

Beschreibung
Anil Tissera kehrt nach Jahren zurück in ihre Heimat Sri Lanka. Als Rechtsmedizinerin soll sie Beweise dafür liefern, dass in dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Land nicht nur Rebellen Terror ausüben, sondern auch die Regierung. Es beginnt eine spannende Spurensu...Anil Tissera kehrt nach Jahren zurück in ihre Heimat Sri Lanka. Als Rechtsmedizinerin soll sie Beweise dafür liefern, dass in dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Land nicht nur Rebellen Terror ausüben, sondern auch die Regierung. Es beginnt eine spannende Spurensuche, die ganz unterschiedliche Menschen zusammenführt.
"Wie Ondaatje die Geschichte erzählt ist bewundernswert und würde allein diesen Roman zu einem großartigen, mitreißenden und berührenden Buch machen." Peter Michalzik, Frankfurter Rundschau, 18.10.2000 "In einer brillanten Kollage zeigt Ondaatje die Zusammenhänge auf von Religion und Tradition, Mystik und Magie, Rassenunterschieden und Ressentiments. Geschichte trifft Gegenwart und bleibt ein Rätsel... Anils Geist: Michael Ondaatjes herausragender Sri Lanka-Roman!" Jürgen Deppe, Kulturreport, 13.08.2000 "Unglaubliche Bilder. Bilder von einer choreographischen Schönheit, die einem wirklich den Atem verschlägt... Das größte Kompliment, das man einem Autor machen kann, ist wenn der Geist eines Buches es schafft, einen Leser innerlich, psychisch, seelisch zu verändern. Und das schafft Ondaatje." Denis Scheck, Kulturzeit, 3sat, 23.08.2000 "Bildgewaltig und meisterhaft gebaut: Vor dem Hintergrund einer traumhaft schönen Landschaft und einer uralten Kultur erzählt Michael Ondaatje von dem Verlust von Identität, Familie, Liebe und Leben." Karin Weber-Duve, Brigitte, 23.08.2000 "Ähnlich glanzvoll wie dem Amerikaner Don DeLillo in seinem Roman "Unterwelt", gelingt es Ondaatje, Zeitgeschichte ganz aus der individuellen Biografie seiner Figuren heraus glaubhaft und spannend zu erzählen. ... so ergibt das furiose Kaleidoskop von "Anils Geist" eine an eleganter Stringenz kaum zu überbietende Handlung, deren kühne Perfektion sich erst bei einer zweiten und dritten Lektüre ganz erschließt." Denis Scheck, Die Welt, 26.08.2000 "Dieser Roman ist ein Rohdiamant, funkelnd nach allen Seiten, immer neue Blicke und Reflexionen auf sich ziehend. Gedanklich und bildlich fügt er sich wie ein logischer Baustein in das schöne OEuvre Michael Ondaatjes." Ursula März, Die Zeit, 07.09.2000"Was dieses Buch so spannend und lesenswert macht, ist seine Vielschichtigkeit und das umfangreiche Wissen, das wie nebenher einfließt - über die politischen Zustände in Sri Lanka, über seine Kunstschätze und jahrtausendealte Kultur, aber auch über Archäologie, Forensische Medizin. Welches Gebiet der Autor auch berührt, er betritt sicheren Boden. Und all die vielen Geschichten gewaltsam abgebrochener Leben, die vielen eindrücklichen, in harten Schnitten gegeneinander gesetzten Szenen, die großartigen Beschreibungen versunkener Klöster und gestürzter Buddhastatuen werden zusammengehalten von einer düsteren, beklemmenden Schönheit, die aus der Sprache kommt, und von den unbeantworteten Fragen nach dem lückenlosen Nebeneinander menschlicher Großmut und menschlicher Niedertracht." Anna Migutsch, Der Standard, 02.09.2000 "Ondaatje entwirft Szenen von so origineller Wucht, dass sie dem Gedächtnis auch dann noch eingeprägt bleiben, wenn man ihr narratives Umfeld vergessen hat. ... Auch "Anils Geist" enthält einen ganzen Reigen solcher im wortwörtlichen Sinn unvergesslicher Bilder, TABLEAUX VIVANTS, an deren perfekter Choreographie man sich berauschen kann und soll." Denis Scheck, Die Welt, 26.08.2000 "'Anils Geist' ein Roman aus Sri Lanka, zeigt Ondaatje auf der Höhe seines Könnens. ... In seinen Romanen ist der Weg das Ziel. Seine Werke sind vielstimmige Riffs, so lange geschichtet und gestaffelt, bis aus ihrer Tiefe eine mythische Wahrheit an die Oberfläche steigt. ... Immer wieder gelingen Ondaatje jene großartigen, pathetischen Szenen, die ihm den Ruf eingetragen haben, ein in Filmbildern denkender Schriftsteller zu sein. ... Mit großer Sinnlichkeit zelebriert Ondaatje vor dem Hintergrund der Inselnatur einfache Augenblicke des Tanzens, Essens oder Schwimmens, jene "süße Begegnung der Welt.""Susanne Weingarten, Der Spiegel, Nr. 39, 25.08.2000
Autorentext
Michael Ondaatje, 1943 in Sri Lanka geboren, lebt heute in Toronto. Mit seinem Roman »Der englische Patient« (Hanser, 1993), für den er den Man Booker Prize und zum 50-jährigen Jubiläum des Preises im Jahr 2018 den Golden Man Booker Prize erhielt, wurde er weltberühmt. Im Hanser Verlag erschienen zuletzt »Buddy Boldens Blues« (1995), »Die gesammelten Werke von Billy the Kid« (1997), »Anils Geist« (Roman, 2000), »Handschrift« (Gedichte, 2001), »Divisadero« (Roman, 2007), »Katzentisch« (Roman, 2012) und »Kriegslicht« (Roman, 2018).
Leseprobe
Anil, Sarath, Palipana und das Mädchen hatten das rechteckige Holzgerüst eines ambalama erreicht, in dem sie nun saßen, eine Öllampe in der Mitte. Der alte Mann hatte hingedeutet und gesagt, dort könnten sie sich vielleicht unterhalten und sogar übernachten. Der Holzbau hatte keine Wände und ein hohes Dach. Reisende oder Pilger suchten seinen Schat-ten und seine Kühle tagsüber auf. Nachts war er nur ein von Dunkelheit durchdrungenes Holzskelett, dessen wenige Pfosten ein Gefühl der Ordnung schafften. Ein Gebäude, auf Fels gebaut. Ein Heim aus Holz und Felsgestein.Es war fast dunkel, und sie konnten die Luft riechen, die über das Wasser des pokuna zu ihnen wehte, konnten das Geraschel unsichtbarer Geschöpfe hören. Jeden Abend wanderten Palipana und das Mädchen von ihrer Waldlichtung her, um in dem ambalama zu schlafen. Er konnte über den Rand der Plattform Wasser lassen, ohne das Mädchen wecken und sich von ihm führen lassen zu müssen. Dort lag er und nahm die Geräusche aus dem Meer der Bäume ringsum wahr. Weiter weg gab es Kriege des Schreckens, wo die Schützen in die Detonation ihrer Geschosse verliebt waren, wo der Hauptzweck des Krieges der Krieg geworden war.Das Mädchen befand sich zu seiner Linken, Sarath zu seiner Rechten, die Frau ihm gegenüber. Er wußte, daß die Frau jetzt aufstand, daß sie entweder zu ihm sah oder über ihn hinaus zum Wasser. Auch er hatte das Aufklatschen gehört. Irgendein Wassertier in dieser stillen Nacht. Aus den Bäumen kam ein Truthahngeier. Zwischen ihm und der Frau - auf dem Felsen, neben der ockergelben Lampe - war der Schädel, den sie mitgebracht hatten."Es gab einen Mann, der Augen malte. Er war der beste, den ich kannte. Aber er hat aufgehört.""Augen zu malen?"Er hörte die neuerwachte Neugier in ihrer Stimme."Es gibt ein Zeremoniell, mit dem sich der Künstler in der Nacht, bevor er die Augen malt, vorbereitet. Ihr müßt wissen, daß er nur kommt, um die Augen auf das Buddhabildnis zu malen. Die Augen müssen um fünf Uhr morgens gemalt werden. Zu der Stunde, da Buddha der Erleuchtung teilhaftig wurde. Das Zeremoniell beginnt also am Vorabend - der Tempel wird geschmückt, heilige Texte werden rezitiert.Ohne die Augen herrscht nicht nur Blindheit, sondern das Nichts. Es gibt kein Sein. Der Künstler erweckt Sicht und Wahrheit und Gegenwart zum Leben. Später wird man ihn mit Geschenken ehren. Ländereien oder Ochsen. Er tritt durch die Türen des Tempels. Er ist wie ein Fürst gekleidet, juwelengeschmückt, mit einem Schwert umgürtet, Spitze auf dem Kopf. Er wird von einem zweiten Mann begleitet, der Pinsel, schwarze Farbe und einen Metallspiegel trägt.Er ersteigt eine Leiter vor der Statue. Sein Begleiter ersteigt sie ebenfalls. Das ist seit Jahrhunderten so, versteht ihr, es gibt Aufzeichnungen darüber seit dem neunten Jahrhundert. Der Maler taucht einen Pinsel in die Farbe und kehrt der Statue den Rücken zu, so daß es aussieht, als stehe er im Begriff, von den großen Armen umschlossen zu werden. Die Farbe auf dem Pinsel ist naß. Der andere, der ihm gegenübersteht, hält den Spiegel hoch, und der Künstler hält den Pinsel über die Schulter und malt die Augen, ohne das Gesicht unmittelbar anzusehen. Er läßt sich nur von der Widerspiegelung leiten - so daß lediglich der Spiegel das direkte Bild des Blicks empfängt, der geschaffen wird. Kein menschliches Auge darf dem des Buddhas beim Prozeß seines Entstehens begegnen. Um ihn herum werden die Mantras g…