

Beschreibung
Rassismus ist weiterhin ein drängendes Problem in Deutschland, das das Zusammenleben von Personen unterschiedlicher Herkunft beeinträchtigt oder ganz zerstört. Rassismus schädigt das gesellschaftliche und kulturelle Klima und kann wie nicht zuletzt die NSU-Mor...Rassismus ist weiterhin ein drängendes Problem in Deutschland, das das Zusammenleben von Personen unterschiedlicher Herkunft beeinträchtigt oder ganz zerstört. Rassismus schädigt das gesellschaftliche und kulturelle Klima und kann wie nicht zuletzt die NSU-Morde zeigen zu Mord und Totschlag führen. Er bewirkt massive Ausgrenzungen und wirft emanzipatorische Konzepte des gesellschaftlichen Umgangs immer wieder weit zurück. Schauplätze sind sowohl institutionelle Ebenen wie auch die Medien und der Alltag. Um dagegen substantiell vorzugehen, hat sich in Deutschland seit den 1980er Jahren eine Rassismusforschung herausgebildet, die versucht, das Wirken ausgrenzender Diskurse in der Gesellschaft zu analysieren und offenzulegen. Damit will diese Forschung all jenen in Politik und Zivilgesellschaft zuarbeiten, die Rassismus und seine destruktiven Kräfte bekämpfen wollen. Bedingt durch kulturelle und ökonomische Entwicklungen haben sich jedoch die Formen, in denen sich Rassismus in der Gesellschaft artikuliert, in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert. Mit solchen diskursiven Verschiebungen beschäftigen sich die Beiträge in diesem Buch. Das gemeinsame Anliegen der Autorinnen ist es, durch die Analyse von Ursachen und Mechanismen herabsetzender Markierungen und stigmatisierender Ausgrenzungen einen geschärften Blick auf dominante rassistische diskursive Verschränkungen und Praxen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Handlungsfeldern zu gewinnen. Im Spannungsfeld von Skandalisierung und Normalisierung von Rassismus, das in Deutschland derzeit anzutreffen ist, sollen so "blinde Flecken" benannt werden, die eine demokratische und emanzipative Zivilgesellschaft verhindern. Dadurch sollen Impulse für eine antirassistische Praxis gegeben werden, in der ein Mehr an Respekt und Menschlichkeit entstehen kann. Mit Beiträgen von Susan Arndt, Thomas Bryant, Sebastian Friedrich, Jessica Heun, Margarete Jäger, Heiko Kauffmann, Karl Kopp, Sara Madjlessi-Roudi, Jobst Paul, Thomas Quehl, Nora Räthzel, Sebastian Reinfeldt, Yasemin Shooman, Albert Riedelsheimer, Regina Wamper und Aram Ziai
Autorentext
Margarete Jäger ist Leiterin des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS). Sie arbeitet seit Jahren zu rassistischen, rechtsextremen und sexistischen Diskursen. Heiko Kauffmann, ehemals Sprecher von Pro Asyl, publiziert seit Jahren zu Flüchtlingspolitik, Integration und institutionellem Rassismus.
Klappentext
Die Rassismusforschung hat sich in den letzten Jahrzehnten als ein produktives und in gesellschaftliche Prozesse eingreifendes wissenschaftliches Betätigungsfeld erwiesen. Ein Blick auf ihre aktuellen Ergebnisse zeigt, dass sich jedoch die Formen und Vermittlungen rassistischen Wissens in den letzten Jahren gewandelt haben. Rassismus verknüpft sich mit sozialen und ökonomischen Diskursen. Dabei bleibt seine ausgrenzende und ausschließende Funktion konstant. Die Beiträge thematisieren sowohl die institutionellen Verfestigungen von Rassismus wie neuere diskursive Verknüpfungskonstellationen. Ausgehend davon werden Entwicklungen und Perspektiven der Rassismusforschung diskutiert und die Frage danach aufgeworfen, inwieweit sie zur Entwicklung von Gegenstrategien beitragen können.
Inhalt
Margarete Jäger / Heiko Kauffmann: Skandal und doch normal. Einleitung 5 Teil I Institutionelle Verfestigungen von Rassismus Karl Kopp Europa lässt sterben. Arabischer Frühling flüchtlingspolitischer Winter 16 Albert Riedelsheimer Institutioneller Rassismus in der deutschen Flüchtlingspolitik 27 Heiko Kauffmann Kinder-Flüchtling(s)-Rechte: Eine unendliche Geschichte politischen Versagens 36 Heiko Kauffmann Der Fall Gazale Salame und Ahmed Siala aus Hildesheim. Ein Lehrstück zum Institutionellen Rassismus 41 Thomas Quehl Ein Klassenzimmer voller Diskurse Rassismuskritische Anmerkungen zur Bildungspolitik in der Migrationsgesellschaft 48 Jobst Paul Das Entwürdigende in Worte fassen. Das Unwort des Jahres 2011 verweist auf die kulturelle Dimension des Institutionellen Rassismus 68 Jessica Heun Rechtlicher Schutz vor rassistischer Diskriminierung: Das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) unter der Lupe 79 Teil II Diskursive Verknüpfungen Sebastian Friedrich Die diskursive Erschaffung des nutzlosen Anderen. Zur Verschränkung von Einwanderungs- und Unterschichtendiskurs 96 Sara Madjlessi-Roudi 'Zwangsrekrutierte Stöckelbrigaden' aus Osteuropa und 'Täternetzwerke' aus dem 'ethnischen Milieu' Zur Koppelung von Rassismus und Sexismus 112 Margarete Jäger und Regina Wamper Die Anschläge in Norwegen in deutschsprachigen Medien. Zur Verknüpfung von Terror und Islam sowie Rechtsextremismus und Krankheit 126 Teil III Formen und Vermittlungen von Rassismus Sebastian Reinfeldt Populismus eine politische Technologie 146 Yasemin Shooman Vom äußeren Feind zum Anderen im Inneren. Antimuslimischer Rassismus im Kontext europäischer Migrationsgesellschaften 159 Thomas Bryant Rassistische Implikationen des aktuellen Demographie-Diskurses Eine Bestandsaufnahme aus geschichtlicher Perspektive 172 Teil IV Forschungsperspektiven Nora Räthzel 30 Jahre Rassismusforschung. Begriffe, Erklärungen, Methoden, Perspektiven 190 Susan Arndt Dem Rassismus widersprechen. Afrika, Kolonialismus und die deutsche Sprache 221 Aram Ziai Europa provinzialisieren. Der Beitrag der postkolonialen Studien zur Rassismusforschung 236 Über die Autorinnen 254