

Beschreibung
Es gehört zu den bekannten Topoi mittelalterlicher Literatur, dass Außen und Innen der Protagonisten ein hohes Maß an Kongruenz aufweisen. Diese Kongruenz wird auch da thematisiert, wo sie - scheinbar - nicht gilt, so etwa im vermeintlichen Kaufmannssohn Trist...Es gehört zu den bekannten Topoi mittelalterlicher Literatur, dass Außen und Innen der Protagonisten ein hohes Maß an Kongruenz aufweisen. Diese Kongruenz wird auch da thematisiert, wo sie - scheinbar - nicht gilt, so etwa im vermeintlichen Kaufmannssohn Tristan. Dies zeigt bereits, wo und wie die Vorstellung der Kongruenz von Innen und Außen - und damit die Möglichkeiten zur Verstellung - an ihre (zumindest narrativen) Grenzen stößt. Der Tristan-Stoff und das Nibelungenlied bieten viel diskutierte und wohlbekannte Beispiele einer erfolgreichen Verstellung, einem temporären Aufheben dieser Kongruenzbeziehung. Doch auch außerhalb dieser bekannten Fälle gibt es Beispiele für Verstellungen: Die im Band versammelten Aufsätze diskutieren Fälle, die von der angelsächsischen Genesis B über Herzog Ernst, Alexanderroman bis hin zum Friedrich von Schwaben reichen, Phänomene aus dem Minnesang und aus der Aristoteles und Phyllis-Tradition werden ebenso diskutiert wie solche aus der Mystik.
Prof. Dr. Matthias Meyer lehrt Ältere deutsche Literatur an der Universität Wien. Alexander Sager ist Professor für deutsche Literatur an der University of Georgia in Athens, Georgia, USA.
One of the well-known topoi of medieval literature is the high degree of congruity between the outer and inner character of the protagonist. This congruity is also discussed where it does not appear to exist, for instance in the supposed merchant's son Tristan. This already shows where and how the notion of congruity between the outer and inner person - and thus the possibility of disguise - reaches its limits (at least in narrative terms). The Tristan theme and the Nibelungenlied offer much-discussed and well-known examples of at least temporarily successful disguise, a temporarily broken congruity. Going beyond these well-known cases there are other examples of dissimulation - some much more successful, and others complete failures. The essays in this anthology discuss cases ranging from the Anglo Saxon Genesis B to Herzog Ernst, the Alexander romance and Friedrich von Schwaben, aspects of Minnesang and the Aristotle and Phyllis tradition as well as mysticism.
Autorentext
Matthias Meyer ist Universitätsprofessor für Ältere deutsche Sprache und Literatur am Institut für Germanistik der Universität Wien.
Inhalt
1;Title Page;3
2;Copyright;4
3;Table of Contents;5
4;Body;7
5;Vorwort;7
6;Martin Baisch (Hamburg): Seitensprünge und Eisenstäbe. Blutspuren in Szenarien von Betrug und Verstellung;9
6.1;1. Was ist eine Spur?;11
6.2;2. Seitensprünge;25
6.3;3. Eisenstäbe;27
7;Bernd Bastert (Bochum): "Überwachen und Strafen". simulatio und dissimulatio in deutschen Chanson de geste-Bearbeitungen des 12.-14. Jahrhunderts;35
8;Harald Haferland (Osnabrück): Die Kontingenz der Innenwelt. Liebesbetrug in Konrads von Würzburg "Trojanerkrieg";53
9;Johannes Keller (Wien): Verborgene Küsse - gefesselte Füße. Das "St. Trudperter Hohelied" am Scheideweg;75
9.1;1. Verstellung - Geheimnis - Betrug;75
9.2;2. Betrug und Täuschung: Lucifer;77
9.3;3. Geheimnis: verborgene Küsse;82
9.4;4. Verstellung als und am Scheideweg;85
10;Manfred Kern (Salzburg): Täuschend erotisch. Poetische Verstellung und metapoetische List im "Roman de la Rose";89
10.1;I.;96
10.2;II.;101
10.3;III.;108
11;Florian Kragl (Erlangen): Betrogen? Eindruckslose Listen und gleichmütige Verlierer in "Flore und Blanscheflur" und anderswo;113
11.1;I. Vom Zorn des Betrogenen;113
11.2;II. Wie Flore den Turmwächter überlistet;116
11.3;III. Einen haltlosen Schwur halten;120
11.4;IV. Literarische Listen des frühen 13. Jahrhunderts und mhd. list;124
11.5;V. Historische Anthropologie?;130
11.6;VI. Historische Narratologie?;132
11.7;VII. Gier und Spielsucht - milte und triuwe;133
11.8;VIII. Höfische List;136
12;Matthias Meyer (Wien): Verstellung und andere Kleinigkeiten. Überlegungen zur Normalität von Verstellung;143
12.1;1. Taktvolle Verstellungen: Hartmanns höfische Mustermänner;144
12.2;2. Konrads von Würzburg "Engelhard": Gefühlsmäßiger Betrug;150
12.3;3. Sozialer Erfolg und narrativer Misserfolg: Verstellung im "Friedrich von Schwaben";152
13;Lydia Miklautsch (Wien): Das verstellte Ich. Heinrich von Morungen und Walther von der Vogelweide;157
13.1;1. Das Ich und seine Rollen;157
13.2;2. "Es gibt keine Gedichte, nur Beziehungen zwischen Gedichten" - Harold Blooms "Einflussangst".;159
13.3;3. Heinrich von Morungen oder wer ist der Star?;162
13.4;4. Walther von der Vogelweide oder wer ist der Alte?;167
14;Scott E. Pincikowski (Frederick): Wahre Lügen: Das Erkennen und Verkennen von Verstellung und Betrug in "Herzog Ernst B", "Kudrun" und "König Rother";175
14.1;I. Einführung;175
14.2;II. Erkennen und Verkennen von Verstellung und Betrug am Hof;178
14.3;III. Selbstbetrug und wahre Lügen;185
14.4;IV. Fazit;192
15;Ann Marie Rasmussen (Waterloo): Problematizing Medieval Misogyny. Aristotle and Phyllis in the German Tradition;195
15.1;Aristotle as a Love Slave, or The Mounted Aristotle;196
15.2;The Problem of Misogyny;200
15.3;Mounted Aristotle in the Courtly Mode;204
15.4;The Mounted Aristotle in the Burlesque Mode: Nuremberg Carnival Plays;212
15.5;Conclusions;217
16;Alexander Sager (Athens): Verwirrende Worte, weiches Denken. Der Betrug Evas in der "Genesis B";221
16.1;I. Handlungszusammenfassung;222
16.2;II. Forschungspositionen;225
16.3;III. Das Nachspiel im Garten;234
17;Markus Stock (Toronto): Lesbarkeit. Herrscher und Verräter im "Alexander" Rudolfs von Ems;239
17.1;I Ambivalenzen der Alexandertraditionen;239
17.2;II Der Körper des Herrschers;243
17.3;III Lesbarkeit;248
17.4;IV Die Philotas-Affäre;250
17.5;V Vertrauen, Verfahren und Sichtbarkeit;256
18;Julia Zimmermann (München): Narrative Lust am Betrug. Zur Nektânabus-Erzählung in Rudolfs von Ems "Alexander";261
18.1;I.;261
18.2;II.;263
18.3;III.;267
18.4;IV.;271
18.5;V.;278