

Beschreibung
Die Sozialpsychiatrie hat an Faszination, die sie in den 70er- und 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts auf viele junge ÄrztInnen, PsychologInnen, SozialpädagogInnen, SoziologInnen und Pflegekräfte ausgeübt hatte, verloren. Doch wo ist das bewegende Element di...Die Sozialpsychiatrie hat an Faszination, die sie in den 70er- und 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts auf viele junge ÄrztInnen, PsychologInnen, SozialpädagogInnen, SoziologInnen und Pflegekräfte ausgeübt hatte, verloren. Doch wo ist das bewegende Element dieser Aufbruchphase geblieben? Was hat sich da verändert und warum hat sich die Entwicklung so vollzogen? Das Buch von Edith Borchers sucht hier nach Antworten. Seit vielen Jahren selbst in der Psychiatrie tätig, wurde der Autorin zunehmend bewusst, dass in der oft grenzwertigen Arbeitsbelastung immer weniger Ideen erkennbar sind, die dem eigenen Handeln einen sinnstiftenden Rahmen geben könnten. Diese Selbstbeobachtung führte zu den Fragen, ob auch andere Akteure im sozialpsychiatrischen Feld dies ähnlich wahrnehmen und wenn ja, welche Gründe aus ihrer Sicht dafür verantwortlich sind. Auf der Basis intensiver qualitativer Interviews hat Edith Borchers solche Antworten eingeholt und zu einem differenzierten Bild der aktuellen sozialpsychiatrischen Landschaft zusammengeSetzt. Zudem gibt sie einen kurzen historischen Überblick und präsentiert eine Porträtgalerie der wichtigen Persönlichkeiten der internationalen sozialpsychiatrischen Reformerszene (u. a. Laing, Goffman, Ciompi, Dörner, Plog). Empfehlenswert für alle älteren und jüngeren Anhänger des sozialpsychiatrischen Projektes, für Psychiatriegeschichte- und Theorie-Interessierte.
Autorentext
Frau Edith Borchers war Krankenschwester und Sozialpädagogin. Seit 1996 Tätigkeit im Psychiatrischen Krisen- und Behandlungszentrum, Atriumhaus, München. 2009 Promotion mit der vorliegenden Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Department Psychologie, Fakultät für Psychologie und Pädagogik, bei Prof. Dr. Heiner Keupp. Titel: Spurensicherung im sozialpsychiatrischen Labyrinth Werte und Menschenbilder im Wandel der Gesundheitsversorgung.
Inhalt
Vorwort von Heiner Keupp 9 Einleitung 12 Kapitel 1 1 Psychiatrie Einblicke 16 1.1 Standortbestimmung 16 1.1.1 Klinische Psychiatrie 20 1.1.2 Antipsychiatrie 22 1.1.3 Sozialpsychiatrie 23 1.2 Porträtsammlung ausgewählter Repräsentantinnen und Repräsentanten der Psychiatriereform 31 1.2.1 Nationale Porträts 31 1.2.2 Internationale Einflüsse 34 1.3 Sozialpsychiatrisch-historisches Streiflicht 50 1.3.1 Die Zeit nach der Kapitulation bis Ende der 70er-Jahre 51 1.3.2 Positionierung der deutschen Reformbewegung 52 1.3.3 Psychiatrie-Enquête 56 1.3.4 Die 80er-Jahre, die Wende 57 1.3.5 Die 90er-Jahre 58 1.3.6 Ein Blick zurück 63 1.4 Annäherung an ein Menschenbild 65 Kapitel 2 2 Methodischer Bezugsrahmen 68 2.1 Qualitative Forschung eine Begründung 68 2.2 Erste Texte entstehen: die Datendokumentation 77 2.3 Die Auswertung im Prozess weiteres Datenmaterial entsteht 79 2.4 Anonymisierung und Datenschutz 83 2.5 Beziehungsdynamik und Forschungsposition 84 2.6 Datenreduktion das gezielte Sampling 88 2.7 Auswertungstechnische Stellenwerte zur Forschungspräsentation 91 6 Kapitel 3 3 2003 Streiflichter und Gesprächsskizzen 94 3.1 Porträtsammlung der Interviewpartnerinnen und -partner 94 3.1.1 Herr N. Der Grenzgänger 94 3.1.2 Herr W. Vom linken Sozialromantiker oder Ein »Großvater« der Antipsychiatrie erzählt 95 3.1.3 Frau H. Eine zerrissene Einzelkämpferin 97 3.1.4 Herr T. Die Geschichte vom Schatzkästchen 99 3.1.5 Herr S. Ein Mann in den besten Jahren 101 3.1.6 Frau O. In die psychiatrische Szene hineingewachsen 102 3.1.7 Frau B. Eine Pioniersfrau und Überlebenskünstlerin 103 3.1.8 Herr F. Flüchten oder Standhalten 104 3.1.9 Herr M. Ein Schreiner, alternativ und sozialpolitisch engagiert 106 3.2 Psychiatrie eine »querbeet«-Sammlung 107 Kapitel 4 4 Werte und Menschenbilder 110 4.1 Spurensicherung 110 4.2. Menschenbilder 111 4.2.1 Philosophische Dimension 111 4.2.2 Subjektive Relevanz des Menschseins 114 4.2.3 Gesundheit und soziale Verantwortung 121 4.2.4 Verlust von Selbstbestimmung beruflichen Handelns 124 4.2.5 Autonomie und Partizipation kontra Wertewandel 128 4.3 Wertewandel 136 4.3.1 Sozialpsychologische Reflexion gesellschaftlicher Veränderungen 136 4.3.2 Flexibilität als Baustein für eine berufliche Identität 140 4.3.3 Identitätskompetenz als Bedingung für Zukunftsfähigkeit 149 4.3.4 Normalität 154 4.3.5 Anpassung und Widerstandsformen im beruflichen Handeln 154 4.3.6 Identitätskonstruktion aus Anpassung und Widerstand 155 4.3.7 Nützlichkeit und Anerkennung beruflichen Handelns 160 4.4 Menschenbild Klientenbild 162 4.4.1 Helfen als Beruf 162 4.4.2 Berufliche Identität mit Empowerment-Profil 168 4.4.3 Helfen in heißen Kulturen 173 4.4.4 Narrative Identität beruflichen Handelns 174 4.4.5 Berufliche Identität mit Kohärenz-Profil 180 4.4.6 Identität aus transkultureller Perspektive 186 4.4.7 Souveränität 189 4.5 Zusammenfassung 192 4.5.1 Werte und Menschenbilder 192 4.5.2 Ergebnissammlung der Interviewporträts 193 Kapitel 5 5 Resümee 198 Literatur 202 Danksagung 209 Anhang 210 Die Autorin 216
