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Vermeintliche Gründe

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Leseprobe
Welche Vorstellungen von Moral und Ethik gab es im Nationalsozialismus? Dieser kommentierte Quellenband stellt erstmals eine biogr... Weiterlesen
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Beschreibung

Welche Vorstellungen von Moral und Ethik gab es im Nationalsozialismus? Dieser kommentierte Quellenband stellt erstmals eine biografisch kontextualisierte Auswahl von Texten akademischer Moralphilosophen vor, die sich im "Dritten Reich" besonders hervorgetan haben. Die Auseinandersetzung mit ihren Ideologemen hilft, die Verbindung von normativem Selbstverständnis und den Verbrechen des Nationalsozialismus besser zu verstehen. Zudem ermöglicht das Buch eine differenzierte Betrachtung der Entwicklung der Moralphilosophie nach 1945.

Autorentext
Werner Konitzer ist als wissenschaftlicher Berater am Deutschen Historischen Museum in Berlin tätig und unterrichtet an der Universität Frankfurt (Oder). Johanna Bach war von 2013 bis 2017 freie Mitarbeiterin des Fritz Bauer Instituts, lehrt Soziologie an der IUBH Frankfurt und promoviert seit 2020 am Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin. David Palme war von 2014 bis 2017 freier Mitarbeiter des Fritz Bauer Instituts und ist seit 2018 Kollegiat am Max-Weber-Kolleg. Jonas Balzer war 2016/17 freier Mitarbeiter des Fritz Bauer Instituts.

Leseprobe
Einleitung 1. Das Projekt Zur Frage, wie die Verbrechen des Nationalsozialismus möglich gewesen sind, wurde in den vergangenen Jahrzehnten viel geforscht. Lange Zeit galt das Forschungsinteresse, soweit es sich auf die Seite der Täter konzentrierte, vor allem deren Psychologie. Ihr Handeln wurde durch verschiedene Besonderheiten, beispielsweise durch autoritätsunterwürfiges Verhalten oder Gruppendynamiken, erklärt. Erst in den letzten 20 Jahren ist eine darüber hinausgehende Problematik in den Fokus getreten: die Feststellung, dass viele Täterinnen und Täter ihre Taten tatsächlich für »gut«, »richtig« oder »notwendig« hielten, dass sie ihre Handlungen also als moralisch begründet ansahen und sie diese auch anderen gegenüber moralisch rechtfertigten. Dieser Umstand lässt sich nicht allein aus »kumulativen Dynamiken« oder ähnlichen psychologischen Prozessen erklären. Er setzt vielmehr so etwas wie geteilte moralische Gründe voraus Gründe, deren Gültigkeit sich die Täter gegenseitig immer wieder versicherten und die die normative Selbstverständlichkeit des Täterkollektivs prägten. Intuitiv ist es klar, dass es ausgeschlossen ist, den nationalsozialistischen Massenmord moralisch zu begründen. Aus der historischen Erfahrung der nationalsozialistischen Verbrechen hat Adorno einen neuen »kategorischen Imperativ« formuliert, den Hitler den Menschen »im Stande ihrer Unfreiheit [] aufgezwungen [habe]: ihr Denken und Handeln so einzurichten, daß Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe«. Das Grundprinzip aller Moral nach Auschwitz müsse die Verhinderung ähnlicher Verbrechen sein. Zu erklären, wieso die Verhinderung einer Wiederholung von so etwas wie Auschwitz der wichtigste Imperativ ist, ist nach Adorno angesichts der Grausamkeit und Reichweite des Ereignisses weder nötig noch möglich. Wer ihn dennoch in Frage stelle, das heißt die Möglichkeit in Betracht ziehe, dass man Auschwitz moralisch begründen könne, begeht Adorno zufolge einen »Frevel«. Denn die Infragestellung würde bedeuten, den millionenfachen Mord zumindest hypothetisch für akzeptabel zu halten. Die Gültigkeit des Imperativs, den Adorno formuliert, ergibt sich nach seiner Auffassung also allein aus der Erfahrung des Geschehenen. Bei den Texten, die wir hier dokumentieren, handelt es sich um nationalsozialistisch orientierte Schriften aus dem Bereich der Ethik. Ihre Autoren waren sicherlich in unterschiedlicher Weise auch von der Intention geleitet, so etwas wie nationalsozialistische Moral zu formulieren. Fast alle Texte wurden vor Auschwitz geschrieben. Sie sind jedoch Ausdruck jenes normativen Klimas in der damaligen deutschen Bevölkerung, das die Verbrechen von Auschwitz möglich machte. Die wechselseitige Versicherung innerhalb der deutschen Bevölkerung, das Richtige zu tun, und die damit wohl auch verbundenen moralischen Hochgefühle waren stärker als alle moralischen Bedenken und Skrupel. Die für diesen Band ausgewählten Schriften sind auch Versuche der Rechtfertigung eines solchen Klimas. Weil sie vor Auschwitz entstanden sind, sollten sie jedoch nicht als unmittelbare Rechtfertigung der Verbrechen missdeutet werden. Ihre Autoren legen jedoch Moral und Ethik in einer Weise aus, dass sich aus den resultierenden ethischen Überzeugungen kein grundlegender Einspruch gegen die nationalsozialistischen Verbrechen ergibt. Eine Auseinandersetzung mit Ethiken aus dem Nationalsozialismus ist ein wesentlicher Beitrag zum Verständnis der Funktionsweise und Struktur nationalsozialistischer Normativität. Ethiken sind Schriften, in denen es darum geht, allgemeine Gründe für Handlungen und Einstellungen herauszuarbeiten und darzustellen. Man kann zwischen tatsächlichen und vermeintlichen Gründen unterscheiden. Wenn mein Nachbar mir nach dem Leben trachtet und etwas unternimmt, um seinen Plan in die Tat umzusetzen, ist das ein Grund, mich vor ihm zu schützen. Wenn ich nur glaube, dass er das tut, etwa weil ich paranoid bin oder weil ich ihn nicht mag und insgeheim meine Wohnung um seine erweitern möchte, dann ist das kein wirklicher, sondern nur ein vermeintlicher Handlungsgrund. Nach aller historischen Erfahrung ist es klar, dass es sich bei den allgemeinen Gründen, die zu den Gedankengebäuden nationalsozialistischer Ethiken geformt wurden, nur um vermeintliche Gründe handeln kann. Sie werden als solche jedoch nur sichtbar, wenn man auch bereit ist, sich mit diesen Gedankengebäuden auseinanderzusetzen. Bei der Veröffentlichung dieser Texte geht es nicht vorrangig darum, eine weitere Forschungslücke in der Erforschung des Nationalsozialismus, etwa hinsichtlich der Motivation der Täter, zu schließen. Im Gegenteil: Wir halten die Auseinandersetzung mit diesen vermeintlichen Gründen für eine Aufgabe des öffentlichen politisch-ethischen Diskurses. Zwar wurde das nationalsozialistische Regime vor nunmehr 75 Jahren militärisch besiegt, aber die Entstehungs- und die Wirkungsgeschichte der nationalsozialistischen Ideologie reichen weit über seine Geschichte hinaus. Die Entstehungsgeschichte erstreckt sich, wie die Forschung der letzten Jahrzehnte gezeigt hat, über die Geschichte des christlichen Antijudaismus wie des deutschen Nationalismus. Die Wirkungsgeschichte des Nationalsozialismus betrifft auch die Geschichte der deutschen Gesellschaft nach dem Krieg: Viele Studien, von der Gruppenstudie des Frankfurter Instituts für Sozialforschung über die in den letzten Jahren erschienenen historiographischen Forschungen zur Geschichte von Unternehmen, Ministerien und Familien bis hin zu sozialpsychologischen Untersuchungen zum Thema Transgenerationalität, haben deutlich gemacht, in welchem Ausmaß die Realität in den beiden Nachfolgestaaten des nationalsozialistischen Deutschlands vom Fortwirken der nationalsozialistischen Mentalität geprägt war. Doch auch weit über die Grenzen Deutschlands hinaus sind nationalsozialistische Einstellungen zu einer Art Genre mit einer eigenen Geschichte und einer eigenen Verbreitung geworden. Da diese Denk- und Handlungsweisen in der Welt sind, muss man sich mit ihnen immer wieder erneut auseinandersetzen. Dies gilt in besonderem Maße für die Philosophie, in der diese Beschäftigung weitgehend ausgeblieben ist. Von der Veröffentlichung der in diesem Buch dokumentierten Texte erhoffen wir uns insbesondere eine Diskussion im Bereich der Moralphilosophie. Es handelt sich um Auszüge aus Ethiken, die teilweise bereits vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten, teilweise erst unter ihrer Herrschaft verfasst wurden. Sie alle haben miteinander gemeinsam, dass sie Zeugnisse des Versuchs sind, eine spezifische nationalsozialistische Ethik zu formulieren und in einigen Fällen auch zu begründen. Mit dieser Einschätzung widersprechen wir zwei geläufigen Thesen, die häufig zum Verhältnis von Moral und Ethik einerseits und Nationalsozialismus andererseits aufgestellt werden. Die eine behauptet, beim Nationalsozialismus handle es sich um ein außer- oder amoralisches Phänomen. Weder könne das Handeln nationalsozialistischer Täter als durch Moral motiviert beschrieben noch der nationalsozialistischen Gesinnung selbst ein genuin ethischer Charakter attestiert werden. Stattdessen müsse der Nationalsozialismus als Usurpation der Moral bezeichnet werden. Wir sind dagegen durch unsere Untersuchungen davon überzeugt, dass der Nationalsozialismus auch als ein moralisch motiviertes Phänomen begriffen werden muss. Die andere These besagt, dass die normative Dimension des Nationalsozialismus selbst nicht als philosophisch verstanden werden könne. Gereon Wolters formulierte dazu vor knapp 20 Jahren in der Deutschen Zeitschrift für Philosophie: »Eine nationalsozialistische Philosophie im Sinne grundlegender philosophischer Vorgaben hat es nicht gegeben.« Es lässt sich aber nicht bestreiten, dass sich eine Vielzahl von akademischen Philosophen darum bemühte und sich damit rühmte, eine »nationalsozialistische Philosophie« zu artikulieren. Angesichts dessen kann das unterstellte Ausbleiben »philosophischer Vorgaben«, etwa seitens der NSDAP, nur als Stärkung der Auffassung verstanden werden, dass es weithin geteilte ethische und philosophische Überzeugungen gab, die nicht von offizieller Stelle vorgegeben werden mussten, um gesamtgesellschaftlich tragfähig zu sein und als nationalsozialistisch bezeichnet werden zu können. Dass sich dabei nicht eine Philosophie als die nationalsozialistische Philosophie durchgesetzt hat, kann also kein Argument dafür sein, dass es überhaupt keine Philosophie im Sinne des Nationalsozialismus gegeben habe. Die hier versammelten Autoren und ihre Schriften belegen dies. Unter diesen philosophischen Texten widmet sich ein signifikanter Teil darüber hinaus originär ethischen Fragestellungen oder ihrer Kritik. Die Absicht, Auszüge aus solchen Ethiken zu einem Quellenband zusammenzustellen, entwickelte sich im Kontext eines Projektes zu Nationalsozialismus und Moral am Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main. In diesem Projekt ging es um Fragen wie diese: Inwiefern trugen besondere normative Vorstellungen zur Vorbereitung und Durchführung der nationalsozialistischen Verbrechen bei? Von welchen normativen Vorstellungen ließen Nationalsozialisten sich leiten? Gab es so etwas wie eine nationalsozialistische Moral? Was unterschied diese von anderen Formen von Moral? Was geschah mit ihr nach der militärischen Niederschlagung des nationalsozialistischen Regimes? Welche Kontinuitäten, welche Brüche gab es? Inwiefern prägten und verzerrten Moralvorstellungen, die selbst aus dem Nationalsozialismus stammten, die Auseinandersetzung mit den Folgen und Verpflichtungen, die sich aus den nationalsozialistischen Verbrechen ergaben? Diese kurze Zusammenstellung von Fragen allein zeigt den engen Zusammenhang zwischen Nationalsozialismus und Moral. Bemerkenswerterweise ist es aus philosophisch geschulter Perspektive unmöglich, die Moralvorstellungen der vielen unmittelbar und mittelbar Tatbeteiligten zu isolieren. Dabei erhielte man allenfalls ein individuelles psychologisches Profil. Es ist jedoch notwendig, das Netz von Wertvorstellungen und Erwartungen zu erforschen und zu analysieren, das die Täter und Täterinnen mit der großen Mehrheit der Deutschen teilten. Ohne diese geteilten Überzeugungen hätte das, was getan wurde, von ihnen und von all jenen, die ihnen halfen oder ihr Handeln billigten, nicht für nachvollziehbar, verständlich und gerechtfertigt gehalten werden können, hätte jeder Widerstand nicht als unangemessen, unrealistisch oder moralisch verwerflich gegolten. Selbst Menschen, die sich von einzelnen Verhaltensweisen und Handlungen distanzierten, sie manchmal auch kritisierten oder ablehnten, können zugleich die grundlegende Orientierung, aus der das mörderische Handeln folgte, mehr oder weniger deutlich befürwortet und jenes Netz von Wertvorstellungen mitgetragen haben. Die moralischen Überzeugungen sind in dieser Perspektive dann nicht mehr etwas, was den Tätern und Täterinnen dabei half, ihr Handeln, von der Verfolgung bis hin zum Völkermord, als etwas »Normales« zu betrachten. Sie werden vielmehr als eine bestimmte ethische Haltung begriffen, die die Idee der Verbrechen überhaupt erst als etwas Wünschenswertes hervorbrachte. Es ist also nicht so, dass zunächst Einzelpersonen oder eine Clique einen Plan fasste und dann eine »Moral« erfand, um ihn zu popularisieren. Stattdessen muss diese Clique selbst bereits bestimmte moralische Überzeugungen auch mit dem Rest der Bevölkerung geteilt haben. Die hier versammelten philosophischen Ethiken verstehen wir als Versuche, diese geteilten Überzeugungen zu artikulieren, zu reflektieren und zu begründen. 2. Forschungsstand Zur Frage der nationalsozialistischen Moral ist in den letzten drei Jahrzehnten eine Reihe von Veröffentlichungen erschienen. Man kann hier eine eher historiographisch angelegte Richtung von einer eher moralphilosophisch orientierten unterscheiden, wobei die neuere moralphilosophische Betrachtung des Themas ein wenig später einsetzte als die historiographische. Der erste Autor, der der Frage einer nationalsozialistischen Moral beziehungsweise Ethik in jüngerer Zeit in dieser Weise nachging, war Peter J. Haas. Seine Studie Morality after Auschwitz. The Radical Challenge of the Nazi Ethic erschien bereits im Jahr 1992. Haas ging es darum, deutlich zu machen, dass die Bedeutung der nationalsozialistischen Ethik in der bis zum Zeitpunkt der Abfassung seines Buches veröffentlichten Forschung nicht richtig eingeschätzt worden war. Er schildert zunächst die verschiedenen Wurzeln der nationalsozialistischen Ideologie wie die weit zurückreichende Verbindung zwischen christlichem Selbstverständnis und Antisemitismus, die Entwicklung der nationalsozialistischen Rassenvorstellungen aus dem Antisemitismus und Kolonialismus im 19. Jahrhundert sowie die aufkommende faschistische Ideologie im 20. Jahrhundert. Dann zeigt er, wie die ethischen Konzepte, die mit ihr verbunden waren, institutionell in Deutschland nach 1933 implementiert wurden. Das Buch ist so angelegt, dass die historischen Strömungen, die aus unterschiedlichen Tiefen der historischen Zeit bis in den Nationalsozialismus hineinreichten, auf je verschiedene strukturelle Momente nationalsozialistischer Normativität verweisen. Für die Geschichte der Erforschung nationalsozialistischer Ethik erscheinen hier fünf Aspekte als besonders relevant. Erstens: Haas macht gegen verschiedene Überlegungen Hannah Arendts deutlich, dass es vor allem ethische Überzeugungen und nicht etwa Angst, Gehorsam, alltägliche Anpassung und Gleichgültigkeit waren, die die Täter und zum Teil durchaus auch Mitläufer motivierten. Mit Arendt stimmt er aber in der Auffassung überein, dass die Gesellschaft und die Menschen, die das nationalsozialistische Regime unterstützten, sich von der Gesellschaft und den Menschen der Gegenwart nicht grundlegend unterschieden. Wir haben es bei unserer Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus weder mit »ganz anderen Menschen«, als wir sind, noch mit einer »ganz anderen Kultur« als der, der wir angehören, zu tun. Zweitens: Haas stellt den christlichen Antijudaismus an den Anfang seiner historiographischen Darstellung und rückt ihn ins Zentrum seiner Strukturanalyse der nationalsozialistischen Ethik. Der Grund dafür ist nicht nur, dass er für Haas das offensichtlichste und zugleich historisch am weitesten in die Geschichte zurückweisende Motiv für den Holocaust darstellt. Wichtiger noch scheint zu sein, dass diese religiöse Grundierung entscheidend dazu beitrug, dass die durch die politische und soziale Entwicklung bedingten Gefühle in der Zeit des Kaiserreichs, des Ersten Weltkriegs und der Weimarer Republik als moralische Gefühle gedeutet und verstanden werden konnten: Weil die Juden in der Tradition des christlichen Antijudaismus schon für das »Böse« standen, konnten hergebrachte Gruppenfeindschaften sich in der Moderne, wenn auch unter geänderten Umständen, überhaupt erst moralisieren. Drittens: Haas sieht die nationalsozialistische Ethik als Reaktion auf eine unbearbeitete und unverstandene Säkularisierungsbewegung an. Er weist darauf hin, dass mit den antisemitischen Vorstellungen vom Bösen alte theologische Konzepte in säkularer Form wiederauflebten. Zugleich aber macht er auch darauf aufmerksam, dass Wissenschaftler, die nationalsozialistische Ethik untersuchen und darstellen, davon ausgehen müssen, dass »gut« und »böse« menschliche Konzepte und nur als solche verständlich zu machen sind. Vor dem Hintergrund dieser Einsicht sollte die Frage hinsichtlich der nationalsozialistischen Verbrechen nicht mehr lauten: Wie konnten Menschen etwas tun, was böse ist?, sondern: Wie konnte es dazu kommen, dass »gut« und »böse« von Menschen auf eine Weise definiert wurde, die es ermöglichte, dass sich so viele mit gutem Gewissen an der Durchführung des Völkermords beteiligten? Viertens: Auch wenn Haas den Antijudaismus als entscheidende Wurzel der ethischen Vorstellungen der Nationalsoziali

Inhalt
Inhalt Einleitung 1. Das Projekt 7 2. Forschungsstand 12 3. Schwierigkeiten des Ansatzes 37 4. Ergebnisse: Aspekte nationalsozialistischer Moralphilosophie 56 4.1 Grundsätzliches 56 4.2 Moralbegründung 59 4.3 Einordnung in die Philosophiegeschichte 61 4.4 Weltanschauung 63 4.5 Geschichtsphilosophie 65 4.6 Ewige Aufgabe 66 4.7 Agonale Struktur 67 4.8 Individuum und Gemeinschaft 68 4.9 Führer, Hierarchie, Stände 70 4.10 Antisemitismus 71 4.11 Biologischer Rassebegriff 73 5. Schlussbetrachtung 75 Die Originaltexte 1. Althaus, Paul: Grundriß der Ethik (1931) 79 2. Bauch, Bruno: Grundzüge der Ethik (1935) 94 3. Baeumler, Alfred: »Vorlesung über Ethik« (1928) 121 4. Binder, Julius: Staatsraison und Sittlichkeit (1929) 135 5. Bollnow, Otto Friedrich: Das neue Bild des Menschen und die pädagogische Aufgabe (1934) 157 6. Borch, Herbert von: »Probleme der Gemeinschaft« (1934/35) 177 7. Dingler, Hugo: Das Handeln im Sinne des höchsten Zieles. Absolute Ethik (1935) 187 8. Dürckheim, Graf Karlfried von: »Zweck und Wert im Sinngefüge des Handelns« (1934/35) 215 9. Faust, August: Philosophie des Krieges (1942) 228 10. Freyer, Hans: Pallas Athene. Ethik des politischen Volkes (1935) 243 11. Gogarten, Friedrich: »Schöpfung und Volkstum« (1932) 248 12. Hartmann, Nicolai: »Sinngebung und Sinnerfüllung« (1934) 273 13. Hildebrandt, Kurt: Norm, Entartung, Verfall (1934) 302 14. Hirsch, Emanuel: Deutschlands Schicksal. Staat, Volk und Menschheit im Lichte einer ethischen Geschichtsansicht (1920) 317 15. Köhler, Rudolf: Ethik als Logik (1933) 343 16. Nohl, Herman: Einführung in die Philosophie (1935) 368 17. Schmaus, Michael: Begegnungen zwischen katholischem Christentum und nationalsozialistischer Weltanschauung (1933) 388 18. Schwarz, Hermann: Ethik (1925) 410 19. Usadel, Georg: Zucht und Ordnung. Grundlagen einer nationalsozialistischen Ethik (1935) 432 20. Wundt, Max: Deutsche Weltanschauung. Grundzüge völkischen Denkens (1926) 458 Quellen und Literatur 483 Personenregister 487

Produktinformationen

Titel: Vermeintliche Gründe
Untertitel: Ethik und Ethiken im Nationalsozialismus
Editor:
EAN: 9783593510316
ISBN: 978-3-593-51031-6
Format: Fester Einband
Hersteller: Campus
Herausgeber: Campus
Genre: 20. Jahrhundert (bis 1945)
Anzahl Seiten: 488
Gewicht: 764g
Größe: H219mm x B150mm x T37mm
Jahr: 2020
Untertitel: Deutsch
Land: DE
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