

Beschreibung
Die vorliegende VerOffentlichung stellt sich einer doppeJten Herausforde rung. Sie widmet sich zum einen - anwendungsorientiert - einer gesellschaft lichen Problemstellung, deren Analyse und Losung trotz langjahriger Bear beitung bis heute nicht zufriedenstell...Die vorliegende VerOffentlichung stellt sich einer doppeJten Herausforde rung. Sie widmet sich zum einen - anwendungsorientiert - einer gesellschaft lichen Problemstellung, deren Analyse und Losung trotz langjahriger Bear beitung bis heute nicht zufriedenstellend gelungen ist, namlich dem Phano men geschlechtsspezifischer (Un)Sicherheiten im Offentlichen Raum mit seinen Auswirkungen auf die Mobilitat von Frauen. Interessant ist dieses Thema nicht zuletzt deshalb, da es einen wesentlichen Teilbereich der heute allgemein an Bedeutung gewinnenden Fragen zur Sicherheit bzw. Unsicher heit stadtischer Raume' aufgreift, der sich dadurch auszeichnet, dass hier bereits seit mehr als 20 Jahren MaBnahmen gefordert und auch umgesetzt wurden und werden. In der vertieften Auseinandersetzung mit dem Problem feld geschlechtsspezifischer (Un)Sicherheiten und den hierzu entstandenen theoretischen, empirischen und handlungspraktischen Aufarbeitungen wurde allerdings schnell deutlich, dass sich die Arbeit - will sie die Analyse des Pha nomens tatsachlich vorantreiben - zum anderen einer weiteren Herausforde rung wiirde stellen mussen, namlich der Entwicklung eines forschungsmetho dologischen Instrumentariums zur Analyse raumlich-geschlechtlicher Frage stellungen, das in der sozialwissenschaftlichen Forschung bisher fehlt. Beiden Zielsetzungen wird in enger Verknupfung miteinander nachge gangen, was in zweifacher Hinsicht von Vorteil ist: 1m Hinblick auf die Prob lemstellung der (Un)Sicherheit ist eine Verknupfung zwingend notwendig, urn die Analyse we iter zu scharfen; im Hinblick auf die Entwicklung einer forschungsmethodologischen Konzeptualisierung zur Analyse raumlich geschlechtlicher Fragestellungen ist sie sinnvoll, da die Anbindung an eine konkreteProblemstellung die modellhafte Analysekonzeption veranschauli chen kann.
Autorentext
Dr. phil. Renate Ruhne, Institut für Soziologie, Technische Universität Darmstadt
Klappentext
Ausgehend von dem bisher weder gelösten noch überhaupt erklärbaren Phänomen geschlechtsspezifischer (Un)Sicherheiten im öffentlichen Raum stellt der Band eine konstruktivistisch orientierte, relational-prozesshafte Forschungskonzeption für eine verknüpfende Analyse räumlich-geschlechtlicher Fragestellungen vor, in der Geschlechter- und Raumverhältnisse als ein sich wechselseitig bedingendes Wirkungsgefüge gefasst werden.
Unter den Anwendungen des forschungsmethodologischen Instrumentariums kann nachgezeichnet werden, dass heutige (Un)Sicherheiten historische Produkte gesellschaftlicher Wandlungsprozesse während des 18. und 19. Jahrhunderts sind, die sich auf Ausgehverbote und -gebote zur sozialen Kontrolle von Frauen im städtischen Außenraum zurückführen lassen. Gleichzeitig wird aufgezeigt, dass (Un)Sicherheiten heute als Produzenten räumlich-geschlechtlicher Ordnungsmuster wirksam werden.
Inhalt
1 Einleitung.- 2 Geschlechtsspezifische (Un)Sicherheiten im öffentlichen Raum Das Beispiel und seine Hintergründe.- 2.1 Ein gesellschaftliches Problem und die bisherigen Ansätze seiner Analyse und Lösung.- 2.2 (Un)Sicherheitsgefühle und Gefahren im öffentlichen und privaten Raum Eine auffällige, aber bisher kaum hinterfragte Diskrepanz.- 2.3 ... daß Sicherheitsgefühle nur in Ausnahmefällen auf einer tatsächlichen Beseitigung von Unsicherheit beruhen Sicherheit und Unsicherheit als soziale Konstruktionen.- 2.4 (Un)Sicherheiten im öffentlichen Raum nur eine Frage von Verkehrspolitik, Architektur und Stadtplanung? Kritische Stimmen offene Fragen.- 3 Raum 'als sozialwissenschaftliche Kategorie: Von der Notwendigkeit der (Neu)Bestimmung des Raumes in der Gesellschaftsanalyse.- 3.1 Die verbreitete absolutistische Konzeptualisierung des Raumes.- 3.2 Grenzen absolutistischer Raumkonzeptualisierungen und die Notwendigkeit ihrer Überwindung bei der Untersuchung von (Un)Sicherheiten im öffentlichen Raum.- 3.3 Relationale Raumkonzeptualisierungen und ihre theoretischen Implikationen.- 3.4 Raum 'als gesellschaftlich-prozessuale Kategorie: Theoretische Implikationen und forschungsmethodologische Anregungen.- 3.5 Die Konzeptualisierung des Raumes im Kontext der hier gegebenen Fragestellung.- 4 Der öffentliche Raum als Untersuchungsgegenstand und seine Verwobenheit in der Dichotomie von Öffentlichkeit 'und Privatheit'.- 4.1 Die räumlich-soziale Konstruktion von Öffentlichkeit 'und Privatheit'.- 4.2 Öffentlichkeit 'und Privatheit 'bzw. öffentliche 'und private Räume 'als eine in sozialen Prozessen hergestellte 'und diese aber auch herstellende 'Dichotomie.- 5 Geschlecht 'alssozialwissenschaftliche Kategorie und Gegenstand der Frauen- und Geschlechterforschung.- 5.1 Zwei-Geschlechtlichkeit als soziale Konstruktion: Die Überwindung absolutistisch-naturalistischer Konzeptualisierungen in Bezug auf die Kategorie Geschlecht'.- 5.2 Die historische Herausbildung der zwei-geschlechtlichen Ordnung im 18. und 19. Jahrhundert.- 5.3 Geschlecht 'als offene und gleichzeitig objektivierte soziale Konstruktion.- 5.4 Geschlecht 'als zweigeschlechtlich-relationale und prozessuale Kategorie: Theoretische Implikationen und forschungsmethodologische Anregungen.- 5.5 Die Konzeptualisierung des Zwei-Geschlechterverhältnisses im Kontext der hier gegebenen Fragestellung.- 6 Ein mehrdimensionales, prozessuales Wirkungsgefüge zwischen Raum 'und Geschlecht 'als Analyse-Modell.- 6.1 Raum 'und Geschlecht 'in ihren dichotomen Ausprägungen als ein wechselseitiges Wirkungsgefüge.- 6.2 Macht 'als dynamischer Faktor im Wirkungsgefüge von Raum 'und Geschlecht'.- 7 (Un)Sicherheiten im öffentlichen Raum im Wirkungsgefüge von Raum 'und Geschlecht': Analytischer Ausblick.- 7.1 Ausgehbeschränkungen in den Städten des 19. Jahrhunderts und ihre Wirkung bis heute.- 7.2 Doing Gender ' Doing Space '(Un)Sicherheiten als stabilisierendes Moment geschlechtlich-räumlicher (Zu)Ordnungsprozesse.- 8 Raum Macht Geschlecht Macht Raum ... (Un)Sicherheiten im machtvollen Wirkungsgefüge von Raum 'und Geschlecht 'Zusammenfassung und Ausblick.- Literatur.