

Beschreibung
Eine junge Frau gerät scheinbar aus dem Nichts in Panik, rennt vor ein Auto und stirbt - ein tragisches Unglück, und doch kommt Nachlassverwalterin Kristina Mahlo der Fall seltsam vor. Was kann die freie Lektorin von einem Moment auf den anderen so sehr in Sch...Eine junge Frau gerät scheinbar aus dem Nichts in Panik, rennt vor ein Auto und stirbt - ein tragisches Unglück, und doch kommt Nachlassverwalterin Kristina Mahlo der Fall seltsam vor. Was kann die freie Lektorin von einem Moment auf den anderen so sehr in Schrecken versetzt haben? Im Nachlass der Toten entdeckt Kristina Hinweise auf ein Ereignis, das jede Sekunde im Leben der jungen Frau bestimmt hatte. Und auf einen erbarmungslosen Täter, der allgegenwärtig scheint.
Sabine Kornbichler, geboren 1957, wuchs an der Nordsee auf und arbeitete in einer Frankfurter PR-Agentur, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Schon ihr Debüt 'Klaras Haus' war ein großer Erfolg, ihr Kriminalroman 'Das Verstummen der Krähe' wurde für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Sabine Kornbichler lebt und arbeitet als Autorin in der Nähe von München.
Autorentext
Sabine Kornbichler, geboren 1957, wuchs an der Nordsee auf und arbeitete in einer Frankfurter PR-Agentur, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Schon ihr Debüt "Klaras Haus" war ein großer Erfolg, ihr Kriminalroman "Das Verstummen der Krähe" wurde für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Sabine Kornbichler lebt und arbeitet als Autorin in der Nähe von München.
Leseprobe
1Im Schein der Straßenlaterne tanzten bizarre Schatten über die Wand. Sie folgten dem Rhythmus, den der Wind ihnen vorgab. Spätestens in einer halben Stunde würde die Morgendämmerung sie verschluckt haben. Leise glitt ich unter der Decke hervor und suchte auf dem Boden meine Sachen zusammen. Einer meiner Stiefel fehlte. Ich kniete mich hin und tastete unters Bett. Zwischen Staubflusen bekam ich ihn zu fassen. Nachdem ich ihn hervorgezogen hatte, lauschte ich auf Martins gleichmäßigen Atem. Dann wandte ich mich auf Zehenspitzen zur Tür. Gedanklich war ich bereits im Flur, als ich gegen etwas stieß, das mit einem Klirren umfiel. Das Geräusch war unverwechselbar: Ein Glas war zu Bruch gegangen. Ich versuchte, mich zu erinnern, wie es dorthin gekommen war. Wir hatten Rotwein getrunken und die Gläser mit ins Schlafzimmer genommen. Und dann hatten wir sie irgendwo abgestellt. Nein, nicht irgendwo, sondern auf dem Boden. Weil die Fensterbank einen Umweg bedeutet hätte.
Ich machte einen großen Schritt, um den Scherben auszuweichen, und trat doch mitten hinein. »Au!«, schrie ich und biss mir auf die Unterlippe.
Sekunden später war das Zimmer in Licht getaucht. »Was ist passiert?«, fragte Martin verschlafen.
Nackt, wie ich war, hüpfte ich auf dem unversehrten Fuß zurück zum Bett und ließ mich darauf fallen. »Ich bin in Scherben getreten.« Ich setzte mich so, dass Licht auf meine Fußsohle fiel. Mehrere Splitter hatten sich in die Haut gebohrt, an den Wundrändern bildeten sich Blutstropfen.
»Scherben?«
»Ich habe ein Glas umgeworfen. Hast du eine Pinzette und ein paar Pflaster?«
Allmählich wurde er wach. »Wolltest du dich heimlich davonstehlen?«
»Ich wollte dich nicht wecken. Und jetzt hilf mir bitte!« Während Martin den Scherbenteppich auf dem Weg ins Bad geschickt umrundete, schlüpfte ich in mein Jeanshemd und knöpfte es zu.
Als er zurückkam, trug er Boxershorts und Turnschuhe mit offenen Schnürsenkeln. Er setzte sich neben mich und nahm meinen Fuß in beide Hände. »Lass mal sehen!« In Nullkommanichts hatte er den ersten Splitter mit der Pinzette herausgezogen.
»Au!« Vergeblich versuchte ich, ihm meinen Fuß zu entwinden.
»Halt still, sonst tut es noch mehr weh!«
Bei den restlichen Splittern biss ich die Zähne zusammen. Erst als das Desinfektionsspray in den Wunden brannte, schrie ich wieder auf.
Martin tupfte alles fein säuberlich ab, bedeckte die Schnitte mit Pflastern und besah sich sein Werk. »Abergläubige könnten jetzt meinen, das sei die Strafe für deinen Versuch, dich davonzuschleichen.«
»Wie gut, dass wir beide Realisten sind.«
»Also ich bin Romantiker. Deshalb habe ich auch extra Kakao für dich besorgt. Den trinkst du doch nachts immer, wenn du nicht schlafen kannst, oder?«
»Hast du etwa ein Dossier über mich angelegt?«
»Auch Detektive haben Berufskrankheiten.«
»Und was steht drin?«
»Dass du mit einer Krähe redest ...«
»Die Krähe heißt Alfred.«
Er nickte, als würde er es im Geiste vermerken. »Dass du zur Entspannung gerne auf Bäume kletterst, dass du dir für deine Toten ein Bein ausreißt, dabei aber manchmal unkalkulierbare Risiken eingehst ...«
»Ich kalkuliere sie, nur liege ich hin und wieder falsch. Noch mehr?«
»Dass du immer allem auf den Grund gehen musst ...«
»Was soll daran negativ sein?«
»Die Aufzählung ist wertfrei.« Er musterte mich. »Du bist dickköpfig, und ich vermute, du lügst, wenn du dich in die Enge gedrängt fühlst.«
»Lügen kann sehr viel zeitsparender sein als lange Erklärungsversuche oder Rechtfertigungen. Was noch?«
Er gähnte und tat so, als müsse er überlegen. »Ach ja, du bist deinen Eltern eine liebevolle Tochter, du bist eine verlässliche Freundin und du wirst panisch, wenn jemand unpünktlich ist.«
»Das würdest du auch, wenn du die Erfahrung gemacht hättest, dass Menschen spurlos versc
