

Beschreibung
'Wenn ich vor dir sterbe', sagte ich, 'werde ich ein Buch über dich schreiben.' 'Wenn ich vor dir sterbe', sagte Julian, 'dann habe ich keinen Bruder mehr.' Quentins Buch hält der Leser in den Händen. Er schreibt über di...'Wenn ich vor dir sterbe', sagte ich, 'werde ich ein Buch über dich schreiben.' 'Wenn ich vor dir sterbe', sagte Julian, 'dann habe ich keinen Bruder mehr.' Quentins Buch hält der Leser in den Händen. Er schreibt über die Kindheit mit seinem Bruder Julian, bis dieser in den Spanischen Bürgerkrieg zieht. Vom englischen Landleben der zwanziger und dreißiger Jahre, den Künstlern, die in ihrem Haus ein und aus gehen und von einem schrecklichen Geheimnis, das ans Licht kommt und alles verändert. Brüder für Immer beruht auf wahren Begebenheiten und realen Personen. Quentin, Julian und ihre kleine Schwester Angelica waren die Kinder der Malerin Vanessa Bell. Vanessa und ihre Schwester Virginia Woolf waren zentrale Figuren der sogenannten Bloomsbury Group, einer bunten Gemeinschaft von Künstlern, die Anfang des vorigen Jahrhunderts in England wohnten und wirkten.
"Wenn ich vor dir sterbe", sagte ich, "werde ich ein Buch über dich schreiben." "Wenn ich vor dir sterbe", sagte Julian, "dann habe ich keinen Bruder mehr." Quentins Buch hält der Leser in den Händen. Er schreibt über die Kindheit mit seinem Bruder Julian, bis dieser in den Spanischen Bürgerkrieg zieht. Vom englischen Landleben der zwanziger und dreißiger Jahre, den Künstlern, die in ihrem Haus ein und aus gehen und von einem schrecklichen Geheimnis, das ans Licht kommt und alles verändert. Brüder für Immer beruht auf wahren Begebenheiten und realen Personen. Quentin, Julian und ihre kleine Schwester Angelica waren die Kinder der Malerin Vanessa Bell. Vanessa und ihre Schwester Virginia Woolf waren zentrale Figuren der sogenannten Bloomsbury Group, einer bunten Gemeinschaft von Künstlern, die Anfang des vorigen Jahrhunderts in England wohnten und wirkten.
Autorentext
Rindert Kromhout, geboren 1958 in Rotterdam, veröffentlichte seine erste Geschichte im Alter von 19 Jahren in einem Kindermagazin. Bis heute sind von ihm 143 Bücher in vielen Genres erschienen. Kromhouts Bücher sind in viele Sprachen übersetzt worden und gewannen zahlreiche Preise. Der Autor lebt und schreibt in Amsterdam.
Leseprobe
1925
Der Autobus, der uns vom Bahnhof zum Bauernhof brachte, hielt direkt vor einer buckligen und löchrigen Auffahrt. Pappeln säumten die Allee.
Meine Mutter und Duncan hatten beschlossen, aus London fortzuziehen. Sie fanden die Stadt zu voll, die Häuser zu finster, die Ateliers zu klein.
»Ich brauche Licht um mich herum«, hatte meine Mutter gesagt, »und Raum.«
»Ich will unter freiem Himmel malen«, hatte Duncan gesagt.
»Ich will barfuß durchs Gras laufen.«
»Einen Garten, in dem sich die Kinder verirren können.«
Deshalb waren wir jetzt hier. Tante Virginia hatte ein Haus gefunden, das, wie sie meinte, genau das war, was wir suchten.
Mein Vater war auch dabei, um das Haus zu besichtigen, auch wenn er selbst nach wie vor in London leben wollte. Er hatte dort eine eigene Wohnung und seine Arbeit bei der Zeitung, aber er hatte versprochen, uns so oft er konnte zu besuchen.
Seine Freundin, die Julian und ich »Tante Margaret« nannten und von der wir ab und zu Geschenke bekamen, wohnte auch in London. Schon allein wegen dieser Geschenke fanden Julian und ich es schade, dass wir aus der Stadt wegziehen mussten.
Puck, der braune Spaniel, rannte vor uns her. Julian und ich sprangen über Pfützen und taten so, als wären es tiefe Schluchten, in die wir stürzen könnten.
Am Ende der Allee lag ein Bauernhof mit Kühen und Schafen und einem Heuhaufen. Ein Schwein steckte den Rüssel durch ein Gatter. Das Haus, das wir besichtigen wollten, war ganz in der Nähe und gehörte dem Bauern. Es war riesig, hatte gelbe Mauern, an denen Kletter-Hortensien wuchsen, zahllose Fenster und einen ummauerten Garten mit Teich. Weil der Bauer keine Verwendung mehr für das Gebäude hatte, wollte er es vermieten. Die Mieter hatten bei allem freie Hand, solange sie pünktlich die Miete zahlten und es nicht abrissen. »Es steht schon zwei Jahre leer, Mr Grant«, sagte er. »Ein paar Dinge müssen Sie wohl ausbessern. Sehen Sie sich in Ruhe um.«
»Ein paar Dinge ausbessern.« Das war wohl witzig gemeint, denn es gab wirklich nichts an dem Haus, das nicht auszubessern wäre. Der Garten war eine einzige Schlammlache, in dem nur ein paar sterbende Obstbäume standen. Und das Haus war kalt und feucht. Es gab keinen Strom. Wasser musste man auf dem Bauernhof pumpen. Die Toilette war ein Holzverschlag im Garten, mit einem Eimer in einem Erdloch. Das Haus war seit Jahren weder innen noch außen gestrichen worden.
Während die Erwachsenen kopfschüttelnd von Zimmer zu Zimmer gingen, erkundeten Julian und ich zusammen mit Puck den Garten. Im Teich quakten Frösche. Puck bellte und die Frösche tauchten ab.
»Dort werden wir ein Baumhaus bauen«, rief Julian. Er deutete auf die beiden Bäume mit dicken Stämmen und Ästen, die ineinanderwuchsen. Die längsten Äste hingen über die Gartenmauer. »Dann werfen wir dem Schwein Äpfel zu und zähmen es. Und Mama erlaubt uns vielleicht, es zu behalten.«
Julian war neun, drei Jahre älter als ich, und immer voller Ideen. Ich bewunderte ihn bedingungslos. »Und dann bringen wir ihm Kunststücke bei«, sagte ich.
Der Himmel zog sich zu, nasskalter Herbstregen fiel. Wir gingen ins Haus und stritten uns, wer welches Zimmer bekommen sollte, wo das Baby schlafen würde (möglichst weit von uns entfernt) und wo das Schwein leben könnte. Schreiend stürmten wir die Treppe hoch, und noch eine, hinauf zum Dachboden, wo mein Vater vor dem Fenster stand und meine Mutter und Duncan auf wackligen Stühlen saßen. Ich zitterte. Hier war es noch kälter als draußen.
Duncan seufzte. »Ich habe noch nie ein so verwahrlostes Haus gesehen. Noch nie.«
»Die Wände sind voller Schimmel«, sagte meine Mutter. »Und der Wind pfeift durch die Ritzen.«
»Eine ziemlich weite Reise von London hierher«, sagte mein Vater.
Ängstlich sah ich zu ihnen hoch. Wollten sie das Haus etwa nicht? Würden wir etwa nach London zurückge