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Kampf der Eliten

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  • 361 Seiten
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Beschreibung

Der Elitebegriff hat besonders in den letzten Jahren Konjunktur und gewinnt fortlaufend an Brisanz. Allerdings fehlt seinem Gebrauch meist die nötige Trennschärfe: Häufig signalisiert er zum einen die Suche nach leistungsstarken gesellschaftlichen Führungskraften, zum
anderen drückt er Empörung über die »Unfähigkeit« der politischen Klasse aus. Jenseits dieses Phänomens stellt sich die Frage nach dem theoretischen Gehalt des Elitebegriffes. Inwiefern ist er relevant für die politische Theorie? Worin liegt sein analytisches Potential?
Die Antwort dieses Buches lautet: In der historisch vergleichenden Forschung, die den Kampf um gesellschaftliche Führung zwischen Eliten in den Mittelpunkt der Analyse rückt. Denn erst so lassen sich nationale Entwicklungspfade rekonstruieren, anhand derer sich
Konflikte zwischen Eliten und die Austragung dieser Konflikte herauskristallisieren. Aus diesem Blickwinkel müssen Bildung und Erneuerung der Eliten als Prozesse von langer Dauer verstanden werden, die entscheidend für die historische Entwicklung aller Gesellschaften sind.
Auf Grundlage dieser theoretischen Diskussion untersucht das Buch die Geschichte Lateinamerikas von der politischen Emanzipation von Europa bis zum ökonomischen Zusammenbruch von 1982. Dabei stehen Argentinien, Brasilien, Chile und Mexiko im Fokus, so dass vier Länder im Detail vergleichend untersucht werden. Der Autor lenkt den Blick auf die Frage, inwiefern gemeinsame Probleme - etwa die politische Unabhängigkeit von Europa, die Formierung des Staates oder der Umgang mit der sozialen Frage - von den jeweiligen Eliten eines Landes unterschiedlich wahrgenommen und gelöst worden sind. Im Gegensatz zu europäischen Diskursen, die Lateinamerika vielfach romantisieren (andauernde Aufstände und Aufstieg charismatischer Führer) oder degradieren (permanente Korruption und Unterentwicklung), bietet dieses Buch eine nüchterne Darstellung dieser komplexen Region. Statt sie zu exotisieren, wird demonstriert, dass sich aus dem Kampf zwischen den jeweiligen Eliten wesentliche Weichenstellungen ergeben haben, anhand derer sich historische Entwicklungspfade rekonstruieren lassen.

Cristóbal Rovira Kaltwasser, Dr. phil., ist Post-Doctoral Fellow der Alexander von Humboldt- Stiftung am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).

Autorentext
Cristóbal Rovira Kaltwasser, Dr. phil., ist Post-Doctoral Fellow der Alexander von Humboldt- Stiftung am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).

Inhalt
InhaltVorbemerkungVorwort von Herfried Münkler1. EinleitungTeil I: Theoretische Diskussion2. Zur Rekonstruktion der klassischen Elitentheorie2.1 Die Relevanz der klassischen Elitentheorie für die Interpretation der lateinamerikanischen Realität2.2 Der Durchbruch der klassischen Elitentheorie mit ihrem Zeitgeist: Zyklus- statt Fortschrittsgeschichtsphilosophie2.3 Die Gründer der Elitentheorie: Vertreter einer realistischen Rhetorik2.4 Die vergessene Analyse der gesellschaftlichen Führung bei der klassischen Elitentheorie3. Eliten: Umriss eines mehrdeutigen Forschungsgegenstandes3.1 Eliten und herrschende Klasse(n): zwei unterschiedliche Forschungsgegenstände3.1.1 Marx' Theorie der herrschende Klasse3.1.2 Bourdieus Theorie der herrschenden Klassen3.1.3 Zwei unterschiedliche Forschungsgegenstände3.2 Entstehung und Entwicklung des Elitebegriffs in den Sozialwissenschaften3.2.1 Leistungseliten3.2.2 Funktionseliten3.2.3 Werteliten3.2.4 Bilanz und idealtypische Definition des Elitebegriffs4. Zu einer historischen Analyse der Eliten4.1 Elitenausdifferenzierung innerhalb von vier Machtsphären4.2 Zwei Facetten der horizontalen Elitenintegration4.3 Exkurs: Hegemonie statt vertikaler Elitenintegration4.4 Das Analyseraster der historisch vergleichenden Forschung: Entwicklungspfade und "critical junctures"Teil II: Historische Analyse 5. Die Unabhängigkeit und die Suche der Eliten nach einer neuen Ordnung (ca. 1810-1880)5.1 Die Emanzipationsbewegungen: Elitenzirkulation und Ausbildung einer territorialen Ordnung5.2 Die Umgestaltung der alten Ordnung: Primat des Großgrundbesitzes und Entstehung neuer Konfliktlinien zwischen den Eliten5.2.1 Föderalismus und Zentralismus: der Disput um das Territorium5.2.2 Konservatismus und Liberalismus: der Disput um die "gute Gesellschaft"5.2.3 Entwicklungspfade bei der Herausbildung von Weltbildern 5.2.4 Entwicklung und Überlappung der Konfliktlinien6. Autoritäts- und Machtkonsolidierung der Eliten in der oligarchischen Ordnung (ca. 1880-1929)6.1 Gesellschaftliche Transformationsprozesse und Konstituierung einer oligarchischen Ordnung6.1.1 Argentinien: gemeinsames Zivilisationsprojekt6.1.2 Brasilien: Neuarrangement zwischen regionalen Eliten6.1.3 Chile: selektive Elitenkooptation6.1.4 Mexiko: Positivismus und Porfiriat6.1.5 Wechselspiel der Eliten zwischen sozialer Öffnung und sozialer Schließung6.2 Die Belle Époque als Zenit der oligarchischen Ordnung: die soziale Schließung der Eliten6.2.1 Die Replik der städtischen Reformen Haussmanns6.2.2 Die Hundertjahrfeier der politischen Emanzipation6.3 Professionalisierung der Streitkräfte nach europäischen Modellen und Ausbildung einer rudimentären Funktionselite7. Aufstieg und Niedergang der nationalpopulären Ordnung (ca. 1929-1982)7.1 Erneuerung der Eliten dank des Staates und der Ausbildung technokratischer Kreise7.1.1 Aufstiegsphase (ca. 1929-1948)7.1.2 Konsolidierungsphase (ca. 1948-1973)7.1.3 Niedergangsphase (ca. 1973-1982)7.1.4 Die "Balkanisierung" des Staates7.2 Die begrenzte Autonomie der Machtsphären am Beispiel der kulturellen Eliten: Intellektuelle als Lakaien der Politik7.3 Der Kampf der Eliten um das Volk und die Bildung von Regierungsexperimenten7.3.1 Argentinien: Elitenuneinigkeit und prekäre Hegemonie 7.3.2 Brasilien und Chile: unvollständige Elitenübereinkunft und allmähliche Erosion der Hegemonie7.3.3 Mexiko: Elitenübereinkunft und solide Hegemonie 8. Kampf der Eliten und Formierung von Entwicklungspfaden: jenseits der Exotisierung Lateinamerikas9. Literatur

Produktinformationen

Titel: Kampf der Eliten
Untertitel: Das Ringen um gesellschaftliche Führung in Lateinamerika, 1810-1982
Autor:
EAN: 9783593407517
ISBN: 978-3-593-40751-7
Digitaler Kopierschutz: Wasserzeichen
Format: E-Book (pdf)
Herausgeber: Campus Verlag
Genre: Politische Soziologie
Anzahl Seiten: 361
Veröffentlichung: 10.08.2009
Jahr: 2009

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