

Beschreibung
Ein Dorf in der Hochebene bei Marseille. Unter einem Berghof sprudelt eine kostbare Quelle. Doch wer den Besitz unrechtmäßig an sich reißt, den führt er ins Verderben. Habsucht, Mord und Vertreibung zerrütten die Gemeinschaft. Erst das schöne Quellenmädchen Ma...Ein Dorf in der Hochebene bei Marseille. Unter einem Berghof sprudelt eine kostbare Quelle. Doch wer den Besitz unrechtmäßig an sich reißt, den führt er ins Verderben. Habsucht, Mord und Vertreibung zerrütten die Gemeinschaft. Erst das schöne Quellenmädchen Manon, das zur faszinierenden Lichtgestalt dieses berühmten Epos wird, kann die Ordnung in der Welt des Dorfes wiederherstellen.
Marcel Pagnol, geboren am 28. Februar 1895 in Aubagne bei Marseille und am 18. April 1974 in Paris gestorben, studierte Literaturwissenschaft in Aix en Provence und war von 1946 an Mitglied der Académie française. Seine ersten großen Erfolge hatte er ab 1928 mit Theaterstücken, danach wandte er sich dem Filmschaffen zu. Erst mit sechzig Jahren begann er, seine Jugendgeschichte aufzuschreiben, mit der er Weltruhm erlangte: 'Eine Kindheit in der Provence' umfasst die beiden weltberühmten Klassiker 'Marcel' (1957) und 'Marcel und Isabelle' (1958).
Autorentext
Marcel Pagnol, geboren am 28. Februar 1895 in Aubagne bei Marseille und am 18. April 1974 in Paris gestorben, studierte Literaturwissenschaft in Aix en Provence und war von 1946 an Mitglied der Académie française. Seine ersten großen Erfolge hatte er ab 1928 mit Theaterstücken, danach wandte er sich dem Filmschaffen zu. Erst mit sechzig Jahren begann er, seine Jugendgeschichte aufzuschreiben, mit der er Weltruhm erlangte: "Eine Kindheit in der Provence" umfasst die beiden weltberühmten Klassiker "Marcel" (1957) und "Marcel und Isabelle" (1958).
Leseprobe
Les Bastides Blanches war eine Gemeinde von hundertfünfzig Einwohnern auf einem der letzten Ausläufer des Etoile-Massivs, zwei Meilen von Aubagne entfernt ... dorthin führte eine ungepflasterte Landstraße mit so abrupter Steigung, daß sie von weitem senkrecht wirkte, und zur Gebirgsseite setzte sie sich nur als ein Maultierpfad fort, von dem einige Fußwege zum Himmel strebten.
Dazwischen lagen etwa fünfzig Häuser, deren Weiße im Ortsnamen noch übrig geblieben war; sie säumten fünf oder sechs weder geteerte noch gepflasterte Straßen, enge Straßen, der Sonne wegen gekrümmt, um den Mistral abzufangen.
Immerhin gab es eine ziemlich lange Esplanade, die das Tal nach Sonnenuntergang beherrschte, gestützt von einem Quadersteinwall, der gut zehn Meter hoch war und als Brüstung unter einer uralten Platanenallee endete: dieser Platz wurde der »Boulevard« genannt, und hierher kamen die Alten des Dorfes, um im Schatten zu sitzen und Konversation zu machen.
In der Mitte des Boulevard führte eine breite Treppe von zehn Stufen auf das »Plätzchen«, auf dem von Häuserfronten umgeben, der Quellbrunnen lag. Eine steinerne Muschel schmückte die Mitte des Brunnenrandes und wies ihn auch äußerlich als die Mutter der Ansiedlung aus. Tatsächlich hatte ein »Sommergast« aus Marseille (denn zur Jagdzeit kamen deren zwei oder drei) der Gemeinde vor fünfzig Jahren einen kleinen Sack Goldstücke gestiftet, der erlaubte, das klare Wasser der einzigen, ergiebigen Quelle des Landes bis auf das Plätzchen zu leiten ... Damals waren die in Tälern oder auf Hügelhängen verstreuten kleinen Bauernhöfe nach und nach aufgegeben worden, die Familien hatten sich um den Brunnen gruppiert, der Weiler war ein Dorf geworden.
Den ganzen Tag sah man Kannen oder Krüge unter dem Wasserstrahl stehen und daneben die Klatschbasen, die Neuigkeiten austauschten, während sie auf die Musik des einlaufenden Wasserstrahls horchten.
Um den Platz einige Läden: die Tabak-Bar, der Krämer, der Bäcker, der Metzger, dann, weit geöffnet, die Schreinerwerkstatt neben der Schmiede des Schlossers und im Hintergrund die Kirche: sie war altertümlich, aber nicht alt, und ihr Turm war kaum höher als die Häuser. Eine kleine Straße zweigte links von dem Plätzchen ab, um in eine andere schattige Allee zu münden, die sich bis vor das größte Gebäude des Dorfes hinzog. Dieses Gebäude war das Gemeindeamt und der Sitz des republikanischen Klubs, dessen politische Betätigung in der Hauptsache die Organisation des Lottos und der Boulewettspiele war, deren sonntägliche Turniere unter den Platanen beider Alleen abgehalten wurden.
Die Bastidianer waren meist groß, mager und muskulös. Zwanzig Kilometer vom alten Marseiller Hafen entfernt geboren, ähnelten sie weder den Einwohnern dieser Stadt noch den Provenzalen der weiteren Umgebung. Eine weitere Eigentümlichkeit der Bastidianer war schließlich, daß es dort nicht mehr als fünf oder sechs Namen gab: Anglade, Chabert, Olivier, Cascavel, Soubeyran; um Verwechslungen zu vermeiden, fügte man dem Vornamen nicht den Familiennamen, sondern den Vornamen der Mutter hinzu: Pamphile von Fortunette, Louis von Etiennette, Clarius von Reine. Es handelte sich zweifellos um die Nachkommen irgendeines ligurischen Stammes, der ehemals durch die Invasion der Römer in die Hügel zurückgedrängt worden war; was soviel hieß, daß sie vielleicht die ältesten Einwohner des provenzalischen Landes waren.
Weil die Straße, die zu ihnen führte, auf dem Boulevard endete, sah man dort nur selten »Fremde«, und weil sie selbst mit ihrem Los zufrieden waren, stiegen sie nur nach Aubagne hinunter, um ihr Gemüse auf den Markt zu tragen. Vor dem Krieg von 1914 fand man auf den Bauernhöfen noch Greise und Greisinnen, die nichts als das Provenzalisch der Hochebene sprachen. Sie ließen sich von den jungen Leuten, die aus der Kaserne kamen, »Marseille erzählen« und wunderten sich, daß man in solchem Lärm leben konnte, auf der Straße Menschen begegnete