

Beschreibung
Endlich einmal ohne Kinder Urlaub machen, diesen Wunsch will sich ein Ehepaar erfüllen, doch kurz vor der Abreise steht Sarah vor der Tür. Die Erzählerin und ihr Mann, die sich mit ein paar Freunden in der kargen Landschaft einer einsamen Insel auf die einfach...Endlich einmal ohne Kinder Urlaub machen, diesen Wunsch will sich ein Ehepaar erfüllen, doch kurz vor der Abreise steht Sarah vor der Tür. Die Erzählerin und ihr Mann, die sich mit ein paar Freunden in der kargen Landschaft einer einsamen Insel auf die einfachen, wesentlichen Dinge des Daseins zu besinnen hofften, werden unversehens zum Familienersatz für die junge Frau. Mit ihrem Hund Habibi und einer tragischen Vergangenheit im Gepäck schließt Sarah sich ihnen an. Als Sarah der Erzählerin überraschend ihr Tagebuch anvertraut, muss diese sich mit dem Schicksal von Sarahs deutsch-israelischer Familie auseinandersetzen, die sie von früher kennt. Während die Freunde im Inselalltag so manche brenzlige Situation erleben, merken sie, wie leicht jeder Einzelne aus dem Gleichgewicht geraten kann. Am Ende verändert der Inselaufenthalt nicht nur Sarahs Leben.
Margit Schreiner wurde 1953 in Linz geboren. Sie studierte Germanistik und Psychologie in Salzburg und ging 1977 für drei Jahre nach Japan. Sie lebt seit 1983 als freie Schriftstellerin zunächst in Salzburg und Paris, später in Berlin und Italien - heute wieder in Linz. Für ihre Bücher erhielt sie zahlreiche Stipendien und Preise, zuletzt den Oberösterreichischen Landeskulturpreis, den Kunstwürdigungspreis der Stadt Linz und den Österreichischen Würdigungspreis für Literatur.
Endlich einmal ohne Kinder Urlaub machen! Diesen Wunsch will sich ein Ehepaar erfüllen, doch kurz vor der Abreise steht Sarah vor der Tür. Die Erzählerin und ihr Mann, die sich mit ein paar Freunden in der kargen Landschaft einer einsamen Insel auf die einfachen, wesentlichen Dinge des Daseins zu besinnen hofften, werden unversehens zum Familienersatz für die junge Frau. Mit ihrem Hund Habibi und einer tragischen Vergangenheit im Gepäck schließt Sarah sich ihnen an. Als Sarah der Erzählerin überraschend ihr Tagebuch anvertraut, muss diese sich mit dem Schicksal von Sarahs deutsch-israelischer Familie auseinandersetzen, die sie von früher kennt. Während die Freunde im Inselalltag so manche brenzlige Situation erleben, merken sie, wie leicht jeder Einzelne aus dem Gleichgewicht geraten kann. Am Ende verändert der Inselaufenthalt nicht nur Sarahs Leben.
Autorentext
Margit Schreiner wurde 1953 in Linz geboren. Nach längeren Aufenthalten in Tokio, Paris, Berlin, Italien und dann wieder in Linz lebt sie derzeit in Gmund, Niederösterreich. Sie erhielt fur ihre Bucher zahlreiche Stipendien und Preise, u. a. den Oberösterreichischen Landeskulturpreis und den Österreichischen Wurdigungspreis fur Literatur. 2015 wurde sie mit dem Johann-Beer-Literaturpreis und dem Heinrich-Gleißner-Preis ausgezeichnet, 2016 erhielt sie den Anton-Wildgans-Preis. Mit Kein Platz mehr war sie 2018 fur den Österreichischen Buchpreis nominiert. www.margitschreiner.com
Leseprobe
Vor der Abreise
W ahrscheinlich ist der Mensch von Natur aus ungeeignet für die Natur. Findet er nämlich ungestörte Natur vor, ist ihm das Leben in der ungestörten Natur zu mühsam, also zerstört er sie, um sie zu verbessern. Hat er sie verbessert, also zerstört, sehnt er sich nach unzerstörter Natur. Das Gleiche gilt für unsere Gefühle. Wir sind unfähig, damit umzugehen. Passiert nichts, ist uns langweilig, passiert etwas, sind wir gleich überfordert. Nehmen wir zum Beispiel die über Sechzigjährigen.
Sie sind in der Regel froh, wenn die Kinder aus dem Haus sind, kein unangemeldeter Besuch erscheint und sie ihre Ruhe haben. Einerseits. Andererseits beklagen sie sich schnell über Langeweile. Sie wollen etwas erleben. Erleben sie etwas, ist es ihnen aber gleich zu anstrengend. Manche Sechzigjährige täuschen die unter Sechzigjährigen, indem sie mit einer Aktentasche unter dem Arm oder, wenn es sich um fortschrittliche und intelligente Sechzigjährige handelt, mit einem Rucksack auf dem Rücken durch die Stadt hetzen, was den Eindruck vermitteln soll, dass sie viel zu erledigen haben. Obwohl sie meistens nicht mehr arbeiten oder zumindest in Altersteilzeit gegangen sind, haben sie es ständig eilig und drängen sich grundsätzlich überall vor: beim Arzt, in der Straßenbahn, im Supermarkt. Sollen sie sich aber einmal an der Supermarktkasse beeilen, weil sich hinter ihnen bereits eine Schlange gebildet hat, ermahnen sie die hinter ihnen Wartenden zu mehr Gelassenheit im Alltag. Gelassenheit ist es aber gerade, was ihnen selbst am meisten fehlt. Sie jammern unentwegt über alles Mögliche: über Hüftgelenkschmerzen, Rückenschmerzen, Rheuma oder Gicht. Haben sie weder Kalkschultern, Arthritis, Arthrose, Arteriosklerose oder Osteoporose noch grauen oder grünen Star, so fürchten sie entweder ständig, dass sie kurz davor sind, daran zu erkranken, oder bereits längst unerkannt daran erkrankt sind. Den Arzt besuchen sie so oft wie möglich und begründen dies mit der Angst vor steigender Schlaganfall- und Herzinfarktgefahr aufgrund mannigfaltiger Verkalkungen und Verstopfungen. Wobei sie dem Arzt stets ankreiden, entweder eine falsche Diagnose zu erstellen oder ihren Zustand zu verharmlosen. Die Ärzte stöhnen, wenn die Sechzigjährigen ihre Wartezimmer verstopfen, weil sie an Blasenschwäche, Schwindel, Schwerhörigkeit leiden oder zu leiden glauben. Sind sie familiär vorbelastet, überhören sie geflissentlich die Warnung des Arztes, dass in nicht allzu weiter Ferne eventuell Alzheimer oder Parkinson droht. Sie ignorieren konsequent jedes Symptom. Sagt man ihnen, dass es schon nicht so schlimm werden wird, fühlen sie sich nicht ernst genommen, pflichtet man ihnen bei, fühlen sie sich bemitleidet. Man kann ihnen grundsätzlich nichts recht machen: Ein Besuch erfolgt nie zur rechten Zeit. Sie wollten gerade aufs Amt gehen, ein Mittagsschläfchen halten oder etwas Wichtiges erledigen. Besucht man sie nicht, beklagen sie sich über zunehmende Einsamkeit. Sie pochen immer darauf, respektiert zu werden, sie selbst respektieren aber niemanden. Und schon gar nicht Menschen mit Tattoos, Ringen in der Nase oder der Zunge und zerrissenen Jeans, Leute, die auf der Straße mit dem Handy telefonieren oder MP 3-Stöpsel in den Ohren tragen sowie Punks mit großen Hunden. Sie wissen grundsätzlich immer alles besser, sind dabei aber ständig unzufrieden: Sie hassen den Lärm und fürchten die Stille.
Bruno und ich waren zwar auch über sechzig, fühlten uns aber noch immer relativ jung, dynamisch, neugierig, aufgeschlossen. Die Jugend war für uns keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung, von der wir uns neue Impulse erhofften. Der Umgang mit Jüngeren hält uns selbst jünger und flexibler. Dennoch nahmen wir die Mitteilung unserer Kinder, dieses Jahr nicht auf die Insel mitzufahren, sondern eigene Ferienpläne zu verfolgen, insgeheim erleichtert auf. Keine Lärmbelästigungen durch laute Musik, keine Streitere
