

Beschreibung
Bei einer Schulexkursion entdeckt die 15-jährige Ulla in einem Landschaftsschutzgebiet eine im Bau befindliche Datscha und eine Forellenzucht - beides ganz offensichtlich ungenehmigt. Die Spur nach dem Verursacher führt zu einem einflussreichen Kader und seine...Bei einer Schulexkursion entdeckt die 15-jährige Ulla in einem Landschaftsschutzgebiet eine im Bau befindliche Datscha und eine Forellenzucht - beides ganz offensichtlich ungenehmigt. Die Spur nach dem Verursacher führt zu einem einflussreichen Kader und seinem computerbegeisterten Sohn. Während sich die Jugendlichen für den Natur- und Artenschutz einsetzen, stoßen sie bei den Erwachsenen auf wenig Verständnis für ihr Anliegen.
Biologie! wurde im Spätsommer/Frühherbst 1989 gedreht, nachdem die Adaption des Buches Die Wasseramsel des Schriftstellers und Naturfotografen Wolf Spillner mehrfach abgelehnt wurde. Der Film nimmt das vorweg, was heute als Fridays for Future Geschichte schreibt.
Der Bonusfilm Abschiedsdisco von Rolf Losansky greift mit starken, symbolhaften Bildern den Verlust von Heimat durch den Braunkohleabbau und der ersten großen Liebe auf.
Autorentext
Foth, Jörg
Regisseur Jörg Foth ( 1949) hatte die DEFA nach Auslaufen seines Nachwuchsvertrags zum 1. Januar 1989 eigentlich bereits enttäuscht verlassen, um sich dem Theater zu widmen. Ihm war nach seinem Debütfilm Das Eismeer ruft (1983) lange Zeit kein eigenes Spielfilmprojekt anvertraut worden. Die von ihm gemeinsam mit Regisseur Tran Vu realisierte Co-Produktion der DEFA mit Vietnam, Dschungelzeit (1987), verschwand nach wenigen Tagen aus den Kinos, nachdem sich die Vietnamesen von dem Projekt distanziert hatten. Erika Richter überzeugte Foth im Frühjahr 1989 zur Rückkehr, um Die Wasseramsel zu verfilmen. Die Dreharbeiten in Brandenburg begannen am 16. August und endeten am 1. November 1989 wenige Tage vor dem Mauerfall. Die tagesaktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen im Herbst 1989 drängten die thematische Brisanz des Films, der die Wendeereignisse nahezu unbeachtet lässt, zurück. Biologie! wurde kaum in den Kinos gezeigt. Renate Kruppa schrieb am 22. September 1990 nach der offiziellen Filmpremiere im Kammerkino Schwerin in der Schweriner Volkszeitung: "Noch vor einem Jahr wäre der kritische Streifen sicher eine Sensation gewesen, heute erscheint er wie ein Traum von gestern."
Klappentext
BIOLOGIE!
DEFA-Studio für Spielfilme, Gruppe "Babelsberg", 1990
Regie: Jörg Foth
Szenarium: Gabriele Kotte, Wolfgang Müller
Literarische Vorlage: Roman "Die Wasseramsel" von Wolf Spillner
Kamera: Michael Göthe
Schnitt: Haike Brauer
Ton: Günter Witt, Günter Springer
Musik: Christoph Theusner
Dramaturgie: Erika Richter
Produktion: Alexander Gehrke
Darsteller:
Stefanie Stappenbeck, Cornelius Schulz, Uta Reckzeh, Robert Arnold, Carl Heinz Choynski, Katrin Klein, Peter Prager, Heide Kipp, Horst Rehberg, Axel Werner u.a.
DEFA-Fotograf: Dieter Jaeger
Copyright: DEFA-Studio für Spielfilme 1990 © DEFA-Stiftung. All rights reserved.
FFA-Förderprogramm Filmerbe (Förderung Digitalisierung)
Im letzten Schuljahr an der Oberschule unternimmt die 15-jährige Ulla gemeinsam mit ihrer Klasse und ihrem Lehrer eine Exkursion ins Landschaftsschutzgebiet. Dabei entdeckt sie, dass dort eine Datsche gebaut und eine Forellenzucht betrieben wird. In dem Mädchen regt sich Widerstand. Sie ist nicht bereit, die Eingriffe in die Natur hinzunehmen und setzt für ihre Ideale die eigene Zukunft bedingungslos aufs Spiel. Während sich viele Jugendliche für Natur- und Artenschutz einsetzen, stößt ihr Engagement in der Erwachsenengeneration weitgehend auf Unverständnis. Wenn Ulla ihrer Mutter energisch entgegenruft: "Sollen wir denn einfach zusehen, wie unter dem Siegel der Verschwiegenheit alles in die Binsen geht?", hat das durchaus Parallelen zur schwedischen Schülerin Greta Thunberg, die rund dreißig Jahre nach der Filmpremiere von Biologie! mit Ihrem Schulstreik fürs Klima und der daraus hervorgehenden Fridays for Future-Bewegung weltweit für Aufsehen sorgt.
Biologie! ist jedoch nicht nur ein Plädoyer für den Umweltschutz, sondern auch eine Teenager-Liebesgeschichte. Ulla verliebt sich in den computerbegeisterten Winfried, den Sohn der Familie Tübner, die im Landschaftsschutzgebiet baut. Unter Ullas Einfluss beginnt auch er gegen die Elterngeneration zu rebellieren. "Du redest doch alle tot mit deinen ewig geschliffenen Reden. Ich kann das nicht mehr hören. Eure Augenauswischerei - Sie kotzt mich an!", wirft er seinem Vater an den Kopf und stellt sich damit auf die Seite der jungen Umweltschützerin.
Hauptdarstellerin Stefanie Stappenbeck begann bereits als Schülerin mit der Schauspielerei. Ihr Debüt feierte die 1974 in Potsdam Geborene 1986 in der Fernsehproduktion Der Elterntauschladen (R: Carl-Hermann Risse). Zwei Jahre später spielte sie die Anette im weihnachtlichen TV-Kultfilm Die Weihnachtsgans Auguste (R: Bodo Fürneisen). Die Rolle der Ulla in Biologie! war ihr erstes Engagement in einem Kinofilm. In den Erwachsenenrollen wirken bekannte Gesichter der DEFA mit, u.a. Carl Heinz Choynski als Lehrer Hansen; weiterhin Peter Prager, Heide Kipp und André Hennicke. In Cameo-Auftritten sind Dokumentarfilmregisseurin Helke Misselwitz und Dramaturgin Erika Richter zu sehen.
Biologie! basiert auf der literarischen Vorlage Die Wasseramsel des Schriftstellers und Naturfotografen Wolf Spillner. Eine Verfilmung wurde bereits ab 1982 bei der DEFA diskutiert, jedoch mehrfach zurückgewiesen. Im Februar 1989 lehnte Generaldirektor Hans Dieter Mäde den Stoff ein letztes Mal ab. Nachdem Mäde - offiziell aus gesundheitlichen Gründen - seine Leitungsaufgaben nicht mehr wahrnahm, entstand ein Entscheidungsvakuum, in dessen Folge auch die Wasseramsel-Adaption 1989 noch bewilligt wurde.
Regisseur Jörg Foth (* 1949) hatte die DEFA nach Auslaufen seines Nachwuchsvertrags zum 1. Januar 1989 eigentlich bereits enttäuscht verlassen, um sich dem Theater zu widmen. Ihm war nach seinem Debütfilm Das Eismeer ruft (1983) lange Zeit kein eigenes Spielfilmprojekt anvertraut worden. Die von ihm gemeinsam mit Regisseur Tran Vu realisierte Co-Produktion der DEFA mit Vietnam, Dschungelzeit (1987), verschwand nach wenigen Tagen aus den Kinos, nachdem sich die Vietnamesen von dem Projekt distanziert hatten. Erika Richter überzeugte Foth im Frühjahr 1989 zur Rückkehr, um Die Wasseramsel zu verfilmen. Die Dreharbeiten in Brandenburg begannen am 16. August und endeten am 1. November 1989 wenige Tage vor dem Mauerfall. Die tagesaktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen im Herbst 1989 drängten die thematische Brisanz des Films, der die Wendeereignisse nahezu unbeachtet lässt, zurück. Biologie! wurde kaum in den Kinos gezeigt. Renate Kruppa schrieb am 22. September 1990 nach der offiziellen Filmpremiere im Kammerkino Schwerin in der Schweriner Volkszeitung: "Noch vor einem Jahr wäre der kritische Streifen sicher eine Sensation gewesen, heute erscheint er wie ein Traum von gestern."
Die Band, die im Film auf der Messe der Meister von morgen (MMM) mit dem Lied "Langeweile" der Gruppe Pankow auftritt und sich für Biologie! The Breads nannte, besteht im Kern aus den Mitgliedern einer in den 1990er Jahren unter dem Namen The Inchtabokatables bekannten Berliner Band. Geiger und Sänger der Gruppe waren bereits in Jörg Foths DEFA-Dokumentarfilm Ach du jeh - Ein Hans Dampf und Wurst Dokument (1989) zu sehen. Biologie! zeigt weiterhin einen Ausschnitt des DEFA-Augenzeugen 24/1950, in dem der 1988 verstorbene britische Journalist John Scott Peet prophezeit: "Einmal wird die Zeit kommen, wo alle Journalisten ehrlich und anständige Menschen sein können, statt wie heutzutage die Füllfeder der Kriegshetze." Peet war 1950 in die DDR übergesiedelt und dort zunächst mehr als zwei Jahrzehnte Chefredakteur des Democratic German Report. 1975 wurde die Zeitschrift, die sich zunehmend DDR-kritisch äußerte, auf politische Weisung eingestellt und Peet ging in den Ruhestand.
Philip Zengel
Bonusfilm
ABSCHIEDSDISCO
DEFA-Studio für Spielfilme, Gruppe "Berlin", 1989
Regie und Drehbuch: Rolf Losansky
Szenarium: Joachim Nowotny
Literarische Vorglage: Erz…
