

Beschreibung
Wenn Miri mit ihren 22 Jahren eins gelernt hat, dann, niemanden zu nah an sich heranzulassen und sich ganz auf ihre Beachvolleyball-Karriere zu konzentrieren. Als Nachwuchsstar Julian Andersen sie einlädt, mit ihm in Málaga ein Turnier zu spielen, scheint ihr ...Wenn Miri mit ihren 22 Jahren eins gelernt hat, dann, niemanden zu nah an sich heranzulassen und sich ganz auf ihre Beachvolleyball-Karriere zu konzentrieren. Als Nachwuchsstar Julian Andersen sie einlädt, mit ihm in Málaga ein Turnier zu spielen, scheint ihr großer Traum zum Greifen nah. Doch die drei Wochen an der Costa del Sol verlaufen anders als geplant. Denn da ist Max, ein junger Sozialarbeiter, der mit seiner einfühlsamen Art und seinem tiefen Glauben Facetten in Miri berührt, die sie längst vergessen hatte. Plötzlich geht es um weit mehr als nur Volleyball um eine Entscheidung, die ihr Leben verändern könnte.
Autorentext
Maya Knodel wurde 1995 in Köln geboren. Sie liebt es nicht nur, sich an schöne Orte zu träumen, sondern lebt selbst mit ihrem Mann seit 2022 in Málaga, Spanien. Wenn sie nicht gerade in einem Café sitzt und an einer Szene feilt, schreibt sie freiberuflich für christliche Organisationen und Zeitschriften. Instagram: maya.knodel
Leseprobe
Der Boden erzitterte. Ein schriller Ton durchzog den Raum. Danach Stille. Alle hielten die Luft an. Ihre Lunge brannte, aber Miri konnte sich nicht erinnern, wie sie Luft holen sollte. Die roten Signallampen leuchteten erbarmungslos durch ihre geschlossenen Lider. Wieder ein Piepsen. Dann der Fall ins Bodenlose. Jetzt war es so weit. Gleich würde sie sterben. Eine Welle der Panik überrollte sie. Und da war noch etwas. Angst. Bedauern. Sie war nicht vorbereitet. Es gab noch so viel, was sie erleben wollte. Ziele, die sie erreichen wollte. Musste. Ein dumpfer Schmerz ließ sie aufschreien. Für einen kurzen Moment blinzelte sie. Die Nägel ihrer Sitznachbarin gruben sich in ihren Unterarm. Wie hieß sie noch gleich? Namen, die zur Begrüßung ausgetauscht wurden, hatte sie sich noch nie merken können. Der Boden zitterte erneut. Dann ein Schlag, als hätte jemand von unten gegen ihre Füße getreten. Allmählich hielt sich die Kabine wieder in der Waagerechten, doch noch traute Miri der Ruhe nicht. Seit sie den Flughafen in Köln verlassen hatten, wurde das Flugzeug von einem Luftloch ins nächste gesogen. Immer wieder schrillten Durchsagen durch die Kabine, dass es starke Turbulenzen gebe und alle unbedingt auf ihren Plätzen bleiben sollten. Als ob ich bei dem Schaukeln vorgehabt hätte, mich auf den Weg zum Klo zu machen. Wobei sich ihre Blase tatsächlich schon seit einiger Zeit bemerkbar machte. Vor Aufregung hatte Miri am Flughafen drei Flaschen aus ihrem Maracuja-Smoothie-Vorrat hintereinander getrunken. Ihr war ganz flau im Magen. Aber das lag nicht nur an der Kombination aus Fruchtzucker und Luftlöchern. Sie war im Begriff, etwas Großes zu tun. Drei Wochen Málaga. Das war nicht einfach ein Urlaub, bei dem sie sich die andalusische Sonne auf den Bauch scheinen lassen und von einem Tapas-Restaurant zum nächsten schlendern würde wobei das natürlich ein schöner Nebeneffekt sein könnte und sie sich auf jeden Fall durch die spanische Küche probieren wollte. Aber sie war auf dem Weg an die Costa del Sol, um endlich ihren Kindheitstraum wahr werden zu lassen. Ein warmer Schauer lief über Miris Rücken, als sie daran dachte und vertrieb den Rest ihrer Panik. Seit sie denken konnte, hatte sie davon geträumt, Profisportlerin im Beachvolleyball zu werden. Und in den nächsten drei Wochen würde sich entscheiden, ob dieser Traum endlich Wirklichkeit werden würde. Miri holte tief Luft und war erleichtert, dass sich ihre Lungen endlich wieder anständig mit Sauerstoff füllten. Sie hatten die Schweizer Alpen hinter sich gelassen und die Wolkendecke unter ihr, die von der Sonne angestrahlt wurde, sah aus wie ein riesiger Wattebausch, den jemand auseinandergerupft hatte. Sie lehnte ihren Kopf an die kalte Glasscheibe. Miri hätte stundenlang so aus dem Fenster schauen und ihren Gedanken freien Lauf lassen können. Hier oben fühlte es sich an, als wäre das reale Leben ganz weit weg. Man hatte irgendwie einen besseren Überblick über sein Leben. Und leider auch einen besseren Zugang zu seinen Gefühlen etwas, was Miri eigentlich um jeden Preis vermied. Als sie sich in der Kabine umsah, war sie überrascht, dass keine einzige Person aus dem Fenster schaute. Alle waren zu sehr damit beschäftigt, auf ihre Handys und Laptops zu starren, beantworteten Nachrichten oder guckten Filme. Miri schüttelte den Kopf und schob sich eine Haarsträhne hinters Ohr, die sich aus ihrem Pferdeschwanz gelöst hatte. Die Sonne tauchte die oberste Wolkendecke jetzt in ein zartes Orange. Vor vier Wochen war plötzlich die Anfrage von Julian Andersen gekommen, ob Miri bei einem Trainingscamp für die Beachvolleyball-Meisterschaften dabei sein und während ihrer Zeit in Málaga mit ihm zusammen ein Mixed-Turnier spielen wollte. Seine Spielpartnerin hatte sich das Bein gebrochen und würde für das Turnier und das Trainingscamp ausfallen. Bei dem Camp waren zwar nur die besten deutschen Nachwuchstalente dabei, aber beim Turnier würden sie auch auf internationale Paare treffen. Miris Haut fing immer noch an zu prickeln, wenn sie daran dachte, wie Manni, ihr Trainer, sie nach einem Spiel beiseitegenommen hatte. Manfred war Mitte fünfzig, hatte zwar einen Körper wie ein Bodybuilder, aber eine Ausstrahlung wie ein Rentner auf Beruhigungsmittel. Mit tiefer, ruhiger Stimme hatte er ihr erst von der E-Mail und dann von dem Telefonat berichtet, das er am Vortag mit dem Manager des Sportlers geführt hatte. Aus seinem Mund hatte es geklungen, als würde er ihr vom letzten Hundespaziergang seiner Nachbarin erzählen. Die monotone Art, wie er ihr den Wortwechsel beschrieben hatte, hatte keinen Hinweis darauf gegeben, was er selbst davon hielt. Miri hingegen hatte angefangen zu quieken und war vor Aufregung mehrmals im Kreis gehüpft. Sie hatte sich erst wieder zusammenreißen können, als sich einige Zuschauer, die gerade im Begriff gewesen waren, die Halle zu verlassen, zu ihr umgedreht und sie argwöhnisch gemustert hatten. Julian Andersen, der heißeste Typ, den man sich vorstellen konnte, und einer der vielversprechendsten Anwärter auf den Profivolleyball in Deutschland, der einen Preis nach dem anderen absahnte, wollte mit ihr spielen? Sie konnte es kaum fassen. Das musste ein Wink des Schicksals sein. Nicht dass sie an so was glauben würde. Aber das war einfach zu wundervoll, um wahr zu sein. Jemand tippte ihr sanft auf die Schulter und Miri zuckte zusammen. Eine Stewardess schaute sie fragend an und sah aus, als warte sie auf eine Antwort. »Wie bitte?«, fragte Miri und erntete einen genervten Blick aus zwei perfekt geschminkten Augen, die Ähnlichkeit mit denen einer Katze hatten. Anscheinend war sie so in Gedanken versunken gewesen, dass sie gar nicht gemerkt hatte, wie das Kabinenpersonal begonnen hatte, Essen auszugeben. Noch so eine Sache, die sie immer noch nicht fassen konnte: Julian hatte darauf bestanden, für sie die Flugtickets zu bezahlen, und hatte für sie prompt ein Ticket in der Business Class gebucht wahrscheinlich würde sonst auf einem dreistündigen Flug gar keine Verpflegung angeboten. Ein bisschen fehl am Platz kam sich Miri schon vor. Aber insgeheim genoss sie das Gefühl, sich wichtig vorzukommen was sich, wie sie fand, automatisch einstellte, wenn man als einer der Ersten das Flugzeug betreten durfte und auf der anderen Seite des Vorhangs saß. »Und?«, fragte die Dame mit den Katzenaugen erneut und tippte dabei ungeduldig mit dem Finger auf den Wagen. Miri hatte schon wieder vergessen, was sie gesagt hatte, was es zu essen gab. »Das Vegetarische, bitte«, sagte sie schnell. Sie war sich nicht sicher, ob ihr Magen sich von der Kombi aus Smoothie und Achterbahnfahrt schon wieder erholt hatte. Als sie den Deckel anhob und Nudeln mit grüner Soße, die wohl als Pesto durchgehen sollte, erblickte, bereute sie ihre Wahl. Die Frau neben ihr packte währenddessen ein Hähnchenfilet mit Kartoffelecken aus. Na toll. Vegetarisch ist bei den Schönen und Reichen wohl nicht so angesagt. »Urlaub oder Familie?«, kam es schmatzend vom Nachbarsitz. »Was?«, fr…
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