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Beschreibung
Yellowstone-Nationalpark, 1959: Eine Verlusterfahrung in der Kindheit hat die drei Reilly-Schwestern Claire, Bridget und Frannie zusammengeschweißt. Doch das enge Familiengefüge bröckelt, als Claire, die Älteste, ihre Schwestern und den Vater verlässt, um am R...Yellowstone-Nationalpark, 1959: Eine Verlusterfahrung in der Kindheit hat die drei Reilly-Schwestern Claire, Bridget und Frannie zusammengeschweißt. Doch das enge Familiengefüge bröckelt, als Claire, die Älteste, ihre Schwestern und den Vater verlässt, um am Rande des Yellowstone-Nationalparks mit dem attraktiven Viehtreiber Red eine neue Familie zu gründen. Es ist ein einfaches und nicht immer leichtes Leben, aber Claire ist zufrieden. Bis ihr Vater beschließt, ihre beiden Schwestern zu schicken, um sie zurückzuholen mit oder ohne Red. Das Auftauchen der angepassten, strebsamen Krankenschwester Bridget und des rebellischen Nesthäkchens Frannie wirbelt das Leben von Claire und Red ordentlich durcheinander. Plötzlich treten Bruchlinien und Spannungen zutage, die sich nicht nur durch Claires Herkunftsfamilie, sondern auch durch ihre Ehe ziehen. Als ein Erdbeben im Yellowstone-Park sie alle in größte Gefahr bringt, muss sich zeigen, wie stark ihr Zusammenhalt wirklich ist.
Autorentext
Stephanie Landsem schreibt historische Romane über spannende Frauencharaktere, deren Herausforderungen, Niederlagen und Erfolge auch Frauen von heute inspirieren. Sie hat vier erwachsene Kinder und lebt mit ihrem Mann, zwei Katzen und einem Hund in Minnesota. www.stephanielandsem.com Instagram: stephanielandsem Facebook: Stephanie Landsem
Leseprobe
Claire Spätsommer 1959 West Yellowstone, Montana Es war schon acht Uhr und Red war immer noch nicht zu Hause. Claire schaute aus dem Küchenfenster, während sie das Geschirr vom Abendessen trocknete. Im Westen färbte sich der Himmel rötlich und nahm über den Rocky Mountains im Osten eine lavendelblaue Tönung an. In der Hoffnung, Red in der Abenddämmerung auf Rosie nach Hause reiten zu sehen, ließ sie ihren Blick über den Weg zum Fluss wandern. Die Espen zitterten im leichten Abendwind, aber von Red war keine Spur zu sehen. Sie versuchte, nicht an Reds Freund Dell zu denken, der im Yellowstone-Fluss ertrunken war. Oder an den Sonntagabend, als Red nach dem Abendessen mit dem Pickup zur Ranch gefahren war. Er müsse sich um eine Stute kümmern, hatte er gesagt. Er war erst nach Hause gekommen, als sie die kleine Jenny schon ins Bett gebracht hatte. Als Claire Red geheiratet hatte, hatte sie gewusst, dass sie ein anderes Leben erwartete als das in ihrer Heimatstadt Willmar, wo Papa jeden Abend pünktlich um Viertel nach fünf aus dem Warenhaus heimgekommen war. Reds Arbeit war unvorhersehbar. Vielleicht musste er heute Abend ein lahmes Pferd versorgen oder einen Zaun reparieren. Sie machte sich keine Sorgen. Claire ging ins Schlafzimmer, um nach Jenny zu sehen. Sie hatte sich wie ein kleiner Bär zusammengerollt und schlief friedlich. Claire berührte ihr weiches rötliches Haar, das so viel Ähnlichkeit mit der Haarfarbe ihres Vaters hatte und die letzten Strahlen der Abendsonne einfing. Claire ging durch die Hintertür auf die Koppel hinaus. Marigold wieherte leise und trabte zum Zaun. »Hallo, Schönheit.« Claire legte die Wange an Marigolds weichen Hals und atmete ihren angenehmen Pferdegeruch ein. Ihr Herzschlag beruhigte sich und sie atmete tief aus. Ihr hatte es vor Überraschung die Sprache verschlagen, als bei ihrer Ankunft in Riverside ein Pferd auf sie gewartet hatte. Ihr eigenes Pferd. Sie war auf Anhieb von dem goldbraunen Fell der Stute, ihrer cremefarbenen Mähne und ihrem hellen Schweif fasziniert gewesen. »Ich habe sie im letzten Herbst gekauft«, hatte Red geantwortet. »Als Hochzeitsgeschenk für dich.« »Im letzten Herbst?«, hatte Claire erstaunt gefragt. »Als ich nach Minnesota zurückfuhr und dir sagte, dass ich nicht wiederkomme?« Er hatte lächelnd auf seine Stiefel geblickt, wie er es immer machte, wenn er mit sich zufrieden war. Claire hatte ihn angestarrt und dann wieder ihr Geschenk bewundert. Sie war zu einem Sommerabenteuer in den Yellowstone-Nationalpark gekommen. Sie hatte nicht geplant, sich in einen Cowboy zu verlieben. Doch dann hatte sie Red Wilder kennengelernt. Red hatte Claire während ihrer stürmischen Romanze ein Dutzend Mal gebeten, ihn zu heiraten. Jedes Mal, wenn er gefragt hatte, hatte sie Nein gesagt. Doch Red hatte sich davon nicht beirren lassen. Marigold schnupperte auf der Suche nach ihrer Abendkarotte an Claires Hemdtasche. Als Claire in den Bus gestiegen war, um zu ihrem Leben in Minnesota zurückzukehren zu ihren Schwestern, ihren Schülern an der Schule in Tara, zu ihrem Vater , hatte sie sich unmissverständlich von Red verabschiedet. Aber Red hatte nicht aufgegeben. Er hatte ihr ein Pferd gekauft und war im nächsten Frühjahr nach Minnesota gefahren, wo er im grauen Frühlingsschnee vor der Schule gestanden und ein letztes Mal um ihre Hand angehalten hatte. Sie hatte Ja gesagt. Claire fischte die Karotte aus ihrer Tasche, und Marigold nahm sie mit ihren weichen Lippen vorsichtig von ihrer Handfläche. Red hatte die Hoffnung auf sie und ein gemeinsames Leben mit ihr nie aufgegeben. Als der Zeiger der Uhr auf zehn stand, trat Claire vom Küchenfenster weg und ging nervös zur Haustür. Sie versuchte zu beten. Warum war es so leicht, Gott in der Schönheit eines Sonnenuntergangs oder in der Majestät der Berge zu erkennen und mit ihm zu sprechen, aber hier in der Dunkelheit fühlten sich ihre Worte so leer und nutzlos an? Sie schaltete das Radio ein, stellte es aber leise, um Jenny nicht zu wecken. An den meisten Tagen störte es sie nicht, dass das Telefon abgestellt war, aber heute Abend hätte sie gern auf der Sunnyslope Ranch angerufen, um in Erfahrung zu bringen, wo Red so lange blieb. Oder um wenigstens ein langes Telefongespräch mit ihrer Schwester Bridget zu führen und sich von der quälenden Frage abzulenken, wo Red so spät abends sein könnte. Sie und Bridget hatten sich seit Weihnachten nicht mehr richtig unterhalten und selbst damals hatten sie ihr Gespräch kurz gehalten, weil Ferngespräche so teuer waren. Das Heimweh überrollte Claire wie eine Flutwelle und das Schweigen im Haus machte ihr schmerzlich bewusst, wie allein sie in Riverside war. Sie würde Bridget schreiben. Das war vielleicht genau die Ablenkung, die sie brauchte. Sie holte ihr Briefpapier und den Füller, den ihr Papa zum achtzehnten Geburtstag geschenkt hatte. Liebe Bridget Nach ihrer überstürzten Heirat waren Claire und Red in ihr neues Zuhause in Riverside gefahren und sie war seitdem nicht mehr zu Hause gewesen. Doch nun, wo sie allein in dem einsamen Haus saß, erschien ihr das Zuhause bei ihrer Familie himmlisch. Ihr altes Zimmer und lange Gespräche mit Bridget. Ihre Freundinnen und das vertraute Umfeld. Es wäre sogar nett, ihre jüngste Schwester Frannie wiederzusehen. Als plötzlich jemand an die Tür klopfte, zuckte Claire vor Schreck so stark zusammen, dass ihr Briefpapier auf den Boden flatterte. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen. Red würde nicht klopfen. Sie zwang sich, tief einzuatmen, und stand mit zittrigen Beinen auf. Wenn sie die Tür öffnete, stünde hoffentlich nicht der Sheriff mit seinem Hut in den Händen, todernster Miene und einer schrecklichen Nachricht vor ihr. Sie ging durch das winzige Wohnzimmer zur Haustür und zog sie auf. Bucky stand im kalten Licht der Verandalampe vor ihr. Er nahm seinen Hut ab und blickte auf seine Stiefel hinab. Sein hellblondes Haar klebte an seinem Kopf. Sie wartete, da ihr Mund zu trocken war, um etwas sagen zu können. Ihr Puls hämmerte in ihren Ohren. Schließlich brachte er die Worte über die Lippen. »Red kommt heute Nacht nicht heim.« Claire schluckte. »Wo ist er, Bucky?« In einem Fluss? Am Fuß einer Felswand? Im Krankenhaus? Bucky brachte mühsam heraus: »Im Gefängnis.« Claire war verwirrt. Im Gefängnis? Das konnte unmöglich wahr sein! »Ich wäre früher gekommen, aber « Bucky drehte den Hut in seinen Händen. Seine Fingerknöchel waren rot, und als er das Gesicht hob, sah sie im Verandalicht seine aufgesprungene Lippe. Buckys Stimme sank zu einem Murmeln herab, das sie nur mit Mühe verstehen konnte. »Red muss bis morgen früh bleiben, hat der Sheriff gesagt.« * * * Cla…