

Beschreibung
Sibylle Bergs »Die Fahrt« - endlich bei Kiepenheuer & Witsch als E-Book. Was ist nur aus uns geworden? Haben wir alles gefunden, was wir suchen, und was war das noch mal? Die fünf HeldInnen dieses Romans machen sich auf den Weg, raus aus ihrem alten Leben....Sibylle Bergs »Die Fahrt« - endlich bei Kiepenheuer & Witsch als E-Book. Was ist nur aus uns geworden? Haben wir alles gefunden, was wir suchen, und was war das noch mal? Die fünf HeldInnen dieses Romans machen sich auf den Weg, raus aus ihrem alten Leben. Sie passieren Orte, streifen im Vorbeigehen den globalen Wahnsinn, der sie doch nie wirklich berührt, denn sie sind nur auf der Durchreise. An den Ort, der auf sie wartet. In einer Welt, die keinen von ihnen wirklich braucht.
Sibylle Berg lebt in Zürich. Ihr Werk umfasst 27 Theaterstücke, 15 Bücher und wurde in 34 Sprachen übersetzt. Berg ist Herausgeberin von drei Büchern und verfasst Hörspiele und Essays. Sie erhielt diverse Preise und Auszeichnungen, u.a. den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor, den Nestroy-Preis, den Schweizer Buchpreis, den Grand Prix Literatur, den Bertold-Brecht-Preis und den Johann-Peter-Hebel-Preis. Bei Kiepenheuer & Witsch erschienen zuletzt der Roman »GRM/Brainfuck« (2019) und der Gesprächsband »Nerds retten die Welt« (2020).
Autorentext
Sibylle Berg lebt in Zürich. Ihr Werk umfasst 27 Theaterstücke, 15 Bücher und wurde in 34 Sprachen übersetzt. Berg ist Herausgeberin von drei Büchern und verfasst Hörspiele und Essays. Sie erhielt diverse Preise und Auszeichnungen, u. a. den Schweizer Buchpreis, den Grand Prix Literatur, den Bertolt-Brecht-Preis und den Johann-Peter-Hebel-Preis. Seit 2024 ist sie Mitglied des Europäischen Parlaments. Bei Kiepenheuer & Witsch erschienen zuletzt die Romane »GRM/Brainfuck« (2019) und »RCE« (2022) sowie der Gesprächsband »Nerds retten die Welt« (2020) und der Gedichtband »Try Praying« (2024).
Klappentext
Sibylle Bergs »Die Fahrt« - endlich bei Kiepenheuer & Witsch als E-Book.
Was ist nur aus uns geworden? Haben wir alles gefunden, was wir suchen, und was war das noch mal? Die fünf HeldInnen dieses Romans machen sich auf den Weg, raus aus ihrem alten Leben. Sie passieren Orte, streifen im Vorbeigehen den globalen Wahnsinn, der sie doch nie wirklich berührt, denn sie sind nur auf der Durchreise. An den Ort, der auf sie wartet. In einer Welt, die keinen von ihnen wirklich braucht.
Zusammenfassung
Sibylle Bergs »Die Fahrt« - endlich bei Kiepenheuer & Witsch als E-Book.Was ist nur aus uns geworden? Haben wir alles gefunden, was wir suchen, und was war das noch mal? Die fünf HeldInnen dieses Romans machen sich auf den Weg, raus aus ihrem alten Leben. Sie passieren Orte, streifen im Vorbeigehen den globalen Wahnsinn, der sie doch nie wirklich berührt, denn sie sind nur auf der Durchreise. An den Ort, der auf sie wartet. In einer Welt, die keinen von ihnen wirklich braucht.
Leseprobe
Inhaltsverzeichnis Ruth
Tel Aviv
Ruth saß in einer leeren Wohnung in Tel Aviv. Obwohl - richtig leer ginge anders. Es gab eine Matratze und ein paar weiße Schachteln von Ikea, eine Kaffeemaschine, einen Topf.
In einer Flasche steckten Äste. Völlig unbekannte Äste. Ruth hielt Äste neben Bambus für die einzig akzeptable Blumenform. Sehr reizend, das kleine Grün aus dunklen Zweigen - doch nun staken da Äste, deren Knospen fast wie dicke Insekten am Stamm saßen. Ein großes Gefühl der Unvertrautheit - Äste, die man nicht versteht.
Ruth saß in der leeren Wohnung in einem Zustand völliger Verwirrung. Die Nerven in ihrem Körper vibrierten dermaßen, dass der Körper vor lauter Entsetzen mit einer Art Koma antwortete. Nun, wissenschaftliche Erklärungen waren nie ihres gewesen, Ruth wusste nicht genau, ob Nerven wirklich vibrieren konnten.
Um sich zu beruhigen, überlegte sie, wann ihr schon mal ein ähnliches Gefühl von Verzweiflung begegnet war, dieser Zustand, da ein Selbstmord fast vorstellbarer schien, als weiterzumachen.
Aber zum Selbstmord bräuchte es eine zielgerichtete Aktion, und die war genauso unvorstellbar, wie zu tun, was man als Mensch so tut. Essen, rumlaufen, lesen, Zeit herumbringen.
Sie erinnerte sich an dies eine Mal, zehn Jahre zuvor, als die große Leidenschaft ihres Lebens sie verlassen hatte in einem fremden Land. Da hatte sie sich so gefühlt, auf einem Hotelbett und völlig außerstande, sich irgendwohin zu bewegen. Damals hatte eine Freundin sie gerettet, die ihr am Telefon jeden weiteren Schritt vorgab, den Ruth zu tun hatte. Die Freundin war gestorben und eine neue nicht nachgewachsen.
Das Denken machte ihre Panik ein wenig dünnflüssiger. Fast atmete Ruth wieder normal, und gleich, gleich würde sie ein wenig rausgehen können, laufen, herumlaufen, sich ablenken, weitermachen. Macht man doch immer so ...
Nimmt man einem Menschen Gewohnheiten und Bezugspunkte, bleibt nicht viel übrig. Ruth hatte es schon immer furchtbar anstrengend gefunden, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden. Darum hasste sie auch Urlaube. Sie fühlte sich wie nicht vorhanden an Orten, da keiner sie benötigte. Die Lüge des fröhlichen Entdeckens und Spaßempfindens in unvertrautem Gelände erforderte von ihr eine derart große psychische Anstrengung, dass sie nach ein paar Tagen erschöpft in ihrem Hotelbett, wo auch immer es sich aufhielt, endete und Fernsehen sah, in ihr unverständlichen Sprachen, die Rollos heruntergelassen.
In der fast leeren Wohnung in Tel Aviv gab es keinen Fernseher. Von draußen das Geräusch von Dauerregen, der auf dickblättrige Pflanzen trifft. Feiertage waren in Israel genauso öde wie überall, wenn man keine große Familie hat oder kochen muss, weil man eine große Familie hat oder religiös ist und eine große Familie hat. Das jüdische neue Jahr begann, Jom Kippur, das Laubhüttenfest, ein toter Tag jagte den nächsten, einen Monat lang.
Ruth setzte sich vom leeren Zimmer auf den leeren Balkon, der Regen war leise und dünn geworden, und irgendwas erinnerte sie an irgendwas, aber was das war, das sie auf einmal so sehnsüchtig werden ließ, fiel ihr nicht ein.
Sie war jetzt seit einem Monat in der Stadt, hatte eine Wohnung gesucht, war mit Stadtplänen herumgeirrt, wollte Möbel kaufen und hatte nur Ikea gefunden.
Ruth hatte versucht, sich so schnell wie möglich auszukennen, damit sie ihr Leben wie gewohnt würde fortsetzen können.
Sie wusste unterdes, was Israelis mit Designerwohnung (Fenster mit Bleiglas und seltsam gelben Kacheln am Boden) und modern (die Fenster lassen sich bewegen), lebhaft (Hauptstraße, Busse, da war doch was mit den Bussen) meinten. Sie wusste, welche Stadtteile gingen (Zentrum) und welche gar nicht, Bat-Yam (sah aus wie Rumänien), Bnei-Brak (sah aus wie in einer Synagoge), Yaffo (sah aus wie an einem Bahnhof in Rumänien). Nun wohnte sie u
