuerung281 2.1 »Eine auf prinzipiell neuer Basis aufgebaute Religion der Zukunft« (1921): Konzeption einer völkisch-religiösen Erneuerung282 2.2 »Deutsche Gotterkenntnis« - »Deutscher Gottglaube«: Ersatzreligion oder Religionsersatz?299 2.3 Erleben - Erkenntnis - Erlösung, oder: »Juden« und »gänzlich Entdeutschte« als »Mörder« der »Deutschen Seele«315 3. Die Konstruktion völkischer Geschlechterverhältnisse: Völkische Geschlechtertheorien und die Konzeption einer ­»nordischen Erotik«350

V. Fazit376

Anhang386 Abkürzungsverzeichnis386 Abbildungsnachweis387 Quellen und Literatur388 Dokumente431 Dank440 Personenregister443

Produktinformationen

Titel: Geschlecht, Religion und völkischer Nationalismus
Untertitel: Die Ärztin und Antisemitin Mathilde von Kemnitz-Ludendorff (1877-1966)
Autor: Annika Spilker
EAN: 9783593399874
ISBN: 978-3-593-39987-4
Format: Kartonierter Einband (Kt)
Herausgeber: Campus Verlag GmbH
Genre: 20. Jahrhundert (bis 1945)
Anzahl Seiten: 447
Gewicht: 551g
Größe: H213mm x B141mm x T30mm
Veröffentlichung: 04.11.2013
Jahr: 2013
Auflage: 1. Aufl. 11.2013

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