

Beschreibung
Ein opulentes Sittengemälde aus der Frühzeit der Hanse, ein Seefahrer-Roman voller Spannung und Leidenschaft Simon Gronewech soll als Kumpan von Klaus Störtebeker, dem Anführer der Vitalienbrüder und dem gefürchtetsten Widersacher der Hanse, hingerichtet werde...Ein opulentes Sittengemälde aus der Frühzeit der Hanse, ein Seefahrer-Roman voller Spannung und Leidenschaft Simon Gronewech soll als Kumpan von Klaus Störtebeker, dem Anführer der Vitalienbrüder und dem gefürchtetsten Widersacher der Hanse, hingerichtet werden. Doch vor seinem Tod darf er seine Lebensgeschichte diktieren - und der Leser wird Zeuge seiner Abenteuer und Irrfahrten, die ihn von Lübeck nach Island und aus englischen Kerkern an tunesische Fürstenhöfe brachten. Wieder in heimatlichen Gefilden wird er der Narr des berüchtigten Seeräubers Störtebeker, was schließlich Simons Schicksal besiegelt...
Konrad Hansen, 1933 in Kiel geboren, studierte Germanistik, Philosophie, Theologie und Volkswirtschaft und lebt heute bei Flensburg. Er war Rundfunkredakteur, Reporter, Abteilungsleiter bei Radio Bremen und Intendant des Ohnsorg-Theaters in Hamburg. Hansen schrieb Erzählungen, Hörspiele, Theaterstücke, Drehbücher und die Romane 'Der Spaßmacher', 'Die Männer vom Meer', 'Simons Bericht' und 'Die Rückkehr der Wölfe'. Zuletzt erschien von ihm 'Der wilde Sommer. Roman aus dem Jahr 1945'.
Autorentext
Konrad Hansen, 1933 in Kiel geboren, studierte Germanistik, Philosophie, Theologie und Volkswirtschaft und lebt heute bei Flensburg. Er war Rundfunkredakteur, Reporter, Abteilungsleiter bei Radio Bremen und Intendant des Ohnsorg-Theaters in Hamburg. Hansen schrieb Erzählungen, Hörspiele, Theaterstücke, Drehbücher und die Romane "Der Spaßmacher", "Die Männer vom Meer", "Simons Bericht" und "Die Rückkehr der Wölfe". Zuletzt erschien von ihm "Der wilde Sommer. Roman aus dem Jahr 1945".
Leseprobe
Erstes Kapitel
Ein Todgeweihter grüßt dich, Bruder Anselmus. Setz dich zu mir und lass es dir schmecken. Nimm von den Krebsen, nimm vom Kapaun, koste die Feigen und erquicke dich am Wein, es ist reichlich für uns beide da.
Man sagt, du seist von weit her gekommen, um bei Meister Detmar vom Orden der Minderbrüder in die Lehre zu gehen. Er selbst nennt dich seinen besten Schüler. Es heißt, du verstündest dich auf die Kunst, Unglaubliches in glaubhafte Worte zu kleiden. Man rühmt die Geläufigkeit, mit der du die Feder führst, man bewundert deine anmutige Schrift. Ferner sollst du eine Eigenschaft besitzen, die der Erzähllust förderlicher ist als lauter Beifall. Du seist, sagt man, ein so aufmerksamer wie geduldiger Zuhörer. All das gefällt mir, deshalb habe ich dich ausgewählt festzuhalten, was ich zu berichten weiß. Fangen wir also an.
Der erste Satz soll lauten: Dies ist die Lebensgeschichte des Simon Gronewech aus Lübeck, von ihm selbst erzählt im Jahre seines Todes vierzehnhundertzwei. Die weiteren Sätze magst du nach Gutdünken formen, doch diesen will ich so und nicht anders geschrieben sehn, kein Wort mehr und keines weniger.
Merk ihn dir gut, Bruder Anselmus. Und wenn du ihn niederschreibst, setz ihn für sich allein auf das erste Blatt, in großen verzierten Lettern. Und heb den Namen ein wenig hervor, damit er ins Auge springe und die Gedanken sogleich auf jenen Simon Gronewech lenke, der durch die Hand des Henkers ums Leben kam.
Ich weiß nicht, wie viel Zeit mir bleibt, meine Geschichte zu erzählen. Gestern ließ mich der Vorsprake vertraulich wissen, die Richteherren seien sich uneins, ob man mich hängen oder köpfen soll. Unter den Befürwortern des Kopfabschlagens, fügte er hinzu, befänden sich nicht minder streitbare Herren als unter jenen, die mich baumeln sehen möchten. Gibt mir dies Hoffnung auf eine hinreichend verlängerte Galgenfrist, so erfüllt mich eine weitere Nachricht mit Besorgnis: Meister Rosenfeld soll sich bereits in der Stadt befinden. Man habe ihn, sagt der Vorsprake, aus Hamburg kommen lassen, damit er den unlängst verblichenen Peter Molne vertrete. Erinnere dich, dass es Rosenfeld war, der Störtebeker und Magister Wigbold auf dem Grasbrook das Haupt abschlug und ein knappes Jahr später Godeke Michels. Sollte es nicht meiner Eitelkeit schmeicheln, dass der Rat mich durch das gleiche Richtschwert in den Tod schicken will?
Einer hat von jeher kommen sehn, dass es mit mir ein böses Ende nehmen würde. Er wäre zutiefst befriedigt, wenn er wüsste, dass seine Voraussagen sich erfüllt haben. Denn nichts verschaffte ihm größere Genugtuung, als recht zu behalten. Ich spreche von meinem Vater, dem Kaufmann und Ratsherrn Hinrich Gronewech.
Obgleich er erst sechsunddreißig Jahre zählte, als ich geboren wurde, hat sich mir das Bild eines alten, starrsinnigen Mannes eingeprägt. Ich sehe ein Gesicht vor mir, dessen ledrige Haut von tiefen Furchen durchzogen ist, schmale Lippen, ein von fusseligem Barthaar umrahmtes Kinn, und ich sehe zwei blassgraue Augen, die voller Abscheu und Verachtung auf mich gerichtet sind. Von Hass zu reden wäre unbillig. Solch leidenschaftlicher Gefühle war Hinrich Gronewech nicht fähig.
Unter den Kaufleuten genoss mein Vater den Ruf, ein Muster an Rechtschaffenheit zu sein. Er schloss kein Geschäft ab, bei dem er sich, seines Vorteils halber, unredlicher Mittel hätte bedienen müssen. Man sollte denken, dass diese Eigenschaft dem Kaufmann so hinderlich sei wie einem Schiffer die Seekrankheit, doch ihm brachte sie Wohlstand. Als er die Sechzig überschritten hatte, besaß er drei Häuser, zwei Speicher am Hafen, vier eigene Schiffe und Anteile an sechs weiteren. Er hätte schon bald nach seinem vierzigsten Jahr im Rat sitzen können, wäre es ihm nicht widersinnig erschienen, für einen Profit, der sich nicht in Mark und Schilling niederschlägt, seine Geschäfte zu vernachlässigen. Als man ihm schließlich das Amt eines W
