

Beschreibung
New York 1947. Gabriel, der Manager des berüchtigten Copacabana-Clubs, plant seit Jahren seinen Ausbruch aus dem unerbittlichen Griff der Mafia. Er will seinen eigenen Tod vortäuschen und nach Mexiko verschwinden. Doch zehn Tage vor seiner geplanten Flucht ste...New York 1947. Gabriel, der Manager des berüchtigten Copacabana-Clubs, plant seit Jahren seinen Ausbruch aus dem unerbittlichen Griff der Mafia. Er will seinen eigenen Tod vortäuschen und nach Mexiko verschwinden. Doch zehn Tage vor seiner geplanten Flucht stellt Mafiaboss Costello ihm eine schier unmögliche Aufgabe: Entweder Gabriel spürt zwei Millionen Dollar wieder auf, die dem Herrscher der Unterwelt gestohlen wurden, oder er wird bis an sein Lebensende gejagt. Auch Privatdetektivin Ida kommt nach New York, um ihrem ehemaligen Partner Michael Talbot zu helfen: Sein Sohn Thomas wurde wegen eines brutalen Vierfachmordes angeklagt. Ida und Michael wissen, dass Thomas unschuldig sein muss, doch offenbar verschweigt er ihnen etwas ...
Ray Celestin studierte Asiatische Kunstgeschichte und Sprachen in Großbritannien. Er ist Drehbuchautor für Film und Fernsehen und veröffentlichte bereits mehrere Kurzgeschichten. Auf seinen Debütroman Höllenjazz in New Orleans, der die britischen Bestsellerlisten und Feuilletons im Sturm eroberte, folgten mit Todesblues in Chicago und Gangsterswing in New York Band zwei und drei seiner 'City Blues Quartett'-Reihe. Derzeit schreibt Ray Celestin an seinem vierten Roman.
Autorentext
Ray Celestin studierte Asiatische Kunstgeschichte und Sprachen in Großbritannien. Er ist Drehbuchautor für Film und Fernsehen und veröffentlichte bereits mehrere Kurzgeschichten. Auf seinen Debütroman Höllenjazz in New Orleans, der die britischen Bestsellerlisten und Feuilletons im Sturm eroberte, folgten mit Todesblues in Chicago und Gangsterswing in New York Band zwei und drei seiner "City Blues Quartett"-Reihe. Derzeit schreibt Ray Celestin an seinem vierten Roman.
Leseprobe
1
Montag, der 3., 1:45 Uhr
Kommen Sie und werfen Sie einen Blick auf die Vampire. Sehen Sie zu, wie sie über dem Times Square kreisen. Sehen Sie zu, wie sie sich drängeln und zusammenströmen, während die Sterne über das nächtliche Firmament ziehen. Die Huren, Zuhälter und Rauschgiftsüchtigen, die Gauner und Nassauer, die Marihuanaschmuggler, die Messerstecher, die Aufschneider, die Nutten, die ihre betrunkenen Freier ausrauben, die Taschendiebe, die Besoffene bestehlen, die irgendwo auf einer Bank eingeschlafen sind, die Ausreißer, die, die die ganze Nacht feiern, und die Rumtreiber, Taugenichtse und Underdogs - von bunten Neonlichtern, flottem Jazz und dem Versprechen auf eine Eroberung ins Herz der größten Stadt der Welt gelockt. Aus den Absteigen in der Bowery, aus Drogennestern in Uptown, aus den Schwulenbars, die sich wie Lichterketten an den Kais von Chelsea und Brooklyn reihen, aus Nepplokalen und Bebop-Clubs, aus Taxiständen, aus Waschsalons, aus Bühneneingängen und Künstler-Lofts, aus einfachen Zimmern, in denen es nur kaltes Wasser gibt, und aus Penthousewohnungen in den Wolken, aus Brücken und Schnellstraßen, aus der Dunkelheit unter der Third-Avenue-Hochbahn, aus Tunneln, aus Gassen, aus Kellern, aus Gossen, aus Schatten, ja sogar aus dem Beton der Stadt selbst, ist die Dunkelheit gekommen und hat sich zu etwas Gefährlichem und Lebendigem geformt: Das Reich der Nacht hat sich erhoben.
Durch die Menschenmassen bewegte sich ein großer, dunkelhaariger Mann Mitte dreißig, den Kragen seines Trenchcoats hochgeschlagen, den Stetson tief ins Gesicht gezogen. Er verbarg ein gequältes Lächeln, ein Gesicht, das die Spuren eines Lebens im Gewimmel der Straßen von New York trug. Seine längst verstorbenen Eltern hatten ihn nach dem Erzengel Gabriel getauft, und er wandelte schon sein ganzes Leben lang ein wenig müde über die Erde, als drückte das Gewicht von zwei Flügeln auf seinem Rücken ihn nieder.
Er ging an Jazzclubs vorbei, aus denen Bebop in die Nacht drang, Sex-Shows mit beleuchteten Schildern - MÄDCHEN, MÄDCHEN, MÄDCHEN -, die die Gehwege beleuchteten wie einen Rummelplatz. Im Fensterglas der die ganze Nacht geöffneten Selbstbedienungsrestaurants erhaschte er hier und da einen Blick auf sein Spiegelbild, das sich verzerrte, wenn er sich weiterbewegte. Er ging im Zickzack um Werbeschilder vor zwielichtigen Kinos herum, ignorierte die Rufe der Koberer, die in den Schatten lehnten, und erreichte sein Ziel: 1557 Broadway, Horn & Hadart's Automatenrestaurant. Er blickte an dem Gebäude hinauf und betrachtete die riesigen Buntglasfenster und das rote Neonschild, das zwei Stockwerke hoch aufragte.
Er verharrte, bevor er hineinging, und sah sich um. Wenn jemand ihn entdeckt hatte, könnte das seinen Tod bedeuten oder, was noch schlimmer wäre, den Tod des Mädchens. Und für das Mädchen nahm er das ganze Risiko auf sich. Reingehen, die Pässe holen, rausgehen. Verschwinden, bevor ihn ein zufälliger Blick traf und sechs Jahre Planung zunichtemachte.
Er trat ein und sah, dass das Lokal gerammelt voll war, dröhnender Lärm und Gäste, die in zwei Reihen vor den Automaten standen. Gabriel ließ den Blick durch den dichten Zigarettenrauch über die Menschenmenge schweifen und entdeckte den Fälscher allein an einem Tisch in der Nähe der Toiletten. Er kämpfte sich zu ihm durch und ließ sich auf den zweiten Stuhl sinken. Er bemerkte sofort, dass der Mann dem Tod nahe war - abgehärmte Züge, gelbe Haut, stumpfer Blick. Nicht zum ersten Mal überlegte Gabriel, warum der Fälscher die Übergabe mitten in der Nacht am Times Square vorgeschlagen hatte. Vielleicht wollte er sich in einem der Bordelle, die die Gegend sprenkelten wie Konfetti, ein letztes Mal flachlegen lassen. Dabei hatte der Mann ihm erklärt, er habe einen Platz im Nachtzug von der Penn Station gebucht und sei inzwischen so krank, dass