

Beschreibung
Madison hat sich geschworen, nie wieder angeln zu gehen. Als sie die alte Angelhütte ihres Vaters erbt, die diesem immer mehr bedeutet hat als seine eigene Tochter, steht ihr Plan fest: Sie will den Sommer am Storm Lake verbringen, um sie zu renovieren und ans...Madison hat sich geschworen, nie wieder angeln zu gehen. Als sie die alte Angelhütte ihres Vaters erbt, die diesem immer mehr bedeutet hat als seine eigene Tochter, steht ihr Plan fest: Sie will den Sommer am Storm Lake verbringen, um sie zu renovieren und anschließend zu verkaufen. Gleich am ersten Tag lernt sie den verschlossenen, aber überaus attraktiven Fishing Guide Matt kennen. Blöd nur, dass er sie für eine leidenschaftliche Anglerin hält. Und sie den richtigen Zeitpunkt verpasst, ihn aufzuklären. Aber so schwer kann es doch nicht sein, sich mithilfe von YouTube die richtigen Tricks beizubringen, oder?
Autorentext
Annemarie Blenk, 1992 in Münster geboren, wuchs in einer kleinen Waldsiedlung im Taunus auf und lebt heute mit ihrer Familie bei Bad Kreuznach. Durch die Liebe zu Fantasy-Büchern entdeckte sie während des Abiturs ihre Leidenschaft zum Schreiben. Nach der Veröffentlichung von »Zwillingskronen« und »1001 Nadelstich« widmet sich die dreifache Mutter nun vermehrt romantischen Geschichten, die durch ihren christlichen Glauben geprägt sind. Instagram: annemarie.blenk Facebook: Annemarie Blenk Autorin
Leseprobe
Maddie Das Zündschloss meines Autos glich einem schwarzen Loch. Je länger ich es betrachtete, desto mehr zog es mich an. Als besäße es eine eigene Art von Gravitation. Zeit und Raum schienen sich zu verbiegen. Keine Ahnung, wie lange ich es schon anstarrte. Plötzlich erfüllte die Titelmelodie von Medical Detectives das Wageninnere und ließ mich unwillkürlich zusammenzucken. Stöhnend lehnte ich mich über die Mittelkonsole in den Fußraum der Beifahrerseite, um nach dem Handy zu greifen. Bei der unvorhergesehenen Ich-bremse-abrupt-ab-und-parke-auf-dem-Seitenstreifen-Pause war meine Tasche vom Sitz gerutscht. »Hi Kat. Was gibt,'s?«, fragte ich, um einen normalen Tonfall bemüht. Zumindest so normal, wie es eben ging, wenn man zuvor in den Sog des Zündschlosses geraten war. »Bist du gut angekommen?« Meine beste Freundin Kathrine hielt sich selten mit Begrüßungsfloskeln auf und kam stets direkt zum Punkt. In meinem Fall zum wunden Punkt. »Habe gerade geparkt«, entgegnete ich und rieb mir mit dem Unterarm den Schweiß von der Stirn. Es war brütend heiß in meinem Corolla. Ein Blick in den Seitenspiegel zeigte eine junge Frau mit geröteten Wangen und schweißverklebten Haaren. Ich sah fertig aus. Und das lag nicht nur an der Hitze. »Vor der Blauen Hortensie?« Ich verdrehte die Augen. »Würdest du bitte aufhören, es so zu nennen?« »Aber so heißt das Haus nun mal.« »Wer gibt einem Haus ... nein, warte ... einer Angelhütte einen solchen Namen?« Ach, ja: mein verstorbener Vater. »Hm«, machte Kat. »Du bist meiner Frage ausgewichen.« »Und du wolltest deine psychologischen Tricks bei mir sein lassen«, fauchte ich. »Welche Tricks? Komm schon ... Sag mir, wo du bist!« Mein Blick scannte die Umgebung jenseits der Windschutzscheibe. Dunkle Wolken rollten von Westen her auf mich zu. »Auf dem Standstreifen irgendeiner Straße.« »Aber du bist schon noch im Bundesstaat Washington, oder?«, witzelte Kat. In Wirklichkeit erkannte ich sofort, wo ich mich befand: auf der Dubuque Road, kurz bevor es zu den Three Lakes abging. Während ich mit dem Zeigefinger auf den Handyrücken tippte, fand mein Blick zurück zum Zündschloss. Es gab so viel zu sagen, doch die Worte kamen mir nicht über die Lippen. Zum Glück musste ich sie auch nicht aussprechen. Kathrine Thompson, angehende Psychologin mit Profiler-Superkräften daher der Klingelton der Mordermittlungsserie , wusste immer, was in mir vorging. »Du hättest mit der Reise auch noch etwas warten können. Dann hätte ich dich begleitet.« Kats leise Stimme durchbrach das entstandene Schweigen. Mich störte die Traurigkeit, die sich, nachdem ich Vollwaise geworden war, ein weiteres Mal um uns gelegt hatte. Normalerweise waren Kat und ich fröhliche, verrückte, junge Frauen, die Gott und das Leben dafür feierten, dass er sie unter beinahe acht Milliarden Menschen auserkoren hatte, um beste Freundinnen zu werden. Deshalb war ich nun hier. Alles sollte wieder so werden wie früher. Ich würde das Haus die Angelhütte, berichtigte ich mich in Gedanken ein bisschen aufhübschen, schätzen lassen und verkaufen. So schnell wie möglich. Ein Abschluss. Ein Neustart. Die düsteren Gedanken verflogen bei der Vorstellung, mit Kat in wenigen Monaten das Seafair, das legendäre Sommerfest Seattles, zu besuchen. Kat, ich und die Torchlight-Parade. »Lachst du?«, fragte Kat und es raschelte auf ihrer Seite des Telefons. Sie befand sich gerade in der letzten Lernphase ihrer Abschlussprüfungen. Vermutlich sah ihr Studentenzimmer so aus, wie ich mir die Leitstelle einer Mordermittlung vorstellte: alles übersät mit Fotos und Notizen der gesammelten Informationen, die zusammenhängenden Hinweise mit einem roten Faden verbunden, bis sich ein erkennbares Muster abzeichnete. Ich prustete in den Hörer. »Woran denkst du?«, empörte sich Kat mit amüsiertem Unterton. »An Russell Crowe in The Next Three Days.« »Um deine Gedankengänge zu verstehen, reicht kein Master in Psychologie. Hast du in den nächsten drei Tagen etwa vor, jemanden aus dem Gefängnis zu befreien?« Mein Lachen wurde lauter. »Deswegen bin ich die perfekte Freundin für dich, Kat. Wir wissen doch beide, wie schnell dir langweilig wird. Du wirst es schon noch herausfinden«, entgegnete ich und sandte ein Dankesgebet zum Himmel. Mit Kat zu reden, war Balsam für die Seele. Ihr Anruf war wie so oft genau zur rechten Zeit gekommen. »Aber mal ernsthaft, Kat«, kam ich auf das Ursprungsthema zurück. »Von einer Reise kann man ja wohl kaum sprechen. Zum Storm Lake braucht man von Seattle aus gerade mal eine knappe Stunde.« »Zwei, wenn du in die Rush Hour gerätst«, warf Kat ein. Erneut umspielte ein Lächeln meine Lippen. »Ich werde das schon schaffen«, sagte ich, mehr zu mir selbst als zu ihr. »Das wirst du«, bestätigte sie trotzdem. »Und ich bin Tag und Nacht erreichbar, falls du über Frank sprechen möchtest. Wenn es nötig ist, fahre ich sogar höchstpersönlich zu dir.« Ungläubig hob ich die Augenbrauen. »Du hast das Auto seit einem halben Jahr nicht mehr bewegt. Sicher, dass der Motor nicht längst von Motten zerfressen wurde?« »Motten fressen kein Metall, soweit ich weiß.« »Sag mir, Frau Psychologin, wie heißt es im Fachjargon, wenn man panische Angst vorm Autofahren hat?« »Amaxophobie«, antwortete Kat wie aus der Pistole geschossen. Aber sie ergänzte ein Zungenschnalzen, als ihr bewusst wurde, dass ich mich über sie lustig machte. »Pass einfach auf dich auf, Maddie.« »Na klar.« Mein Blick landete erst auf dem Zündschloss und anschließend auf dem Schlüssel in meinem Schoß. Ich brauchte ihn nur wieder hineinzustecken, umzudrehen und loszufahren. »Was soll schon schiefgehen?« Meine Worte in Gottes Ohren. * Mit gemischten Gefühlen fuhr ich auf den kleinen Privatparkplatz, der den Anwohnern des Storm Lake vorbehalten war. Ich verband viele Erinnerungen mit der Blauen Hortensie. Bevor Mom gestorben war, hatte meine Familie alle freien Tage hier verbracht. Danach hatten wir manchmal Kat mitgenommen. Die Besuche hatten aufgehört, nachdem ich mit sechzehn zu ihr gezogen war. Ich parkte das Auto auf einem der freien Stellplätze, band mir einen hohen Pferdeschwanz nur um ihn gleich wieder zu lösen und stieg aus. Kies knirschte unter meinen Ballerinas. Das Geräusch jagte mir eine Gänsehaut über die nackten Arme. In Gedanken hörte ich Frank vor mir herlaufen. Schwer bepackt mit Rutentasche und Klappstuhl, bohrten sich seine Schuhsohlen bei jedem Schritt in den steinigen Untergrund. Fester, als es nötig gewesen wäre, schlug ich die Fahrertür zu, um mich in die Gegenwart zurückzuholen. Einer der Psalmen kam mir in den Sinn. Ich werde mich nicht fürchten, ermutigte ich mich. Doch es war Kats Stimme, die die Worte in meinem Geiste aussprach. Meine persönliche Mutmacherin. Tief durchatmend setzte ich einen Fuß vor den anderen, bis der Trampelpfad in Sicht kam, der durch das kleine Wäldchen zur Blauen Horte…