

Beschreibung
Feuer! Die Schriften Luthers brennen. Für den Seminaristen Johan wird dieses Erlebnis zum Wendepunkt in seinem Leben. Aus dem braven Priesteranwärter wird ein furchtloser Anhänger Luthers, der sich von niemanden mehr etwas vorschreiben lässt. Als er Wendel beg...Feuer! Die Schriften Luthers brennen. Für den Seminaristen Johan wird dieses Erlebnis zum Wendepunkt in seinem Leben. Aus dem braven Priesteranwärter wird ein furchtloser Anhänger Luthers, der sich von niemanden mehr etwas vorschreiben lässt. Als er Wendel begegnet, die nach dem Tod ihres Vaters mutig allein dessen Werkstatt führt, verliebt sich Johan auf der Stelle in sie. Gegen alle äußeren Widerstände heiraten sie - und müssen nach Münster flüchten, der Hochburg der Wiedertäufer. Doch auch hier droht ihnen Gefahr.
Tilman Röhrig, geboren 1945, lebt in der Nähe von Köln. Der ausgebildete Schauspieler ist seit über vier Jahrzehnten als freier Schriftsteller tätig. Die größten Erfolge brachten ihm seine historischen Romane, die allesamt Bestseller und vielfach übersetzt wurden. Für sein literarisches Werk erhielt der Autor, dessen lebendige Lesungen begeistern, zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Großen Rheinischen Kulturpreis.
Kein Autor kombiniert pralles Sittengemälde und sorgfältig recherchierten Historienroman so glanzvoll wie Tilman Röhrig - ein historischer Roman während der Reformation Feuer! Die Schriften Luthers brennen. Für den Seminaristen Johan wird dieses Erlebnis zum Wendepunkt in seinem Leben. Aus dem braven Priesteranwärter wird ein furchtloser Anhänger Luthers, der sich von niemanden mehr etwas vorschreiben lässt. Als er Wendel begegnet, die nach dem Tod ihres Vaters mutig allein dessen Werkstatt führt, verliebt sich Johan auf der Stelle in sie. Gegen alle äußeren Widerstände heiraten sie - und müssen nach Münster flüchten, der Hochburg der Wiedertäufer. Doch auch hier droht ihnen Gefahr.
Autorentext
Tilman Röhrig, geboren 1945, lebt in der Nähe von Köln. Der ausgebildete Schauspieler ist seit über vier Jahrzehnten als freier Schriftsteller tätig. Die größten Erfolge brachten ihm seine historischen Romane, die allesamt Bestseller und vielfach übersetzt wurden. Für sein literarisches Werk erhielt der Autor, dessen lebendige Lesungen begeistern, zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Großen Rheinischen Kulturpreis.
Leseprobe
Novembernebel, vermischt mit dem Gestank des Hafens, ein schwacher Südost trieb die schweren Schwaden, vollgesogen mit fauligem Fischgeruch, bis zum Domplatz hinauf.
Der Holzstoß, größer als sonst, kein Pfahl in der Mitte, nichts war wie sonst. Nur die Tribüne war fest gezimmert, hoch und breit wie immer, doch sie stand am falschen Platz. Entweder an den Heumarkt, besser noch auf Melaten vor der Stadt, dorthin gehörte sie an solch einem Tag, und nicht direkt vor das Angesicht des Kölner Doms.
»Bis ich das begreife!« Christoff Heftrich spuckte in den Scheiterhaufen. Früh war es noch, gerade grau, mit Nebel begann der Novembermorgen noch später als sonst. Zwei Schritte, sein rechter Stiefel traf einen Bettler in den Leib. Der Alte krümmte sich auf dem Boden, kroch erst und schlich zu der lauernden Gruppe zurück.
»Bis ich einen von euch hier brate mit einem Stock im Arsch wie eine Sau!«
Als Antwort feixten die Bettler, drohten mit ihren Knüppeln. Ein Holzscheit von diesem Stoß! Die Nächte waren wieder klamm bis in die Lumpen, wurden kälter. Holz vom Stoß, das müsste heizen, Höllenglut im Ofen! Das zu stehlen war eine Mutprobe, fast ein Spiel mit dem Bösen. Nie war es gelungen, bis heute nicht, vielleicht schon beim nächsten Versuch.
»Nicht bei mir!« Christoff Heftrich zeigte ihnen die Fäuste.
»Blutschinder! Hanss! Hanss!«, schrien sie.
Ihr Spott hetzte seinen Atem, er bleckte die Zähne und biss sich auf die Knöchel. Die Lücke links neben den großen Zähnen machte aus seinem Gesicht bei jedem Wutgrinsen, auch jedem Lachen, eine Fratze. Durch diese Lücke spuckte er über die kleine Flamme des Feuertopfs zu den Bettlern hin. Kein Speichelgeschoss, die Zunge trieb einen langen Strahl, und stets führte sein Mund viel Wasser.
Unter dem braunen Mantelumhang trug er das ärmellose Wams aus weißem Schafspelz, sein Winterfell, darunter Rot, vom Halsrand bis zu den Handgelenken, bis zur Hüfte, eng, nach unten im gleichen Rot die Hose, eng bis in die Stiefel.
Heute sollte es nicht so heiß werden, nicht durchs Feuer und nicht von innen her. »Was soll ein Scheiterhaufen, wenn kein Mensch verbrannt wird? Bis ich das begreife!« Er solle den Haufen schichten, langes Holz und viel Stroh. Gut brennen solle es, mehr war ihm vom Greven nicht gesagt worden.
Vorsorglich hatte Christoff Heftrich seinen Huren verboten, ihn heute bei der Arbeit zu beobachten, selbst denen, die im letzten Monat nicht gezahlt hatten.
Sonst war es schon nützlich, den Weibern die Kraft zu zeigen. Nicht nur mit Feuer oder dem schnellen Würgegriff. Das Schwert schlägt den Kopf ab. Das macht Eindruck, wenn das Blut aus dem Rumpf schießt, der Kopf auf die Stange gespießt wird wie beim Fest des heiligen Martin eine ausgehöhlte Rübe. Das machte die Weiber still und gehorsam. Die schönste Lust pulst erst, wenn Angst das Fleisch willig macht. Seine Weiber! Schließlich war er der Henker von Köln, schließlich war er der Beschützer der Huren.
Die rechte Hand glitt in den Umhang, tastete unter das Schafsfell, mit den Fingerkuppen rieb er den roten Stoff über dem Zeichen, seinem Mal. Ein Blutschwamm, der neben dem Herzen begann und zwei Handteller breit bis unter die Achseln wucherte. Das Mal des Satans. Er, der Henker von Köln, war gezeichnet. Niemand durfte es sehen, dafür sorgte er. Niemand, außer seiner Lisbeth, doch die war stumm.
Heftrich zog die Hand zurück und fuhr sich über die Lippen, dicke wulstige, nicht rote, eher wie geronnen, manchmal mehr blau. Seine Nase spreizte sich breitflügelig unter den Augen, die weiß und geä
