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Verrechtlichung und Verdrängung

  • Kartonierter Einband
  • 328 Seiten
Je richtiger die banale Feststellung wird, daB fast alles mit allem zusammenhangt, desto weniger scheinen wir die Zusammenhange zu... Weiterlesen
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Beschreibung

Je richtiger die banale Feststellung wird, daB fast alles mit allem zusammenhangt, desto weniger scheinen wir die Zusammenhange zu begreifen. Diese Beobachtung gilt nicht nur fUr un sere Erlebnisse im Alltag, sie gilt auch, ja starker noch, fur die wissenschaftliche Beschaftigung. "Die" Wirklichkeit wird wissenschaftlich zerstuckelt und abstrakt; die Analysen einzelner Probleme beschranken sich auf magere Ausschnitte, die ihrerseits allein unter fach-spezifischer Perspektive, sei es okonomischer, sei es psychologischer, sei es soziologischer Art behandelt werden. Was Wunder, daB viele soziale Probleme gar nicht zur Kenntnis genommen werden, oder daB die Ursachen derselben durch das Raster der Fachdisziplinen und isolierten Aspekte fallen. Aus einem noch ehrgeizigeren Plan wurde 1974 ein schon im Anspruch betrachtlich herabgesetztes Projekt, dem es unter dem gerade angetippten Stichwort "Zusammen hang" urn ein Doppeltes ging: Zum einen sollte die Analyse scheinbar unverbundener Bereiche Aussagen ermog lichen, die uber die einzelnen Bereiche hinaus auf die Bundesrepublik und ihre Wirk lichkeit insgesamt schlieBen lassen sollten. Ais soIehe Bereiche wurden aufgrund allge meiner Uberlegungen und individuelIer V orlieben einzelner Mitarbeiter des Projekts ausgewahlt: die Situation der J ugendfUrsorge, die Lage der Gastarbeiter, die Behandlung der psychisch Kranken und Struktur und Funktion der Polizei.

Autorentext
Heinz-Gerhard Haupt, Professor für Sozialgeschichte an der Universität Bielefeld, lehrt gegenwärtig am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz.

Inhalt

Einleitung: Der Rechtsstaat als Sozialstaat und der Sozialstaat als Rechtsstaat.- 1. Das Regel-Netz ist dicht und wird dichter.- 2. Zum Funktionswandel des Rechts.- 3. Verrechtlichung heißt Bürokratisierung.- 4. Wohlfahrtsstaat und Polizei - die Grenzverwischung.- 5. Aspekte der Fragestellung: Wie lassen sich die Kosten des Sozialstaats dingfest machen?.- 6. Gegenstand der Untersuchung: Randbereiche der herrschenden Normalität.- 7. Darstellungsweise des Bandes.- I. Kapitel: Hilfsjugend und helfende Gesellschaft.- 1. Was heißt Jugend? Hinweise anhand der staatlichen Jugendpolitik.- 1.1 Indikatoren staatlicher Jugendpolitik - "randständige" Jugend in der Definition staatlicher Jugendhilfe.- 1.2 Zum Ausmaß der "randständigen" Jugend.- 1.3 Zusammenfassung des Überblicks.- 2. Jugendliche Karrieren bürokratisch programmiert.- 2.1 Neuralgische Punkte einer Fürsorgekarriere - Stichwort: "auffällig".- 2.2 Wer ist es denn, dem etwas "auffällt" und den dasselbe ärgert?.- 2.3 Was geschieht mit den einmal aktenkundig Gewordenen? (I).- 2.4 Was geschieht, wenn das Aktenleben zum eigentlichen wird? (II).- 2.5 Was geschieht, wenn man wirklich erzogen wird? (III).- 2.6 Was geschieht, wenn sich Erfolg einstellt? (IV).- 3. Das Recht der Jugendhilfe und die Hilferechte wahrenden Institutionen.- 3.1 Das Recht zur Jugendwohlfahrt: Deklamation, Reservation und Verdrängung.- 3.2 Zersplitterung als Prinzip der Jugendverwaltung.- 3.3 Fallbeispiel Nordrhein-Westfalen: Jugendhilfe und Polizei.- 3.4 Die 1980 gescheiterte Änderung des JWG als Jugendhilfegesetz.- 3.5 Exkurs: Neue sozialpädagogische Konzepte: Ein Ausweg?.- 4. Jugendhilfe - die doppelte Randständigkeit bleibt: Eine Zusammenfassung.- 4.1 Aus der verwalteten Jugendwelt gibt es keinen Ausweg.- 4.2 Gutwilligkeit, Hilflosigkeit und die Logik der Bürokratie.- 5. Reichsjugendwohlfahrtsgesetz, Jugendwohlfahrtsgesetz, Jugendhilfegesetz (gescheitertes Reformgesetz) - Kontinuität im Wandel.- II. Kapitel: Psychisch krank ist nur der andere.- 1. Psychiatrische Versorgung in der BRD.- 2. Karrieren psychisch Kranker.- 2.1 Die "gewöhnliche Versorgung".- 2.2 Die "freiwillige" Behandlung.- 2.3 Die ungeeignete Behandlung.- 3. Der Regulierungskomplex und seine Institutionen.- 3.1 Vielzahl der Träger.- 3.2 Unsicherheit der Kostenregelung.- 3.3 Netz unterschiedlicher rechtlicher Bestimmungen.- 3.4 Faktoren einheitlicher Rechtsauslegung.- 4. Realität der Regelungen aus der Perspektive der Patienten.- 4.1 Entmündigung zum Objekt.- 4.2 Fürsorge versus Selbstbestimmung.- 4.3 Helfen und Disziplinieren.- 5. Kontinuität und Wandel.- 5.1 Problematische Reform der Institutionen der Psychiatrie?.- III. Kapitel: Das "Ausländerproblem" oder: Wie man die Probleme der Arbeitsimmigranten administrativ verdrängt.- 1. Die Bundesrepublik: Ein Arbeitsland, kein Einwanderungsland.- 1.1 Die ausländischen Arbeiter als Arbeitsmarktreserve: 1955-1973.- 1.2 Die siebziger Jahre: Vom Gastarbeiter zum hier lebenden Immigranten.- 1.3 Daueraufenthalt, Einwanderung: Die Bewältigung eines politischen Tabus.- 2. Immigrantenschicksal: Die "Integration" des Mustafa Ö..- 3. Die staatliche Disposition über die Arbeitsimmigranten.- 3.1 Die arbeitsmarktpolitische Regulierung.- 3.2 Ausländerrechtliche Regulierung des Arbeitsimmigranten.- 4. Ausländerpolitik als Politik administrativer Verfügbarkeit.- IV. Kapitel: Im Notfall die Polizei.- 1. Eine kurze Skizze innerstaatlicher Sicherheitsapparate.- 1.1 Die Reorganisation des Kontinuums staatlicher Gewalt.- 1.2 Die Polizeireform.- 2. Zur Situierung im bürokratischen Regelungskomplex.- 3. Beispiele polizeilicher Wahrnehmungs- und Aktionsmuster.- 3.1 Aus dem "Tagebuch" eines Wachtleiters am Bahnhof Zoo.- 3.2 Prävention 1: Einrichtung von Kontrollstellen.- 3.3 Prävention 2: Planungen und polizeiliche Prävention: Das Beispiel Städtebau.- 4. Polizeiliche Sicherheitslage und Bürger als Objekt.- 4.1 Die polizeiliche Problemwahrnehmung.- 4.2 Der Bürger als Objekt staatlicher Prävention.- 5. Die Aktualität deutscher Traditionen und die Suche nach neuen Maßstäben.- 5.1 Von der preußischen Exekutivpolizei zur modernen Präventionspolizei.- 5.2 Abbau an physischer Gewaltsamkeit und Aufbau eines Kontinuums legitimer physischer Gewaltsamkeit.- V. Kapitel: Verrechtlichung und Verdrängung - ein Resümee.- 1. Was haben psychisch Kranke, ausländische Arbeiter und Jugendliche miteinander gemein? Welche Rolle spielt die Polizei?.- 2. Man kann weder von den Ausländern noch den Jugendlichen oder den psychisch Kranken reden, ohne vor allem von der jeweils einschlägigen und doch immer gleichen Verwaltung zu sprechen.- 2.1 Bürokratische Form und politischer Inhalt.- 2.2 Leistungsverwaltung: Ein neuer Typ?.- 2.3 Hoheits- und Leistungsverwaltung am Beispiel der Jugendlichen, der psychisch Kranken und der ausländischen Arbeiter.- 2.4 Bürokratiekritik und die Krise der Leitungsverwaltung.- 3. Professionalisierung.- 4. Im Irrgarten der Verrechtlichung.- 4.1 Normenflut.- 4.2 Motive der Verrechtlichung.- 5. Verrechtlichung - eine Niederlage des bürgerlichen Subjekts? Eine Zusammenfassung.- 5.1 Die rechtliche Aufspaltung des Subjekts.- 5.2 Zugriffsfreie Räume schwinden - ein neuer Begriff der Integrität ist erforderlich.- 5.3 Die politisch neutralisierende Funktion des Rechts.- 5.4 Recht als Recht der Bürokratie.- 5.5 Die Rolle der Rechtfertigung von Herrschaft.- 5.6 Strategische Überlegungen.- 6. Wer sorgt sich um die Vorsorge?.- 6.1 Mangelndes bzw. konventionell-herrschendes Konzept der Normalität.- 6.2 Das nicht thematisierte Präventionsverfahren.- 6.3 Prävention ist nicht gleich Prävention - dennoch: durchgehende Merkmale.- 7. Die globale Ursache: negative Vergesellschaftung.- 8. Das Thema staatlicher Gewalt bleibt auf der Tagesordnung.- 9. Voraussetzungen einer eigenen "politischen Produktion".- 9.1 Kriterien jeglicher Reform.- 9.2 Einige Hinweise zu Ansatzpunkten bürokratischer oder den bürokratischen Fängen und Zwängen sich entziehender Reform.- Anmerkungen.

Produktinformationen

Titel: Verrechtlichung und Verdrängung
Untertitel: Die Bürokratie und ihre Klientel
Autor:
EAN: 9783531116563
ISBN: 978-3-531-11656-3
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Genre: Öffentliches Recht
Anzahl Seiten: 328
Gewicht: 420g
Größe: H200mm x B250mm x T18mm
Jahr: 1984
Auflage: 1984