

Beschreibung
Türkisfarbenes Meer und weiße Sandbuchten, romanische Kathedralen und trutzige Stauferfestungen, grüne Olivenhaine und gelbe Weizenfelder. Maria Carmen Morese nimmt uns mit in den tiefen Süden ihrer italienischen Heimat, streift tagsüber durch den Dom von Lecc...Türkisfarbenes Meer und weiße Sandbuchten, romanische Kathedralen und trutzige Stauferfestungen, grüne Olivenhaine und gelbe Weizenfelder. Maria Carmen Morese nimmt uns mit in den tiefen Süden ihrer italienischen Heimat, streift tagsüber durch den Dom von Lecce und um Mitternacht durch die Bars von Bari. Sie erkundet winzige, fast vergessene Dörfer, geht dem Rätsel der zipfelförmigen Trulli-Häuser auf den Grund und führt uns zu dem Tuffsteinwunder von Matera und zu den 'Grotten des Briganten', wo der rubinrote Aglianico in alten Holzfässern reift. Wir lernen, was hinter dem Tarantel-Aberglauben und der Legende von Draculas Tochter steckt - und wie der Heilige Nikolaus ausgerechnet im südlichsten Zipfel Italiens zu einer Art 'Superman' wurde.
Maria Carmen Morese, 1968 in Pompeji geboren, lebt als Leiterin des Goethe-Institutes und als freie Autorin in Neapel. Mit zwanzig ging sie nach Deutschland, wo sie studierte, promovierte und die PR-Agentur 'cooked in berlin' gründete. Sie hat u.a. den Unterhaltungsroman 'Amore, amore. Liebe auf Italienisch' (Ullstein-Verlag) veröffentlicht, der sich bisher 27.000 mal verkauft hat Zuletzt erschien von ihr bei Piper die mit dem ITB BookAward ausgezeichnete 'Gebrauchsanweisung für Neapel und die Amalfi-Küste'.
Autorentext
Maria Carmen Morese, 1968 in Pompeji geboren, lebt als Leiterin des Goethe-Institutes und als freie Autorin in Neapel. Mit zwanzig ging sie nach Deutschland, wo sie studierte, promovierte und die PR-Agentur "cooked in berlin" gründete. Sie hat u.a. den Unterhaltungsroman "Amore, amore. Liebe auf Italienisch" (Ullstein-Verlag) veröffentlicht, der sich bisher 27.000 mal verkauft hat Zuletzt erschien von ihr bei Piper die mit dem ITB BookAward ausgezeichnete "Gebrauchsanweisung für Neapel und die Amalfi-Küste".
Leseprobe
Ankommen
Apulien ist ein ferner Kontinent - so glaubte ich, als ich ein Kind war. Von dort brachte uns mein Vater jedes Jahr wunderschöne, nie zuvor gesehene Dinge mit: bunt bemalte Matrjoschkas und russische Holzschalen, litauische Haarspangen aus Walfischknochen und dünne Räucherstäbchen, die nach Jasmin und grünem Tee dufteten. Mein Vater war weder in Russland noch in China gewesen, sondern in der apulischen Hauptstadt Bari, wo jährlich die Fiera del Levante stattfand, damals die einzige Messe in Italien, bei der sich Länder aus Osteuropa und Asien präsentieren durften. Für meinen Vater, der in den Siebzigerjahren noch ein überzeugter Sozialist war und den Fall der Sowjetunion nie und nimmer für möglich gehalten hätte, war Bari während der Messetage die schönste Stadt Italiens. Zwischen Don Camillo und Peppone aufgewachsen, hegte er eine inbrüstige Liebe für alles, was aus dem Osten stammte.
Schauen wir auf die Landkarte Italiens und zoomen auf Apulien. Il tacco d'Italia, der Hacken des italienischen Stiefels, streckt sich Osteuropa entgegen. Von Bari aus gesehen, liegt Albanien näher als Rom: Bis zum Hafenstädtchen Durrës sind es lediglich 80 Kilometer. Dieser schmale Streifen der Adria trennte jahrzehntelang West und Ost, Kapitalismus und Kommunismus. Aufgrund ihrer geografischen Position lag die Region einerseits am Ende der europäischen Welt. Keine Grand Tour, kein Goethe, der hierherkam, sah und schrieb.
Andererseits pflegten die Hafenstädte Bari, Brindisi, Otranto und Taranto seit eh und je Handelsbeziehungen mit Osteuropa und dem Orient. Und das schon unter den Phöniziern im Jahre 800 v. Chr. Diese jahrtausendealte Tradition wurde niemals unterbrochen, nicht einmal während der Zeit des Eisernen Vorhangs. Trotz vieler Einschränkungen hielt die Region weiterhin Kontakte zu Osteuropa. Der Kult des heiligen Nikolaus spielte dabei eine große Rolle. Vieles kam und kommt von Osten übers Meer: Menschen, Mythen, sogar das Land selbst. Der Sporn des italienischen Stiefels gehört geologisch zum Balkan.
Lange Zeit wurden Apulien und die Basilikata als weit abgelegene Regionen betrachtet. Für Italienreisende wortwörtlich ein Geheimtipp. So geheim, dass sie in Reiseführern nicht einmal erwähnt wurden. Noch in den Neunzigerjahren tauchten sie sogar in Büchern mit vielversprechenden Titeln wie Italien und seine Provinzen gar nicht auf. Meine Großmutter, die aus einer Gegend am Rande der Basilikata stammte, sprach übrigens nie von Puglia, sondern benutzte den Namen stets in der Mehrzahl: le Puglie. Heute noch unterscheidet man drei große Gebiete: 1) den Gargano und die Provinz Foggia, die zwar zu Apulien gehört, kulturell aber eher Neapel als Bari ähnlich ist, 2) la terra di Bari und das herrlich ländliche Valle d'Itria oder Itri-Tal - besser bekannt als la terra dei trulli, das Land der Zipfelmützenhäuser, und 3) den großen Salento, der bis 1922 Terra d'Otranto genannt wurde, mit Lecce als Hauptstadt. Besonders dort, an der Ferse des italienischen Stiefels, sprechen die Menschen selten von Puglia, wenn sie ihre Region meinen. Diese ist für sie immer und ausnahmslos il Salento. Auch wenn der Salento keine unabhängige Provinz ist, fühlen sich die Menschen hier wie die Einwohner Barcelonas, die von sich behaupten, in erster Linie Katalanen zu sein und nicht Spanier. Rund um Lecce rümpft man die Nase, wenn man zum Beispiel von Bari oder Foggia spricht: »Das ist sehr weit im Norden!« Was auch stimmt: Immerhin ist Apulien fast 400 Kilometer lang. »Hier sind wir im Salento. Das ist etwas völlig anderes als Apulien.«
Einmal gab mir jemand in Lecce eine Einführung in die Mentalität. Es war Dezember, aber der Himmel glänzte wie im Frühling, und eine schüchterne Sonne lud die Menschen ein, an den Tischen vor den Bars zu verweilen. Ich trat aus einer Konditorei an der zentralen Piazza Sant'Oronz
Inhalt
Ankommen Trulli, Masserie und Sassi. Wohnen auf Apulisch und Lukanisch Sommer in Apulien oder: Aus dem Meer wachsen die Tomaten Il mare Focaccia und Orecchiette. Die Altstadt von Bari Aristokratisches Lecce, unterirdisches Lecce Ein unscheinbarer Ort mitten im Salento Taranta mit Herz Umweltsünden und Karwoche in Taranto Ostuni und das Einmaleins des olio d'oliva extravergine Reise ins unsichtbare Lukanien Briganten Der Kampf gegen die Ölkonzerne Aglianico und Naturhonig. Unterwegs am Vulture Lukanische Mysterien Outtakes Literatur & Co. Eine ganz persönliche Auswahl Grazie !