

Beschreibung
'Auf Korfu zu leben, war ein bisschen so, als wäre man in eine dieser opulenten, komischen Opern geraten.' Man schreibt das Jahr 1935. Die Durrells sind das britische Klima leid. Was also läge näher, als auszuwandern? So kehrt der zehnjährige Gerry g...'Auf Korfu zu leben, war ein bisschen so, als wäre man in eine dieser opulenten, komischen Opern geraten.' Man schreibt das Jahr 1935. Die Durrells sind das britische Klima leid. Was also läge näher, als auszuwandern? So kehrt der zehnjährige Gerry gemeinsam mit seinen drei Geschwistern und seiner Mutter Louisa England den Rücken - und betritt eine zauberhafte Welt, die für die ganze Familie prägend sein wird: die griechische Insel Korfu. In seinen literarischen Erinnerungen erzählt Gerald Durrell, wie sich sein Blick für die Natur öffnete. Und macht dabei so geistreiche wie witzige Beobachtungen über Mensch und Tier. Über die eigensinnigen Einheimischen, die herrlichen Marotten seiner Familie und die tierischen Gäste in ihrem Haus.
Gerald Durrell wurde 1925 im indischen Jamshedpur geboren. Als Kind zog er mit seiner Familie auf die griechische Insel Korfu, wo er ein ausgeprägtes Interesse an der heimischen Tierwelt entwickelte. Später leitete er internationale Expeditionen zur Erforschung seltener Arten, aus denen zahlreiche Schriften und Fernsehdokumentationen hervorgingen und engagierte sich im Tierschutz. Durrell starb im Jahr 1995 im Alter von 70 Jahren auf der britischen Kanalinsel Jersey.
Autorentext
Gerald Durrell wurde 1925 im indischen Jamshedpur geboren. Als Kind zog er mit seiner Familie auf die griechische Insel Korfu, wo er ein ausgeprägtes Interesse an der heimischen Tierwelt entwickelte. Später leitete er internationale Expeditionen zur Erforschung seltener Arten, aus denen zahlreiche Schriften und Fernsehdokumentationen hervorgingen und engagierte sich im Tierschutz. Durrell starb im Jahr 1995 im Alter von 70 Jahren auf der britischen Kanalinsel Jersey.
Leseprobe
Die ungeahnte Insel
Von der Zollbaracke bahnten wir uns unseren Weg durch Lärm und Getümmel hinaus ins gleißende Sonnenlicht am Kai. Über uns thronte die Stadt, scheinbar planlos türmten sich Reihen bunter Häuser aufeinander, deren aufgeklappte, grüne Fensterläden aussahen wie die Flügel Tausender Falter. Hinter uns lag die Bucht, spiegelglatt, und strahlte in diesem unglaublichen Blau.
Larry marschierte erhobenen Hauptes voran, ohne die Träger, die sich mit seinen Kisten abschleppten, aus den Augen zu lassen, wobei er derart arrogant wirkte, dass man seine schmächtige Statur kaum bemerkte. Hinter ihm trottete Leslie, klein, stämmig und mit einer Pose, als würde er keinem Streit aus dem Weg gehen, dann folgte Margo und zog eine Wolke aus Musselin und Parfüm hinter sich her. Mutter, die aussah wie eine winzige, in Not geratene Missionarin inmitten einer Revolte, war vom aufgebrachten Roger sofort widerwillig an den nächsten Laternenpfahl gezerrt worden. Da stand sie verloren und starrte ins Leere, während der Hund seinen Bedürfnissen nachging, die sich die Reise über aufgestaut hatten. Larry wählte zwei fürchterlich heruntergekommene Pferdekutschen, ließ in eine das Gepäck laden und setzte sich in die zweite. Dann schaute er sich gereizt um.
»Und?«, fragte er. »Worauf warten wir?«
»Auf Mutter«, erklärte Leslie. »Roger hat einen Laternenpfahl gefunden.«
»Lieber Gott!«, sagte Larry, richtete sich in der Kutsche auf und rief: »Mach zu, Mutter. Kann der Hund nicht warten?«
»Bin gleich da«, rief Mutter teilnahmslos und wenig glaubwürdig, denn Roger machte keinerlei Anzeichen, den Pfahl verlassen zu wollen.
»Der Hund nervt schon die ganze Zeit«, sagte Larry.
»Sei nicht so ungeduldig«, entgegnete Margo barsch. »Der Hund kann nichts dafür ... und außerdem, in Neapel mussten wir eine Stunde auf dich warten.«
»Da hatte ich Magenprobleme«, meinte Larry kalt.
»Tja, vielleicht hat jetzt Roger Magenprobleme«, sagte Margo triumphierend. »Unsere Gruppe besteht aus sechs Mitgliedern, und dieses Dutzend bleibt zusammen.«
»Das halbe Dutzend, meinst du.«
»Egal, du weißt, was ich meine.«
In dem Moment kam Mutter, leicht derangiert, und wir mussten uns überlegen, wie wir Roger in die Kutsche kriegten. Er hatte noch nie in so einem Gefährt gesessen und reagierte mit Argwohn. Letztlich blieb uns nichts anderes übrig, als den verzweifelt jaulenden Hund mit vereinten Kräften in die Kutsche zu hieven. Dann sprangen wir atemlos hinterher und hielten ihn fest. Das Pferd, durch diesen Trubel aufgeschreckt, fiel in einen hektischen Trab, sodass wir alle auf dem Boden der Kutsche landeten und den winselnden Roger unter uns begruben.
»Was für ein Auftritt«, sagte Larry genervt. »Ich hatte gehofft, wir könnten hier einen würdevollen, majestätischen Eindruck machen, und jetzt das ... Wir kommen in die Stadt wie ein mittelalterlicher Wanderzirkus.«
»Reg dich nicht auf, Schatz«, sagte Mutter beschwichtigend und richtete ihren Hut. »Wir sind gleich im Hotel.«
So trappelte und bimmelte unsere Kutsche in die Stadt, während wir auf den Rosshaarbänken saßen und versuchten, den würdevollen, majestätischen Eindruck zu vermitteln, den Larry von uns verlangte. Roger, in Leslies eisernem Griff, hängte seinen Kopf über die Seite der Kutsche und verdrehte die Augen, als würde er seinen letzten Atemzug tun. Dann ratterten wir durch eine Gasse, in der vier struppige Mischlinge in der Sonne lagen. Roger machte sich steif, starrte sie finster an und bellte drauflos. Schlagartig wach, rannten die Straßenhunde hinter der Kutsche her und kläfften wie wild. Unsere Haltung war unwiederbringlich dahin, denn es brauchte zwei Leute, um den tobenden Roger im Zaum zu halten, während sich die anderen aus der Kutsche lehnten und versuchten, mit Zeitungen und Büchern um sich schlagend, die Meute der Verfolger loszuwerden. Die Hunde wurden dadurch aber