

Beschreibung
Der Zoologe und Tiermediziner Bernhard Grzimek hat durch seine Bücher und Filme Weltruhm erlangt. In seinen Erinnerungen erzählt er von seiner Jugend in Schlesien, von der Zeit des Nationalsozialismus und vom Wiederaufbau des zerstörten Frankfurter Zoos nach d...Der Zoologe und Tiermediziner Bernhard Grzimek hat durch seine Bücher und Filme Weltruhm erlangt. In seinen Erinnerungen erzählt er von seiner Jugend in Schlesien, von der Zeit des Nationalsozialismus und vom Wiederaufbau des zerstörten Frankfurter Zoos nach dem Zweiten Weltkrieg. Der eigenwillige Zoodirektor hatte mit so manchen Widerständen zu kämpfen, die ihn aber nie von seiner großen Mission abbringen konnten: die wilden Tiere vor der Ausrottung zu retten. In seinem Nachwort würdigt Michael Miersch, Autor und Dokumentarfilmer, das Lebenswerk eines Mannes, der 2009 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.
Bernhard Grzimek, am 24. April 1909 in Neisse geboren und am 13. März 1987 in Frankfurt am Main gestorben, schloß sein Studium der Veterinärmedizin und Zoologie 1932 in Berlin mit der Promotion ab. Nach dem Krieg wurde er Universitätsprofessor und übernahm die Leitung des Frankfurter Zoos. Für seinen Dokumentarfilm 'Serengeti darf nicht sterben' erhielt er als erster Deutscher den Oscar. Legendär wurde seine Fernsehserie 'Ein Platz für Tiere', die ab 1956 in 175 Folgen ausgestrahlt wurde. Grzimek gilt bis heute als einer der erfolgreichsten deutschen Naturschützer und Tierfilmer.
Autorentext
Bernhard Grzimek, am 24. April 1909 in Neisse geboren und am 13. März 1987 in Frankfurt am Main gestorben, schloß sein Studium der Veterinärmedizin und Zoologie 1932 in Berlin mit der Promotion ab. Nach dem Krieg wurde er Universitätsprofessor und übernahm die Leitung des Frankfurter Zoos. Für seinen Dokumentarfilm "Serengeti darf nicht sterben" erhielt er als erster Deutscher den Oscar. Legendär wurde seine Fernsehserie "Ein Platz für Tiere", die ab 1956 in 175 Folgen ausgestrahlt wurde. Grzimek gilt bis heute als einer der erfolgreichsten deutschen Naturschützer und Tierfilmer.
Leseprobe
II
Studentenzeit in Leipzig und Berlin
Tierärztliche Hochschulen oder Fakultäten an den Universitäten gab es damals nur in Berlin, Leipzig, München und Hannover. Am nächsten zu meiner Heimatstadt Neisse gelegen war Leipzig. Außerdem erschien dort zweimal wöchentlich die Fachzeitschrift »Geflügel-Börse«, an der ich schon eifrig mitarbeitete. Was aber sollte aus meinen Antwerpener Bartzwerghühnern, den kleinen schwarzen Kerlen, werden? Sie mußten mit. Ich gab von Neisse aus eine Anzeige in einer Leipziger Tageszeitung auf, um einen Schrebergarten zu finden. Er lag in Leipzig-Mockau und hatte sogar eine hübsche Laube, in der man notfalls schlafen konnte. Der Besitzer, ein kaufmännischer Angestellter, war arbeitslos - wir sind im Frühjahr 1928. Er hatte eine Frau und zwei kleine Kinder. Ich mietete gleich ein Zimmer in seiner Wohnung, die nicht weit von meinem Schrebergarten lag. Die Laube und die Einrichtung kaufte ich ihm ab. Mein Zimmerwirt versuchte, sich zu seiner Arbeitslosenunterstützung ein wenig hinzuzuverdienen, indem er für eine neue Zigarettenmarke - ich glaube, sie hieß Mokka - in kaffeefarbener Kleidung und auf Stelzen vor Rauchwarengeschäften herumstolzierte.
Ich hatte nicht darauf geachtet, daß die veterinärmedizinische Fakultät der Universität am ganz anderen Ende von Leipzig lag, weit draußen hinter dem Völkerschlachtdenkmal. So verbrachte ich jeden Tag lange Zeit auf der Straßenbahn. Im ersten Semester waren wir nur zehn oder zwölf Studenten, wir saßen deshalb oft mit dem Professor um einen Tisch herum. Die allgemeinen Fächer - Physik, Chemie, Botanik, Zoologie, Physiologie -, die jeder Mediziner vor dem Physikum, der Vorprüfung, in den ersten Semestern hören muß, belegten wir in den entsprechenden Instituten der anderen Fakultäten. Sie lagen mitten in der Stadt, und oft verbrachten wir die Mittagszeit im Anatomischen Institut mit befreundeten Medizinern zusammen im Anatomiesaal zwischen toten Menschen. Wenn in den Nachmittagsvorlesungen der Hörsaal für Lichtbildvorführungen verdunkelt wurde, hatte ich meist große Mühe, nicht einzuschlafen. Meine Schwester, die gerade in Leipzig die Bibliotheksschule besuchte, klagte über meine Angewohnheit, mich in Gedanken über bestimmte Dinge zu vertiefen, daß ich für andere Sachen gar nicht ansprechbar war. Das wäre schon bei meinem Vater so gewesen. Sie behauptete, wenn man sich mit mir verabredete, müsse man sich vor mich hinstellen und mich wiederholen lassen: »Bebbusch (damals mein Kosename in der Familie), wann, an welchem Tage, um wieviel Uhr und wo wollen wir uns treffen?« Aber, fuhr sie fort: »Selbst wenn er richtig geantwortet hat, hieß es, damit zu rechnen, daß er nur mechanisch wiederholte und in Wirklichkeit nichts von Ort und Zeit aufgefaßt hatte.«
Ich hatte mich in der oberschlesischen Stadt Neisse entschlossen, Veterinärmedizin zu studieren, wo mich niemand richtig beraten konnte. Bei Beginn des Studiums und auch später habe ich es jedoch niemals bereut, das getan zu haben. Der Mensch ist ja nun einmal ein Säugetier. Er hat die gleichen Körperteile - vier Gliedmaßen, Augen, Ohren, Mund, Darm, Haare, Haut, Nieren, Leber, Blut, Speichel und Kot wie die anderen Säugetiere auch, und er hat natürlich auch die gleichen Erkrankungen und Krankheitserreger. Tuberkulosekeime können sich auf Vögel, Rinder oder Menschen angepaßt haben. Manchmal ist die Anpassung eines Erregers an eine bestimmte Tierart - ob nun Mensch oder Kaninchen - so stark fortgeschritten, daß der Krankheitskeim in der anderen Tierart nicht mehr leben oder sie wenigstens nicht erkranken lassen kann. Mitunter ruft der Erreger in der anderen Tierart nur eine ganz leichte, oft örtlich begrenzte Erkrankung hervor, wie zum Beispiel die Kuhpocken beim Menschen. Sie genügt aber, um den Körper der anderen Tierart zum Bilden von Abwehrstoffen 'anzuregen und ihn unempfänglich für die eigenen, die Menschenpockenerreger zu machen. Andere Arten von Erregern können hingegen v
