



Beschreibung
"Nein" ist eines der einfachsten und zugleich schwierigsten Worte. Jeder Burnout-Erkrankte tut sich schwer damit - doch wieso ist das so? Was vor wenigen Jahren noch ein Tabuthema war, tritt immer häufiger auf. Allein in den letzten 15 Jahren hat sich die Burn..."Nein" ist eines der einfachsten und zugleich schwierigsten Worte. Jeder Burnout-Erkrankte tut sich schwer damit - doch wieso ist das so? Was vor wenigen Jahren noch ein Tabuthema war, tritt immer häufiger auf. Allein in den letzten 15 Jahren hat sich die Burnout-Rate versechsfacht. Tendenz steigend. Patricia Zinnecker erklärt anhand ihrer persönlichen Geschichte im Unternehmertum die Diagnose Burnout, wie es entsteht, wie es sich ankündigt und vor allem welche Wege herausführen, wenn man bereits mitten drin steckt. Für alle, die an einer positiven Wende in ihrem Leben arbeiten.
Autorentext
Mit nur 27 Jahren hat Patricia Zinnecker (*1992) neben einem Master-Abschluss mit Schwerpunkt in der Sprachpsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München bereits internationale Erfahrung im Unternehmertum gesammelt. Dabei spielen Sprache und Kommunikation in ihrem Leben eine wichtige Rolle. So lautete der Titel ihrer Master-Thesis "Der Einfluss der Sprache auf den persönlichen Erfolg". Bereits während ihres Studiums baute sie Firmen in Hong Kong und Singapur auf, jahrelang arbeitete sie mindestens 80, oftmals sogar bis zu 100 Stunden pro Woche. Nicht ohne Folgen: zurück in München erlebte Patricia Zinnecker ein Burnout. Dies nahm sie zum Anlass sich eine mehrmonatige Auszeit zu nehmen, bei der aus ihrem Tagebuch dieses Buch entstanden ist. Damit möchte sie anderen Menschen Zugang geben, diese schwierige Phase wie sie selbst erfolgreich zu überwinden und daraus gestärkt hervorzugehen. Ihr Ziel ist es, auch anderen zu der Erkenntnis zu verhelfen, dass es die Perspektive im Leben erhellt, das richtige Maß zu erkennen: die eigenen Ziele nicht verbissen anzugehen, sondern dabei dem Fluss des Lebens zu vertrauen.
Leseprobe
Ein sonniger Samstagmorgen im September um kurz nach elf Uhr Ich bin auf unbestimmte Zeit alleine in eine Auszeit gefahren und liege in meinem Zimmer in Montegiove, einem kleinen Ort im malerischen Umbrien in der Mitte Italiens. Selbst das Liegen finde ich anstrengend. Ich möchte nichts unternehmen. Dazu ist mein Körper zu k.o. und ich habe zudem auch noch Kopfweh, was sich gerade in eine Migräne verwandelt. Die letzten Monate und Jahre habe ich einfach auf Autopilot funktioniert. Nie habe ich etwas hinterfragt, ob es mir Spaß machte oder ich die Energie oder gar Lust dazu hatte. Bzw. habe ich mich hinterfragt, allerdings viel zu oberflächlich. Man könnte von einer Pseudo-Reflektion sprechen. Mein Ziel war glasklar vor Augen: Eine profitable Firma aufzubauen, damit ich danach dank Dividenden mehr Freizeit haben sollte und mir alles leisten könnte, was ich wollte. Koste es was es wolle. Ganz zu schweigen von annähernd normalen Arbeitszeiten. Es gab Zeiten, da habe ich mich sogar bei solchen Gedanken ertappt. Schließlich wollte ich schneller weiter höher hinauskommen. Es musste einiges passieren, bis ich die Augen aufmachte. In den letzten Jahren gründete ich ein paar Firmen im Bereich Startup Consulting, Copywriting und Marketing, arbeitete mit den verschiedensten Kunden und hatte bei manchen Projekten Partner. Manche von ihnen erwarteten, dass ich rund um die Uhr erreichbar sei. Sie genossen es, wenn andere Menschen Feierabend oder an Sonn- und Feiertagen frei machten. Denn so könnte man selbst mehr arbeiten und sich jenen gegenüber, die nicht sieben Tage die Woche arbeiteten, einen Vorsprung sichern. Ich wollte mithalten und wuchs immer mehr über mich hinaus. Auch wenn das bedeutete, dass ich fast durchgehend erreichbar war. Es kam überhaupt nicht in Frage schlapp zu machen. Immer wieder hörte ich von anderen Jungunternehmern: Wer bremst, verliert. Aus Angst zu verlieren sah ich keine Möglichkeit, diesem Teufelskreis zu entkommen. In jeder Instagram-Story, jedem LinkedIn-Artikel oder Facebook-Post wird motiviert mehr Vollgas zu geben. Schneller, höher, weiter, besser. Mehr, mehr, mehr. Wie könnte ich da nun auf die Idee kommen, mal einen Gang herunterzuschalten oder gar einen vollständigen Tag meinen Laptop nicht hochzufahren? Feier- und Sonntag wurden genauso oft ignoriert. Auch wenn ich versuchte, jene Tage mir freizuhalten, wurde ich dennoch kontaktiert. Ich versuchte hart zu bleiben und teilte meine Kommunikationskanäle auf. E-Mail und Telegram galten der Arbeit, mein Whatsapp-Account ausschließlich Privatem und Notfällen. Doch meine Kunden und Partner hielten sich nicht daran. Erhielten sie keine schnelle Antwort per E-Mail oder Telegram, so sendeten sie mir eine Whatsapp-Nachricht. Obwohl ich nicht antwortete, erinnerten diese Nachrichten mich daran, dass anscheinend nur ich an diesem Tag faul war. Mein Kopf ratterte also nichtsdestotrotz. Kein Augenblick von Entspannung, schon gar nicht am Tag danach. Jeder Montagmorgen bzw. Tag nach dem Feiertag hieß direkt doppelte Arbeit für mich, da ich einiges aufzuarbeiten hatte. Nun kommt die ungeschickte Kombination daraus zusammen, dass ich, die Perfektionistin, mir Workaholics zur Zusammenarbeit herausgesucht hatte. Wenn ich etwas erledige, dann zu hundertzehn Prozent. Ich weiß - ungute Idee. Im Endeffekt erhöht es nur meinen eigenen Stresspegel. Ja, meist ist es besser, Dinge lockerer zu sehen. Das weiß ich heute auch. So oder so sah ich keine Möglichkeit, mein Hamsterrad zu verlassen. Ich glaubte, daran gebunden zu sein. Es musste ja schneller, höher, weiter, besser gehen. Ich war überzeugt, dass meine Kunden mich brauchten und eine Veränderung keine Option war, ohne dass ich meine komplette berufliche Karriere ruinieren würde. Bis mir meine Freundin Silke vor zwei Monaten mitgeteilt hat: Denk dran. Wenn wir jung sind, arbeiten wir unsere Körper und unsere Gesundheit kaputt, um viel Geld zu verdienen. Und wenn wir alt sind, brauchen wir all das Geld, um unsere Gesundheit wieder zu erlangen. Sie hatte damit so unfassbar Recht. Dieser Satz riss mich aus all meinen bisherigen Gedanken, Entschuldigungen und Denk-Karussells. Mein Hautausschlag, meine Schlafstörungen, mein Herzrasen, mein Zittern, meine Antriebslosigkeit, mein Magenprobleme, mein Ohrensausen, meine Unzufriedenheit und innere Unruhe und vor allem meine Aggression gegenüber meinen Mitmenschen waren unzählige Anzeichen, die ich alle ignoriert hatte. Selbst extremes Ohrensausen mit einer Kieferhöhlen- und Nebenhöhlenentzündung haben mich nicht aufgehalten. Noch während der Behandlung meines Hals-Nasen-Ohren-Arztes hatte ich mein Handy in der Hand, um erreichbar zu sein. Spätestens in diesem Moment hätte ich das von mir selbst erbaute, sinkende Schiff verlassen sollen. Doch ich blieb weiter rund um die Uhr erreichbar. Erst eine Panik-Attacke mit Atemnot und körperlichem Zusammenbruch brachte mich zum Umdenken. Es ging nichts mehr. Ich saß auf meinem Bürostuhl und starrte meine Bildschirme an. Minuten vielleicht Stunden lang Es ging nichts. Es war selbst zu anstrengend auf den Computerknopf zu drücken. Es war zu anstrengend aufzustehen. Es war zu anstrengend zu denken. Ich saß einfach nur da und wartete ab, dass es irgendwie von allein besser werden würde. Doch dann kam mir ein Gedanke in den Sinn: Während ich hier tatenlos herumsaß, türmte sich mein Berg an Aufgaben noch weiter auf. Und dann würde ich es erst recht nicht schaffen. Ich musste. Ich hatte keine Wahl. Ich musste wieder arbeiten. Auch wenn es Samstag war. Heute und morgen musste ich ran. Meine Gedanken kreisten immer schneller, mein Atem wurde immer schneller. Ich konnte mich nicht mehr beruhigen. Ich war allein. Wusste nicht, was zu tun ist. Wie die Tage davor, zitterte ich auch an jenem Tag am ganzen Körper und hatte Herzrasen. Ich ging in Tränen auf. Sollte mein Herz noch einen Schlag schneller werden, würde es mir in der Brust zerspringen. In diesem Moment stieg alle Panik auf: War das ein Herzinfarkt? Werde ich gleich sterben? Meine Atmung wurde immer schneller, mein Herzschlag auch, meine Tränen nahmen mir die letzte Möglichkeit zu atmen. Bis ich schließlich gar keine Luft mehr bekam. Mit letzter Kraft versuchte ich aufzustehen, u…