

Beschreibung
Der Anführer einer Gang entführt einen Polizisten und droht mit dessen Ermordung. Auf der Suche nach dem Entführten wird der Rekrut Benjamin Coleman in eine unerwartete Rolle gedrängt. Das Leben vieler Menschen hängt davon ab, ob es Ben gelingt, seinen Hass au...Der Anführer einer Gang entführt einen Polizisten und droht mit dessen Ermordung. Auf der Suche nach dem Entführten wird der Rekrut Benjamin Coleman in eine unerwartete Rolle gedrängt. Das Leben vieler Menschen hängt davon ab, ob es Ben gelingt, seinen Hass auf sämtliche Gangmitglieder zu bezwingen.
Nach dem Mord an einem VIP ist der Täter rasch gefasst: Er ist Mitglied einer Gang. Daraufhin entführt der Bandenchef einen Polizisten und droht mit dessen Ermordung. Benjamin Coleman, Rekrut der Special Troops, nimmt an der fieberhaften Suche nach dem Entführten teil. Plötzlich wird Ben in eine unerwartete Rolle gedrängt Die Verschwörung ist der zweite Band der Benjamin Coleman-Reihe
Autorentext
Veronika Grohsebner (*1966) stammt aus Oberösterreich. Ihre Leidenschaft gilt dem Lesen und Schreiben von englischsprachigen Thrillern, ihre Bücher übersetzt sie selbst ins Deutsche. Die Verfasserin des Bestsellers Johnny Designed und der Alan Jason-Trilogie lebt mit ihrem Mann und den vier Kindern in Wien.
Leseprobe
Verschwunden Der Mann saß an seinem schönen und teuren Mahagonischreibtisch. Abwesend wanderte sein Blick über den fein säuberlichen Stoß an Schriftstücken auf der linken Seite des Schreibtischs, dem etwas kleine-ren Stoß auf der rechten Seite, dem Telefon im nostalgischen Design, das an die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts erinnerte, und der dazu pas-senden Schreibtischlampe. Kein Computerbildschirm verunstaltete den Tisch und kein fortschrittliches Gerät störte das altmodische Flair des Zimmers. Bis auf das Wegwerfhandy in seiner Hand natürlich. Für dieses Ge-spräch musste er von dem hässlichen Ding Gebrauch machen. Soeben hatte er seinen Bericht beendet und nun, noch immer mit diesem lächer-lichen kleinen Telefon am Ohr, wartete er auf Anweisungen. Bei dem Gedanken biss er die Zähne zusammen. Das war überhaupt die größte Unverschämtheit. Eigentlich gebührte es ihm, Anweisungen zu erteilen, denen unbedingt Folge zu leisten war, jeder seiner Äußerungen musste mit Hochachtung und Ehrfurcht gelauscht werden. Wie auch immer, in diesem Fall war er machtlos gegen den Rollen-tausch. Angst hatte er nicht oft im Leben verspürt. Aber im Umgang mit dem Mann, den er soeben angerufen hatte, war er mit dem Gefühl rasch vertraut geworden. Sein Blick schweifte zu der Standuhr, die aus demselben Holz ge-fertigt war wie der Schreibtisch, gefesselt von dem unermüdlichen Hin und Her des Pendels. Das rhythmische Ticktack wirkte normalerweise beruhigend auf ihn. Nun jedoch machte es ihn nervös. Das langgezoge-ne Schweigen des Mannes am anderen Ende steigerte die Nervosität ins Unerträgliche. Endlich ergriff dieser das Wort, in ruhigem und eiskaltem Tonfall: Sieht so aus, als hätten Sie Mist gebaut. Haben Sie den Mann nicht gründlich durchleuchtet, bevor Sie ihn aufgenommen haben? Natürlich habe ich das getan. Wie angeordnet habe ich den Bericht eingeschickt und Ihre Leute gaben das Okay. Sie sind unverschämt, gab die Stimme am anderen Ende scharf zurück. Der Mann klang gebildet, sein Akzent entstammte der Ostküste. Wollen Sie mir zu verstehen geben, dass unser Mitarbeiterstab versagt hat? Wenn ein offensichtlich labiler Mann genehmigt wurde, dann nur deshalb, weil Ihr Bericht nicht vollständig war. Wie tief haben Sie die Persönlichkeit des Mannes ausgelotet? Mir scheint, Sie haben es der Bequemlichkeit halber als gegeben angenommen, er wäre genauso füg-sam wie sein Vater, ohne gründlich nachzuforschen. Der Mann presste die Lippen zusammen. Nur zu gerne hätte er dar-auf hingewiesen, dass die anderen Leute, die an diesem Projekt arbeite-ten, seinem Ergebnis zugestimmt hatten. Es war ja nicht so, als hätte nur er die erforderlichen Gespräche geführt. Ob der Bequemlichkeit halber oder nicht, der Mann schien für die Arbeit ideal geeignet. Überdies hatte die Vereinbarung einige Jahre hinweg perfekt funktioniert. Niemand hätte die jüngste Entwicklung vorhersehen können. Die Stimme fuhr fort: Wenn ein Mann einmal damit beginnt, For-derungen zu stellen, hört er nicht mehr damit auf. Er muss eliminiert werden. Tun Sie mir den Gefallen und erledigen Sie das möglichst unauffällig. Denken Sie daran: Sie könnten der Nächste sein, der zur Liquidation freigegeben wird. Also rate ich Ihnen zu effizienterer Arbeit. Damit endete das Gespräch. Der Mann am Schreibtisch umklam-merte das Wegwerfhandy weiterhin und starrte mit gehetztem Blick ins Leere. Vor Jahren hatte er seine Seele verkauft. In Augenblicken wie diesem fragte er sich, ob es das wirklich wert gewesen war. Aber die Zweifel waren nie von langer Dauer, und so war es auch jetzt. Als er über die Ereignisse nachdachte, die ihn in seine gegenwärtige Lage gebracht hatten, wusste er, dass er nichts anderes hätte tun können. Hätte er in diesem Moment die Wahl, würde er genau dieselbe Entscheidung wieder treffen. Nachdem der Mann in diesem Punkt erneut Klarheit gewonnen hat-te, ging er entschlossen daran, die nächsten Schritte zu planen. * Dwayne Roscoe, ein hochgewachsener und schlanker Afroamerikaner um die achtzehn, saß am Sofa, die Füße am Couchtisch, einen Arm um seine Freundin Alisha Moss gelegt. Sie war sechzehn, nicht sehr groß und mollig, ihre schulterlangen Haare trug sie in einer Vielzahl schmaler Zöpfchen. Drei Stunden hatten die beiden bereits Game of Thrones gestreamt und dabei Popcorn gegessen, Bier getrunken, mit-einander geredet und gekuschelt. Dwaynes Handy summte in der Hosentasche; eine Nachricht war angekommen. Er seufzte ein wenig, als er sie las. Tut mir leid, sagte er, wir müssen Schluss machen. In einer halben Stunde gibt's ein Tref-fen. Ach, komm schon, könntest du nicht wenigstens einmal nicht hin-gehen?, schmollte Alisha. Gerade jetzt ist es so gemütlich. Aber klar doch. Ich sag's dem Djinn, er versteht das sicher, nickte Dwayne. Oder vielleicht erschießt er mich auch das nächste Mal, wenn er mich sieht. Komm, Baby, wir machen eben morgen weiter, okay? Zur Hölle mit dem Djinn, grollte Alisha. Dwayne stand auf. Vorher bringe ich dich aber noch nach Hause. So wie die Leute von der 49th in der letzten Zeit in unser Revier ein-dringen, mag ich das gar nicht gerne, wenn du so spät allein unterwegs bist. Alisha lächelte zu ihm hoch. Du bist süß. Aber ich bin ein großes Mädchen und kann schon selbst auf mich aufpassen. Das haben wahrscheinlich alle Leute gedacht, die während der letzten Monate verschwunden sind, sagte Dwayne grimmig. Im nächsten Moment lächelte er verschmitzt. Wie dem auch sei, dich nach Hause zu begleiten, ist nur eine weitere Möglichkeit, länger zusammen zu sein. Das Treffen ist im Keller von Trevons Sozialbau, also ist es sowieso nur ein kleiner Umweg. Hast du nicht etwas von einem kleinen Umweg gesagt?, kicherte Alisha etwas später, als sie gemächlich schlendernd in eine weitere Sei-tengasse einbogen. Reine Vorsichtsmaßnahme, erwiderte Dwayne. Es ist sehr gut möglich, dass die Hauptrouten von Spionen der 49th ausgespäht wer-den. Die liegen dort sicher auf der Lauer nach leichter Beute. Herumalbernd und kichernd wie eben ein junges verliebtes Pärchen, setzten sie ihren Weg in einem planlosen Zickzack fort, der sie schließ-lich und endlich zu dem schäbigen Wohnblock führen würde, wo Alisha mit ihrer älteren Schwester lebte. Auf halbem Wege dorthin ließ Dwayne plötzlich verlauten: Einen Moment, Schätzchen, ich muss mal pinkeln; war wohl zu viel Bier. Ich geh nur schnell um die Ecke. Dwayne war kaum in der Sackgasse verschwunden, als Alisha be-merkte, dass sich eins ihrer Schuhbänder gelöst hatte. Sie setzte sich auf die oberste der Stufen, die zu einer Haustür führten, und begann den Schuh wieder zuzubinden, aber plötzlich hielt sie in der Bewegung inne. Von der Sackgasse her ertönte ein erschrockener Ausruf, dann hörte sie einen dumpfen Schlag, einen Aufprall, als ob etwas Schweres zu Boden fiel, dann einen unterdrückten und zornigen Wortwechsel mehrerer Männer. Seltsame Geräusche, die sie nicht einordnen konnte, die Tür eines Vans wurde zugeschoben, ein Motor start…