

Beschreibung
Als Kristina Mahlo das Haus des verstorbenen Albert Schettler betritt, sind die Zeichen seiner Paranoia unübersehbar. Die Türen sind mehrfach gesichert, alle Fenster vergittert. In einem Brief, den er hinterlassen hat, steht, jemand werde versuchen, an den bri...Als Kristina Mahlo das Haus des verstorbenen Albert Schettler betritt, sind die Zeichen seiner Paranoia unübersehbar. Die Türen sind mehrfach gesichert, alle Fenster vergittert. In einem Brief, den er hinterlassen hat, steht, jemand werde versuchen, an den brisanten Inhalt seines Bankschließfachs zu gelangen. Kristina hält das für Verfolgungswahn, doch dann werden die Unterlagen tatsächlich gestohlen. War Schettlers Angst begründet? Kristinas Recherchen bringen ungeahnte Wahrheiten ans Licht ...
Sabine Kornbichler, geboren 1957, wuchs an der Nordsee auf und arbeitete in einer Frankfurter PR-Agentur, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Schon ihr Debüt 'Klaras Haus' war ein großer Erfolg, ihr Kriminalroman 'Das Verstummen der Krähe' wurde für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Sabine Kornbichler lebt und arbeitet als Autorin in der Nähe von München.
Autorentext
Sabine Kornbichler, geboren 1957, wuchs an der Nordsee auf und arbeitete in einer Frankfurter PR-Agentur, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Schon ihr Debüt "Klaras Haus" war ein großer Erfolg, ihr Kriminalroman "Das Verstummen der Krähe" wurde für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Sabine Kornbichler lebt und arbeitet als Autorin in der Nähe von München.
Leseprobe
Auszug aus dem Vernehmungsprotokoll Vernehmungsbeamter: »Danke, dass Sie gekommen sind, um uns bei der Aufklärung dieses Falles zu helfen. Es wird vielleicht nicht immer einfach für Sie sein. Deshalb sagen Sie bitte, wenn Sie eine Pause machen möchten.« Zeugin: »Ja.« Vernehmungsbeamter: »Sind Sie mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln gekommen?« Zeugin: »Das Autofahren muss ich erst wieder lernen. Ich bin so lange nicht gefahren. Meine Tochter hat mich gebracht. Sie wird mich auch wieder abholen.« Vernehmungsbeamter: »Das ist gut. Haben Sie noch eine Frage, bevor wir beginnen?« Zeugin: »Nein.« Vernehmungsbeamter: »Ihre Personalien haben wir ja bereits geklärt. Bevor ich fortfahre, möchte ich Sie noch einmal darauf hinweisen, dass Sie nicht verpflichtet sind, mir zu antworten, falls Sie sich mit einer Antwort selbst belasten würden. Haben Sie das verstanden?« Zeugin: »Ja.« Vernehmungsbeamter: »Dann schlage ich vor, dass wir beginnen. Lassen Sie uns über das Geschehen sprechen, das jetzt vierundzwanzig Jahre zurückliegt. Erzählen Sie mir bitte möglichst genau, woran Sie sich erinnern. Selbst wenn es Details sind, die Ihnen unwichtig erscheinen. Ich möchte mir ein möglichst genaues Bild machen.« Zeugin: »Ich weiß nicht, wo ich beginnen soll.« Vernehmungsbeamter: »Am besten am Anfang.« Zeugin: »Der Anfang ... der ist so lange her ...« 1 Das schmiedeeiserne Tor quietschte in den Angeln. Jeder Versuch, sich unbemerkt auf dieses von einer zwei Meter hohen Mauer umgebene Grundstück zu schleichen, würde bereits am Eingang scheitern. Mein Blick wanderte über die Fassade der blassgelben Jugendstilvilla, deren Fenster bis unters Dach vergittert waren. Einen Moment lang meinte ich, die Angst spüren zu können, die hier Regie geführt hatte. Wovor hatte Albert Schettler sich so sehr gefürchtet, dass er in Kauf genommen hatte, sein Leben hinter Gittern zu verbringen? Er würde mir diese Frage nicht mehr beantworten können. Am dreißigsten März, auf den Tag genau vor fünf Wochen, war er gestorben. Jetzt war es an mir, mich um das zu kümmern, was er hinterlassen hatte. Gemeinsam mit Funda, meiner Mitarbeiterin, ging ich durch den Vorgarten, der aus nichts anderem als Rasen bestand. »Sehr übersichtlich«, brachte sie es auf den Punkt. »Vermutlich hat er genau das bezweckt. Hier hätte sich niemand verstecken oder ihm auflauern können.« Funda pustete sich eine ihrer dunklen Ponysträhnen aus der Stirn und betrachtete das frisch gestutzte Gras. »Jedenfalls hatte der Mann Freunde. Oder glaubst du, ein Gärtner würde einem Toten den Rasen mähen?« »Vielleicht aus alter Verbundenheit.« »Hattest du einen solchen Fall schon mal?« Ich schüttelte den Kopf und ging auf das Haus zu. Die Tür war mit drei Schlössern gesichert, allerdings nicht abgeschlossen. Lautlos schwang sie auf und gab den Blick frei in einen weiß getünchten Flur. Ich blieb stehen und schloss für einen Moment die Augen, bis ich begriff, was mich irritierte. »Stimmt etwas nicht?«, fragte Funda. »Riechst du das?« Sie ging an mir vorbei und schnupperte. »Riecht nach einem Raucherhaus.« »Ja, aber nach einem, das in den vergangenen Wochen regelmäßig gelüftet wurde.« »Vielleicht von demjenigen, der auch den Rasen gemäht hat.« Sie holte Einmalhandschuhe aus ihrer Tasche und begab sich auf Erkundungstour in das Innere des Hauses. Nachdem ich ebenfalls Handschuhe übergestreift hatte, folgte ich ihr über grün-weiße Jugendstilfliesen in einen spärlich möblierten Wohnraum mit Fischgrätparkett. Darin standen eine Couchgarnitur aus schwarzem, brüchigem Leder, ein kniehoher gläserner Tisch und ein deckenhohes, ehemals weißes Bücherregal, das den typischen gelbbräunlichen Schimmer von Nikotin angenommen hatte. Es war bis obenhin mit Büchern, Zeitschriften und Schuhkartons gefüllt. Auf dem Tisch lagen in Grüppchen geordnet Taschenlampen, Batterien, Kerzen, Streichhölzer und Zigarettenschachteln. Die geöffneten Vorhänge waren aus schwerem, dunkelbraunem Stoff. Einzig
