

Beschreibung
Nicolas Vanier erfüllt sich einen Kindheitstraum: Mit seinem Hundegespann bricht er von der russischen Pazifikküste zu einer 6000 Kilometer langen Reise auf, die ihn in 85 Tagen durch Sibirien, China, die Mongolei und schließlich zum Baikalsee führt. Der Abent...Nicolas Vanier erfüllt sich einen Kindheitstraum: Mit seinem Hundegespann bricht er von der russischen Pazifikküste zu einer 6000 Kilometer langen Reise auf, die ihn in 85 Tagen durch Sibirien, China, die Mongolei und schließlich zum Baikalsee führt. Der Abenteurer berichtet von gefährlichen Zwischenfällen sowie von freundlichen Begegnungen mit mongolischen Reitern und vom täglichen Kampf gegen Eis, Schnee und Kälte. Mit ansteckender Leidenschaft schildert er die Faszination der Wildnis und lässt uns teilhaben an der engen Verbindung zu seinen Schlittenhunden, die treu zu ihm halten und auf die in jeder Situation Verlass ist.
Nicolas Vanier, 1962 im Senegal geboren, ist wie sein Vorbild Jack London Abenteurer und Schriftsteller zugleich. Als Erster überwand er nur mit dem Hundeschlitten eine 8 600 Kilometer lange Strecke durch Alaska und Kanada. Ein Jahr zog er mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in die Wildnis der Rocky Mountains, dokumentiert in dem Bestseller 'Das Schneekind'. Zwischen seinen Expeditionen lebt Nicolas Vanier als Züchter von Schlittenhunden mit seiner Familie in der Sologne. Bei Malik erschien zuletzt 'Mit meinen Hunden'.
Autorentext
Nicolas Vanier, 1962 im Senegal geboren, ist wie sein Vorbild Jack London Abenteurer und Schriftsteller zugleich. Als Erster überwand er nur mit dem Hundeschlitten eine 8 600 Kilometer lange Strecke durch Alaska und Kanada. Ein Jahr zog er mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in die Wildnis der Rocky Mountains, dokumentiert in dem Bestseller "Das Schneekind". Zwischen seinen Expeditionen lebt Nicolas Vanier als Züchter von Schlittenhunden mit seiner Familie in der Sologne. Bei Malik erschien zuletzt "Mit meinen Hunden".
Leseprobe
1 AUFBRUCH AN DER PAZIFIKKÜSTE
»Bleibt ruhig, meine Hunde, gleich geht's los!«
Es sind zehn. Sie sind paarweise angeschirrt, bewegen sich unruhig, bellen, drücken auf alle mögliche Art und Weise ihre Ungeduld aus, endlich aufzubrechen. Sie wissen, dass es jetzt nicht um ein weiteres Training geht. Sie spüren es. Sie sehen es.
Neben dem ungewohnten Gewicht des Schlittens ist es meine eigene Erregung, die die Hunde besser als sonst jemand spüren. Und diese Versammlung von etwa dreißig Personen, die unseren Aufbruch miterleben wollen, denn in diesem kleinen sibirischen Dorf Datta, das verlassen am Pazifischen Ozean liegt, ist selten etwas los.
Alle Zeichen deuten darauf hin: Etwas Ungewöhnliches ist im Gange.
Die Hunde sind dermaßen aufgeregt, dass einige, wie zum Beispiel Dark und Wolf, in die Leinen beißen, um sich von den Fesseln, die sie zurückhalten, zu befreien. Sie können es nicht mehr erwarten.
»Dark! Wolf!«
Ertappt betrachten mich die zwei schlauen Burschen, als wollten sie sagen: »Ist ja gut! Wir bleiben ja stehen, aber wann geht's endlich los?«
Ich streichle sie und versuche, ihre Erregtheit zu dämpfen. Vergeblich ... Ich weiß genau, wenn sie erst mal angeschirrt und bereit sind, kann nur noch der Startbefehl sie beruhigen. Dann haben sie nur eines im Sinn: laufen.
Ich gehe das Gespann entlang, bis ich bei Burka, der Leithündin, angelangt bin: Sie ist die Einzige, die etwas Zurückhaltung an den Tag legt und nicht in die Luft springt. Sie beobachtet mich, studiert mein Verhalten, taxiert mich. Sie verfolgt aufmerksam jede meiner Gesten, deren Bedeutungen sie kennt. Sie weiß, solange ich meine Position hinter dem Schlitten nicht eingenommen habe, passiert gar nichts. Gerne würde sie es den anderen erklären, aber sie wollen anscheinend nichts davon wissen, was ihre etwas verdrossene Miene verrät, ein kleines bisschen herablassend, aber trotzdem wohlwollend. Schließlich sind es ja noch unreife Burschen!
Geradezu andächtig betrachte ich den Pazifischen Ozean, um mir für immer dieses symbolische Bild einzuprägen, den Ausgangspunkt dieses etwas verrückten Projekts, das ich erfolgreich in die Wege geleitet habe: diese wilde Odyssee vom größten Ozean bis zum größten See der Welt, 6000 Kilometer durch Sibirien, die Mandschurei, Nordchina und die Mongolei.
»Liebe Burka, ahnst du, was da auf uns zukommt?«
Sie sieht mich mit einem Blick voller Liebe an, als wolle sie mir sagen, dass sie mir vertraue, auch wenn sie nicht genau verstehe, was ich sage, und dass sie dorthin laufen werde, wohin immer ich will.
»Ich zähle auf dich, meine Schöne. Ich werde verdammt angewiesen sein auf dich.«
Ich umarme sie. Sie zwinkert vor Vergnügen mit den Augen. Neben ihr steht die eifersüchtige Quest, die ich mit ihr zusammengespannt habe, und versucht, meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ich komme mit meinem Gesicht ganz nah an ihre Nase und flüstere ihr behutsam zu: »Ich verlasse mich auch auf dich, meine liebe Quest.«
Ich tätschele sie liebevoll, was sie kokett entgegennimmt; dabei bewegt sie ihr Hinterteil hin und her, wie nur sie es kann. Ich gehe das Gespann ab, bis ich bei den beiden Brüdern Happy und Kali bin, den jüngsten Mitgliedern in meiner Rasselbande.
Dann kommt Kamik, der Prügelknabe der Meute, den ich mit Kazan zusammengeschirrt habe, ebenfalls ein treuer Hund, der es kaum noch aushalten kann und vor Ungeduld mehr seufzt als bellt.
Es folgt Unik, das Arbeitstier, der mit Miwook ein Paar bildet, auch er ein unermüdlicher Läufer, dessen Statur an einen Marathonläufer erinnert.
Je mehr ich mich dem Schlitten nähere, desto hysterischer reagieren die Hunde, genau wie Dark, der es kaum noch aushält und vor Aufregung ein Geheul anstimmt. Auch Wolf, der Leithund, ist nicht mehr zu halten und vollführt beeindruckende Vorwärtssprünge, um den Schlitten in B