Willkommen, schön sind Sie da!
Logo Ex Libris

Der Junge ohne Schatten
Michael Roads

Wunder - erzählt und erlebt Der Roman, der esoterisches Wissen in spannende Unterhaltung verpackt: eine mythische "Heldenreise" in... Weiterlesen
Taschenbuch (kartoniert), 464 Seiten

Teilen

20%
13.50 CHF 10.80
Auslieferung erfolgt in der Regel innert 4 bis 5 Werktagen.

Andere Kunden kauften auch

Beschreibung

Wunder - erzählt und erlebt Der Roman, der esoterisches Wissen in spannende Unterhaltung verpackt: eine mythische "Heldenreise" in der Welt von heute, die durch alle Höhen und Tiefen der Liebe zur Wahrheit führt. Ein Buch, das mehr Inspiration für das eigene innere Wachstum geben kann als so mancher Ratgeber.

»Michael Roads ist ein moderner Barde, ein brillanter Erzähler von Geschichten der Seele, die den Menschen heute so berühren wie vor Tausenden Jahren.«

Autorentext
Michael Roads, ein gebürtiger Engländer, lebt seit vielen Jahren im tiefsten Innern des australischen Kontinents, den er allerdings mehrere Monate im Jahr verlässt, um Vorträge und Seminare in Europa und Amerika zu halten. Er ist einer der großen Erzähler der spirituellen Szene.

Klappentext

Wunder - erzählt und erlebt

Der Roman, der esoterisches Wissen in spannende Unterhaltung verpackt: eine mythische »Heldenreise« in der Welt von heute, die durch alle Höhen und Tiefen der Liebe zur Wahrheit führt. Ein Buch, das mehr Inspiration für das eigene innere Wachstum geben kann als so mancher Ratgeber.



Zusammenfassung
Wunder erzählt und erlebt

Der Roman, der esoterisches Wissen in spannende Unterhaltung verpackt: eine mythische »Heldenreise« in der Welt von heute, die durch alle Höhen und Tiefen der Liebe zur Wahrheit führt. Ein Buch, das mehr Inspiration für das eigene innere Wachstum geben kann als so mancher Ratgeber.



Leseprobe
Eins

Ich humpelte den Strand entlang. Mein linkes Bein fühlte sich leicht taub an und spielte nicht richtig mit. Schmerz ist ein fieser Kumpan, und meine Laune war dementsprechend, als mein Blick über die Wellen schweifte, die sich sanft im Sand verloren.
Langsam arbeitete ich mich am sonnigen Strand der Sunshine Coast von Queensland vorwärts, während ich bei jedem Schritt tief in den nachgiebigen weißen Sand einsank. Einsam und verlassen, so war mir der Strand am liebsten. Kleine weiße Wellen eilten über das blaue Meer, jede ein Wunder an Vollkommenheit, die eilig ihrer Vorgängerin nachjagte.
Ich liebe die Natur seit langem, und dieser einsame, unverdorbene Strand zog mich immer wieder an. Ich presste die Lippen zusammen, denn der Schmerz durchbohrte mich und erinnerte mich daran, dass Spaziergänge in weichem Sand für mich wohl nicht mehr zu den geeigneten Entspannungstechniken zählten. Heute war einer meiner Trotztage - ein Tag, an dem ich sagte: »Zur Hölle mit allem!«, und dementsprechend handelte.
Ich legte mich in den Sand, um den klopfenden Schmerz zu lindern, und blickte aufs Meer. Ich seufzte tief und dachte an den Unfall, der mich mit diesem ungewollten Erbe belastete. Damals war mir das Ereignis unbedeutend erschienen, ein kleiner Zwischenfall, dem ich kaum Beachtung schenkte. Ich baute einen Schuppen und wollte gerade den Hauptbalken für das Dach einsetzen. Dieser Trägerbalken war schwer, sehr schwer, doch ich war stark und topfit - zu stark, dachte ich, als ich die letzten Jahre an mir vorüberziehen ließ. Ich hatte versucht, den riesigen Balken allein an die richtige Stelle zu schieben, und als es mir gelungen war, hörte ich ein leises Geräusch wie von einem sanften Händeschlag. Eine Bandscheibe in meiner gestreckten, verletzlichen unteren Wirbelsäule riss. Seitdem verfolgte mich der Schmerz auf Schritt und Tritt.
Die Sonne war sehr warm, und ich döste eine Weile vor mich hin. Vielleicht war eine halbe Stunde vergangen. Plötzlich fuhr ich ohne nachzudenken mit einem alarmierenden Gefühl hoch. Wie ein sanfter elektrischer Schlag durchströmte mich ein verrücktes Gefühl, und trotz der Hitze schauderte ich.
Ich war gern allein am Strand und verlor mich in Gedanken und Tagträumereien. Für mich war das Leben ein Geheimnis -ein großes unbegreifliches Unbekanntes, das wir Menschen offenbar mehr schlecht als recht bewältigen. Das Leben besiegt so viele Menschen von uns ... Meine Gedanken schlugen gerade einen vertrauten Pfad ein, als ich den toten Fischadler sah. Merkwürdigerweise durchfuhr mich erneut ein Schauder.
Ich wusste sofort, was es war. Ich kenne meine Vögel. Manchmal wird er Seeadler oder Fischhabicht genannt, doch der Fischadler gehört zu einer besonderen Rasse. Er lag wie ein schmutziger, lederfarbener Schal am Wassersaum, und seine Flügel wogten sanft auf den auslaufenden Wellen.
Ich lief die etwa zehn Meter zu ihm hin, kniete nieder und hob ihn auf. Im Tod sah er verloren und mitleiderregend aus. Wahrscheinlich war er seit mindestens vierundzwanzig Stunden tot; seine Pracht war dahin. Nie wieder würde er in stiller Meisterschaft schweben, ein gefallener Held des Himmels, die Lider fest geschlossen über den eingesunkenen Augen, das Brustbein ein scharfer, nasser Keil. Erstaunlicherweise hatten ihn die Krebse noch nicht angefressen, doch ich wusste, dass sie, wenn er zu stinken begänne, rasch angelockt würden.
Ich stand auf, den Fischadler in den Händen. Es waren nicht wirklich seltene Vögel. Ich hatte ihnen oft stundenlang zugesehen, wie sie ihre fliegerischen Kunststücke dazu einsetzten, sich Fische aus den Wellen zu schnappen. Fischadler waren Vögel, die ich bewunderte. Doch dieser hier hatte seine Schönheit verloren, denn er war tot, daran bestand kein Zweifel. Er war so kalt wie das Meer, tropfnass, schlaff und leblos. Ich überlegte, ob ich ihn im Sand begraben sollte, und lachte dann im Stillen über meine morbide, sentimentale Dummheit. »Kann ich ihn sehen?«
Die Stimme löste mehr als Erschrecken in mir aus. Ich sprang abrupt und heftig auf, stolperte und rüttelte meinen Rücken derart durch, dass ich vor Schmerzen fast der Länge nach hingefallen wäre. Mir lag eine wütende Antwort auf der Zunge, doch ich schluckte sie hinunter, atmete tief durch und versuchte, mich wieder zu fangen. »Äh ... ja, warum nicht?«, grollte ich missgelaunt.
Ein eher dicklicher Jugendlicher stand vor mir, blond, mit rundem, freundlichem Gesicht, und schaute mich aus großen, offenen Augen an. Er wirkte etwas erstaunt; sein pummeliger Körper steckte in schlampigen dunkelgrünen Shorts, und ein schreiend orangefarbenes T-Shirt hing ihm wie ein Sack bis fast zu den Knien.
Als sich unsere Blicke trafen und er nicht auswich, fühlte ich mich unbehaglich. Obwohl er körperlich überhaupt nicht anziehend wirkte, umgab diesen Jungen eine unerklärliche Präsenz, die ich noch nie zuvor bei einem Menschen und schon gar nicht bei einem Jungen erlebt hatte. Das brachte mich einigermaßen aus der Fassung. Jugendliche verhalten sich sonst eher zurückhaltend, weil ihnen die Selbstsicherheit der Erwachsenen fehlt. Doch dieser Junge war anders. Er sah aus wie ein Trottel, aber seine Augen hielten meinem Blick ohne die leiseste Zurückhaltung stand. Diese Augen schienen überhaupt nicht zum Körper zu passen, denn sie blickten klar, hart und durchdringend. Ich fühlte mich, als schaute er durch mich hindurch und in mich hinein.
Meine Arme zuckten, als ich ihm den Fischadler ungeschickt überreichen wollte, und er fiel zwischen uns in den Sand. Er wirkte schlaff und bewegungslos wie ein Lumpen. Keiner von uns machte Anstalten, ihn aufzuheben.
»Nur ein toter Fischadler«, sagte ich, um die Stille zu durchbrechen und mein Unbehagen über das plötzliche und unerwartete Erscheinen des Jungen abzumildern. Wieder durchströmte mich ein schwaches elektrisches Kribbeln und trug noch zu meiner Verwirrung bei.
»Äh . wie zum Teufel bist du hierher gekommen? Der Strand war leer, als ich den Vogel aufhob... und plötzlich warst du da!«
»Offensichtlich haben Sie mich übersehen«, antwortete der Junge beruhigend.
Thema beendet! Dieses Gefühl empfand ich bei seinen Worten, und obwohl ich instinktiv wusste, dass ich mich nicht geirrt hatte, fühlte ich mich seltsam machtlos, dagegen anzugehen oder gar mit ihm zu diskutieren.
Lässig bückte sich der Junge und hob den toten Fischadler auf. Er hielt ihn an der Brust, den Kopf nach vorn gerichtet, wie ein Modellflugzeug. Eine Weile blickte er ihn gedankenverloren an, während seine Augen sich, parallel zu seinen inneren, stillen Überlegungen, zu Schlitzen verengten. Zu meinem Ärger sprang er plötzlich auf, rannte den Strand entlang und hielt den Fischadler, dessen Flügel grotesk auf- und niederwippten, hoch über den Kopf.
Obwohl der Junge dick war, rannte er schnell und bewegte sich wie ein schlanker Sprinter über den weißen Sand. Ich war so schockiert über seine Gefühllosigkeit, dass er schon weit weg war, als ich endlich reagieren konnte.
»He! Du Idiot! Komm sofort zurück!«
Zornig lief ich hinter ihm her, und da ich fest entschlossen war, ihn zur Rede zu stellen, gelang mir ein schneller, hinkender Spurt. Der Fischadler mochte tot sein, doch er war immer noch ein Geschöpf der Natur, dem Respekt gebührte.
Statt vor mir wegzurennen, beschrieb der Junge rasch einen großen Kreis, kam direkt auf mich zu und - mein Begriff von Normalität fand ein jähes, schockierendes Ende.
Mit ungläubig geweiteten Augen beobachtete ich, wie der Junge den Arm zurücknahm und den Fischadler unglaublich hoch in die Luft schleuderte. Mit offenem Mund sah ich, wie der Vogel die Flügel ausbreitete und sich von einem Luftstrom immer höher tragen ließ. Dann stieß er einen Triumphschrei aus.
Meine Wirklichkeit brach in sich zusammen, und ich sank in die Knie, weil meine Beine ob dieser vollkommenen Unmöglichkeit ihren Dienst versagten. Kniend und völlig verblüfft beobachtete ich, wie sich der Fischadler nun wieder zu dem Jungen herabschraubte, dessen ausgestreckte Hand mit der Flügelspitze berührte und dann mit einem Windstoß wieder aufstieg. Ich sah, wie der Fischadler immer höher flog, bis er schließlich im blendenden Sonnenlicht zu verschwinden schien. Ein unfreiwilliges Stöhnen entrang sich mir, während ich mich an meine geistige Unversehrtheit klammerte. Der Junge kam zu mir gelaufen und schaute mich mitfühlend an.
»Ist alles in Ordnung?«, fragte er.
»Wie?«, keuchte ich, »wie?«
Der Junge lächelte, Fältchen bildeten sich um seine Augen, und sein Mund wirkte offen und großzügig. »Warum? Das ist die richtige Frage. Nicht wie.«
Ich starrte ihn benommen an und zwinkerte eulenhaft, während ich mich bemühte, seine Worte zu überdenken. »Warum? Warum zum Teufel sollte mich das Warum interessieren? Wie? Das muss ich wissen.«
Der Junge hockte sich neben mich, lächelte, und jetzt befanden sich unsere Augen auf derselben Höhe. Seine Energie brachte mich durcheinander, denn ich konnte die Kraft fühlen, die von ihm ausging, eine Kraft, die mir völlig unbekannt war.
»Das Wie könnte schwer für dich zu verstehen sein. Das Warum ist wichtig«, insistierte er.
Das merkwürdige surreale Gefühl, das sich seit der Ankunft des Jungen eingestellt hatte, hielt an. Ich spürte, dass ich mich nicht mehr im gewohnten Zeitrahmen befand, denn alles hatte die Beschaffenheit eines unerbittlichen Traums.
»Ich muss schlafen, träumen«, erklärte ich.
Der Junge nickte ernst. »Genau deshalb bin ich hier.«
Ich schaute ihn mit zusammengekniffenen Augen an und gab mir dann einen entschlossenen, harten Schlag auf die Wange. Es tat weh.
»Ich schlafe nicht«, protestierte ich.
»O doch, das tust du«, antwortete der Junge mit amüsiertem Gesichtsausdruck.
Wir hatten uns festgehakt und starrten einander an. Plötzlich begann der Junge zu kichern. Sein Lachen hatte etwas Ansteckendes, oder vielleicht eher etwas Zwingendes. Er angelte mich wie einen Fisch, und ich zitterte und keuchte.
Als ich zu lachen begann, löste sich der Schock über das, was ich gesehen hatte, und allmählich wurde mein Gelächter wirklicher, authentischer. Doch es erstarb rasch, und ich begann still zu weinen. Die Tränen wurden nahezu aus mir herausgepresst, was noch zu meiner Verwirrung beitrug. Ich war schockiert. Was ich gerade gesehen hatte, war einfach zu viel. Tote Vögel fliegen nicht, unter gar keinen Umständen - doch dieser Fischadler hatte es getan!
Meine Bestürzung half mir auch nicht weiter, doch als ich dem Blick des Jungen begegnete, wusste ich, dass er verstand. Verdammt, ich wurde das Gefühl nicht los, dass er diesen emotionalen Ausbruch geradezu provoziert hatte! Als ich mich endlich beruhigt hatte, sah ich ihn an und hielt seinem Blick stand. Ich schaute in tiefblaue Augen, die so alt wirkten, dass sie unmöglich zu diesem jungen Gesicht gehören konnten.
Mit großer Anstrengung brachte ich ein Lächeln zustande. »In Ordnung. Sag mir, warum. Dann, vielleicht, wie. Wer bist du überhaupt?«
Der Junge streckte mir die Hand entgegen. »Ich bin Selph.« »Sel ...! Wie schreibt sich das?« »S - e - l - p - h.«
Ich schüttelte ihm die Hand. »Selph, und weiter? Oder ist Selph dein Nachname?«
»Nichts weiter. Nur Selph.«
»Das ist blödsinnig. Du musst mehr als einen Namen haben.«
»Warum? Spielt das eine Rolle?«
»Also, du musst Selph irgendwer sein oder irgendwer Selph. Ich möchte es gern wissen.«
»Warum muss ich Selph irgendwer oder sogar Selph überhaupt wer sein? Was stimmt nicht mit Selph?«
Ich war gründlich verwirrt. Dieser Junge war überhaupt nicht zurückhaltend, er hatte nichts von der Achtung, die Jugendliche dem Alter und der Lebenserfahrung eines Erwachsenen für gewöhnlich zollen.
»Gut, wenn du mir nichts verraten willst, ist das deine Sache. Ich heiße Adam.«
Er lächelte wissend. »Ja, ich weiß. Adam Frederick Sebastian Baker, um es genau zu sagen.«
Das verdutzte mich. Ich hatte niemandem jemals meinen vollständigen Namen verraten, außer meiner getrennt von mir lebenden Frau Amber. Meine Schwester Kate und meine Eltern kannten ihn natürlich auch. »Woher weißt du das?«, verlangte ich zu wissen. »Wie kannst du mich kennen? Ich habe dich noch nie gesehen.«
»Meinst du damit, dass ich dich nicht kennen darf?«
Ich stöhnte auf. »Jesus! Kannst du dich auch vernünftig ausdrücken? Um Himmels willen, alles, was du sagst, führt im Kreis herum. Wer zum Teufel bist du?«
»Ich bin dein Lehrer!«
Mein Kiefer sank herab, und ich glotzte ihn an. »Du bist wer?«
Er sprang mit geschmeidiger, unnatürlicher Leichtigkeit auf die Füße und streckte mir die Hand entgegen. »Ich bin dein lange erwarteter Retter«, sagte er spöttisch und verbeugte sich tief vor mir. Ich schlug seine Hand weg. Sprachlos vor Zorn blieb ich sitzen und fluchte vor mich hin.
»Hilft dir das?«, fragte er ernst.
Verwirrt und wütend brüllte ich: »Hau endlich ab und lass mich zufrieden!«
»Möchtest du das wirklich?«, fragte er.
Der herausfordernde, provozierende Ton war verschwunden, und Selph wirkte todernst. Plötzlich war ich mir nicht mehr sicher. Was zum Teufel ging hier vor? Wer war dieses Kind?
»Ich weiß nicht«, stöhnte ich. »Ich bin völlig verwirrt.«
»Und du veranstaltest diesen ganzen Aufruhr nur, weil du dich nicht auf gewohntem Terrain befindest. Entspann dich, Mann. Sei locker. Du siehst ein einfaches Wunder, und zack... löst du dich auf.«
Er hockte sich vor mich hin und sprach zu mir, als sei ich das Kind und er ein reifer Erwachsener.
»Bitte«, sagte ich schwach, »erzähl mir nur, was zum Teufel hier vor sich geht.«
Er bot mir wieder seine Hand an. »Komm, lass uns am Strand spazieren gehen. Ich erkläre dir alles, und dann kannst du dich entscheiden.«
»Wofür soll ich mich entscheiden?«
Er grinste. »Ich habe es dir noch nicht erklärt.«
Ich seufzte und gab mich geschlagen. Dann ergriff ich Selphs ausgestreckte Hand und erlaubte ihm, mir auf die Füße zu helfen.
»Die erste Hürde ist genommen«, sagte er. »Was meinst du? Welche Hürde?«
Selph blickte zum Himmel auf, als ob er nach dem Fischadler Ausschau hielte, und schaute mich dann ernst an. »Ich meine, dass du dir nicht gern helfen lässt. Du fühlst dich schnell verletzt. Du magst die Menschen nicht. Du führst dich auf, als sei dein Rückenproblem der Weltuntergang, und du gibst deiner Frau die Schuld dafür, dass sie dich verlassen hat. Und als ob das alles noch nicht reichen würde, tust du .«
»Für wen hältst du dich eigentlich?«, unterbrach ich ihn wütend.
»Ich sagte es bereits.«
»Nein, das stimmt nicht. Du sagtest, dein Name sei Selph. Das sagt mir gar nichts!«
Seine Augen blickten hart und passten nicht zu dem runden, sanften Gesicht.
»Und du spielst gern Spielchen. Du kannst deine eigene Realität nicht ertragen. Du magst dich selbst nicht, oder?«
Ich starrte ihn an, unfähig zu antworten. Ich verstand überhaupt nichts mehr. Dieser fette Junge sprach einfach alles an, was ich an mir hasste. Er schien in mich hineinblicken zu können. Wie? Ich dachte an den toten Fischadler. Wie war es möglich gewesen, dass er ihn hatte fliegen lassen? War es eine Illusion gewesen?
Ich seufzte tief. Das Unbekannte war zu groß. Ich konnte dieses Problem nicht zu Ende denken. Nichts von dem, was er tat oder sagte, passte in meine alltägliche Realität. Was hatte er gesagt? Er sei mein Lehrer! Lächerlich!
Er kam mir nicht entgegen. »Wenn du dich erinnerst, sagte ich dir bereits, wer ich bin, doch das war dir zu hart. Sag du mir lieber, wer ich bin. Vielleicht kannst du das aushalten.«
Ich starrte kläglich in den Sand; die Worte blieben mir im Halse stecken. Wie konnte dieser Junge mein Lehrer sein? Wenn solch ein Mensch in mein Leben treten würde, dann doch sicher nicht in Gestalt eines fetten Jungen!
»Ich kann dich nicht hören«, sagte er mit singender Stimme.
Wut stieg in mir auf, doch ich war mir schmerzlich bewusst, wie unangemessen dieses Gefühl war. Wut hatte sich dauerhaft in meinem Magen niedergelassen, und er schmerzte, wenn ich angespannt oder aufgeregt war. Wie jetzt zum Beispiel.
Ich schluckte hart, und die Worte bröckelten langsam aus meinem Mund.
»Du sagtest, du seist mein Lehrer.«
Er nickte. »Genau das tat ich.«
Schweigend gingen wir fast zwei Kilometer nebeneinander her. Ich war mir seines Schweigens bewusst. Irgendwie war es mehr als Schweigen, es war, als sei er gar nicht da. Ich fühlte mich, als ginge ich neben einem Geist. Trotz seiner augenscheinlichen physischen Anwesenheit hatte ich das deutliche Gefühl, allein zu sein. Mein Verstand reagierte seltsam taub, als ich versuchte, mich mit den Ereignissen auseinander zu setzen. Nichts passte. Die Sache mit dem Fischadler konnte nicht möglich sein, und doch hatte ich sie ganz klar beobachtet. Wie konnte ein Fremder - und dazu noch ein Junge - etwas über Amber und mich wissen? Wir hatten beide nicht über das, was geschehen war, gesprochen. Wie konnte er wissen, dass ich Menschen nicht mochte? Und er wusste von meiner Rückenverletzung! Woher?
Ich blickte aus dem Augenwinkel zu ihm hinüber. Abgesehen von seinen Augen und seinem kraftvollen Energiefeld wirkte er wie jeder andere übergewichtige fünfzehnjährige Junge, ein bisschen plump und formlos in den lächerlich langen Shorts und dem grellen T-Shirt. Und der wollte ein Lehrer sein? Mann, was konnte er mir, einem älteren und erfahrenen Erwachsenen, schon beibringen?
»Wie hast du den Trick mit dem Fischadler gemacht?«, fragte ich.
Selph blieb plötzlich stehen, die Hände in die Hüften gestützt, und starrte mich ärgerlich an. »Warum bestehst du darauf, saublöde Fragen zu stellen, deren Antwort du nicht verstehen würdest, selbst wenn ich sie dir gäbe? Die Frage, die du stellen sollst, ist >WarumIn diesem Augenblick wurde mir klar, dass er die Kontrolle hatte. Entweder spielte ich nach seinen Regeln, oder es würde kein Spiel geben. »In Ordnung, du hast gewonnen. Sag mir, warum du einen toten Fischadler zum Leben erweckt und ihn zum Fliegen gebracht hast.« Bei dieser Frage kam ich mir wie ein Geistesgestörter vor.
»Ich tat es, um deine Aufmerksamkeit zu gewinnen.«
Ich glotzte ihn an. »Das ist dir verdammt noch mal tatsächlich gelungen! Doch warum?«
Er lächelte entwaffnend. »Weil ich, als dein Lehrer, beschloss, mich dir mit einem spektakulären und nicht zu leugnenden Tusch zu präsentieren.«
Mit offenem Mund gelang es mir, ein paar unzusammenhängende Worte auszuspucken: »Ah ... äh ... aber ... was?«
Sein Gesicht war offen und klar. »Hättest du mir geglaubt, wenn ich einfach zu dir gekommen wäre und dir gesagt hätte, dass ich dein lange erwarteter kosmischer Lehrer sei?«

Produktinformationen

Titel: Der Junge ohne Schatten
Untertitel: Roman
Autor: Michael Roads
Übersetzer: Christiane Sautter
EAN: 9783453700055
ISBN: 978-3-453-70005-5
Format: Taschenbuch (kartoniert)
Herausgeber: Heyne Taschenb.
Genre: Romane & Erzählungen
Anzahl Seiten: 464
Gewicht: 372g
Größe: H185mm x B118mm x T31mm
Veröffentlichung: 01.12.2004
Jahr: 2004
Auflage: 5. A.
Land: DE

Filialverfügbarkeit

Adliswil
Adresse Albisstrasse 10
8134 Adliswil
Öffnungszeiten
Montag
Dienstag
Mittwoch
Donnerstag
Freitag
Samstag
PLZ, Ort, Name Es wurde kein Treffer gefunden. Bitte geben Sie eine gültige PLZ oder einen gültigen Ort ein. Bitte geben Sie eine PLZ oder einen Ort ein. Dieses Produkt ist in NUMBER Filialen verfügbar Dieses Produkt ist momentan nur im Online-Shop verfügbar. NUMBER Stk. verfügbar Kein aktueller Lagerbestand verfügbar. Detailkarte Detailkarte in einem neuen Fenster anzeigen Route berechnen Route in einem neuen Fenster berechnen Adresse Telefon Öffnungszeiten NUMBER Stk. verfügbar Nicht an Lager Die nächste Filiale finden Es gibt keine Geschäfte in 20 Kilometer Reichweite
  • Geben Sie die Postleitzahl, den Ortsnamen oder den Namen einer Filiale in das Suchfeld ein
  • Klicken Sie auf den "Pfeil"-Button, rechts neben dem Eingabefeld
  • Wählen Sie eine Filiale in der Trefferliste aus

Die nächste Filiale auch mobil finden Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag
Die nächste Filiale finden
  • Geben Sie die Postleitzahl, den Ortsnamen oder den Namen einer Filiale in das Suchfeld ein
  • Klicken Sie auf den "Pfeil"-Button, rechts neben dem Eingabefeld
  • Wählen Sie eine Filiale in der Trefferliste aus

Die nächste Filiale auch mobil finden