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Analyse der Rechtsformneutralität der Unternehmensbesteuerung unter Berücksichtigung der Unternehmensteuerreform 2008

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Beschreibung

Inhaltsangabe:Einleitung: Das Postulat der Entscheidungsneutralität definiert „Steuerrechtsetzungen, die bei vernünftigen Steuerpflichtigen keine Ausweichhandlungen verursachen“, als entscheidungsneutral. In den ökonomischen Steuerwissenschaften erfährt dieses Postulat der Entscheidungsneutralität eine zweifache Auslegung. Zum einen bindet die betriebswirtschaftliche Sichtweise, welche Steuerzahlungen als negative Zielbeiträge bei der Wahl von wirtschaftlichen Handlungsalternativen sieht, daran eine durch die Neutralität der Besteuerung das Entscheidungskalkül vereinfachende Indifferenzbedingung. Demgegenüber wird finanzpolitisch die Entscheidungsneutralität zur Wahrung der gesamtwirtschaftlichen Allokationseffizienz und damit der Zielsetzung der Vermeidung von Fehlallokationen der begrenzten Ressourcen, als eines der Grundsatzpostulate des Steuersystems herangezogen. Diesem Neutralitätspostulat genügend darf es für die Besteuerung des Ergebnisses der unternehmerischen Tätigkeit - das steuerliche Einkommen - nicht auf das zur Ausübung der unternehmerischen Tätigkeit gewählte Rechtskleid - die Rechtsform - ankommen. Die daraus zu subsumierende Forderung der Rechtsformneutralität der Unternehmensbesteuerung entspricht damit einer Forderung nach einer in Art und Intensität von der Rechtsform unabhängigen Teilhabe des Staates am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmers. Die Ursachen für Verletzungen der Rechtsformneutralität können u.a. durch eine Doppelbesteuerung bei bestimmten Rechtsformen durch Kombinationen mehrerer Steuern hervorgerufen werden, wie aber auch bei unterschiedlicher rechtsformabhängiger Ausgestaltung der Bemessungsgrundlagen, bspw. durch divergierende Besteuerungsprinzipien, aber auch durch unterschiedlich hohe Steuersätze bei der Existenz von rechtsformabhängigen Steuern. Hauptursache der Existenz einer Forderung nach Rechtsformneutralität in Deutschland ist der bestehende Dualismus der Unternehmensbesteuerung mit dem Nebeneinander von natürlichen und juristischen Personen als Steuersubjekte und die damit einhergehende strukturelle Ungleichbehandlung von Unternehmensgewinnen in Deutschland. Im Einzelnen sind dies die zwischen Personenunternehmen einerseits und den Kapitalgesellschaften andererseits unterschiedlichen Steuerarten, differierende nominelle Steuersätze, aber auch divergierende Besteuerungsprinzipien, Vermögenszurechnungen, Verlustnutzungsmöglichkeiten, sowie die Wirksamkeit von Leistungsbeziehungen zwischen [...]

Klappentext

Inhaltsangabe:Einleitung: Das Postulat der Entscheidungsneutralität definiert Steuerrechtsetzungen, die bei vernünftigen Steuerpflichtigen keine Ausweichhandlungen verursachen , als entscheidungsneutral. In den ökonomischen Steuerwissenschaften erfährt dieses Postulat der Entscheidungsneutralität eine zweifache Auslegung. Zum einen bindet die betriebswirtschaftliche Sichtweise, welche Steuerzahlungen als negative Zielbeiträge bei der Wahl von wirtschaftlichen Handlungsalternativen sieht, daran eine durch die Neutralität der Besteuerung das Entscheidungskalkül vereinfachende Indifferenzbedingung. Demgegenüber wird finanzpolitisch die Entscheidungsneutralität zur Wahrung der gesamtwirtschaftlichen Allokationseffizienz und damit der Zielsetzung der Vermeidung von Fehlallokationen der begrenzten Ressourcen, als eines der Grundsatzpostulate des Steuersystems herangezogen. Diesem Neutralitätspostulat genügend darf es für die Besteuerung des Ergebnisses der unternehmerischen Tätigkeit - das steuerliche Einkommen - nicht auf das zur Ausübung der unternehmerischen Tätigkeit gewählte Rechtskleid - die Rechtsform - ankommen. Die daraus zu subsumierende Forderung der Rechtsformneutralität der Unternehmensbesteuerung entspricht damit einer Forderung nach einer in Art und Intensität von der Rechtsform unabhängigen Teilhabe des Staates am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmers. Die Ursachen für Verletzungen der Rechtsformneutralität können u.a. durch eine Doppelbesteuerung bei bestimmten Rechtsformen durch Kombinationen mehrerer Steuern hervorgerufen werden, wie aber auch bei unterschiedlicher rechtsformabhängiger Ausgestaltung der Bemessungsgrundlagen, bspw. durch divergierende Besteuerungsprinzipien, aber auch durch unterschiedlich hohe Steuersätze bei der Existenz von rechtsformabhängigen Steuern. Hauptursache der Existenz einer Forderung nach Rechtsformneutralität in Deutschland ist der bestehende Dualismus der Unternehmensbesteuerung mit dem Nebeneinander von natürlichen und juristischen Personen als Steuersubjekte und die damit einhergehende strukturelle Ungleichbehandlung von Unternehmensgewinnen in Deutschland. Im Einzelnen sind dies die zwischen Personenunternehmen einerseits und den Kapitalgesellschaften andererseits unterschiedlichen Steuerarten, differierende nominelle Steuersätze, aber auch divergierende Besteuerungsprinzipien, Vermögenszurechnungen, Verlustnutzungsmöglichkeiten, sowie die Wirksamkeit von Leistungsbeziehungen zwischen Unternehmer und Unternehmung und vieles mehr. Dies verdeutlicht, dass das geltende Unternehmensteuerrecht in Deutschland nicht rechtsformneutral ist. Der Dualismus der Unternehmensbesteuerung in Deutschland wurde bereits 1920 durch Lösung der Kapitalgesellschaften aus dem Geltungsbereich des Einkommensteuergesetzes mit der Einführung einer allgemeinen Körperschaftsteuer für ebendiese begründet. Ebenso alt ist auch die Forderung nach Rechtsformneutralität der Unternehmensbesteuerung in Deutschland, welche federführend bereits im Jahr 1924 Gegenstand des 33. Deutschen Juristentages war. Diese ebenso lange Forderung nach Rechtsformneutralität des Schrifttums ist zugleich auch als ausformulierte Zielsetzung Bestandteil von vielfältigen Steuerreformgesetzen wie auch Steuerreformvorschlägen gewesen. Nicht zuletzt als Zielvereinbarung der großen Koalition für die Unternehmensteuerreform 2008, die den Schwerpunkt dieser Untersuchung darstellt, wurde die Forderung nach Rechtsformneutralität in einem Reformgesetz thematisiert. Diese Arbeit soll dem Anspruch genügen, zunächst auf den Grundlagen der Rechtsformneutralität (Kapitel 1) insbesondere die Fragen zu erörtern, ob die Rechtsformneutralität wünschenswert ist, welche Begründungen es innerhalb der Steuerwissenschaften für diese Forderung gibt und inwieweit die Rechtsformneutralität realisierbar ist. Sich diesem anschließend, werden die gegenwärtigen Grundzüge der Unternehmensbesteuerung (Kapitel 2) und damit die duale Unternehmensbesteuerung bewusst zunächst nach altem Rechtsstand vor dem Unternehmensteuerreformgesetz 2008 aufgezeigt. Diesem folgend wird dann auf Grundlage einer ausführlichen Darstellung der Unternehmensteuerreform 2008 (Kapitel 3) im Hauptteil dieser Arbeit der Kernfrage nach der Umsetzung des Ziels der Rechtsformneutralität der Unternehmensbesteuerung nach der Unternehmensteuerreform 2008 anhand einer detaillierten Betrachtung der Auswirkungen der einzelnen Änderungen (Kapitel 4), unter Ermittlung einzelner Sensitivitäten hinsichtlich der für die Unternehmensbesteuerung relevanten Parameter, nachgegangen. Schließend wird der Zielerreichungsgrad der Forderung nach Rechtsformneutralität der Unternehmensbesteuerung unter Berücksichtigung der aufgezeigten Einzelwirkungen bestimmt. Inhaltsverzeichnis:Inhaltsverzeichnis: TabellenverzeichnisIII AbbildungsverzeichnisIV AbkürzungsverzeichnisV EINLEITUNG1 1.GRUNDLAGEN DER RECHTSFORMNEUTRALITÄT3 1.1Rechtsformneutralität der Besteuerung als Ziel3 1.1.1Ökonomische Begründung der Rechtsformneutralität3 1.1.2Juristische Begründung der Rechtsformneutralität6 1.2Abgrenzung zu weiteren Ausprägungen des Neutralitätspostulats8 1.3Die Gestaltung der Einkommensteuer10 1.4Zur Praktikabilität der Rechtsformneutralität11 2.GRUNDZÜGE DER UNTERNHMENSBESTEUERUNG14 2.1Die Besteuerung von Personenunternehmen14 2.2Die Besteuerung von Kapitalgesellschaften15 3.DIE UNTERNEHMENSTEUERREFORM 200817 3.1Allgemeines17 3.2Das novellierte Besteuerungskonzept für private Kapitaleinkünfte - Die Einführung einer Abgeltungsteuer18 3.3Rechtsformübergreifende Änderungen20 3.4Änderungen der Besteuerung von Personenunternehmen22 3.5Änderungen der Besteuerung von Kapitalgesellschaften24 4.AUSWIRKUNGEN AUF DIE RECHTSFORMNEUTRALITÄT DURCH DIE UNTERNEHMENSTEUERREFORM 200826 4.1Auswirkungen der nominellen Steuersatzänderungen26 4.1.1Grenzsteuerbetrachtung26 4.1.2Gewerbesteuerliche Aspekte30 4.1.3Leistungsvergütungen zwischen Gesellschaft und Gesellschafter36 4.2Betrachtung der Begünstigung nicht entnommener Gewinne für Personenunternehmen40 4.3Finanzierungsaspekte auf Gesellschaftsebene46 4.4Refinanzierung von Gesellschafterbeteiligungen51 4.5Einführung einer neuen Verlustabzugsbeschränkung für Körperschaften52 4.6Die Zinsschranke55 4.7Auswirkungen auf einmalige Steuerbelastungen57 4.7.1Betrachtung der Gesellschaftsebene57 4.7.2Betrachtung der Gesellschafterebene58 ZUSAMMENFASSENDE BETRACHTUNG60 AnhangVII LiteraturverzeichnisX Textprobe:Textprobe: Kapitel 4.2, Betrachtung der Begünstigung nicht entnommener Gewinne für Personenunternehmen: Die Gewinnzurechnung bei den Personenunternehmen erfolgt nach dem Transparenzprinzip durch direkte anteilige Zuordnung zu den betreffenden Mitunternehmern, unabhängig von der Ausschüttung oder Thesaurierung, d.h. unabhängig von der tatsächlichen Entnahme aus der betrieblichen Sphäre. Diese damit unterstellte Ausschüttungsfiktion mit tariflicher Regelbesteuerung der Einkommensteuer bei dem jeweiligen Mitunternehmer stellt einen Nachteil gegenüber den Kapitalgesellschaften dar, die gemäß dem Trennungsprinzip durch eine Besteuerung auf Unternehmensebene mit Körperschaft- und Gewerbesteuer und erst nachgelagerter Einkommensbesteuerung eine Möglichkeit der Gewinnthesaurierung im Nichtausschüttungsfall genießen. Dieser Vorteil seitens der Kapitalgesellschaften wird nochmals durch die nominellen Steuersatzsenkungen der Unternehmensteuerreform 2008 verstärkt. Aufgrund dessen soll im Rahmen der Unternehmensteuerreform 2008 dieser Tarifnachteil für den Fall der Thesaurierung seitens der Personenunternehmen durch die Einführung einer Thesaurierungsbegünstigung für nicht entnommene Gewinne gem. § 34a EStG behoben werden. Ausgesprochene Zielsetzung des Gesetzgebers ist dabei die Gleichstellung mit den Kapitalgesellschaften, aber auch die Förderung der Eigenkapitalausstattung der Personenunternehmen, da diese insbesondere bei Steuerpflichtigen, die dem Spitzensteuersatz der Einkommensteuer unterliegen, sehr hohe Kapitalkosten aufweist. Die damit verbundene Zielsetzung der Begünstigung der Selbstfinanzierung, d.h. die Eigenkapitalstärkung durch einbehaltene Gewinne, soll zugleich mit dem einhergehenden Liquiditätsvorteil die Innovationsfähigkeit und den Insolvenzschutz in Krisenzeiten weiter verbessern. Die Thesaurierungsbegünstigung des § 34a EStG sieht für Personenunternehmen eine auf Antrag mit einem Einkommensteuersatz von 28,25% zzgl. Zuschlagsteuern begünstigte Besteuerung von einbehaltenen Gewinnen vor. Bei späterer Entnahme erfolgt dann eine Nachversteuerung von 25% zzgl. Zuschlagsteuern des Begünstigungsbetrags vermindert um die darauf bereits entrichtete begünstigte Steuerbelastung (der sog. nachversteuerungspflichtige Betrag i.S.d. § 34a Abs. 2 S. 2 EStG). Die Wirkung der Thesaurierungsbegünstigung der Personenunternehmen und damit die Situation vor und nach Einführung der Thesaurierungsrücklage gegenüber der Thesaurierungsbelastung der Kapitalgesellschaften soll im Folgenden für einen dem Spitzensteuersatz der Einkommensteuer unterliegenden Gesellschafter aufgezeigt werden. Es wird deutlich, dass die Einführung der Thesaurierungsbegünstigung für die Personenunternehmen annähernd die nominelle Thesaurierungsbelastung der Kapitalgesellschaften unter Berücksichtigung der nominellen Steuersatzsenkungen der Unternehmensteuerreform 2008 herstellt (Differenz I, Tabelle 9). Dieses Ergebnis ändert sich hingegen, wenn folgerichtig zur effektiven wirtschaftlichen Gleichstellung mit dem Anteilseigner der thesaurierenden Kapitalgesellschaft die Notwendigkeit der Bestreitung der Steuerzahlungen des thesaurierenden Mitunternehmers aus dem laufenden Gewinn, dem möglichen Thesaurierungsbetrag, unterstellt wird, so dass keine Steuerzahlungen aus dem Privatvermögen notwendig sind. Durch die Tatsache, dass der für die Steuerzahlungen notwendige Teil des Gewinns als dem Regelsteuersatz der Einkommensteuer zu unterwerfende Entnahme gilt, ergibt sich eine effektive Thesaurierungsbelastung ohne Steuerzahlungen aus dem Privatvermögen bei Einstellung in die Thesaurierungsrücklage von 36,16% (Tabelle 9). Was die Differenz zur Thesaurierungsbelastung der Kapitalgesellschaften vor der Unternehmensteuerreform 2008 in etwa wieder herstellt (Differenz II, Tabelle 9). Eine effektive Gleichstellung der Thesaurierungsbelastungen bei Einstellung in die Thesaurierungsrücklage bleibt damit offenkundig aus. Wird hingegen die Nachversteuerung bei späterer Entnahme in den Vergleich mit einbezogen, so ergibt sich für den thesaurierenden Gesellschafter eines Personenunternehmens ab 2008 eine Gesamtbelastung durch Sondertarifierung und Nachversteuerung von 48,00%, welche annährend der Belastung nach der Unternehmensteuerreform 2008 der Vollausschüttung der Personenunternehmen (47,44%) und der Vollausschüttung, wie auch der Thesaurierungsbelastung mit Nachversteuerung der Kapitalgesellschaften (48,33%) entspricht. Ausschlaggebend für die Frage der Gewinnverwendungspolitik und damit die mögliche Entscheidung für einen Antrag auf begünstigte Besteuerung ist zum einen die Realisation von Steuerstundungseffekten bei der Thesaurierung durch die zeitliche Verzögerung der Restbelastung. Ebenso entscheidend über eine Thesaurierungsentscheidung ist die zu erzielende interne Unternehmensrendite, welche wiederum den Steuerstundungseffekt verstärkt. So kann die unter dem Spitzensteuersatz der Einkommensteuer sogar existierende nominelle Mehrbelastung bei Thesaurierung bei entsprechenden Thesaurierungszeiträumen überkompensiert werden. Für die Analyse der Rechtsformneutralität spielt die originäre interne Unternehmensrendite nur eine untergeordnete Rolle, da die Rechtsformneutralität auf eine von den Rechtsformen losgelöste unverzerrte Besteuerung der Unternehmensgewinne abzielt und sich somit bei der Thesaurierungsbegünstigung auf die obige Überprüfung der rechtsformspezifischen Thesaurierungsbelastungen beschränkt. In welchem Umfang ein Antrag auf begünstigte Besteuerung zu stellen ist und ob ein Antrag auf Vollthesaurierung die steuerlich optimale Handlungsoption darstellt, ist unternehmensindividuell festzustellen. Grundsätzlich ist aber die Selbstfinanzierung durch Thesaurierung solange auszuweiten, bis die interne Unternehmensrendite den Kapitalkosten der Selbstfinanzierung entspricht. Dabei definieren sich die Kapitalkosten der Selbstfinanzierung als jene bei Entnahme und Anlage am Kapitalmarkt entgangene Alternativrendite. Die Vorteilhaftigkeit der Thesaurierungsbegünstigung ändert sich bei Variation des persönlichen Einkommensteuersatzes. So stellt die Thesaurierungsbegünstigung gegenüber der Entnahme und Besteuerung für Steuerpflichtige mit einem niedrigen Einkommensteuersatz regelmäßig keine Alternative dar. Dies gilt in jedem Fall bis zu einem Einkommensteuersatz in Höhe der Sondertarifierung der Thesaurierungsbegünstigung von 28,25%. Darüber hinaus sinkt bei Einkommensteuersätzen unterhalb des Spitzensteuersatzes der Thesaurierungseffekt und eine Vorteilhaftigkeit der Thesaurierungsbegünstigung stellt sich in zunehmend längeren Planungszeiträumen ein. Nachteilig ist die eigentlich begünstigende Thesaurierungsoption, die auf sämtliche Personenunternehmen ausgeweitet und damit insbesondere auch für den Einzelunternehmer gilt, da für eine Inanspruchnahme der Thesaurierungsbegünstigung gem. § 34a Abs. 2 EStG die Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich gem. § 4 Abs. 1 EStG oder § 5 EStG vorgeschrieben ist. Dieser Aufwand wird bei Einzelunternehmern sicherlich die Vorteile einer Inanspruchnahme übersteigen. Die Kapitalgesellschaften hingegen sind ohnehin zur Bilanzierung gem. § 238 HGB i.V.m. § 140 AO verpflichtet. Nach Wilk bedarf es grundsätzlich keiner Thesaurierungsbegünstigung für Personenunternehmen, da derartige Privilegierungen bereits durch Kombination von Vorteilen bei der Rechtsformwahl, bspw. in Form einer GmbH & Co KG, erreichbar sind. Dieser Argumentation ist, wie bereits unter Kapitel 1.1.1 erläutert, nicht zu folgen, da es nicht der Anspruch der Gesetzgebung sein kann, dass die Steuerpflichtigen durch zusätzlichen Planungsaufwand den Zustand der Rechtsformneutralität durch Kombination von Rechtsformen selbst herstellen. Steuersystematisch stellt sich die Einführung einer Thesaurierungsbegünstigung für Personenunternehmen als ein Schritt in Richtung der Betriebssteuer dar, da einbehaltene Gewinne nun unabhängig von der Rechtsform zunächst mit einem begünstigten Steuersatz versteuert werden können und von den anderen Einkünften ausgeklammert werden, was insbesondere eine Progressionswirkung ausschließt, aber auch keine Verlustverrechnung ermöglicht. Die Betriebssteuer an sich ist hingegen, wie in Kapitel 1.4 aufgezeigt, in der Lage, Rechtsformneutralität der Unternehmensbesteuerung herzustellen, widerspricht aber dem aktuellen gesetzgeberischen Ziel der Beibehaltung des bestehenden Besteuerungssystems der dualistischen Unternehmensbesteuerung. Darauf aufbauend kritisiert Wilk ferner die mit der Unternehmensteuerreform 2008 ebenfalls angestrebte Förderung der Personenunternehmen vor dem Hintergrund des internationalen Standortwettbewerbs, da die Personenunternehmen in hohem Maße eben nicht im internationalen Wettbewerb stehen. So ist nach Wilk steuersystematisch aufgrund der Nähe zur Betriebssteuer und dessen Ineffizienzen, durch den Bruch der Besteuerung an der administrativ und distributiv höchst sensiblen Schnittstelle zwischen Unternehmern und den Arbeitnehmern/Sparern, diese Neuerung als nicht zweckmäßig anzusehen. In der Literatur wird ferner steuersystematisch hinterfragt, ob die Herstellung von Rechtsformneutralität unter Ausweitung von Besteuerungsvorteilen wie der günstigen Thesaurierungsmöglichkeit seitens der Kapitalgesellschaften auf die Personenunternehmen erfolgen solle. So weist Wilk darauf hin, dass eine Rechtsformneutralität bei Ausweitung einiger günstiger Teilregelungen aber bei komplett anderen Gesamtsystemen, d.h. bei Aufrechterhaltung der dualen Unternehmensbesteuerung, nicht herzustellen sei. Offene Fragen stellen sich bei der Thesaurierungsbegünstigung zusätzlich im Bezug auf die Gewerbesteueranrechnung gem. § 35 EStG. So ist im Gesetzeswortlaut nicht eindeutig geregelt, ob die maßgeblichen Einkünfte aus Gewerbebetrieb bei Thesaurierung in zwei Kategorien, den sondertarifierten und den normal tarifierten Gewinn, getrennt werden müssen, mit entsprechender Aufteilung des anzurechnenden Gewerbesteuermessbetrags. Im Ergebnis kann dies starke Verzerrungen seitens der Belastung der Personenunternehmen hervorrufen. Bei der Entstehung von Anrechnungsüberhängen durch Verlustverrechnung mit anderen Einkunftsarten könnte eine Aufteilung durch Ausnahme des sondertarifierten Gewinns, da diese nicht am Verlustausgleich gem. § 34a Abs. 8 EStG teilnehmen, wiederum eine Anrechnung ermöglichen. Dieser Problemkreis stellt zum einen Chance aber auch Risiko seitens der Personenunternehmen dar und wird mit Sicherheit weitere Nachbesserungen folgen lassen. Hinterfragt wird die Thesaurierungsbegünstigung ebenfalls im Bezug auf eine wirksame Gleichstellung mit den Kapitalgesellschaften, da für den Gesellschafter der Personenunternehmung in der Regel durch Bestreitung seiner privaten Lebensführung und die damit bedingten Entnahmen von Gewinnen keine wirkliche Möglichkeit der Inanspruchnahme der Thesaurierungsbegünstigung besteht. Dieses Argument ist aber nicht zielführend, da ein Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft ebenso auf die laufenden Dividendenzahlungen zur Bestreitung des Lebensunterhalts angewiesen sein kann und genauso können Gesellschafter einer Personenunternehmung dies einzig als Kapitalanlage bei Bestreitung des Lebensunterhalts aus anderen Quellen vollziehen. Dieser Kritikpunkt kann daher kein wirksames Argument gegen die Belastungsangleichung der Thesaurierungsbelastungen zwischen den Personenunternehmen und Kapitalgesellschaften begründen. Schlussfolgernd stellt sich die Thesaurierungsbegünstigung für die Personenunternehmen, wenn dessen Gesellschafter dem Spitzensteuersatz der Einkommensteuer unterliegen, als zweckmäßiges Mittel der Eigenfinanzierung dar. Wobei für Steuerpflichtige mit geringeren Steuersätzen die Attraktivität abnimmt, da diese aber bereits einer günstigeren Gesamtbelastung gegenüber den Kapitalgesellschaften unterliegen, bleibt eine Benachteiligung daher aus. Die Angleichung der Thesaurierungsbelastung unter dem Gesichtspunkt der Rechtsformneutralität mit anvisierter Belastungsgleichheit zwischen Personenunternehmen und Kapitalgesellschaften ist zwar noch nicht vollkommen hergestellt (Tabelle 9 und 13), aber durch geringe Nachbesserungen durchaus möglich. Positiv zu werten ist insbesondere die Auflösung der schlichten Vorteilhaftigkeit der Kapitalgesellschaften gegenüber den Personenunternehmen bei hohen Thesaurierungsquoten. Aber gerade im Hinblick auf die nominellen Steuersatzsenkungen der Unternehmensteuerreform 2008 für die Kapitalgesellschaften und die damit verbesserte Thesaurierungsbelastung der Kapitalgesellschaften wird zumindest eine weitere Benachteiligung der Personenunternehmen aufgefangen.



Zusammenfassung
Inhaltsangabe:Einleitung:Das Postulat der Entscheidungsneutralität definiert ?Steuerrechtsetzungen, die bei vernünftigen Steuerpflichtigen keine Ausweichhandlungen verursachen?, als entscheidungsneutral. In den ökonomischen Steuerwissenschaften erfährt dieses Postulat der Entscheidungsneutralität eine zweifache Auslegung. Zum einen bindet die betriebswirtschaftliche Sichtweise, welche Steuerzahlungen als negative Zielbeiträge bei der Wahl von wirtschaftlichen Handlungsalternativen sieht, daran eine durch die Neutralität der Besteuerung das Entscheidungskalkül vereinfachende Indifferenzbedingung. Demgegenüber wird finanzpolitisch die Entscheidungsneutralität zur Wahrung der gesamtwirtschaftlichen Allokationseffizienz und damit der Zielsetzung der Vermeidung von Fehlallokationen der begrenzten Ressourcen, als eines der Grundsatzpostulate des Steuersystems herangezogen.Diesem Neutralitätspostulat genügend darf es für die Besteuerung des Ergebnisses der unternehmerischen Tätigkeit - das steuerliche Einkommen - nicht auf das zur Ausübung der unternehmerischen Tätigkeit gewählte Rechtskleid - die Rechtsform - ankommen. Die daraus zu subsumierende Forderung der Rechtsformneutralität der Unternehmensbesteuerung entspricht damit einer Forderung nach einer in Art und Intensität von der Rechtsform unabhängigen Teilhabe des Staates am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmers.Die Ursachen für Verletzungen der Rechtsformneutralität können u.a. durch eine Doppelbesteuerung bei bestimmten Rechtsformen durch Kombinationen mehrerer Steuern hervorgerufen werden, wie aber auch bei unterschiedlicher rechtsformabhängiger Ausgestaltung der Bemessungsgrundlagen, bspw. durch divergierende Besteuerungsprinzipien, aber auch durch unterschiedlich hohe Steuersätze bei der Existenz von rechtsformabhängigen Steuern.Hauptursache der Existenz einer Forderung nach Rechtsformneutralität in Deutschland ist der bestehende Dualismus der Unternehmensbesteuerung mit dem Nebeneinander von natürlichen und juristischen Personen als Steuersubjekte und die damit einhergehende strukturelle Ungleichbehandlung von Unternehmensgewinnen in Deutschland. Im Einzelnen sind dies die zwischen Personenunternehmen einerseits und den Kapitalgesellschaften andererseits unterschiedlichen Steuerarten, differierende nominelle Steuersätze, aber auch divergierende Besteuerungsprinzipien, Vermögenszurechnungen, Verlustnutzungsmöglichkeiten, sowie die Wirksamkeit von Leistungsbeziehungen zwischen []

Produktinformationen

Titel: Analyse der Rechtsformneutralität der Unternehmensbesteuerung unter Berücksichtigung der Unternehmensteuerreform 2008
Autor:
EAN: 9783836622714
ISBN: 978-3-8366-2271-4
Digitaler Kopierschutz: frei
Format: E-Book (pdf)
Herausgeber: Diplom.de
Genre: Sonstiges
Anzahl Seiten: 86
Veröffentlichung: 24.11.2008
Jahr: 2008
Dateigrösse: 0.5 MB

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