
Haben Sie noch nichts passendes gefunden? Stöbern Sie durch unser komplettes Sortiment.
Oder melden Sie sich an bzw. registrieren Sie sich.


Beschreibung
Norddeutschland, 1861: Karoline Dierks leidet an Schwindsucht und hat ihre Träume von einem glücklichen Leben längst aufgegeben. In der Hoffnung, dass das dortige Klima ihre Rettung sein könnte, schicken ihre Eltern sie als Missionarsbraut ins südliche Afrika....Norddeutschland, 1861: Karoline Dierks leidet an Schwindsucht und hat ihre Träume von einem glücklichen Leben längst aufgegeben. In der Hoffnung, dass das dortige Klima ihre Rettung sein könnte, schicken ihre Eltern sie als Missionarsbraut ins südliche Afrika. Karoline graut vor der weiten Reise fast noch mehr als vor der Hochzeit mit einem Fremden, doch aus Liebe und Ergebenheit ihren Eltern gegenüber willigt sie ein. Bei ihrer Ankunft erwartet sie jedoch eine erschütternde Nachricht. Was soll sie jetzt nur machen? Und wem kann sie in diesem fremden Land wirklich trauen? Karoline hadert immer mehr mit ihrem Schicksal und versinkt in Lethargie. Als sie völlig berraschend Zeugin einer Gewalttat wird, kann sie jedoch nicht länger untätig bleiben
Autorentext
Maria Albers, 1997 in Norddeutschland geboren, ist verheiratet, Mutter von drei Kindern und lebt mit ihrer Familie in Südafrika. Ihre Geschichten handeln von Liebe, Abenteuern und Geheimnissen in vergangenen Zeiten. www.maria-albers.de Instagram: maria_albers_autorin
Leseprobe
Lina lag auf ihrem Bett und starrte an die Decke. Mit ihrem Blick fuhr sie die Maserung des Holzes nach. Sie sah Tiere und Figuren in den Mustern, ähnlich, wie wenn man den Himmel betrachtete und sich plötzlich ein Schwein oder ein Hahn aus den Wolken bildete. Mit dem Unterschied, dass sich ihre Zimmerdecke nicht veränderte und sie seit achtzehn Jahren die gleichen Tiere betrachtete. Da waren das Astloch, das wie das Gesicht eines Frosches aussah, und die Linien, die Wellen glichen, aus denen sich eine Meerjungfrau erhob. Sie erschienen ihr wie alte Freunde. Lina atmete tief ein und aus, dankbar, dass sie im Moment nicht husten musste. Allerdings schmerzte ihre ganze Lunge, als wäre sie wund. Zudem hatte sich eine leichte Übelkeit in ihr breitgemacht und sie fühlte sich noch schwächer als sonst. Vater hatte große Hoffnungen in diese neue Behandlungsmethode gesetzt, doch seit nunmehr zehn Monaten ließ sie die ganze Prozedur jede Woche über sich ergehen und noch immer ging es ihr nicht besser. Heute hatte Dr. Stallmann sogar selbst zugegeben, dass sich ihr Zustand verschlechtert hatte. Ein Umstand, der ihr selbst nur zu bewusst war, zumal sie heute Morgen Blut gehustet hatte. Jetzt würden ihre Eltern vielleicht auch endlich einsehen, dass die Gastherapie nichts brachte! Dann könnte sie endlich damit aufhören und Und was? Einfach sterben? Wahrscheinlich würde es darauf hinauslaufen. Lina erschauderte bei dem Gedanken. Sie hatte nicht wirklich Angst vor dem Tod. Schließlich glaubte sie an das ewige Leben im Himmel, das allen Menschen zuteilwurde, die an Jesus Christus glaubten. Dennoch wünschte sie sich, gesund zu werden und noch länger zu leben. Überhaupt einmal anzufangen zu leben! Die Liebe zu finden, von der sie so oft las. Würde ihr das für immer verwehrt bleiben? Das wusste niemand, aber eine Sache wusste Lina mit Gewissheit: Sie wollte Dr. Stallmann am liebsten niemals wiedersehen. Hoffnung, dass er ihr helfen konnte, hatte sie schon lange nicht mehr. Warum also sollte sie diese Tortur wieder und wieder erdulden? Vielleicht sollte sie diese Frage ihren Eltern stellen. Bisher hatte sie alles getan, was sie von ihr verlangten. Ohne zu klagen, hatte sie jede Therapie ertragen, jede Medizin geschluckt, jede Untersuchung mitgemacht. Aber jetzt konnte sie nicht mehr. Die Bekämpfung ihrer Schwindsucht schwächte sie mindestens so sehr wie die Krankheit. Selbst wenn die Entscheidung, die Behandlung zu beenden, ihren Tod bedeuten sollte, so würde sie ihre letzten Tage wenigstens in Frieden verbringen. Lina stemmte ihren Oberkörper mit den Armen hoch. Kaum hatte sie eine sitzende Position erreicht, musste sie erst einmal verschnaufen. Zehn Atemzüge später fühlte sie sich kräftig genug, um aufzustehen. Sie würde jetzt nach unten in die Stube gehen und mit ihren Eltern sprechen. Die Bodendielen knarzten leise unter ihren Schritten. Als sie von Dr. Stallmanns Praxis nach Hause gekommen war, hatte sie sich sofort erschöpft ins Bett gelegt, sogar zu schwach, um sich vorher zu entkleiden. Dafür konnte sie sich jetzt unverzüglich zur Treppe begeben. Sie klammerte sich ans Geländer und nahm Stufe für Stufe nach unten. Ein Kleinkind wäre schneller als sie hier hinuntergekommen. Ihre Mutter sprang aus einem Sessel hoch, als sie sie entdeckte. »Linchen! Geht es dir besser?« Lina wiegte nur unbestimmt den Kopf hin und her. Sie wollte ihr keine falschen Hoffnungen machen. »Bitte setz dich. Brauchst du eine Decke? Oder noch ein zusätzliches Kissen?« Lina lächelte schwach und ließ sich auf den Sessel sinken, der am nächsten zum prasselnden Feuer im Kamin stand. Der Weg hierher hatte sie stärker angestrengt, als sie gedacht hätte. Sie atmete mehrmals tief durch, bevor sie aufblickte und ihren Vater auf dem Sofa ihr gegenüber entdeckte. Er hatte noch nichts gesagt, sondern blickte sie nur stumm an. Seine Stirn war in nachdenkliche Falten gezogen und mit einer Hand strich er sich immer wieder über seinen Bart, der ebenso wie das Haar an den Schläfen mit grauen Strähnen durchzogen war. »Vater, ist alles in Ordnung?« Er blinzelte und lächelte sie an. »Natürlich, mein Kind. Ich freue mich, dass du uns hier unten Gesellschaft leistest. Hast du Dr. Stallmanns Therapie heute besser vertragen?« Lina holte tief Luft und biss die Zähne zusammen, als ihre Lunge dabei schmerzte. Jetzt musste sie es einfach ansprechen. Eine bessere Gelegenheit würde sich nicht ergeben. »Darüber wollte ich mit euch sprechen.« Ihre Eltern wechselten einen flüchtigen Blick und schauten sie dann wieder an. Erwartungsvoll, ängstlich oder doch eher traurig? Linas Kehle fühlte sich mit einem Mal rau an. Sie hatte sich ihren Eltern noch nie entgegengestellt. Zumindest nicht, seit sie erkrankt war. Wussten sie am Ende nicht doch, was am besten für sie war? Sie taten alles, damit sie wieder gesund wurde, und hatten bereits so viel geopfert. Dr. Stallmanns Therapien waren unangenehm, sogar schmerzhaft. Aber war es nicht wert, das zu ertragen, wenn sie ihren Eltern so mehr Hoffnung auf ihre Genesung schenken konnte? »Ich wollte nur fragen ob vielleicht « Sie holte noch einmal tief Luft. »Wisst ihr, wie oft Dr. Stallmann mich noch behandeln möchte? Hat er etwas gesagt?« Ihre Mutter sank, sichtlich entspannter, tiefer in den Sessel. Vater hingegen schaute so nachdenklich wie zuvor. Das Ticken der Standuhr füllte die Stille, die nach ihrer Frage entstanden war. Sie zählte zwölf Sekunden, bevor ihr Vater zu einer Antwort ansetzte. »Ich denke nun schon länger über die Wirksamkeit der Gastherapie nach. Inzwischen hätte sich längst eine Besserung zeigen müssen. Aber im Gegenteil! Nach der Therapie bist du so geschwächt, dass du oft für Tage deine Kammer nicht verlassen kannst.« Lina setzte sich auf. Würde er etwa von sich aus vorschlagen, die Therapie zu beenden? »Dr. Stallmann hat bereits vor einem Monat mit mir gesprochen«, fuhr ihr Vater fort. »Seiner Meinung nach kann dir nur noch eine Einlieferung in seine Klinik helfen. So könntest du rund um die Uhr gepflegt werden.« Lina sog scharf die Luft ein. »Allerdings bin ich anderer Meinung.« Die Worte ihres Vaters drangen nur langsam in ihr Bewusstsein. Sie war wie erstarrt. »Ich habe in den letzten Wochen verschiedene Kollegen und ehemalige Kommilitonen besucht und sie nach ihrer Meinung gefragt. Einer von ihnen gab mir ein Buch von einem Dr. Brehmer. Seine Theorien sind revolutionär! Er sagt, dass Schwindsucht heilbar sei, wenn man sich in einem besonders günstigen Höhenklima aufhält.« »Aber Karl, darüber haben wir doch schon gesprochen!« »Magdalene, bitte lass mich ausreden.« Vater hob eine Hand und Mutter schloss ihren im Protest geöffneten Mund. »Dr. Brehmer hat vor sieben Jahren in Görbersdorf in Schlesien eine sogenannte Lungenheilanstalt gegründet. Inzwischen ist der Bau eines großen neuen Sanatoriums geplant, weil er so große Erfolge vorzuweisen hat.« Lina runzelte die Stirn und versuchte zu verstehen, was ihre Elter…
15%
