

Beschreibung
Ob Arlberg, Feldberg oder Norwegens Weiten: Viele Orte rühmen sich, die Wiege des Skisports zu sein - und alle haben irgendwie recht. Die Autorin stellte in ihrer Jugend Schanzenrekorde auf, lieferte sich unzählige Rennen, schwingt leidenschaftlich gern, bis d...Ob Arlberg, Feldberg oder Norwegens Weiten: Viele Orte rühmen sich, die Wiege des Skisports zu sein - und alle haben irgendwie recht. Die Autorin stellte in ihrer Jugend Schanzenrekorde auf, lieferte sich unzählige Rennen, schwingt leidenschaftlich gern, bis der Powder stiebt, und hat die Königsdisziplin aller Langläufe, den schwedischen Vasalauf, absolviert. Sie geht den Eigenheiten besonderer Regionen und Skifahr-Stile nach. Begegnet Flachlandtirolern, Kinderskikursen und Pistensäuen, Amateuren und Profis, Helm- und Mützenträgern, Asketen und Partylöwen. Widmet sich modischen Auswüchsen und kulinarischen Angeboten am Pistenrand. Und findet heraus, wie man richtig wachst und wie einst die Zukunft des weißen Sports aussehen könnte.
Antje Rávik Strubel, 1974 geboren, Übersetzerin und Schriftstellerin, wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Sie lebt in Potsdam und veröffentlichte u.a. die Romane 'Sturz der Tage in die Nacht' und zuletzt 'In den Wäldern des menschlichen Herzens' sowie 'Gebrauchsanweisung für Schweden' und 'Gebrauchsanweisung für Potsdam und Brandenburg'. Sie ist begeisterte Skifahrerin - alpin ebenso wie Langlauf. antjestrubel.de
Autorentext
Antje Rávik Strubel, 1974 geboren, Übersetzerin und Schriftstellerin, wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Sie lebt in Potsdam und veröffentlichte u.a. die Romane "Sturz der Tage in die Nacht" und zuletzt "In den Wäldern des menschlichen Herzens" sowie "Gebrauchsanweisung für Schweden" und "Gebrauchsanweisung für Potsdam und Brandenburg". Sie ist begeisterte Skifahrerin - alpin ebenso wie Langlauf. antjestrubel.de
Leseprobe
W*arum Sk*ifahren göttlich ist
Ein verblasstes Schwarz-Weiß-Foto von Schellerhau im Erzgebirge: Ich versuche, mit meinen Holzski einen Hügel hinunterzurutschen. Meine Eltern - auf Bambusstöcke gestützt - feuern mich an; sie hoffen, dass ich beim nächsten Mal hinunterkomme, ohne zu fallen. Erst dann bin ich zufrieden, kann die Skiwanderung fortgesetzt werden. Ich trage eine selbst gestrickte Bommelmütze und Wollhosen. Meine Mutter trägt Steghosen und einen Anorak mit kunstpelzbesetzter Kapuze, mein Vater eine Laufjacke, die sich vor der Brust beult von Schokolade, Skiwanderkarte, Fotoapparat. Noch ist nicht die Rede von atmungsaktiven, wasserabweisenden, wärmespeichernden Membranen. Noch wird richtig geschwitzt und gefroren, noch vereisen Schweißdampf und Luftfeuchtigkeit als kristallines Muster auf Mütze und Schal.
Meine ersten Rutschversuche auf Ski fanden in den Siebzigerjahren statt. Wir liefen im Thüringer Wald, im Riesengebirge, am Fichtelberg Ski, manchmal im Vogtland, wenn es einen strengen Winter gab. Es gab damals öfter strenge Winter als heute. Winter, in denen der alte Skoda meiner Eltern auf der Fahrt im Schnee stecken blieb, nachdem wir uns auf der vereisten Straße gedreht hatten. Eine Schneefräse musste uns befreien.
Wir wohnten in den Fremdenzimmern von Gaststätten oder in Privathäusern unterm Dach, wo es keine Heizung gab, nur einen provisorisch aufgestellten Heizlüfter, vor dem die nassen Skiklamotten trockneten. Mein Vater war Sportlehrer. Er liebte Langlaufen. Er war es, der auf dem jährlichen Winterurlaub bestand, er brachte mir die Technik bei. Meine Mutter hatte die nötige Geduld, um mich auf den langen Tagestouren bei Laune zu halten, trotz kalter Zehen. Ein Ski, ein Stock, ein Ski, ein Stock. Dieses Mantra höre ich noch heute.
Seither weiß ich: Keine Sportart ist schöner.
Oder anders. Es gibt viele schöne Sportarten. Eistanzen zum Beispiel. Synchronspringen. Voltigieren. Die Sache ist nur: Alles, was die Eistänzer, Voltigierer und Synchronspringer mit ihren Gliedmaßen und mit denen anderer Lebewesen anstellen, wurde dem Skilaufen abgeschaut. Das Skilaufen war zuerst da. Irgendwann haben sich die verschiedenen Elemente, die das Skilaufen ergeben, zu eigenen Sportarten weiterentwickelt.
Glühende Ski-Enthusiasten wissen: Man kann mit Ski auch Schlittschuh laufen, das nennt sich »Skating«. Pirouetten lassen sich gut im Tiefschnee drehen oder bei Sprüngen über gefährlich hohe Felskanten. Man braucht keine Schwimmhalle, um synchron zu wedeln. Ein Bein lässt sich in vollem Galopp nicht nur auf einem Pferderücken, sondern auch auf einem Bergrücken in die Luft strecken. Wer aber auch im Winter von seinem Ross nicht lassen kann und es gern zum Skilaufen mitbringen möchte, spannt es einfach vor die Ski; das haben die Urahnen der Norweger und Schweden, zwei der großen Skinationen, beim Skijöring so gemacht.
Der Skilauf ist so etwas wie eine Ursportart, jedenfalls nördlich des Äquators. Ski sind das älteste Fortbewegungsmittel der Menschheit. Das Skifahren (bergab), das Skilaufen (geradeaus) und das Skitouren (bergauf und bergab) sind Fortbewegungsarten, die sämtliche körperlichen Fähigkeiten umfassend beanspruchen. Und Fridtjof Nansen hatte völlig recht, als er nach seiner Durchquerung von Grönland auf Ski feststellte: Skilaufen »ist anderen Sportarten weit überlegen in seiner Förderung von Geistesgegenwart und Mut«.
Besonders gesund am Skilaufen ist der Winter.
Die kalte und dunkle Jahreszeit ist bekanntlich die, in der Bewegung im Freien die größte Erholung bringt. Auf Ski wirkt der Winter nicht mehr bedrohlich, und kalt ist er nicht, weil man so schwitzt. Außerdem ist Skilaufen gelenkschonender als Joggen (in der nordischen Variante und solange man nicht stürzt), trockener als Schwimmen (wenn man die passende Kleidung trägt), und anders als beim Radfahren ist nie die Luft raus. Und wenn der Eiswind au
Inhalt
Warum Skifahren göttlich ist
Alle wollen die Ersten gewesen sein
Schnee von gestern
Die Angst kommt vor dem Fall
Abfahrer oder Langläufer ? Eine kleine Typologie
Kleider machen Skifahrer: Wollrock,Zwiebellook oder Vier-Wege-Stretch
Wie kommt ein Skifahrer auf den Berg ?
Skigebiete I: Wo die Luft brennt, bis der Schnee glüht
Skigebiete II: Weißes Gold, Sushipuder und der Disney-Code
Wie kommt die Loipe in den Schnee ?
Ski laufen wie die Engel
Was kommt in einen Ski alles rein ?
Wie Abfahren geht: Jetschwünge, Wedelstars und Katapultstürze
Von FIS bis V-Stil. Kleines olympisches Lexikon
Wie Langlaufen geht: kühler Diagonalgang oder heißer Schlittschuhschritt
Persönliche Bestzeit. Das Leben ist herrlich, wenn das Wachs stimmt
Warum der Schnee ein Spiegel der Sonne ist. Oder: Was uns blüht
Eiskristall aus hundert TrillionenWassermolekülen. Ein Nachruf
Literatur
