

Beschreibung
Alles fängt damit an, dass für Paul Zech das Leben aufhört. Nach einer ziemlichen Pechsträhne landet seine bürgerliche Existenz auf dem Müll, und Paul zieht los in die norddeutsche Weite. Im Gepäck hat er nur sein altes Tagebuch. Während er den melancholischen...Alles fängt damit an, dass für Paul Zech das Leben aufhört. Nach einer ziemlichen Pechsträhne landet seine bürgerliche Existenz auf dem Müll, und Paul zieht los in die norddeutsche Weite. Im Gepäck hat er nur sein altes Tagebuch. Während er den melancholischen Kneipier Pocke kennenlernt und von ihm einen alten Sportwagen geliehen bekommt, liest Paul im Tagebuch von seiner großen Liebe zu Katharina Himmelfahrt. Sie war das Mädchen, in das er sich bei den Proben des Schultheaters zu den 'Leiden des jungen Werthers' verliebte. Doch mit einer dramatischen Eifersuchtsgeschichte unter den Akteuren bricht das Tagebuch ab. Nach einer Spritztour durch Dänemark kehrt Paul nach Norddeutschland zurück - und meldet sich bei Katharina, um Licht ins Dunkel seiner beschissenen Anfänge zu bringen.
Rocko Schamoni, 1966 in Schleswig Holstein geboren, arbeitet für Theater, Film und Fernsehen, tourt regelmäßig durch die Republik und besitzt eine eingeschworene Fangemeinde als Musiker, Autor, Humorist, Schauspieler und so weiter. Nach seinem Debüt 'Risiko des Ruhms' folgte sein langanhaltender Bestseller 'Dorfpunks', der auch auf die Bühne gebracht und im Frühjahr 2009 in die Kinos kam. Zuletzt der Film 'Fraktus' über eine fiktive Band der Achtzigerjahre. Literarisch ist Rocko Schamoni mit den 'Sternstunden der Bedeutungslosigkeit' und seinem ersten Roman bei Piper, 'Tag der geschlossenen Tür' in Erscheinung getreten.
Vorwort
Das Leben ist nur eine kurze Pause vom Tod eine knallharte Road-Novel von Rocko Schamoni.
Autorentext
Rocko Schamoni, 1966 in Schleswig Holstein geboren, arbeitet für Theater, Film und Fernsehen, tourt regelmäßig durch die Republik und besitzt eine eingeschworene Fangemeinde als Musiker, Autor, Humorist, Schauspieler und so weiter. Nach seinem Debüt "Risiko des Ruhms" folgte sein langanhaltender Bestseller "Dorfpunks", der auch auf die Bühne gebracht und im Frühjahr 2009 in die Kinos kam. Zuletzt der Film "Fraktus" über eine fiktive Band der Achtzigerjahre. Literarisch ist Rocko Schamoni mit den "Sternstunden der Bedeutungslosigkeit" und seinem ersten Roman bei Piper, "Tag der geschlossenen Tür" in Erscheinung getreten.
Leseprobe
Am nächsten Morgen stand Paul früh auf, er hatte kaum geschlafen, Träume hatten in letzter Zeit wie schwere Gewitter seine Nächte durchkreuzt, und ihm blieb oft nichts anderes übrig, als sich durch einen Sprung ins Wachsein zu retten.
Im fahlen Morgenlicht ging er ins Badezimmer und sah sich lange und nachdenklich im Spiegel an. Waren das noch die gleichen Atome und Moleküle, die sich schon vor fünfzig Jahren angeschaut hatten? Oder waren all die kleinsten Bauteile ausgetauscht worden, und nur die grobe Gitterstruktur war erhalten geblieben? Wieso veränderte sich die Form so unglaublich stark?
Pocke erschien still wie ein Geist im Türrahmen und lehnte sich mit der Schulter gegen das Holz.
»Jaja, Paul, das ist der Rückbau des Lebens. Ab vierzig. All das, was da sorgsam aufgebaut wurde, um auf dem Höhepunkt mit etwa fünfunddreißig Jahren in schönster Pracht zu erstrahlen, wird danach genauso sorgsam durch geheime interne Befehle und Kräfte wieder abgebaut. Und man kann absolut nichts dagegen tun! Keine Chance. Du kannst n bisschen gegen antrainieren und so, aber das sind alles nur Rückzugsgefechte. Dann kommen n paar Jahre im Bett, liegend und brabbelnd, hilflos und hirnlos, ganz wie am Anfang, und schließlich kommt dein letzter Tag auf dich zu, ob du willst oder nicht, und etwas in dir ruft vielleicht noch Stooopp! Freunde! Halt, ihr Menschen, ihr kennt mich doch! , aber da wirst du schon verbuddelt, und dann musst du zu vergorener Biomasse zerfließen. Jetzt bald. Demnächst.«
»Genau so ist es.«
»Nur: Wer hat diese geheimen Befehle gegeben, und vor allem, wie und wodurch? Das würde ich gerne mal wissen.«
Beide hatten keine Antwort auf diese Frage, nur in einem waren sie sich sicher: Mit einer »Gott« genannten Schöpfergestalt hatte das alles mit größter Wahrscheinlichkeit nichts zu tun.
Pocke ging in die Stadt, um ein paar letzte Erledigungen zu machen. Paul entdeckte im Wandschrank einen Kurzhaarrasierer und beschloss, ihn spontan einzusetzen. Er stutzte sich die Haare auf etwa einen Zentimeter. Dann rasierte er sich den Dreitagebart ab. Er wusch seinen Kopf und sah sich erneut im Spiegel an. Er erkannte jugendliche Reste wieder, die seit Jahren wie Inseln im Ozean seines Gesichts versunken gewesen waren. Etwas von ganz früher aber war an ihm erhalten geblieben, er wie er sich eigentlich empfand war noch nicht ganz verschwunden, unter wucherndem Zeitfleisch verwachsen. Paul versuchte in der Küche ein paar Liegestütze zu machen, musste aber nach der fünfzehnten keuchend aufgeben.
Dann kam Pocke zurück.
»Hey, Paulchen. Lass dich ma angucken. Nicht schlecht, mein Lieber, wie n Vierzigjähriger. Da siehste ma, was so n paar Haare ausmachen.«
Sie frühstückten, es gab Kaffee und gekochte Eier.
Pocke machte sich zurecht, zog sich ein hellbraunes Lederblouson und eine rosa Bundfaltenhose an, die Haare und den Schnurrbart frisierte er sorgsam.
»Ganz ehrlich du siehst zum Fürchten aus.«
»Geschmackssache. Hauptsache, die Weiber mögen s. Ich zieh s nur für die Weiber an, und die haben bekanntlich nen schlechten Geschmack. Oder was glaubst du, warum die meisten Männer so hässlich rumlaufen? Die werden von ihren geschmacklosen Frauen angezogen! So, Zeit zu gehen. Zeit für den Abschied, Alterchen.«
Pocke nahm tatsächlich nicht mehr mit als eine Umhängetasche aus Nappaleder.
»Kreditkarte, Unterhose, Kamm, Zahnbürste, Buch, Taschenlampe, Tabletten. Fertig. Und jetzt geht s los. Ich melde mich, falls ich die Möglichkeit dazu bekomme. Und wenn
