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Gebrauchsanweisung für das Engadin

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Beschreibung

Tiefblaue Seen, sonnenbestrahlte Schneegipfel - mit seiner extremen Landschaft und dem einzigartigen Licht gehört das Engadin zu den spektakulärsten Ferienzielen der Alpen. Angelika Overath stellt die bedeutendsten Orte und schönsten Landschaften vor, von Scuol bis Sils, vom Corvatsch bis ins Münstertal, und gibt spannende Geheimtipps. Sie erklärt, warum die Alpenpässe Eisenbahnfans begeistern und Autofahrern den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Wieso sich Engadiner Spezialitäten nicht zum Abnehmen eignen und wie die uralte romanische Sprache, in der es 'Bun di' und 'Chau' heißt, in dieser Kulturregion weiterlebt. Vom mondänen Oberengadin bis hinunter zum schroffen, noch bäuerlichen Unterengadin ermöglicht sie faszinierende Einblicke in eines der schönsten Täler der Schweiz.

Angelika Overath wurde 1957 in Karlsruhe geboren und studierte in Tübingen Germanistik und Geschichte. Sie arbeitet als Reporterin, Literaturkritikerin und Dozentin und wurde u.a. mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis für literarische Reportage, dem Thaddäus-Troll-Preis und dem Ernst-Willner-Preis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs ausgezeichnet. Ihr von der Kritik hoch gelobter Roman 'Flughafenfische' kam auf die Longlist des Deutschen Buchpreises und auf die Shortlist des Schweizer Buchpreises 2009. Sie lebt mit ihrem Mann in Sent, Graubünden; die beiden haben drei Kinder.

Autorentext

Angelika Overath wurde 1957 in Karlsruhe geboren. Sie arbeitet als Reporterin, Literaturkritikerin und Dozentin und wurde u.a. mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis und dem Ernst-Willner-Preis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrem Mann seit neun Jahren in Sent, Graubünden; die beiden haben drei Kinder. 2010 erschien ihr hochgelobtes Senter Tagebuch: »Alle Farben des Schnees«.



Leseprobe
Alpenpässe

Es war also kurz vor Weihnachten 1992, als wir uns mit dem Auto von Tübingen aufmachten, um zum ersten Mal ins Engadin zu fahren. Auf der Rückbank sassen Silvia, fünf Jahre, Andreas, drei, und Florence, zwölf, das Kind von Pariser Freunden, das mit uns kam. Manfred hatte kurz auf die Landkarte geschaut und sich für den direktesten Weg entschieden: am Bodensee entlang, das Rheintal hinauf, durchs Prättigau bis Klosters, dann Richtung Davos und über den Flüelapass hinunter ins Engadin! Wir hatten - noch von Griechenland kommend - die Sonne im Herzen und Sommerreifen am alten Golf. Und wer im Schatten des Götterbergs Olymp gelebt hat, der interessiert sich für so banale Grössen wie Passhöhen nicht.

Wir fuhren durch graue und grüne Fluren. Es war ein schneearmer Winter. Schon auf der ersten Etappe des Flüelapasses wunderte sich Manfred, dass wir offensichtlich die Einzigen waren, die hier fuhren. Na, immerhin kein Stau! Die Kinder waren bester Laune, im Kassettenrekorder des Autos liefen die Prinzen. Es gab leichte Schneeverwehungen. Beim Gasthof Tschuggen sahen wir kurz ein Auto vor uns, Bündner Kennzeichen, das wir aber bei der nächsten Kehre aus den Augen verloren hatten. Die Schneeverwehungen nahmen zu. Manfred drehte die Musik leiser. Die Kinder protestierten. »Seid doch still«, sagte er, seltsam unfreundlich.

Wir erreichten die Passhöhe von 2383 Metern. Die Strasse war weiss bedeckt, Schneeanhäufungen am Rand. Rechts und links lagen Seen unter Schnee. Die grauen Flanken der hohen Berge zeigten ein geschecktes Katzenfell. Dann begann die Abfahrt. Manfred schaltete die Musik aus. Von der Rückbank kam Rascheln, dann der Geruch von zerkauten Gummibärchen. In der Ferne sahen wir das Bündner Auto noch einmal, das aber nach einer Kehre wiederum verschwunden war. Über die Strasse zog sich jetzt ein Streifenmuster aus Weiss, Grau und Schwarz. Ab und an ein dunkler Glanz. Manfred bremste auf ungewöhnliche Weise und fuhr schlingernde Bögen. Auf meine Frage (ich fahre nicht Auto), was los sei, antwortete er nur: »Schnee.« Dann, nach einer Pause: »Und Eis.« Das hatte ich schon gesehen, aber jetzt erst verstand ich.

In das Abbremsen und ausweichende Fahren kam nun regelmässig die leise Stimme von Florence, die fragte, wie lang es noch sei. Nicht mehr lange, log ich und drehte mich mit mütterlichstem Lächeln zur Rückbank. Das Kind hielt einen kleinen Weihnachtsbaum aus grünem Plastik auf dem Schoss, den wir noch in Saloniki gekauft hatten (schliesslich wollten wir im Hotel Quellenhof Weihnachten feiern!). Ich sah die Mädchenhände, die das struppige Grün bang an seinem hölzernen Sockel hielten. Silvia und Andreas fochten derweil einen Kampf mit zwei aufblasbaren Nikoläusen; sie waren Fahrten über Schlaglöcher durch das thessalische Pilion-Gebirge und über Schotterpisten im mazedonischen Hinterland gewohnt. Manfred versuchte, sehr, sehr langsam zu fahren und den unfreiwilligen Schwung, den eine Schneepassage ihm gab, auf dem nächsten, vertrauenerweckend schwarzen Asphaltstück wieder aufzufangen. Er war blass. Die Strasse schien ein haarnadelkurviges, schmales Band über sich in immer neuen Schrecken zeigenden Schluchten. Endlich begann der Wald, und Manfred schaltete wieder hoch.

Kurz vor Susch, dem ersten Dorf im Engadin, fragte Florence ein letztes Mal: »Wie lang noch?« Dann maunzte sie, sie wolle aussteigen. Dann kotzte sie. Wir waren froh, den Pass heil hinter uns gebracht zu haben, und reinigten notdürftig Mädchen und Bäumchen mit Kleenex. Im Quellenhof duschte unser Pariser Ferienkind in einer alten, frei stehenden Badewanne auf goldfarbenen Löwenpranken, und ich spülte am Waschbecken unter dem Hahn mit den alten Messingbeschlägen die griechische Plastiktanne im Wasserstrahl aus. So begann unsere Liebe zum Engadin.

Dabei hätten wir, von Tübingen kommend, uns leicht über Österreich dem Unterengadin nähern können. Der Weg hätte uns bequem nac

Produktinformationen

Titel: Gebrauchsanweisung für das Engadin
Untertitel: 2. aktualisierte Auflage 2017
Autor:
EAN: 9783492975308
ISBN: 978-3-492-97530-8
Digitaler Kopierschutz: Wasserzeichen
Format: E-Book (epub)
Herausgeber: Piper Verlag GmbH
Genre: Europa
Anzahl Seiten: 224
Veröffentlichung: 01.09.2016
Jahr: 2016
Features: Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
Dateigrösse: 2.8 MB