

Beschreibung
Miroslav Klose war einzigartiger Torjäger und selbstloser Teamspieler. Einen wie ihn wird es im Profifußball nicht mehr geben: Mit 20 spielte er noch in der Bezirksliga und wurde dann Weltmeister und bester Torschütze in der Geschichte der Nationalmannschaft. ...Miroslav Klose war einzigartiger Torjäger und selbstloser Teamspieler. Einen wie ihn wird es im Profifußball nicht mehr geben: Mit 20 spielte er noch in der Bezirksliga und wurde dann Weltmeister und bester Torschütze in der Geschichte der Nationalmannschaft. In enger Kooperation mit Miroslav Klose erzählt Ronald Reng von einem Mann, den jeder aus dem Fernsehen kennt - den aber keiner wirklich kannte: Mit acht kam er aus Polen, lernte Zimmermann und wurde Weltstar. Er spielte als Kopfballspezialist und Techniker in europäischen Topclubs. Mitreißend und berührend bringt uns 'Miro' eine Zeit im Fußball nahe, die längst untergegangen ist: die Zeit des Straßenfußballers, der aus einfachsten Verhältnissen den Weg nach ganz oben geschafft hat.
Ronald Reng, geboren 1970 in Frankfurt, lebte viele Jahre als Sportreporter und Schriftsteller in Barcelona. Seine Biografie über Robert Enke stand zehn Wochen unter den Top 5 der Spiegel-Bestsellerliste, sein Buch 'Spieltage. Die andere Geschichte der Bundesliga' erhielt den 'NDR Kultur Sachbuchpreis' und wurde als 'Fußballbuch des Jahres 2013' ausgezeichnet. Zuletzt erschienen von ihm 'Mroskos Talente. Das erstaunliche Leben eines Bundesliga-Scouts', das 2016 ebenfalls zum 'Fußballbuch des Jahres' gekürt wurde und 'Warum wir laufen'.
Autorentext
Ronald Reng, geboren 1970 in Frankfurt, lebte viele Jahre als Sportreporter und Schriftsteller in Barcelona. Seine Biografie über Robert Enke stand zehn Wochen unter den Top 5 der Spiegel-Bestsellerliste, sein Buch "Spieltage. Die andere Geschichte der Bundesliga" erhielt den "NDR Kultur Sachbuchpreis" und wurde als "Fußballbuch des Jahres 2013" ausgezeichnet. Zuletzt erschienen von ihm "Mroskos Talente. Das erstaunliche Leben eines Bundesliga-Scouts", das 2016 ebenfalls zum "Fußballbuch des Jahres" gekürt wurde und "Warum wir laufen".
Leseprobe
Prolog
Ganz oben
In der Mittagspause greift er sich manchmal die Tageszeitung der Arbeitskollegen und liest in stiller Konzentration Berichte über Fußballprofis, die es nach »ganz oben« geschafft haben. Danach, wenn die Pause zu Ende ist, steigt er wieder ganz nach oben.
Vom Baugerüst aus schwingt er sich auf die Firstpfette, wie der oberste Balken des Dachstuhls in ihrer Fachsprache heißt. Er steht acht Meter über der Erde, freihändig auf einem nackten Holzbalken, und einen Moment lang, bis der Kranfahrer den nächsten Seitenbalken durch die Luft zu ihm heranbringt, hat Miroslav Klose Zeit, die Welt von oben zu betrachten.
Gleich hinter dem Neubaugebiet beginnt der Wald, leuchtend grün im Sommerlicht. Es spielt keine Rolle, ob sie in Rehweiler, Ruschberg oder Rammelsbach arbeiten, der Wald ist überall, Pfälzerwald, das weiteste zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands, 177 000 Hektar groß. Vom Dachfirst aus betrachtet erscheint die Weite der Natur wundervoll, der Wald auf sanft anschwellenden Hügeln, an den Hängen bisweilen saftige Weiden. Für Miroslav Klose ist der Ausblick perfekt, wenn außer den Bäumen auch eine Landstraße zu sehen ist. Dann kann er Autos anschauen. Er erkennt die vorbeifahrenden Modelle von dort oben zielsicher, ein 3er Golf, die A-Klasse von Mercedes, ein schwarzer BMW M3, so einen Wagen müsste man haben.
Mit den Arbeitskollegen redet er viel über Autos, aber über die Momente, wenn er vom Dachfirst auf die Welt blickt, spricht er mit niemandem. Über solche Dinge redet man doch nicht. Er fühlt es still, für sich: wie schön diese Augenblicke sind, eigentlich nur ein rasches Aufschauen, ehe er wieder einen Seitenbalken vom Kranhaken losbindet und an die Firstpfette nagelt. Dass niemand über solche Momente spricht, hat auch etwas Gutes. So gehört das Gefühl, im Himmel zu stehen und bis zum Horizont schauen zu können, ihm allein. Ganz oben, in den paar Sekunden Muse, spürt er: Er ist zufrieden mit diesem Leben.
Der Dachbalken, auf dem er steht, ist gut 25 Zentimeter breit. Links und rechts davon ist das Nichts. Um nicht hinunterzufallen, geht er seitwärts, immer einen Fuß nach dem anderen setzend. Die Spitzen seiner Sicherheitsschuhe mit den schweren Stahlkappen ragen über den Balken hinaus. Er ist schwindelfrei, die Natur hat ihn mit körperlicher Geschicklichkeit gesegnet, und trotzdem ist er das eine oder andere Mal oben auf dem Dach kurz ins Schwanken geraten. Er fing sich jedes Mal wieder, doch erstaunt registrierte er, wie er nach dem Schreck die Kontrolle über seine Beine verloren hatte. Sie zitterten unablässig. Er musste sich setzen, oben auf dem Dachbalken, und ein anderer Zimmermann stieg hinauf, um ihn kurzzeitig abzulösen, sie konnten sich nicht mit solchen Sperenzchen aufhalten, sie hatten keine Zeit zu verlieren.
Dieses unkontrollierbare Zittern in den Beinen kannte er, schien ihm, er strengte seine Erinnerungen an, und schließlich kehrte das Bild zurück: Er war als Junge mit den Cousins bei seinem Onkel auf dem polnischen Land auf einen Baum geklettert, um Kirschen zu stehlen, als der Bauer erschien. Die Cousins rannten, er rutschte beim Runterklettern ab und fiel ins Nichts. Bevor er aufschlug, bekam er gerade noch einen Ast zu greifen. Mit ausgestreckten Armen hing er am Baum und spürte dieses Zittern zum ersten Mal, die gesamten Beine vibrierten. »Komm runter, dann kriegst du's!«, schrie der Bauer. »Ich komm ja schon«, sagte Miroslav, sprang ab und rannte augenblicklich davon, das war ein irres Gefühl, mit den zitternden, eigentlich nicht mehr kontrollierbaren Beinen zu rennen, so schnell er konnte.
Die Erinnerungen an die polnische Kindheit sind immer in ein warmes Licht getaucht. Er war neun, als die Eltern mit ihm und der Schwester im Sommer 1987 aus Polen nach Kusel in der Pfalz zogen. Elf Jahre ist das her. Er beschäftigt sich nicht mit der Frage, was seine Heimat ist, warum auch soll der Mensc